
Oh mein Gott, was für ein gütig blickender James Last auf dem Cover! Da fühlt man sich doch gut aufgehoben. Hat ein bisschen was Jesus-haftes, find ich. Mit gepflegteren Haaren, natürlich. Wir wissen ja alle, wie Jesus damals rumlief, mit diesen langen Zotteln. Und es gab bestimmt Leute, die James Last gern ans Kreuz genagelt hätten für seine Musik, höhö – um die Parallele noch weiterzuspannen.
Wir sind also gefangen in einer Welt aus Orange- und Brauntönen: Willkommen bei Non Stop Dancing 1972, Teil 2. Und es geht direkt los mit Deep Purples „Fireball“, bevor der heitere „Beautiful Sunday“ aufblüht und abgelöst wird von „Samson an delilah“... Neil Young befindet sich hier in heiliger Eintracht mit Tony Christie, Vicky Leandros und Giorgio Moroder. Was Sie besser nicht über 1972 gewusst hätten – hier erfahren Sie es. Für die Deep Purple-Fans mag es schmerzlich sein. Die Tony Christie-Fans sind durch den schmeichelnden Bigband-Sound versöhnt. Und den Giorgio Moroder-Käufern ist eh alles egal.
Musikalisch schneidet die Platte jedenfalls gut ab. Kickasst, hat wieder diese nebulösen Chorgesänge und ackert sich zügig durch einen Riesenpacken Hits. Groovt, hat Flow und Soul – um hier mal mit anglösen, nichtssagenden, wenn auch belobigenden Etiketten um mich zu schmeißen. Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll. Die Platte ist flott, hat Pep und macht einfach Laune.
Warum die Tracklist auf einem gelben Riesensticker hinten aufs Cover geklebt ist? Weiß ich auch nicht. Vielleicht ist die „Schöne Maid“ erst in allerletzter Sekunde mit drauf genommen worden. Und dafür flog der „Zug nach Nirgendwo“ raus oder so. Oder die Frau des Polydor-Chefs fand die Farbe so nett. Oder man hatte die Tracklist einfach komplett vergessen und es erst gemerkt, als alle Cover schon gedruckt waren. Danach waren im Umkreis von 500 km alle gelben Sticker ausverkauft, aber macht ja nichts.

Nein, das ist nicht Mike Krüger auf dem Cover. Das ist wirklich James Last. Gut, man hat ihn schon besser gekleidet gesehen, aber vermutlich ist Karneval.
Die Musik ist gut, fetzig, haut auf die Pauke. Aber liebe Leute – was ist denn mit dem Chor los? Sind ihm bei Strafe die Synkopen verboten? Da wünscht man sich ja Cindy und Bert herbei, die den Rosen aus Malaga wenigstens noch ein Fünkchen Leben einhauchen. Mein Gott, hab ich das grad wirklich geschrieben? Aber ja, genauso ist es.
Überhaupt, der Chor. Der singt hier in richtigen Sätzen. Und ist definitiv in den Vordergrund gemischt. Aber powermäßig ist das „Rolf und seine Freunde“-Niveau. Das muss die Blaupause der schrecklichen Hermes House Band gewesen sein. Hilfe.
Nee, ein Blumenpott ist damit nicht zu gewinnen. Und das geht auch schon sehr in die Richtung dieser Invasion der Cover-Compilations. Damals hieß das aber noch nicht Cover, sondern „nachgespielte Fassung“ oder so. Da sagt man immer, die 80er wären das Zeitalter der Cover-Versionen gewesen. Stimmt aber gar nicht. Wir alle hatten in den 70ern die Schränke voll mit Samplern, auf denen irgendwelche Studio-Combos die Charts nachgespielt haben. Möglichst naturgetreu kopiert, aber an winzigen Kleinigkeiten hat man´s dann doch immer gemerkt.
Kann man mir mal erklären, welchen Zweck diese Dinger hatten? Wer hat die gekauft? Die Oma, weil es schon gereicht hat, wenn „Schmidtchen Schleicher“ oder „Der große Zampano“ draufstand? Waren die irgendwie billiger? Partymusik für Schlechterverdienende? Ich kapier das nicht. Die haben auch schnell ziemlich geschmuddelt, die Kassettenhüllen von denen. Meistens waren da halbnackte Weiber vor quietschbuntem Hintergrund drauf. Oder Eintänzer, die auch nicht peinlicher aussahen als die Models auf meinen Rezeptkarten „Kinder feiern kleine Feste“.
Aber das hier ist ja wohl die Höchststrafe: der Refrain vom „Letzten Sirtaki“, müde und lustlos – und natürlich absolut synkopenfrei – runtergeleiert. Wenn das so weiter geht, wird das die erste James Last-Platte, die ich nicht zu Ende höre!
Von 1976 ist die Platte. Was mag da passiert sein, dass James Last so der Pep verlassen hat? Vielleicht Spätfolgen der Ölkrise. Oder übermäßigen Tritop-Genusses. Vielleicht hätte er dem Chor auch einfach nur die Löhne hochsetzen sollen. Oder ich sollte wieder umschalten auf 45. Ja, das könnte helfen, bevor mir hier vollends die Füße einschlafen.

Wie gesagt: Platten, die so richtig abschreckend wirken, sind oft die besten. Ännchen von Tharau ist nicht halb so albern wie das Dirndl-Mädchen mit den Phasenbildern auf dem Cover.
Gut, wer keine Volkslieder kennt, lernt sie mit dieser Platte auch nicht. Erstens werden immer nur Fragmente angespielt. Und zweitens sind die so kunstvoll ineinander verwoben, dass selbst Profis aufpassen müssen, dass sie keins verpassen. Zuzüglich der ganzen Arabesken und Ornamente, die draufgepappt werden, steigt man zum Teil nur noch schwer durch: was ist Volkslied, was Verzierung? Es sind allenfalls Reminiszenzen, die hier durch den Raum schweben.
Das allerdings mit lässigem Beat und viel Flow. Die Arrangements sind gerade zuckrig genug und so jazzig wie möglich, um Oma und Swing-Kenner gleichzeitig zu erfreuen. Einmal „Hab mein Wagen vollgeladen“, „Doktor Eisenbart“ und „Alle Vögel sind schon da“ gut durchgeschüttelt und mit Deko-Spießchen serviert...
Der Chor darf hier übrigens auch mal Fallerallali und Juchei singen. Ja, das ist super. Und James Last sieht auf dem Foto hintendrauf aus, als würde er in den Aufnahmepausen Trimm-Dich-Pfade einweihen. So soll es sein! Fehlt nur noch Wanderpräsident Carl Carstens. Aber der muss, glaub ich, erst noch Walter Scheel vom gelben Wagen stoßen...

