K A T J A S W E L T
June 30, 2004

James Last (Amiga)

Eine Amiga-Pressung. Mal sehen, was man den Mitgliedern des real existierenden Sozialismus zumuten durfte. Und vor allem – wann? Das Foto sieht ja aus, als sei es frühestens kurz vorm Mauerfall aufgenommen.

Liszts „Liebestraum“ in einer wohlig beschwingten Einspielung. Die sogar mir gefällt. Danach Grieg, Beethoven, Stolz und Lehár. Auch was man beileibe nie erwartet hätte, ist hier drauf: „American Patrol“. Vielleicht hat man sich gesagt: auch Glenn Miller hatte dieses Lied im Repertoire. Hat es vermutlich sogar richtig bekannt gemacht. Und der war ja schließlich auf Seiten der Alliierten. Bleibt aber neben „Charmaine“ der einzige Ausflug in poppige resp. angelsächsische Gefilde.

Der Großteil ist eine Mischung aus Klassik- und Operettenseligkeit. Ein bisschen 20er und die Ballade pour Adeline noch dazu – und fertig ist das Geschwurbel. Womit ich nur die Zusammenstellung dissen möchte. Nicht die Musik. Obwohl ich wirklich nicht – man weiß es mittlerweile – Fan der Klassik-Einspielungen bin. Aber in winzigen, homöopathischen Dosen vertrag ich sie.

Mal ehrlich – ist je ein jugendlicher Last-Fans durch die „Classic“-Platten angefixt worden? Ich lese eigentlich immer: Sing mit, Hammond à gogo etc. Das kann ich nachvollziehen. Extremst sogar. Aber wer die „Classic“-Platten im Regal hatte – der hatte keine guten Last-Platten daneben, oder? Sammler natürlich ausgenommen. Ein Kollege erinnert sich an grauenvolle Ski-Urlaube mit seinen Eltern – peinigend untermalt von „Classics up to date 1 - 100“. Und, nein: diese „Last goes Für Elise“ ist einfach schlimm.

Schlimm, schlimm, schlimm. Sicher: eigenwillige, ähem, originelle, hüstel, Version. Aber auch eine, nach der echte Musikfans erstmal intravenös wieder aufgepäppelt werden müssen. Wo ist das Riechsalz? Hi-hi-hilfe.

Nein, nein, nein. Die Ehe von weitschweifigen Klassik-Melodien und dem dem Last´schen Easy Listening-Sound sollte verboten sein. Da muss irgendwas Inzestuöses dran sein, weshalb sich das nicht verträgt.

Mit Stolz – Robert Stolz – funktioniert das schon besser. Ich tippe mal wieder auf die Liedform, die Weichzeichner-Sounds viel besser abkann als umständliche Klassik-Formate das tun. Die Abwechslung ist hier einfach viel größer. Durch die kleineren Teile und rascheren Wendungen. Tippe ich. Vielleicht ist Stolz auch einfach ein besserer Komponist als Beethoven? Ich will das mal nicht vertiefen...

Jedenfalls sind die Operetten-Takes bekanntlich liebreizend. Gehen eine wundervolle kleine Liaison mit James Last ein. Vermutlich auch, weil er die Melodie oft nur andeutet, nur skizziert. Dem Hörer-Gehirn reicht das. Das lässt sich auch gern mal milde erinnern. Genießt die Flüchtigkeit.

Zwanghaft muss ich noch mal das Cover umdrehen und die Vorderseite betrachten. James Last gehört exakt zu der Sorte Männer, die im Alter anfangen, optisch aufzublühen. Die dann erst wirklich attraktiv werden. Was ist er doch für ein schmucker Ergrauter! Der Schnäuzer vertrüge auch ein schmaleres Errol Flynn-Design. Oder Clark Gable? Vielleicht trug ja Clark Gable ein Errol Flynn- Bärtchen. Und das kann sich nicht jeder leisten. Steht nicht jedem!

Und welche Dame würde da Nein sagen – angesichts dieses verheißungsvoll lächelnden Gentleman und des formvollendet gedeckten Tisches. Wieso stehen da eigentlich drei Gläser? Das mindert den Spaß natürlich. Für die Dame. Und vermutlich ist dieses Cover auch Schuld daran, dass rübergemachte Ossis in westdeutschen Restaurants immer nach flackernden Kaminfeuern Ausschau hielten. Am James Last-Schriftzug ist, wie ich das sehe, auch gefrickelt worden. Da fehlen unten die Schlagschatten. Hmpf.

Egal. Die „American Patrol“-Fassung ist die wunderbare, mit diesen geschleiften Trompeten-Einsätzen. Ich kann´s nicht besser beschreiben. Es darf jedenfalls nicht „geschliffenen“ heissen. Und genau sie sind das I-Tüpfelchen an der Last-Version!

Alles in allem gediegenes Eiche rustikal-Sortiment. Passt zwischen den antiquierten Globus und die Bücher-Attrappen. Bisschen verklemmt zusammengestellt, vielleicht.

June 29, 2004

My favorite songs


Einigermaßen grässliches Cover. Eine durch ein Passepartout gebändigte Collage von Notenblättern. Plus ein schräg draufgepapptes Autogramm-Bildchen von James Last. Und auch keine schönen, poppigen Farben...