So verwöhnt einen James Last also beim abendlichen Ausgehen. Schön-schön. Mit sexy Swing-Musik aus der Zeit vor den Non Stop Parties. Will sagen: ohne Partygeplapper. Und im Gegensatz zu den späteren Sound-Orgien auch noch etwas spartanischer instrumentiert.
Wunderbare Titel sind hier drauf: The theme from summerplace, A man and a woman, Moon River, Never on Sunday, Maria, Let the sunshine in etc.
Die Platte ist näher an klassischem Jazz dran als an Easy Listening, auch – oder gerade – weil es hier mitunter nach leicht plüschigem Tanztee riecht. Aber auch nach großen Ballsälen, in denen sich die Herrschaften in den teuren Roben und die Twist-Teenies gleichzeitig austoben können. Ich tippe auf die späten 60er. Und es bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als: spitzenmäßig leichthändiger Swing. Es klingt wirklich, als würde hier eine Combo ihre Instrumente grad mal mit dem kleinen Finger berühren, und schon flutscht alles. Perfekter Beat, grandioses Spiel und Timing, glänzender Sound, alles unwiderstehlich, zum Niederknien. Super, die Latin-Stücke, etwa „A man and a woman“ als Bossa. Ernsthafter insgesamt als die Nonstop-Platten – auch wenn hier schon manche schwungvolle Trompeten-Fanfare auftaucht und gute Laune verbreitet – hier passt ausnahmsweise mal die grüblerische Miene des Herrn auf dem Cover.
Obwohl er nicht ganz so verunsichert schauen bräuchte: „An evening out with James Last“ ist einfach ein Juwel. Eine Spitzen-Swing-Platte, die hundert Grammies und dreihundert Jazz-Preise verdient hätte.

...mit Berdien Stenberg
Oha, wer ist denn Berdien Stenberg? Wo heisst man so? Und warum dürfen nur hübsche blonde Flötistinnen mit auf´s Cover drauf? Warum nicht Gheorge Zamfir? Hat der vielleicht ´n Buckel?
Und das arme Orchester... Die stehen hier am Strand, angezogen wie für die Motto-Party „Beach-Zuhälter“ oder „Hawaiihemden-Casanova“. Steht bestimmt alles im Vertrag drin: „Herr Last geht morgens rum und legt Euch die Kleider raus.“ Und glaubt mir, er hat einen riesigen Fundus...
Er selbst hat sich obviously für einen weißen Anzug mit grauem Hemd und weißen Slippern entschieden. Ich tippe auf Baujahr ´86. Oh nein, hier steht´s ja: 1988. Es ist jedenfalls schon dieser Ich-hab-ein-Haus-in-Kalifornien-Chic. Die Koteletten sind ab, der Scheitel auch. Das Haar ist jetzt lässig nach hinten gefönt. Und die Ärmel sind selbstredend leicht nach oben geschoben. Zumindest auf dem Foto auf der Rückseite. So Howie-like. Der hat ja auch ein Haus in Kalifornien.
Hier steht James Last jetzt auch mal ausdrücklich als Producer drauf. Was ist aus Ton-Ingenieur Peter Klemt geworden? Er konnte mit dem weichgespülten Traumschiff-Sound nicht mehr leben, hoffe ich. Denn das ist einigermaßen grauenvoll, was hier aus den Boxen kommt. Streicher über Streicher in den höchsten Lagen, puffige Synthesizer und lauter so aseptisches Zeug. Eine labbrige Masse, die in jeden Winkel wabert. Pastellfarben und höchst unsexy. Viel jiddische Stücke sind drauf, aber auch spanische und bekannte Sachen wie „Paris s´eveille“ und das „Girl from Ipanema“, die die Platte nicht wirklich retten. Sommerlich soll sie klingen, das zumindest merkt man.
Wahrscheinlich ist an allem Miss Stenberg Schuld. Die hat´s auch geschafft, dass auf der Hülle tatsächlich zwei Make up-Hersteller, ein Hairstylist und ein Clothing Designer draufstehen. Der größte Witz ist aber folgender Satz: „Berdien Stenberg likes to thank Toyota for letting her drive in their nicely designed Supra“. Their „nicely designed Supra“! Da hätte ich als Toyota-Designer geklagt. „Von dieser Schl... lasse ich mein Auto nicht als ´nicely designed´ bezeichnen!“ Aber vermutlich müssen wir froh sein, dass sich der Sponsor mit diesem Sätzchen unten rechts zufrieden gab. Sonst ständ zwischen James Last und Berdien Stenberg, das Orchester verdeckend, jetzt noch ein „nicely designed Supra“. Naja, hätt bei der Platte auch nicht mehr viel kaputtgemacht.

Oh, da muss ich mich wohl korrigieren: ich sehe erst jetzt, dass das Wörtchen Nonstop sehr wohl bei James Last konsequent auseinandergeschrieben wird. Obwohl es doch dem ureigensten Gestus und der fundamentalen Aussage des Wörtchens Nonstop zuwiderläuft. Ist das nicht ein Witz? Das Wörtchen Nonstop mittendrin getrennt!
Nun, anyway. Wir befinden uns at the very Anfang der 70er. Die 68er sind gerade verpufft und haben James Last hübsche Liedchen hinterlassen, die sich wunderbar zu musikalischen Cocktailwürstchen verarbeiten lassen. Aber nicht nur Flower-Power-Songs, nein. James Last hat ja ein großes Herz und umarmt sie alle, die Lieder. Ganz gleich, wie sie sich anfühlen. Wenn er sie wieder loslässt, sehen sie eh alle gleich aus.
Also, sie sehen dann natürlich auch toll aus. Sexy, bunt, aufregend und tanzbar. Mein Gott, wie lang hab ich „Nacke-Di, Nacke-Du, Nacke-dei-dei-die“ nicht mehr gehört! Dürften auch bald 30 Jahre sein. Hätte man mich gefragt, hätte ich eh gesagt, das ist doch kein Lied! Das hat sich eine Zweijährige damals selbst ausgedacht. Sowas komponiert niemand ernsthaft und meldet es auch noch bei der Gema an, als könne man da wirklich jeden Furz anmelden. Doch. Herr Gietz kann. Und James Last lässt diese kompositorische Großtat dann elegant übergehen in „Honky Tonk Woman“. Ach, herrlich...
Ja, so tummeln sich hier die Beatles, die Stones, Zager & Evans und Creedence Clearwater Revival, die Bee Gees und das Musical Hair gemeinsam mit Wencke Myhre, Renate Kern und dem Sir Douglas Quintett. Heißt das so? Ich hoffe.
Folglich – besonders bei den Hair-Songs – gerät die Platte reichlich psychedelisch. Also, das wär schon wieder was für hippe Sixties-Discos. Kult, wie man so sagt. Dafür reicht eine Orgel, eine gute Rhythmus-Gruppe und ein fitter Ton-Ingenieur. Ich glaub, so hießen damals die Produzenten. Jedenfalls in dieser Sparte Musik. Vielleicht war James Last auch einfach unproduzierbar. Und das einzige, was ihm die Polydor auf´s Auge drücken konnte, war ein Ton-Ingenieur, damit´s im Studio nicht gar zu dolle herging.
Nein, dieser Ton-Ingenieur war wahrscheinlich einfach ein Ton-Ingenieur. Und mehr war vermutlich neben dem Orchester und dem genialösen Orchesterleiter nicht nötig. Dieser Ton-Ingenieur ist übrigens auf vielen James Last-Platten namentlich erwähnt: Peter Klemt. Er hat vorher auch mit Bert Kaempfert gearbeitet. Und in Interviews kann er sehr schön die unterschiedlichen Aufnahmemethoden von Kaempfert und Last erklären. Vor allem bei Kaempfert war es ja so, dass er mit minimalem Mikro-Aufwand gearbeitet hat. Da wurde dann das Orchester um das Mikro rumgruppiert – abstandmäßig so, dass die einzelnen Gruppen am Ende in gewünschter Lautstärke drauf waren. Und wenn nicht, justierte Kaempfert nach: „Ihr hier, ihr müsst leiser, damit man die da noch hört.“ Bei Last hörte sich das genau umgekehrt an: „Hey, die dahinten hört man gar nichts. Macht mal lauter. Und ihr auch lauter. Und ihr daneben auch.“ Das Ergebnis sind Musiker, die wahrscheinlich wirklich das Letzte aus sich herausholen. Das bringt die Ekstase! Das macht den Happy Sound! Die Musiker liegen danach ermattet unterm Sauerstoffzelt, aber macht ja nichts. Hat jemand mal das durchschnittliche Lebensalter der Kaempfert-Musiker mit dem der Last-Musiker verglichen? Hm. Aber der Happy Sound scheint zumindest den Orchesterleiter fit zu halten. James Last hat ja die 70 schon weit überschritten. Während Kaempfert nichtmal die 60 erreicht hat. Aber das kann andere Gründe gehabt haben. Wahrscheinlich zuviel Angeln und Brahmsee. Statt Golf und kalifornischer Strände.