Anyway. Diese vergleichsweise konservativen Song-Alben sind bei James Last meist ein Gewinn. Und so ist es auch hier. „I can see clearly now“ – seltsam ruppig und in schönen dunklen Tönen. Kein fröhlicher Happy Sound, kein Brei für Zahnlose – den er im übrigen nie produziert hat. Man muss ihn schon mutwillig so rezipieren. Aber diese Einspielungen zeigen mal wieder die Vielseitigkeit von James Last. Hätte der Tag 70 Stunden und der Mensch drei Köpfe – es gäbe vermutlich astronomische Zahlen von James Last-Platten – und Sounds, die wir nie bei ihm vermutet hätten.

Gut, in der „Dolannes Melodie“ fahren irgendwann wieder die Unisono-Streicher ihre Ellbogen aus. Aber die fast Horn-artigen Bläser und die Schwere der untermalenden Harmonien – das hätte er so auf keinen Non Stop-Album untergebracht. Auch „Have you never been mellow“ – ein Traum. Weibliche Stimmen – in kräftigen Alt-Lagen. Oder Sopräne, die in den unteren Bereichen ihres Umfangs singen. Fantastisch.

„Don´t cry for me Argentina” ist schon volle 6´42 lang – länger kommt hier noch die 8´21-Version von „Mac Arthur Park“. Ja, dies ist das Album der langen Songs. Und James Last ist groß darin, Spannung aufzubauen und zu halten – über Minuten hinweg und im Rahmen ein und desselben Songs. „Don´t cry for me Argentina“ ist auch mit sparsamen Mitteln bei Last großes Kino. Geht unter die Haut.

Und danach wieder ein sanft rockender Take: „Only you can“, irgendwo zwischen Pop und Karibik. Gesang erinnert im Refrain an Boney M. – aber nur positiv. Selten durften die Sänger so zupacken, wie auf dieser Platte. Und selten waren sie so sehr in den Vordergrund gemischt, wie hier. An dieser Stelle einmal explizite Hochachtung für die Zusammenstellung der Takes. Genauer: die Abfolge auf den Platte. Die kompletten Alben sind bei James Last in den meisten Fälle Gesamtkunstwerke: die Hand, die für die Arrangements zuständig ist, dürfte auch auf der Ebene des Formats viel geordnet haben. Manchmal erhört sich der Genuss des gerade beendeten Liedes noch, wenn die kongenial passenden Takte des folgenden beginnen. Klingt komisch: aber in diesen Momenten wird die Kunst des abgelaufenen Lieder erst vollendet. Bekommt die Krone aufgesetzt.

„Summer of ´42“ zeigt mal wieder, dass sich James Last grundsätzlich nicht vor dem großen Philly-Orchester MFSB verstecken brauchte. Und ja, ja, ja – James Last covert die Eagles! „Best of my love“. Hier aalt er sich für meinen Geschmack einen Tick zuviel im reinen Wohlklang. Obwohl der Song an sich nicht schlecht gewählt ist. Klingt im Last-Sound trotzdem einen Hauch zu glitschig. Vielleicht rutschen mir hier auch nur wieder die Chöre zu hoch, vielleicht ist es mir in der Kombination mit dem Zeitlupentempo too much. Irgendwas behagt mir hier nicht.

Dann wieder eine Last-Komposition: „Photographs“. Das ist ja immer eine komische Sache. Üblicherweise besteht beim Last-Hören viel Spaß im Wiedererkennen der Vorlage und im genüsslichen Aufnehmen der Interpretation. Hier heisst es: sich berieseln lassen und irgendwann feststellen – wenn man die Melodie ausgemacht hat – ob´s einem gefällt. Das hier ist edler Westküsten-Satzgesang, mal wieder in hohen Lagen. Aber nicht zu sehr ausufernd, immer wieder rechtzeitig von harmonisch neuen Passagen abgefangen. Ja, eigentlich hätte auch aus „Photographs“ ein Welthit werden müssen. Für die Streisand. Oder Angelika Milster. Ist jedenfalls ein schöner Song.

Kaum dass „The Boxer“ anfängt, scheint es, dass die ganze zweite Seite dieser Platte sopranesken Chören gewidmet ist. Aber was James Last als Arrangeur aus diesem Song gemacht hat, ist aller Ehren wert. Eine Mischung aus Beach Party-Lagerfeuer-Einfachheit und ausgestellten Percussion-Details. Ein sanfter Fluss aus Akustik-Gitarre und kaum hörbarem Beat. Dafür quakige Oboen(?)-Laute, weit abgerückte Drum-Explosionen und gegen Ende auch wunderbare Orgel-Ausflüge. Sehr stimmungsvoll.

„Mac Arthur Park“ und James Last – auch eine Traumkombination. Obwohl ja gerade dieses Lied dem Urgestus der Potpourris – und damit der größten Erfolgsmasche von Last – entgegensteht. Denn dieses Lied braucht Zeit, seine verschiedenen Häutungen zu durchleben, um am Ende seinen Schmetterling fliegen zu lassen. Kein Problem für den Bigband-Leader. Zwar kippt das Stück bei ihm nicht in den wunderbaren Wahnsinn der Donna Summer-Fassung ab. Dafür bleibt es zu getragen und würdevoll. Aber die Klangfarben sind mal wieder wunderbar

Fazit: Tolle Platte. Gehört auf jeden Fall mit in die Spitze der besten Last-Platten. Spannend und unglaublich, zu sehen, mit welcher Konzentration und Wucht sich der Meister der Potpourris auf einzelne Songs stürzen kann, um ihnen über Minuten hinweg den Sockel zu zimmern, den sie verdienen und der sie trägt.

June 28, 2004

Non Stop Dancing 1977 2


Na klar, dass ein Lied wie “Under the moon of love” wie gemacht ist für James Last, war klar. Er holt sogar noch einiges an Witz raus, was im Original nicht drin ist. Durch so was wie lustig getupfte Tuba-Töne. Jedenfalls klingt´s nach einer Tuba.

Und „Living next door to Alice“ direkt daneben zu packen – in einer so federzarten Einspielung. Genialer Kniff. Ja, 1977 war ein gutes Jahr. Musikalisch. Da doo ron ron. Knowing me, knowing you. Don’t leave me this way. Car wash. Boogie nights. Sunny.

James Last schwebt mit seinem Sound einfach drüber, über den Fundus – hat man den Eindruck. Viele Chöre in hohen Lagen, viel soft getupfter Beat. Trotzdem hat hier kein Weichzeichner die Konturen verwischt. Im Gegenteil, sie sind scharf herausgearbeitet. Heisst auch: die Schichten liegen transparent und gut durchschaubar über- und nebeneinander. Und es sind Transparenz und die Leichtigkeit, die den Sound auf dieser Platte so raffiniert machen. Auch wenn sie sich scheinbar ohne Ecken und Kanten durch ihren Potpourri-Marathon ackert, verzichtet die Produktion aber aber zuviel Glattheit. Es gibt viel zu entdecken im vor Leben pulsierenden Bigband-Sound – dank der Ehrlichkeit der Produktion.

James Last ist ein fantastischer Disco Man. Er weiß, wo er die soften Synthies zu platzieren hat – und in welchem Verhältnis dazu die Bläser stehen müssen. Räumlich dahinter nämlich, im großen Boogie-Universum. Er weiß genau, wie man die schillernde, irreale Dancefloor-Atmosphäre schafft. Weiß, wie die Chöre klingen müssen: wo sie scharfzackige Stromstöße in den Raum feuern dürfen, wo die Trompetenfanfaren hervorschnellen müssen und wo der ideale Moment für funkige Gitarrensoli ist. Grandios.

...nicht zuletzt auch die atemberaubenden Übergänge. Jeder Sequenz-Wechsel ein Geniestreich. Weil man sie nicht bemerkt und schwupp, schon mitten im neuen Song-Versatzstück ist. Wer nach dieser Platte kein Sauerstoffzelt braucht, mit dem stimmt was nicht.

June 27, 2004

Käpt´n James auf allen Meeren


Ach, Käpt´n James... Wieso braucht eigentlich eine Platte, die „Auf allen Meeren“ heisst, eine „Riesen-Landkarte“??!

Egal. Es dauert eine Minute – solange, bis die kräftigen Klavier-Akkorde und die schmissigen Trompeten aufspielen – und ich hab Fernweh! Fernweh nach dem Meer. Geht das nur mir so?

Es ist mal wieder genial gemacht: der durchgehende, lockere Swing-Beat – und darauf eine flotte Abfolge der verschiedensten Melodien. Es wird auch mal still und langsam, und dann führt eine sanfte Basslinie die ganze Mannschaft wieder weiter ins nächste Gewässer. Und nie hat dieser sirenenhafte, sprachlos Vokale raunende Chor besser gepasst, als bei Käpt´n James. Gänsehaut.

Es ist ein großmaschiger Sound: sanft ineinander verschlungen und in der Tat wellenförmig. Ein geniales Bild, das James Last hier mit seinen Arrangements zeichnet: dem Thema auf den Leib geschneidert. Aber trotzdem noch Pop.

Ein Hauch von Traumschiff ist hier auch schon dabei – vor allem in den Eigenkompositionen, die mit eingeflochten sind. Unendliche Weiten durch sanft verklingende Streicherlinien. Und – man merke auf, vor allem zu Beginn der ersten Seite: James Last baut richtige Soundcollagen. Mit Sprachfetzen, Schiffshörnern und Hafen-Atmo.

Aber nicht nur das: die ganze Platte vollzieht eine Reiseroute nach, die auch mit lustigen Geschichten über Käpt´n James und Konsorten auf der Karte nachzulesen ist. Es geht um die halbe Welt. Von Hamburg nach Irland und über Portugal, Spanien, Griechenland nach Israel. Muss i denn, Greensleeves, When irish eyes are smiling, Carmen Marsch, Ein Schiff wird kommen, Hava Nagilah... Mit anderen Worten: „Käpt´n James auf allen Meeren“ ist das wichtigste Konzeptalbum nach Sgt. Pepper!

June 26, 2004

In the mood for trumpets


Diese Platte und ich – das war Liebe auf den ersten Blick. Und sie hält. Ist das nicht ein wunderschönes Cover? Die Farben. Und man weiß nicht ganz – ist es Manhattan, im Hintergrund? Oder sind es Nachbilder von irgendwas Herunterzischendem? Es hat – im Gegensatz zu eigentlich allen anderen Last-Platten etwas ungemein Mondänes.

Und natürlich wusste ich, dass Last & Trompeten nur gut gehen kann. Tut es auch. Hier sind etliche Stücke drauf, die einfach nicht älter werden. Und die nach dem hundertsten Hören noch nicht nerven. In the Mood. A String of pearls. American Patrol.

Manches findet sich schon auf ganz frühen Last-Platten – aber er hat sie offenbar alle nochmal neu einspielen lassen. „American Patrol“ beispielsweise hat hier den letzten, ausgefeilten Schliff erhalten, der die Last-Version so unvergleichlich macht. Unvergleichlich gut.

Die Stücke wurden mit verschiedenen Solo-Trompetern eingespielt. Ich bin ja ein bisschen irritiert, weil ich ja von den Bert Kaempfert-Aufnahmen einen Trompeter namens Ack van Rooyen kenne. Und hier spielt ein Arc van Royen mit. Zufall? Oder hat sich zwischenzeitlich die Schreibweise geändert? Hm.