Hits gespielt von der James Last Band.
Huch, wer ist das? Huch, wo war das letzte Lied zu Ende? Gar nicht. Das ist ja der Trick an den Nonstop-Platten. Sie stoppen nicht. Keine Leer-Rillen. Keine Pausen. Und die Leute im Hintergrund sind Party-Gäste. Winzig kleine Leute, mit in die Platte gepresst. Die Rille erweckt sie zu Leben... Und das ist der Trick der Party-Platten: eingebaute Stimmungsgarantie, falls die eigene Party so richtig floppt. Dann sitzen ein Haufen griesgrämige Menschen auf Sofas und halten sich an ihren Drinks fest. Aber aus den Boxen tönt lustiges Party-Geplapper!
Peinlich? Nein, gar nicht. Diese Menschen lauschen vermutlich hingerissen den Swing-Perlen, die aus den Boxen dringen. Denn James Last ist Experte für leichthändige Orchester-Arrangements, die – wenn man mal ehrlich ist – Tanzwütige, Spießer und Musikfans gleichermaßen begeistern müssten. Herrlich, diese Details. Die hört man natürlich nur, wenn man nicht tanzt, sondern stillsitzt und höchstens leicht wippt. Für alle Grobmotoriker gibt´s den Kickass, den Beat, die durchgehende Linie. Ach – und jetzt ein Schieber, ein langsamer Schwoof... „Green green grass of home“.
...nach dem furiosen Einstand mit „I´m a believer“ und „Good vibrations“. Dann „Dear Mrs. Applebee“, „Super Girl“, „Das Girl mit dem La La La“ und den „Spanish Eyes“. James Last bringt sie alle zusammen: die Beatkapellen, die Crooner, Schlagersänger und aus-dem-vorletzten-Jahrhundert-übriggebliebene-Schießbuden-Italiener. Eine große, bunte Welt. Hach, da sind ja auch noch die Beatles, Donovan, die Kinks und – Rex Gildo! Last bringt zusammen, was nicht zusammengehört. „No milk today“ auf der Oboe (?) geblasen, die Who („Happy Jack“) und Renate Kern („Laß den dummen Kummer“)... „Aaah, Bend it!“ Ja, mitunter tun die winzigen Menschen auf der Platte auch stolz kund, dass sie ein Lied schon an den ersten Tönen erkennen. Das nervt manchmal. Manchmal singen sie auch mit. Das ist noch schlimmer. Und trotzdem konnte es den Erfolg der Nonstop-Party-Platten nicht mindern. Ist das nicht das wahre Mysterium dieser Scheiben? Wieso konnten sie solche Hits werden, obwohl oft auch dieser komische Gesang mit drauf ist???

28 immergrüne Melodien zum Tanzen
Auch sehr schönes Cover, diese Platte. So sah das aus, wenn man in den 70ern Kunst machen wollte. Und gemacht hat! Ist doch wirklich gelungen: Bildmitte scharf, Rest unscharf und strahlenförmig von innen nach außen gehend. Hat so was Dynamisches, natürlich. Und dann diese Komposition aus Orange, Rot und viel Grün – schließlich geht es um Evergreens – Zwinker-Zwinker.
An dieser Stelle muss ich mal den Schriftzug von James Last loben. Diesen typischen, mit den runden, prallen Buchstaben. Die sehen ein bisschen aus wie aufblasbare Sitzmöbel. Man kann sie toll bunt ausmalen – also nicht ich, aber die Layouter. Ich hab sie wirklich schon in allen Farben des Regenbogens gesehen (die Buchstaben, nicht die Layouter). Je nachdem, welche Farben das Cover hatte. Sie haben so was Schwungvolles, Optimistisches. Und sie sind bis auf winzige Kapitälchen abgerundet: man sich nicht wehtun an ihnen. Also, wenn man dranstößt oder dagegen läuft. Und sie sind unzweifelhaft auch heute noch stylish – das muss man sich mal vorstellen! Wer mag sich das nur ausgedacht haben? Ich würd gern mal gratulieren kommen.
Und ich gratuliere auch zu der gelungenen Platte. Das ist wirklich ´ne feine Sache, diese Non Stop Evergreens. Warum wird „Non Stop“ hier eigentlich auseinander geschrieben? Bei den Nonstop Parties und Nonstop Dancing ist das ein Wort. Komisch. Bisschen inkonsequent. Egal.
Die Evergreens kommen ja naturgemäß nicht so penetrant up to date daher. Sie liegen halt so rum, seit Jahrhunderten. Schlafen ein bisschen. Und wenn man sie nett weckt, tun sie einem die Liebe und bewegen sich. James Last hat sie sehr nett geweckt. Und irgendwie ist diese Kombination aus alten Swing-Klassikern, Filmsongs und Traditionals zusammen mit hypermodernem Happy Sound schon apart. Das unwiderstehliche James Last Orchester walzt sie mit seiner Fröhlichkeit einfach nieder. Und wenn sie am Morgen danach einsam in ihre Schlafgrotten zurücktrotten, haben sie immer noch bunte Luftschlangen im Haar und Glitter auf den Wangen. Und ein süßes Lächeln im Gesicht...
Es ist schon eigenartig. Der Happy Sound hat was sehr Penetrantes, Rücksichts- und Respektloses. Gleichzeitig versucht er aber immer, die verwursteten Stücke gut aussehen zu lassen. Also doch liebevoll, wenn auch den Partyauftrag fest im Blick.
Und man muss sagen: Mann, oh Mann, das Orchester spielt mal wieder wie der Teufel. Geschmeidige Orgel, Bläser in Höchstform, ein Drummer mit mindestens zwanzig Zauberhändchen und einfach jedes Detail perfekt. Ein Dschungel von Sound! Tut mir leid, mir fehlen da die angemessenen Worte, aber es groovt einfach wahnsinnig. Hier wär man gern im Studio dabeigewesen – vorausgesetzt, die Musiker haben das synchron eingespielt.
Hier singt übrigens auch wieder der namenlose Chor mit. Bevorzugt auf die Silben La-Di-Da. Hat eigentlich mal jemand was über die Sprachlosigkeit solcher Chöre geschrieben? Was ist das? Wie nennt man das? Worte sind das nicht, Scatten geht auch anders. Nein, es ist wohl Silben-Chorgesang. Lustig finde ich, wenn dieser Chor dann ganz unvermittelt doch mal einen ganzen Satz singen darf, zum Beispiel „Don´t fence me in“. Da gab´s zwei Potpourris lang nur La-Ba-La-Ba, vielleicht noch La-Di und Na-Na. Und auf einmal: Don´t fence me in. Und dann versinken diese hörbar schönen Menschen – denn nur schöne Menschen singen in solchen Chören – wieder in Sprachlosigkeit. Bis auf ein mal – Ladada Ladada – Night and Day! Können die sich eigentlich in den Pausen noch richtig artikuliert unterhalten, diese Chorleute? Oder sind die auch innerhalb des James Last-Orchesters und auf Tourneen ghettoisiert, weil sie nur noch Na-Na-Na oder Ba-Di-Ba-Di radebrechen können? Verkümmert die Sprachfähigkeit, wenn man lange in solchen Chören singt? Sind diese Menschen alle geschieden? Zahlt James Last die Invalidenrente? Oder ist das schon das Gnadenbrot, dieser Backinggesang?
Zurück zu den Titelm: In the Mood ist auch noch drauf, La Bamba, Who´s sorry now, Rum and Coca Cola, Tea for two, Quando Quando, Day O, Sixteen Tons, Ain´t she sweet, Tom Dooley, Goody-Goody und so fort. Wirklich ein Swing-Festival mit üppiger Orchestrierung. Was ja auch so´n Kennzeichen des James Last-Sounds ist: Großzügigkeit. Hier noch ´ne Rassel, dort noch ´n Becken und hundert klatschende Hände – wir haben´s ja... Toll!