Jedenfalls ist „In the mood for trumpets“ eine ungemein edle Platte. Aber trotzdem das, was man leicht und schrankenlos konsumierbar nennt. Das ist ja oft die große Kunst von James Last: dass er den Leuten fröhlichen Pop vorsetzt, der in Wahrheit von Meisterhand arrangierter und von einem Spitzenorchester gespielter Swing ist. Und ich persönlich bin tief beeindruckt von Lasts Multitasking-Fähigkeiten: der Mann war hochdekorierter Bassist – und ist trotzdem zu allen anderen Instrumenten das, was Noah mit der Arche zu den Tieren war.

Will sagen: er hat auch noch für alle anderen Instrumente das richtige Ohr und Händchen. Muss er ja. Als Bigband-Leader. Trotzdem bin ich perplex, wie ein Basser ein Trompetenalbum „schreibt“, das sicher zu den besten überhaupt gehört.

Und das ungemein vielseitig ist. Russische Folklore ist hier genauso drauf wie soft perlende Balladen, die in luxuriöse, mit dunklem Holz getäfelte Bars gehören. Und der fröhlich-rustikale „St. Louis Blues March“... Ein wahres Klang-Universum. Mit strahlenden, peitschenden, sanften und schüchternen Trompeten. Hören und entdecken.

June 25, 2004

Non Stop Dancing 1979 (New NSD)


Himmel, was für ein lustiges Cover. Sie geht ja noch als attraktiv durch – aber er! Diese gescheitelte Matte. Und die Brille! Vom Behörden-Schreibtisch direkt auf´s James Last-Cover. So schnell kann´s gehen.

´79 riecht nach Disco-Zeit. Aber was hier erklingt, das ist Pop-Brei. Das ist ziemlich zahnlose Disco. „Macho man“, „You´re the greatest lover“, “Substitute”… Und gerade letzterem hat man einen Aderlass verpasst, der offenbar kaum noch einen Tropfen Blut übrigließ… Hätte man auch „Träum was Schönes Vol. 2“ nennen können. Dabei weiß doch sogar Käpt´n James: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da!

Nein, hier muss man sich schon die Rosinen rauspicken. „Stuff like that“ zum Beispiel – das ist zumindest smoothe Disco. Und das Format der Disco-Maxi-Versions scheint sich auch auf James Last auszuwirken: auf dem Cover wird für “Hits in voller Länge“ geworben!

Wenigstens ist „Rasputin“ hier mal richtig hübsch anzuhören. So kann das also klingen, wenn man originelle Percussions drunterlegt – und James Last hat sogar eine richtige 4´50 lange extended Version draus gefrickelt. Cool. Also, wer sich mit Disco light anfreunden kann – und einem gewohnt toll auspielenden Orchester, der ist mit New Non Stop Dancing 1979 gut bedient.

Wirklich: Band und Chor sind wie immer klasse. Der softem, glattpolierte Sound passt zur Musik. Es groovt zwar, ist aber leider ziemlich leichte Kost.

June 24, 2004

Beachparty 4


1973 ist die Beachparty doch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Geht los mit einer bühnenreifen Orchester-Einleitung. Aber ein Strand ist kein Konzerthaus. Wo ist die schludrige, improvisierte Lagerfeuer-Atmosphäre?

Nein, diese Beach Party ist vergleichsweise ambitioniert und auch etwas glatt. Nix mehr mit Klampfe und Schlaghölzchen an den Strand – das hier ist hochprofessionell. Der improvisierte, gemütliche Charme der ersten Folgen ist weg.

Die Reihe ist zu einer Art Non Stop Midtempo mit viel Akustikgitarren und Gospelchören verkommen. Drauf finden sich gängige, v. a. amerikanische Hits, soulige Sachen und Lieder, die man damals wohl tatsächlich in katholischen Jugendfreizeiten gesungen hat. If you could reed my mind, Killing me softly, Delta Queen, You´re so vain… Schöne Songs, zweifellos. Auch schöne Platte. Nur eben anders als die ersten Beach Parties.

Dafür ist das Rück-Cover bezaubernd schön. Ist das nicht ein herrlicher Schnappschuss von James Last? Nur die Vorderseite schaut man sich besser nicht an. Herrjeh, seht Ihr den Jungen rechts von James Last schlottern? Der sitzt bestimmt nicht ohne Grund so zusammengekauert an. Und warum hat James Last wohl lange Ärmel an? Hinten rechts steht sogar ein Posaunist, der trägt Hemd und Pullover! Es muss schweinekalt gewesen sein! Wo diese Beach Party-Fotos wohl immer aufgenommen wurden? Und musste das Orchester das Floß zwischen den Proben wohl selbst zimmern? Wow – verpasst auch nicht, Euch mal den dritten Herrn von links anzugucken (den Frauenkopf dazwischen hab ich nicht mitgezählt). Die Hose! Ich sag nur: die Hose! Die Riesenblumen auf dem Schlag!! Und rechts daneben steht einer mit einer grünglänzenden Latzhose. Echt, super Requisite, diese James Last Family.

June 23, 2004

World Hits


World Hits – das klingt eigentlich schrecklich. Da fehlt nur noch „Die schönsten...“ – World Hits. Ganz grauenvoll. Aber hey, schaut auf dieses Cover: da lacht mich verheißungsvoll funkige Disco-Musik an. Ob wenigstens mal ein bisschen dieser Platte, na, zumindest im Big Eden am Ku´damm gelaufen ist? Vermutlich nicht. Auch da werden die Originale gespielt worden sein. Trotzdem. Hätte auch gut gepasst.

Vor allem – was macht James Last denn hier??! Nimmt einen alten Rodgers/Hammerstein-Hit. Also aus der Frühzeit amerikanischer Popmusik, als selbst der Begriff Tin Pan Alley noch jung war. Und verpoppt sie mit trockenen Hi-Hats, Disco-Streichern und durchaus nicht störenden Synthesizern. Na, das ist mal eine originelle, heiße Hochzeit. Nicht die Hits der Saison im Happy Sound nachgespielt. Sondern weiße US-Mittelklasse-Oldies von knapp nach der Jahrhundertwende im Disco-Gewand. Wow! Das hat was, kann ich Euch sagen.

Cole Porters „What is this thing called love“ – man hört förmlich Harold Melvin auf die Bühne keuchen, um das Ding noch mitsingen zu können. Aber – zu spät. Das schaukelt die Last-Band schon allein nach Hause. Und zum ersten Mal denke ich: nicht mal MFSB hätten das besser spielen können. Oh Nein! Das ist Philly Sound aus Bremen – täuschend echt. Heißblütig, wie dampfende Schokolade, wie Motown auf dem Betriebsausflug. Und edel – ich sag Euch. Das hier ist ganz großes Kino! Nicht zuletzt durch den Chor. Ach, hätten Manhattan Transfer nur halb so viel Gefühl und Timing gehabt...

Das klingt so wie die Singers Unlimited etc. – diese großen, glamourösen amerikanischen Gesangsgruppen der 70er. Von denen Manhattan Transfer mit Abstand die schlechtesten waren. Und mit denen es an deutschen Äquivalenten die Ute Mann-Singers zum Beispiel spielend aufnehmen können. Die sind klasse, die Ute Mann-Singers, mein ich damit. Der Gesang solcher Gruppen kling wie musikgewordener Luxus. Überirdisch. Flirrend. Streichelnd. Nicht von dieser Welt eben. Und am besten scheinen sie zu sein, wenn sie Frauennamen besingen. Charmaine. Emily...

Angenehm auch zu sehen, was James Last so als Welthits zusammenschnürt. Man hatte vielleicht erwartet: Yesterday, It`s now or never, My way… Aber Last greift zurück in die goldene Zeit v.a. amerikanischer Songkunst. „Besame mucho“ ist auch drauf, „Singin´ in the rain“ und „Volare“. Der Rest ist Jazz Age und Tin Pan Alley. Und das im Disco-Sound – tolles Crossover. Und ganz ungewohnt für James Last.

June 22, 2004

Copacabana


Endlich mal ein gutes Cover, meint der Chefredakteur. Ich finde, er soll ruhig mal nach Brasilien fahren und selbst nachgucken. Ich persönlich glaube nämlich nicht, dass die Frauen da tatsächlich so kleine Hintern haben. Das ist doch gefaket.

Jedenfalls ist das eine super Idee mit dieser Platte. James Last und Latin, das passt immer. Damit hat er ja schon seine Hammond-Ausflüge gerettet. Latin heisst auf solchen Platten immer: große Fröhlichkeit mit angenehmen, warmen Harmonien. Da wird die Melodie manchmal nebensächlich – die Harmonien halten das Ding schon in einem angenehmen, irgendwie vertrauten Fluß. Aber natürlich gibt es trotzdem Melodien: laute, durchdringende Melodien. Irgendwo zwischen Fanfare und Marsch. Kein Wunder, dass das klingt, als hätte James Last nie was anderes gemacht.

Nein, Latin-Musik ist einfach wie geschaffen für ihn und seine grandiose Band. Die rüttelt und schüttelt sich, die überschlägt sich an den Percussions, die lässt heiße Lava aus sich herauskochen – und dann wieder eine Mischung aus sanftem Sonnenuntergang und Studio 54. Ja, es wird Sommer mit dem Copacabana Happy Dancing – wie die Platte mit vollem Namen heisst. Und soviel Rhythmus wie die Brasilianerinnen im Hintern hat die James Last-Band ja im kleinen Finger.

Ich möchte das Augenmerk auch noch mal auf das bemerkenswerte Cover lenken. Angesichts dessen, dass hier schon die Ära der James Last-losen Cover angebrochen scheint, ist das ein umso gelungeneres Exemplar. Denn oft sehen die James Last-Cover in den 80ern nur noch Scheiße aus. Während sie in den 70ern meist noch ihn selbst zeigen und irgendwie sympathisch und witzig wirken. Nun, dass man beim Thema Copacabana nicht widerstehen konnte, etwas anderes auf die Hülle zu packen, liegt ja nahe... Ich als Frau kann ja den tollen, poppigen Copacabana-Schriftzug betrachten, den ich total super finde. Ich finde, allein für diesen Schriftzug hat die Platte einen Design-Grammy verdient. Da hat jemand sehr genial die Farben und Konturen des Hüfttuchs aufgenommen. Fabelhaft, wie Dieter Thomas Heck und ich hier aus einem Munde tönen!