28 swingende Volkslieder mit Chor und Orchester Hans Last
Ah, hier ist endlich mal ein Chor auf dem Cover erwähnt. Aber wer bitte ist Hans Last? Na, James Last natürlich. Vor der Operation. Bevor ihm die Ärzte einen Schnauzer, Koteletten und eine schulterlange Matte angetackert haben. Der Taktstock war schon vorher angewachsen. Und das lässige Wippen mit der Hand war auch mit starken Medikamenten nicht wegzukriegen.
Nun, Ännchen von Tharau sieht aber auch nicht ganz gebacken aus. Mit diesen Schuhen hat vielleicht Neil Armstrong den Mond betreten – aber tanzen kann man damit nicht. Das zeigt das Cover auch ganz deutlich. Sieht ein bisschen aus wie eine Jugendsünde von Claudia Schiffer. Der einzige, den Ännchen von Tharau mit diesen Bewegungen erfolgreich zum Tanz auffordert, dürfte ihr Pfleger sein. Der ist hier leider nicht mit drauf. Schade. Aber vermutlich auf allen anderen James Last-Covers...
Es bewahrheitet sich allerdings eines, was man erst gar nicht so ahnt: die James Last-Platten, wo man denkt, die sind sicher ganz grauenvoll, sind richtig okay. Zum Beispiel die „Sing mit“s. Andere, die man arglos auflegt – etwa die „Classics up to date“ – und schlimmer noch: die „Hammond a gogo“, wo man vor Freude lechzend davorsitzt, sind dagegen zum Davonlaufen.
Will sagen: keine Angst vor Ännchen von Tharau. Was anmutet wie die Mundorgel unter Folter, ist eine sehr stimmungsvolle, peppige Easy Listening-Platte. Gut, Trompeten sind hier erstmal nicht viele drauf. Schon gar nicht diese tollen Trompeten-auf-Acid. Eher kleine Querflöten, Jankowski-mäßig perlendes Piano und zarte Becken-Schläge. Für James Last-Verhältnisse ist das die „unplugged“-Version. Die Rolf-Zuckowski-Fassung. Hohe Chöre auf den Vokal „A“ flirren durch den Raum. Und unten erkennt man ganz deutlich etwas, das James Last bei Bert Kaempfert geklaut hat: den Knack-Bass. Ein Bass mit einigermaßen lockeren Saiten, der stark nachhallt und einen ganz saftigen Ton gibt. Die Flöten klingen mir auch sehr im Intervall einer Sekunde angeordnet. Das ist höchstens eine kleine Terz! Und auch damit wieder: sehr Kaempfert-like. So wie in „Afrikaan Beat“. Sei es drum. Es dürfte grad so die Schwelle sein, wo James Last zu seinem eigenen Sound findet. Verglichen mit Kaempfert ist das auch schon sehr „Disco“. Und die Percussionisten tun unzweifelhaft Dinge, für die ihnen bei Kaempfert die Hände abgehackt worden wären. Für Volkslied-Fans dürfte diese Platte die Hölle gewesen sein. Das ist schon vergleichsweise stark verpoppt. Verglichen mit Ernst Neger ist das Free Jazz. Mit einem Wort: gelungen!
Wer ist das da vorne drauf? Die berühmten Last-Trillinge? Die Perspektive der meisten Gäste nach erfolgter Nonstop Party? Die Allmachtsphantasien von James Last und der Polydor – Wir klonen Euch die Welt voll mit James Last´s?! Hm.
Ein Tempo haben sie jedenfalls drauf, die Last-Trillinge, als müssten sie gleich weiter zur nächsten Party und spulten deshalb ihr Programm mal ein bisschen flotter ab als nötig. Oder bin ich schon wieder auf 45? Nö. Alles normal. Bedenkt man dazu, dass Last eh nur einen Bruchteil der Songs anspielt, dann ist das schon rekordverdächtig. Ist James Last je ins Guiness-Buch gekommen unter der Kategorie „Die meisten Songs in der kürzesten Zeit“? Nein? Schade. Und von wegen Nonstop Party – nach zwanzig Minuten ist die erste Seite der Platte rum. Nach vierzig Minuten die zweite. Ich hab das nachgemessen. Das ist nicht Nonstop! Ein Grund, vor Gericht zu gehen? Nein, die Menschen in den 70ern waren friedfertig. Heute stünde bei so was sicher der Zusatz drauf „Wir übernehmen keine Garantie für Gewinnversprechungszusagen“.
Und, hey – wen James Last hier wieder alles zusammenbringt! John Fogerty von „Creedence Clearwater Revival“ schafft´s gleich dreimal drauf. Das dürfte schon der zweite Rekord auf dieser Platte sein. Obwohl: die Herrschaften Bruhn und Siegel schaffen es auf andere Platten sicher auch drei- und viermal. Wer wohl der auf ein-und-derselben-James-Last-Platte-meistgespielte Komponist ist? Trad. vermutlich, höhö. Ja, der war schlecht.
Und hier ist sogar Beethoven drauf! Das ist ja an sich nix Besonderes bei Last, man siehe die Reihe „Classics up to date“... Aber Beethoven in unmittelbarer Umgebung von Bata Illic und (Interpret von „The Wonder of you“: bitte einfügen) – das ist schon was! Der „Song of joy“ als Sandwichbelag zwischen „Candida“ und „The Wonder of you“! Wobei – seit ich weiß, dass „Micaela“ eigentlich „Michaela“ heissen sollte – also: auch phonetisch – und Herr Illic das nur nicht aussprechen konnte, frag ich mich ja, ob „Candida“ eigentlich „Chandida“ heisst.
Egal, diese Nonstop Party 11 geht richtig ab. Hat einen netten Speed drauf, der Herr Last. Allerdings weiß er auch, was eine gelungene Spannungskurve ist. Und die geht so: schnell-langsam-schnell. Anfang-Mitte-Ende. Es rockt zum Teil sogar so, dass man die 70er-Hardrock-Bands als Inspirationsquelle erahnt. Und dann balladet es wieder, ohne dabei auch nur ein Fünkchen Spannung loszulasse. Und, hallo! Da ist ja wieder ein Renate Kern/Kay Warner-Song drauf! „Superman“. Bei ihr hieß es „Supermann“ mit zwei N, und sie hatte sogar den (leicht frauenbewegten!) Text geschrieben! Nein, Folge 11 ist richtig super.

Womit fängt die Platte „Sing mit“ an? Mit „Sing Sing Party Sing“, ist doch klar. Deshalb ist James Last auf dem Cover ja auch im gestreiften Anzug hinter Gittern. Und macht einen auf Gotthilf Fischer: Blau, blau, blau blüht der Enzian, Wir machen durch bis morgen früh, Fiesta Mexicana, Drei Chinesen... Sein Chor ist ein bisschen kleiner als der von Kollege Fischer. Der Meister selbst singt nicht mit. Und es groovt mehr – Verzeihung, Gotthilf. Außerdem besteht bei den Fischer-Chören immer die Gefahr, dass sie so´n Lied ganz durchsingen, mit allen Strophen. Davor muss bei James Last niemand Angst haben.
Es ist wie auf Partys nach der fünften Palette Urpils oder in der Ostkurve nach dem 3 zu 2: einer fängt an zu singen, alle fallen ein und nach dem ersten Refrain weiß eh keiner weiter. Um solch peinliches Verplätschern zu vermeiden, fängt hier sofort nach dem Refrain schon das nächste Lied an. Unterbrochen höchstens von – Partygeplätscher und Applaus. Wem applaudieren die hier eigentlich? Sich selbst? James Last? Aus Erleichterung, dass die zweite Strophe nicht abgefragt wird?
Und wieder was gelernt: die „Spanish Eyes“ – ja genau, die „Blue spanish eyes“ von Bert Kaempfert – heißen auf deutsch “Rot ist der Wein“. Soso. Steht jedenfalls auf der Platte drauf. Das Schöne an den James Last-Chören ist ja auch, dass sie meistens so in den Hintergrund gemischt sind, dass man eh jeden Text drauf singen kann. Passt schon...
Liest man das Kleingedruckte aufmerksam, merkt man außerdem, dass bei den Komponistenangaben ein „Siegel jr.“ auftaucht. Davon träumt der zerknitterte Grand Prix-Matador heute vermutlich. Siegel jr.! Das liegt nicht nur daran, dass Herr Siegel damals noch jünger war, sondern auch daran, dass Vater Siegel noch mit Titeln auf derselben Platte vertreten ist: R.M. Siegel.
Alles in allem ist das aber eine äußerst gelungene Last-Platte. Platzt fast vor guter Laune. Rummst mächtig und ist trotzdem noch gute Musik. Flotte Beat-Gitarren, schneidige Trompeten-Fanfaren und einer Super-Rhythmus-Gruppe. Ist extrem Karneval-geeignet. Beziehungsweise: die vermutlich einzige Art, wie sich Karneval überhaupt ertragen lässt. Ohne die lästigen Büttenreden, ohne die hässlichen Gestalten aus den Kappensitzungen und ohne die Höhner. Toll!

Der Titel ist doch eine Frechheit, oder? Da kommt dieser Herr Last und erzählt den Kollegen Brahms, Verdi, Bizet und Grieg, dass er sie jetzt mal auf den neuesten Stand bringt. Und wie macht er das? Zuerst mal mit ´ner halbnackten Tussi auf dem Cover, die ahnen lässt, dass es auch in den 70ern schon Botox-Lippen gab.
Aber zugegeben: so mit swingenden Flöten unterlegt lässt sich die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen doch ganz anders aushalten. Und Verdis Gefangenenchor: mit Hi-Hats und einer Armada von Tambourin-Schlägern – cool! Gut, hier besteht die Chance, dass es sogar bei Verdi mehr geswingt hat. Wenn man´s zu arg treibt, klingt´s in der „up to date“-Fassung doch ein bisschen fließbandmäßig. Ja, das ist es wohl, was böse Menschen als Fahrstuhlmusik bezeichnen.
Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5 – mit Partystimmen-Gewusel und Unisono-Frauenchor auf die Silbe „Ha“. Nun ja. Ich sag mal so: Nichts für Puristen! Griegs „An den Frühling“ mit demselben Frauenchor, der klingt, als könne man frühe Edgar-Wallce-Filme damit unterlegen. Dvorak, Bruch, Tschaikowsky, Borodin – und alle klingen sie gleich. Ja, hey. Das ist doch auch ´ne Leistung. Und überhaupt. All diese Stücke hört man – in anderen Einspielungen – auch auf den Kulturwellen im Radio. In Sendungen wie „Klassik-Hits auf Wunsch“ oder so. Nö, diese „Classics up to date“ ist nicht so mein Fall. Obwohl ich auch die Originale nicht brauch.
„Ich bin der Bandleader“, sagt der alte Mann zu den jungen, verlegenen Dingern, die sich den Soundtrack anschauen. Der was? „Der Bandleader. Der, der vorne rumhampelt.“ Schrecksekunde bei den Mädels. Jetzt begreifen sie erst, wer da zu ihren Sitzen gekommen ist.
Da dürften sie die einzigen sein, die so lange brauchen. Nicht nur in dem Film von Thomas Schadt. Schließlich ist James Last so bekannt wie ein bunter Hund. Und da sein Konterfei nun nicht gerade selten auf seinen Platten abgebildet war, dürften ihn auf der Straße auch mehr Menschen erkennen als den Bundeskanzler.
Und so nah, wie James Last die Besucher an seine Konzertproben kommen lässt, so nah kommt ihm auch der Filmemacher. Scheinbar uneitel und unprätentiös lässt sich der (damals) Siebzigjährige beim Styling in der Garderobe filmen. Wie er sich, mit nacktem Oberkörper, die Haare sprayt. Und in die Weste schlüpft.
Wie er mit einem Schlagzeuger schimpft, der halbherzig vorbereitet auf der Bühne – in den Augen von James Last – nicht genug Einsatz bringt. Wie er sich dem Tourveranstalter widersetzt, der gern pünktlich um 23 Uhr fertig wäre und zwei Nummern aus dem Programm gestrichen haben will. Und wie er bei einer Ehrung in einer Kirche vor lauter Rührung keine Dankesworte findet.
James Last, scheint es, hat nichts zu verbergen. Und einen kleinen Fluchtkreis. Sonst könnte er nicht so lange mit seiner Band im Tourbus, beim Golfen oder bei der Probe aushalten. Andererseits – ist er privat in Florida, arrangiert er stundenlang allein am Computer. Kontrastprogramm.
Der fleißige Arbeiter ist die eine Seite. Der Mann, der begierig in Clubs und Discos geht. Immer auf der Suche nach neuen Klängen, nach neuen Hits. Der Mann, der keine Hemmungen kennt, vor neuen Stilen wie Rap zum Beispiel. Oder vor Computern.
Aber die Fans sind die andere Seite. Im Film erzählt ein Engländer, wie er vor über 20 Jahren einen Plattenspieler kaufen wollte. Er fuhr extra nach London. Dort legte man in Geschäft zur Demonstration eine Platte auf. Der Mann kaufte beides: die Platte von James Last und den Plattenspieler. Seitdem ist er Fan.
Beides – Last und Fans – geht nicht ohne das Gegenstück. Man muss die Fans sehen, um zu verstehen, was den Erfolg von James Last ausmacht. Man muss James Last sehen, um zu verstehen, was ihn so unvergleichlich macht. Obwohl man nach dem Film ahnt, dass er doch ein bisschen eitler ist, als man dachte. Dass es vermutlich nicht viel Überredung kostete, ihn mit Konterfei auf die Cover zu bannen. Spätestens dann, wenn er in einem Archiv-Ausschnitt erzählt, dass er dreimal in Folge Deutschlands Jazz-Bassist des Jahres war. Ich hätte noch Sekunden vorher gewettet, dass er es unterschlägt.
Aber man darf nicht vergessen – was im Film nicht vorkommt – dass James Last auch viel Häme einstecken musste. Beleidigend war das schon mitunter, was aus der Kritiker- und Jazz-Ecke kam. Da verweist man schon mal gern auf seine Meriten.
Und allzu zimperlich darf jemand, der ein eigenes Orchester führt, ohnehin nicht sein. Weder als Chef. Noch als Öffentlichkeitsarbeiter.
Schade, dass James Last in der Doku nicht untertitelt wurde. Was da im Schnellzugtempo aus dem Nuschelmund des Bremers rauskommt, könnte auch fließend Chinesisch sein. Für den Zuschauer macht das kaum einen Unterschied.
Und schade, dass der Film handwerklich recht unvirtuos zusammengestückelt ist. Bilder und Perspektiven sind nie besonders ansehnlich. Die Übergänge alles andere als raffiniert. Und wenn schon Archivmaterial, dann doch konsequent und die Geschichte des James Last epischer erzählend. Trotzdem fesseln die Einblicke in den Touralltag und in die Arrangeurskammer in Florida bis zur letzten Minute. Es muss schon was dran sein, an dem nuschelnden Mann mit dem Schnäuzer. Der am Merchandising-Tisch stehen bleibt und den Kopf darüber schüttelt, „was sich die Leute alles in die Wohnung stellen“. In diesem Fall: einen lebensgroßen Papp-Aufsteller von Last. Für 50 Mark. Wenn man´s ihnen anbietet...
Den Film gibt's heute abend um 22.30Uhr im SWR zu sehen.