Yeah, meine Finger rocken im Latin-Takt über die Tasten. Das tut ihnen auch mal gut. Zumal keiner im Raum ist, der sagt: Du hast ja ´ne lustige Art, zu tippen! Das hör ich im Büro ständig. Entweder ist es immer der gleiche Kollege, der sich jedes Mal von neuem lautstark beeindruckt zeigt. Oder es ist die Fluktuation von Kollegen und Praktikanten, die ständig neue Leute in den Raum schwemmt, die garantiert noch nie jemanden so haben tippen sehen. Zur Erläuterung: ich tippe mit zwei Fingern der rechten Hand, während die linke Hand allein der Shifttaste vorbehalten ist. Und ich mache das ziemlich schnell. Am schnellsten geht es, wenn die Zimmertemperatur eine bestimmte Gradzahl nicht unterschreitet und niemand auf meine Finger glotzt und sagt: Tipp mal was. Ich möcht Dich noch mal tippen sehen. – Dann geht es nicht. Dann fühlen sich meine Finger zu beobachtet. Aber mal im Ernst: warum soll das nicht gehen, mit zwei Fingern schnell zu tippen? Pianisten können irgendwann ihre Stücke auch auswendig spielen. Ich bin sicher, Günter Platzek hätte sich nie über meine Schreibweise gewundert. Der wusste, dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirken kann. Wirken? Wirkeln. So klingt das schon aktiver. Schöpferischer. Denn ich meine nicht nur: wirken, sondern wirken im Sinne von „etwas produzieren“. Und dafür passt Wirkeln besser. Dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirkeln kann.

Oder wie der Vibraphon-Spieler in „Perhaps? Perhaps? Perhaps?“. Der klingt toll. Und der Bass, Mannomann. Obwohl er auf dem kleinen Foto hinten einen zu engen Anzug zu tragen scheint, der Basser. Umso beeindruckender, wie toll er hier zupft. Während an James Last der weiße Anzug mal wieder sitzt, als wär er speziell für ihn getackert worden. Und ich ahne, dass die Orgel von Günter Platzek, leider im Halbdunkel verborgen, verdammt spacig aussieht.

Es ist diese Musik, die hier drauf ist, die man auch oft bei Tanzturnieren hört. Wenn zu stark geschminkte Damen mit zu straff nach hinten gesteckten Haaren und männliche Schmierlappen den heißen Rhythmen das letzte Quentchen Lebenslust austreiben, indem sie Tanzen wie schwere Akkordarbeit aussehen lassen. Diese Musik hier könnte – in gewissem Maße – auch Max Greger spielen. Hugo Strasser auch, aber bei dem kläng sie nicht so lässig. Nein, wirklich nach Easy Going und Strandleben klingt sie nur, und zwar nur, bei James Last!

Wobei ich zugleich warne: wer hier obsessive Ausflüge in tripartige Sessions erwartet, der wird enttäuscht. Diese Platte macht Hummeln im Hintern wach, sie ist durchdrungen von großer Arrangier- und Spiellust. Aber sie ist kein Höllenritt wie manche Non Stop Dancing von Ende der 60er oder Anfang der 70er. Das Klang-Puzzle ist vergleichsweise understatementig: wie schon gesagt, warm und manifest. Aber nicht so, als hätten die Last-Musikanten vergessen, ihre Gaga-Zügler zu nehmen. Nein, das ist eine Latin-Platte, wie sie sein soll. Einen atemlos hindurchziehend und erst nach dem letzten Ton wieder loslassend. Mit allem, was Latin so hergibt an Percussions und Bläsern, aber vergleichsweise weich. Und auch hier schön zu sehen, dass es eine Fassung des Titelsongs gibt, die sich hören lässt: nämlich eine ohne Barry Manilow. Auch wenn mir zwischen Strophe und Refrain dieser ganz hoch geblasene Ton fehlt. Wer macht den eigentlich sonst? Ist das eine Trompete? Eine Posaune? Eine Trillerpfeife ? Rätsel der Musikgeschichte… Wenn´s jemand weiß: her damit.

June 21, 2004

Party


Diese Platte ist natürlich der Hammer. Das ist so die Art Platte, wo man sich fragt: soll ich sie wirklich rezensieren und damit Einbrecher auf den Plan rufen? Keine Ahnung, was sie wert ist. Aber sie ist wunderschön. Und es sind keine Klassik-Stücke drauf.

Ganz im Gegenteil. Vor allem ist ein Spiel drin. Ja, auch den Innenseiten der Box ist ein Partyspiel. Neckisch, poppig und so, wie Menschen wohl in den 70ern Spiele gespielt haben. Haben sie? Fall ja, melden Sie sich! Vor allem melden Sie sich, wenn Sie bei diesem James Last-Partyspiel ihren Partner kennen- und liebengelernt haben!! Schließlich gibt es hier Spielfelder wie „Liebesgarten“ und „Seitensprung“, aber auch „Mauerblümchen“...

„Viel Spaß! – Und lassen Sie sich recht viel einfallen!“, rät die Spielanleitung zum Schluss. Die Knollennasenmännchen sehen ein bisschen aus wie von Loriot. Und das Layout hat nicht ohne Grund die Firma „pop + art design“ gemacht.

Wer für das göttliche Cover zuständig war, steht leider nicht dabei. Sieht es nicht aus, als gucke James Last aus eine poppigen Fernseher heraus? Ich hab noch eine Heino-Platte, die sieht ähnlich aus. Damals traute man sich noch, die Farben Rot und Pink zu kombinieren. Ich möchte die 70er dafür ausdrücklich beglückwünschen. Auch für zu den fetten – Wohlstand und Optimismus ausdrückenden – „Party“-Buchstaben. Ja, ich bin ein bisschen verliebt in diese Box.

Auch in das aufgemalte Siegel: „James Last. Happy Sound International.“ Wow. Sieht aus, wie das Logo einer sexy Fluglinie. DA würde man gern mal mitfliegen. Vor allem, wenn da die Musik läuft, die auf diesen vier Platten drauf ist. Ich bin ja mittlerweile optimistischer, je älter die Platten sind. Man muss es mal ehrlich aussprechen: vor allem in den 80ern hat James Last viel Schmuh gemacht. Aber in den 60ern und 70ern – vor allem in den frühen 70ern und auch noch kurz vor der Disco-Zeit – da war James Last der helle Wahnsinn. Und genau aus dieser Ära sind die Platten der Box.

„Hits à la Last“ zeigt, was man mit einer Bigband machen: swingen – so sexy, leicht und trotzdem feurig, wie ich es bei niemanden sonst je gehört hab. Der Charme und Optimismus das James Last-Sounds ist letztlich unkopierbar. Da kommt niemand ran, auch der von mir hochgeschätzte Max Greger kann mit den besten Platten von James Last nicht konkurrieren. James Last versetzt sämtliche Moleküle – zumindest meines Körpers – in Bewegung. Bis auf die des Mundes: der steht offen, weil ich immer wieder baff bin über die rasanten, trickreichen Arrangements und die Spielfreude der Band. Let the sunshine in, Happy heart, El Condor Pasa, Lara´s Theme, Blowin´ in the wind… Wer immer noch Häme über den Last´schen Mainstream-Brei verbreiten will, der übersieht, dass Last den vermeintlich so „kleinen Leuten“ verdammt viel Psychedelia untergemischt hat. Die hatten ihre Freude an. Während die Kritiker vermutlich nicht mal reingehört haben und nicht merkten, was ihnen da entging.

Die Rückseite der ersten Platte heisst übrigens „Latin Hammond“ – und damit ist auch der Last´sche Hammond-Sound bei mir wieder voll rehabilitiert. In dieser Zusammenstellung holt Last aus dem Hammond-Sound raus, was ihn erst erträglich bis unwiderstehlich macht: Schmalz, Witz und Besessenheit. Hammond Orgeln haben ´was unfreiwillig Komisches im Klang, finde ich. Aber mit Latino-Klängen und Tanzrhythmen gehen sie die perfekte Ehe ein. Estrellita, Cumana, In a little spanish town, Benita, Wheels... Ich bin entzückt! Man beachte auch, dass James Last nebenbei noch der Erfinder von Franz Lambert ist. Nicht dass ich Beweise dafür hätte – aber wenn ich diese Platte höre, wird mir einiges klar.

Endlich, endlich kann ich mal hören, wie „Swinging Ännchen“ klingt. Bisher kannte ich ja nur das normale Ännchen, das zum Tanz resp. zum Träumen lädt. Swinging Ännchen klingt gut! Mit Knackbass, ausgelasteten Bläsern und einem rührigen Piano. Und die Bläser machen nebenbei noch Geräusche, die ich zumindest bei Last noch nie von ihnen gehört hab: dreckige, verfremdete Geräusche. Ich schätze, nach dieser Aufnahme musste das Orchester erstmal wegen schweren Muskelkaters in Kur geschickt werden. ...oder es nahm erstmal den Fuß vom Gas. Die letzten drei der vier Takes sind vergleichsweise soft und Midtempo. Kein allzu großer Unterschied zu den üblichen Ännchen-Platten – die ja durchaus auch swingen. Schade. Aber trotzdem hörenswert.

Von der B-Seite grüßt der beliebte Käpt´n James. Vielleicht war das gemäßigtere Ännchen die Vorbereitung auf ihn... Denn Käpt´n James swingt auch eher leise. Aber freundlich und ideenreich.

Platte 3 enthält einen Seite mit „Instrumentals“. Was angesichts des gängigen Last-Sounds, der auch bei Volks- und Seemannsliedern eher wenig Text enthält, schon lustig ist. Es sind jedenfalls von American Patrol über The more I see you bis zum Drina Marsch eher oldfashioned, klassische Stücke. Mal temperamentvoll, mal majestätisch eingespielt. Aber alle mit diesem Strahlen, diesem großen Ja des Last-Sounds und alle unverkennbar Last! Flott, tanzbar, gutgelaunt. Viel Bläser, viel klassische Bigband.

Ein Dank-Telegramm eines Lehár-Neffen hat James Last einst seine Lehár-Platte eingebracht. (Diese werden dem „Onkel“ neue, jugendliche Hörer zuführen.) Hier zusammengefasst zu „Lehár for dancing“. Flott, schmissig, swingender Operetten-Kitsch. Ich weiß, dass das Wörtchen „Swing“ in Last-Rezensionen inflationär gebraucht wird. Aber was will man machen? Es swingt halt. Manchmal auch weich und schwebend. Und manchmal mit Streichern, so leicht wie gasgefüllte Luftballons...

Die „Golden Non Stop“s auf der vierten Platten sind zackige, rockende Tanzboden-Kracher. Na na hey hey..., In-a-gadda-da-vida, Venus und auch der ein oder andere Volksfest-Song. Im Potpourri mit Partygeräuschen. Und mit rühriger Orgel, Vibes, natürlich viel Blech und Händeklatschen. Das alte Dschungelfeeling nach dem Motto „Klotzen, nicht kleckern“. Wer sich hier nicht bewegt, ist selber schuld.

Aber auch wunderschöne, wie ich finde, zu Unrecht vergessene Lieder sind hier zu finden: The windmills of my mind! The wonder of you. Greensleeves. Wieso hört man die sonst nur noch so selten?? „More Non Stop“ heisst sinnigerweise die letzte Seiter dieser Box. Auch wenn man´s ein bisschen belächeln darf: die Seiten-Titel sind schon süß. Und liebevoll ausgewählt. Das ist die Petersilie auf dem Schnittchen-Teller. Der Apfel im Spanferkel-Maul. Und wie ich „Goodbye Sam, hello Samantha“ liebe! Auch dafür noch mal Danke!! Und eben für diese ganze wunderbare, supertolle Box!!!