Das ist die James Last-Platte mit dem schönsten Cover. Von denen, die ich habe. Und abgesehen von der „Op Klompen“ natürlich! Aber hält ihr Inhalt, was das Cover verspricht? Nun ja, verglichen mit der Hammond a gogo: oh ja. Die war ja grauenvoll. Aber der transparentere Gitarrensound lässt halt schon mehr Platz für die ordnende, in Hüfthöhe wippende Hand des Meisters.
Ist eben ne Orchesterplatte mit viel Gitarre im Vordergrund. Aber so, dass sie nicht weiter stört. Die Trompeten-Fans bekommen weiter ihre Trompeten. Und die Percussion-Fans ihre Percussions. Zumal Gitarre hier eh gleichbedeutend mit Flamenco-Samba etc. ist. Viel swingendes Gezupfe und Latin-Zeug. Deshalb: Supersache. Fröhliche, raffinierte Stücke, die meist nach kleinerer Combo klingen als nach großem Orchester.
Das wundervolle Brazil, das sich zu Recht auch auf späteren Compilations findet, ist hier drauf. Swingt – ich erwähnte es schon bei anderen Platten – wie der Teufel. Gibt aber auch langsamere, melancholische Sachen wie „La Playa“. Alles in allem ist es eher ein zarter, filigraner Sound. Zum Teil fast Surf-artig: mit Vibraphon und viel Hall.
Durch die Bank Ohrwürmer im warmen und ziemlich witzigen Last-Ton. Klingt jedenfalls sonnig, pfiffig und temperamentvoll. Aus der Playlist: Tiritomba, Espana, Jezebel, Johnny Guitar, The Breeze and I, Funiculi Funicula, Amapola etc. pp.

Ein Bilderbogen aus der James Last Russlandtournee.
„Auch Musiker trinken gern“ steht unter einem Foto auf der Plattenrückseite. Auch Musiker? Soll das ein Scherz sein? Womöglich noch „unter anderem Wodka“, man ist schließlich auf Russlandtournee. Aber von vorn: eine Gruppe milchliebhabender Anti-Alkoholiker, nämlich das James Last-Orchester, tourt durch Russland. Und bringt von dort einen „Bilderbogen“ mit. Der ist natürlich musikalischer Natur und nur mit den Ohren wahrnehmbar. Es sei denn man nimmt die Fotos auf der Plattenrückseite. Wenn aber nicht – was mag dann auf einem solchen russischen Bilderbogen drauf sein? Kalinka? Der Säbeltanz? Die Schiwago-Melodie? Ja. Ja. Ja.
Es ist etwas peinlich, aber James Last überfordert halt niemanden. Erwartungen zu erfüllen, zu übererfüllen, ist vermutlich sein Hauptjob. Darüber täuschen auch eingeschobene Zusätze nicht hinweg: „James Last und seine Musiker – nicht in der Moskauer Oper – sondern in der weltberühmten Metro.“ Ich bin mir sicher, den meisten Betrachtern dieses Fotos geht es wie mir: wir können die Moskauer Oper eh nicht von der weltberühmten Metro unterscheiden. Jetzt hat er uns nur verwirrt: wieso laufen unter dem Kronleuchter auf dem Foto keine U-Bahn-Schienen lang? Aber gern sind wir bereit, uns damit abzufinden, dass er halt in der Metro ist statt in der Oper. Anyway.
Es ist die Last-Phase, in der schon viele Streicher und ein ätherischer Chor mitmischen. Der Sound hat etwas Magisches, Schwebendes, Entrücktes. Und das ist toll! Vielleicht hat James Last Russland tatsächlich so wahrgenommen – in selbstverständlich nüchternem Zustand: als andere, fremdartige Welt. Was er daraus gemacht hat, ist pures Easy Listening: gut bekömmlich, in mundgerechten Häppchen und ohne allzu exotische Gewürze. Aber James Last schafft es trotzdem, daraus eine bunte, aufregende Welt zu formen. Bei aller Vertrautheit und Voraussehbarkeit: die Arrangements sind ungeheuer phantasievoll und – wie bei James Last meistens: einfach und elegant zugleich. Und er hat traumhaft gute Musiker in seinem Orchester, das hört man.
Viel Hall liegt auf der Platte drauf, der Klang ist ungemein geschmeidig und schimmernd. Riesige Räume tun sich auf. Wabern in Midtempo den letzten Winkel voll. Türmen sich zu imposanten Walls of Sound auf und verschwinden wieder in ihrem Schneckenhaus. Melancholisch natürlich, wie man sich die Russen vorstellt. Und manchmal besoffen-ausgelassen. Das ist keine Nonstop-Party für die fototapezierte Kellerbar mehr. Nein, das ist selbst eine Fototapete. Eine Russland-Fototapete: geschmackvoll, in den Farben der Saison und abwaschbar. Anzuhören allein oder zu zwein. Am besten mit einem doppelten Wodka. Und nicht vergessen: „Die Brötchen zum Wodka kauft man in einem typisch russischen Bäckerladen.“

Gewöhnungsbedürftig. Ist doch nicht die Hammondorgel, sondern die Trompete das Instrument des James Last-Sounds. Er heißt ja auch nicht Franz Lambert, sondern James Last.
Gebe zu, dass die Platte zugänglicher wird, wenn man sie auf 33 1/3 abspielt. Bin übrigens erst nach zwei Liedern auf die Idee gekommen. Bei Hammond-Orgeln rechnet man ja mit allem... Aber nee. Dieses Waberige, das ist dann doch wirklich nix für James Last. Das klebt wie Kaugummi am Schuh, man kommt einfach nicht hoch. Wo ist der Last-Swing mit den Bläser-Turbinen, der wie ein Jet in die Luft steigt? Hier nicht.
Vielleicht sind es auch die Standardtänze, die ihm die Betonschuhe anziehen. Bei Platten, wo die Lieder gruppiert sind nach Kategorien wie „Foxtrot“, „Langsamer Walzer und „Beguine“, muss man ja höllisch aufpassen. Das kann gut gehen. Bei Max Greger. Und Hugo Strasser. Aber hier klappt´s definitiv nicht.
Obwohl der Percussionist sein Möglichstes versucht. Mein Gott, muss der steife Arme gehabt haben. Permanent gegen so ´ne Wimmerorgel anzuklappern, ist bestimmt nicht leicht. Und sehr kräftezehrend.
Nein, das einzig Lohnenswerte, was man aus dieser Platte mitnimmt, ist das Wissen um ein Stück namens „Bell Bottom Trousers“. Schlaghosen. Ein Foxtrot übrigens. Und: ein Foto von James Last mit Rolli und kurzen Haaren. Der Pep kam wohl erst mit der Matte. Vielleicht sollt ich das Ding doch wieder auf 45 hören.

Mein Gott, was ist mit seinen Beinen passiert? Schlimme Wasseransammlungen nach einer Überdosis Hollandtomaten? Große Tiere in die Hosenbeine gekrochen? Ein Foto aus der Zeit vor der Operation? Und überhaupt: was raucht er da? Tabak? Marihuana? Käse?
Ich freu mich jedenfalls über einen bunten Strauß offensichtlich holländischer Volkslieder. „Hoch auf dem gelben Wagen“ hab ich schon erkannt. Großer Hit des holländischen Staatspräsidenten Walter Scheelkes. „Sah ein Knab ein Röslein steh´n“ ist auch drauf. Von Wolfgang Johann von Goethuis. Nein, man will ja nicht so sein. Auch die Holländer haben ihre Portion James Last verdient. Allerdings „op Klompen“: mit hässlichen Klumpschuhen. Wenigstens das ist uns erspart geblieben. Tut schon weh, den Meister im feindlichen Ausland zu sehen. In entwürdigender Gulag-Tracht. Haben wir ihn etwa in Kniebundhosen oder Ledertracht gezwungen? Nein, nie. Sogar bei den Polka-Platten durfte er grüne Anzüge mit lila-gestreiften Hemden tragen. Wir sind da tolerant.
Naja, aber hübsche Musik ist hier drauf. Das muss man schon sagen. „In´t groene dal in´t stille dal“ oder „Vier Weverkens“ zum Beispiel. Nee nee, die Holländer haben schon auch schöne Liedchen. Die kann man auch gut abends im Wohnwagen hören.
Ja, ich hör jetzt auf. Ist wirklich eine schöne Platte. Sehr sanft, sehr lieblich. Und glasklar im Sound. Hört man jede Triangel. Swingt wie der Teufel. Und hat das, was eine Volksliedplatte einfach braucht: den Klang von grünen Wiesen, Vögelchen und blauem Himmel. Sollte jeder Wandersmann im Walkman haben.

Jou, was ist denn das? Ein mürrischer Gast, den niemand zum Tanzen auffordern will? Vielleicht drücken die plateubesohlten Lederstiefel auch ein wenig beim Polkatanzen. Vielleicht ist es auch ein Schnappschuß des müde-dirigierten Orchesterleiters, der jetzt drei Stunden für die Herrschaften aufgespielt hat und dann feststellt, dass ihm niemand was vom Büffet übriggelassen hat. Deshalb hat er sich beleidigt in die Eingangsdiele von Herrn und Frau Neugebauer zurückgezogen hat, die viel Geld bezahlt haben, um zum Fünfzigsten von Herrn Neugebauer mal so richtig was herzumachen.
Und da sitzt er nun im Deko-Stühlchen Louis Cinquante neben der grünlasierten Steingutsäule mit der Yucca-Palme, der weltberühmte, aber leicht angesäuerte und vor allem hungrige Bandleader, und wartet, ob die derweil hektisch mit dem Partyservice telefonierende Frau Neugebauer ihn nicht doch noch mal aus seiner Schmollecke holt. Hoffentlich. Denn so was kommt ganz schlecht: ein griesgrämiger James Last im grünen Anzug direkt neben der Eingangstür. Damit´s auch ja nur alle mitkriegen. Irgendwann müssen die Gäste ja mal gehen...
Nun, diese wiederum haben sich mittlerweile den letzten Funken Energie aus den Leibern getanzt. Zu Adelheid, der Haselnusspolka, den Tiroler Holzhackerbuab´m, dem Trompeten-Jodler, Anneliese, der Schwarzen Amsel, der Herz-Schmerz-Polka, dem Hofkonzert im Hinterhaus und der Rose vom Wörthersee. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit.)
Kein Wunder, dass die Gäste so rote Bäckchen haben. Der Covertext verrät es: bei der Polka kann man sich „mal wieder richtig austoben. Ein falscher Schritt stört ebenso wenig wie der feste Griff an der Partnerin Hüfte...“ Hm.
Insgesamt scheint dies jedoch die lyrischere Polka-Sammlung zu sein. Schwebt so selbstvergessen vor sich hin. Mitunter fast schon Fusion-Jazz. Mit Flöten! Und Spinett! Die Trompeten scheinen alle Schalldämpfer zu tragen. Nix „Schlachtfest und Buntkariertes“, wie der Covertext mit Polka assoziiert. Oder in der englischen Übersetzung: „a german type barbecue in a colourful setting“.
Auch die Rechtfertigungen dauern an. Zitat James Last im Covertext: „Die Polka ist in ihrer Art einer der besten Tänze, die ich kenne.“ In ihrer Art? Aber „wenn James Last das sagt, können wir´s ihm glauben. If James Last says this, we should well belive him.“ We should. And we do.
Gottseidank geht wenigstens der Trompeten-Jodler ein bisschen ab. Und die Paris-Polka: da trommelt wieder das Tier! Und der Weihnachtsbaum mit den Schellen rockt. Aber insgesamt ist „Polka-Party 2“ eher eine leicht swingende Beat-Party. Wer sich so richtig die Kugel geben will und Polka-Ekstase sucht, der muss sich schon eine Art Best of zusammenstellen. Tipp: die besten Last-Polkas sind auf „Das Beste aus 150 Goldenen“ drauf: die Amboß-Polka, die Petersburger Schlittenfahrt, die Liechtensteiner Pola, Hora Staccato... Das hier ist zuviel Tirili und Trallala. Feingeist-Polkas. Geht natürlich völlig am Auftrag der Polka vorbei. Wahrscheinlich haben sich die Gäste von Neugebauers aus reiner Verzweiflung an der Hüfte gepackt...

Oh ja, jetzt, beim zweiten Stück – nach dem eher betulichen Auftakt-„Ständchen“ – groovt sich das Ding schon richtig ein. Heisst ja auch „Trompeten Muckel“. Jaaa! James Last spielt die psychedelischsten Polkas, die ich je gehört habe. Wenn das Bierzelt-Musik ist, dann will man in einem Bierzelt leben! In Wirklichkeit ist das natürlich keine Bierzelt-Musik. Denn Bierzelt-Musiker können in der Regel nicht swingen. Und schon gar nicht so toll blasen, wie die James-Last-Bläser. Das ist einfach super: da wabert der Ton noch, wenn er lange schon geblasen wird. Das geht so wellenförmig. Nicht: Puff = Raus. Nein: der kriegt immer noch mal in den Hintern getreten, der Ton. Auch wenn er denkt, seine Verfolger längst abgeschüttelt zu haben.
Wollen doch mal sehen, womit der Polka-Siegeszug von James Last begann. Schließlich ist das die erste Folge der legendären Polka-Reihe: Trompeten Muckel, Schützenliesel, Tritsch-Tratsch, Untern Linden, Liechtensteiner Polka. She´s too fat for me, Die Mühle im Schwarzwald, Flieger-Marsch, Amboß-Pola, Annen-Polka und Heinzelmännchens Wachtparade.
Ich bin mir sicher, die Hälfte der Stücke hat er wegen ihrer tollen Namen draufgenommen. Leider kenn ich die Tritsch-Tratsch-Polka in einer wirklich kick-assenden Fassung von Max Greger. Dagegen ist das hier Wiener Walzer. Wenn auch mit tollen, strahlenden Trompeten. Ja, macht schon Super-Laune. Happy Music halt. Fröhlich. Optimistisch. 70er. Von wann ist die hier eigentlich? Keine Ahnung.
Oh, die Liechtensteiner-Polka: super, super, super. Klingt wie ein Wettkampf: wer kann lauter? Die Trompeten? Die Pauke? Oder dieser rasselnde Weihnachtsbaum, der irgendwie mit ins Studio geraten sein muss und sich fortwährend schüttelt? Und da hört man auch schon ein erstes, schüchternes Party-Gejohle im Hintergrund, wie es ja später Markenzeichen des James-Last-Partysounds wurde.
She´s too fat for me: entweder schlagen die Nachbarn gleich die Tür ein und konfiszieren meinen Plattenspieler. Oder alle Trachtengruppen dieser Erde marschieren in Zweiergrüppchen und winkend in meine Wohnung ein. Hey, jetzt geht´s aber los! Uffta Uffta...
Und die ungekrönte Königin der James Last-Polkas: die Amboß-Polka! Ertönt sie in einem Studio des Saarländischen Rundfunks, kann man altgediente Technikerinnen seufzen hören. „Ach, damals. Die deutsche Schlagerparade... Da haben wir mit den Single-Schallplatten nur so um uns geworfen. Konnte gar nicht schnell genug gehen, die flogen dann einfach hinter uns.“ Auch der Moderator jener legendären Deutschen Schlagerparade erinnert sich nostalgieumwölkt: „Ja, die hatte diese tollen Pausen, wo man so gut reinsprechen konnte.“ Was wie eine Beleidigung klingt, ist die berufsbedingte Sicht eines echten Fans: Dieter Thomas Heck. Und wie bestimmt jeder weiß, war diese Deutsche Schlagerparade auf der Europawelle Saar der legitime bildlose Vorläufer der ZDF-Hitparade. Nun, jedenfalls die Keimzelle der Idee, so was auch mal mit Bild, mit Sängern und Live-Gesang zu machen. Und mit sichtbarem Publikum. Und natürlich mit Dieter Thomas Heck. Genug davon.
Ah, die Annen-Polka: Ach die ist das... Auch sie spielt bei einem gewissen Programm des Saarländischen Rundfunks eine wichtige Rolle. Leitet sie doch die sogenannten „Erbschleicher“ ein. Die Glückwunsch-Liste für Jubilare jenseits der Bewegungsfähigkeit und meist auch der 80. Ist auch eher was für sich zierlich drehende Füßchen und ondulierte Löckchen als für wild galoppierende Paare und schweißnasse Haarsträhnen in ekstatisch erhitzten Gesichtern. Wie es bei echten Polka-Tänzern sein muss!
Toll natürlich auch die Party-Anleitung auf der Plattenhülle. Bei James Last hat die Polydor ja meistens richtige Hör-Instruktionen mitgeliefert. „Es muss nicht immer Beat oder Slow sein. Wie wär´s mal mit ´ner knackigen Polka?“ Hör ich hier etwa eine verschämte Rechtfertigung raus? Das darf nicht wahr sein! Sie fragen sich: was haben die Menschen in den 70ern nur zu solcher Musik getrunken? Steht alles hier drauf: „ein gutes Faß Bier und – auf los geht´s los.“ Aha. Aber es wird noch besser: „Die Band tanzt aus den Rillen und dreht sich mitten unter uns.“ Ich möchte einmal den Menschen, der die Covertexte für James Last geschrieben hat, in seiner Drogenhölle treffen und interviewen. „James Last hilft uns auf die Sprünge. Er weiß, was müde Leute munter macht.“ Der Texter sicher auch.
Und man vergleiche die deutschen Sätze mit der direkt daneben stehenden englischen Fassung. „Versuchen Sie´s doch mal mit dieser Polka-Party. Give yourself a chance“. Heisst auf englisch: “Try the Polka Party. Get with it!”
Ja, try the Polka Party! Mit dem Mann, der deutscher Humpta-Marschmusik ein freundliches, ja mild lächelndes Antlitz mit übergroßen Pupillen gegeben hat. Danke, Mann!
Aber hat der Schöpfer dieser wunderbaren Musik sie am Ende selbst nie gehört? Warum schaut er auf dem Cover so melancholisch? Warum ist die altdeutsche Schmucker-Stube hinter ihm so leer? Fehlt hier der Aufdruck: „Vorher“? Nein, vermutlich nicht. Denn sieht man das Cover von „Polka Party 2“, dann kann man nur vermuten, dass sich die Konsumenten der James Last-Polkas in einer eigenen Therapiegruppe auf der geschlossen Abteilung für stark Suizidgefährdete zusammenfinden. Kann ich bitte mal den Fotographen sprechen?
Er sieht ganz unauffällig aus. Manchmal sitzt er neben uns im Kino. Steht im Supermarkt hinter uns in der Schlange. Mischt sich unter die Ebay-Kunden. Tarnt sich als Gasableser, Tierarzt, Journalistin. Und in seinem Plattenschrank stehen die meisten Platten unter „L“. Der James Last-Fan lebt mitten unter uns.
Diese Platten unter „L“ sind in der Regel so viele wie von „A bis K“ und „M bis Z“ zusammengenommen. Nicht, weil der James Last-Fan auch noch auf Lightfood, Lennon und Lynyrd Skynyrd steht. Sondern weil James Last so viele Platten rausgebracht hat.
Schätzungen gehen bis weit über 2000. Alle Compilations und Re-Issues abgezogen sind es immer noch mehrere Hundert. Der James Last-Fan ist sein halbes Leben damit beschäftigt, James Last-Platten zu kaufen.
Und er ist ein glücklicher Mensch. Er hört Polka, Jazz, Volkslieder, Disco, Klassik, Rap und Rock. Eben alles, was James Last so aufgenommen hat. Er weiß, wie feurig Trompeten schmettern können. Er weiß, wo das Tier nach seinem Rückzug aus der Muppet-Show getrommelt hat. Er kennt die 70er von ihrer besten Seite. Und er hat die albernsten Cover im Schrank stehen.
Das mindeste, was er tun kann, ist, sich die Finger wund zu schreiben, um James Last zum Geburtstag (am 17. April) zu gratulieren. Zum 75sten. Er lebe hoch!