June 20, 2004

Non Stop Party 1974


Ja super. Wenn einer dem deutschen Middle-of-the-Road-Publikum beigebracht hat, wie groovy eine E-Gitarre sein kann, dann James Last! Man höre nur mal den Anfang von „Non Stop Party 1974“. Ist das wirklich das Last-Orchester oder sind das Deep Purple? Ganz ehrlich! Ah, und hier steht´s auch endlich mal: „Produktion: James Last“. Lange hab ich gerätselt, ob der Ton-Ingenieur zugleich auch Produzent ist. Aber nein: seit ´64 hat Last einen Exklusiv-Vertrag mit der Polydor, und zwar als Produzent!

Na, den hat er ja gut investiert. Vorzugsweise in seine eigenen Platten. Die hier wird dann allerdings doch ein bisschen schlapp. Was war denn los 1974? Die Carpenters, Elton John, Suzie Quatro, Gilbert O´Sullivan, Ringo Starr und Sweet – ja, macht Ihr daraus mal ein flottes Package! Das ist auch schwer! Und am Ende dann doch ein bisschen zu geschmackvoll geraten.

Ob das wohl wehgetan hat – bei nur zwei Non Stop Party-Platten pro Jahr die besten Lieder aus zwölf Monaten rauszusortieren? Gut, zwei Tricks, um möglichst viele Songs auf die Platten draufzukriegen, hat er ja entwickelt: erstens seine Potpourris. Heisst: pro Track gut und gerne drei bis fünf Titel untergebracht. Und dann: die Reihe Non Stop Dancing. Das sind bestimmt noch mal zwei Platten pro Jahr. Und worin sollen die sich von den Non Stop Parties groß unterscheiden als im Namen? Clever!

Aber trotzdem wird ihm da doch manchmal das Herz geblutet haben, dem James Last. Auf dieser Platte hier ist zum Beispiel kein einziges Abba-Lied drauf. Ich seh ihn direkt vor mir, den Bandleader. Mit verzweifelt zusammengezogenen Brauen, den Kopf ermattet in die Hand gestützt – um dann am Ende doch die Münze zu werfen: „Waterloo“ oder „Knockin´ on heavens door“? Bekanntlich hat Dylan gewonnen.

Wenn ich mir das Cover so ansehe, ahne ich übrigens, wer in den Siebzigern der meistfotografierte Deutsche gewesen sein muss. Willy Brandt? Franz Beckenbauer? Nein. James Last! Erstens ist der auf fast jedem seiner Plattencover drauf. Und zweitens das dann oft noch mehrfach. Allein hier zähle ich neun James Last´s!

Aber wenn man die Platte länger hört, wird sie doch wieder ganz gut. Die Sweet-Sachen sind natürlich wie geschaffen für das James Last Orchester! Die schreien förmlich danach, noch ein paar saftige Beat-Gitarren und zehn Tambourin-Schläger zu kriegen. Und, ganz ehrlich, Gesang konnte man das ja nicht nennen, was Brian Connolly da angestellt hat. Wurde also auch Zeit, dass sich da mal der James Last Chor drüber her gemacht hat. Gibt’s eigentlich ´was, das nicht die Marke „James Last“ trägt? Ich hab gelesen, dass er seiner Band in der Nordheide sogar ein eigenes Erholungszentrum gebaut hat. Klingt gut, aber bestimmt wurden die da nur kaserniert, um sich nicht mit anderen Musikern austauschen zu können. Sonst hätten sie gemerkt, dass nicht alle Bands in Sträflingskostümen für alberne Plattencover posieren müssen...

Und noch was macht mir Sorgen: kann man unbeschadet durch die Pubertät kommen, wenn der eigene Vater sämtliche Lieblingsbands auf Platte covert und davon noch mehr verkauft als die Originale selber? Mal im Ernst: bei James Last ist doch von den Beatles über Deep Purple bis T. Rex alles drauf. Was bleibt denn da noch? Ich wette, Led Zeppelin hat er sich auch irgendwo vorgeknöpft. Hm. Black Sabbath vielleicht aber nicht. Und Velvet Underground auch nicht. „Sei artig, sonst kommt dein Lieblingssong auf meine nächste Platte drauf.“ Lief es eventuell so? „Solang Du deine Füße unter meinen Tisch stellst, sind deine Lieblingssongs auch meine Lieblingssongs!“ Wie schrecklich. Ich glaub, der Sohn von James Last ist bestimmt sehr früh ausgezogen. Das Lästigste war vermutlich, dass sich der Vater ständig seine Platten geborgt hat. Und die hat man dann zurückgekriegt als „Non Stop Party 170“. Oder als „Dylan a gogo“. Au backe. Vielleicht gibt´s deshalb so viele Non Stop Parties. Weil Last jr. so schwer zu bändigen war. Danke, Mann.

June 19, 2004

James Last live


Aus dem großen Welt-Tournee-Programm.

Oh mein Gott, diese Platte beginnt tatsächlich mit der Glocke, die die Zuschauer zu ihren Plätzen ruft. Es geht los! Mit dem Titel „Opening Tournee“. Wow, hier sind schon die Bläser-Fanfaren. Furioser Opener, muss man sagen. Aber so flott, wie das hier abgeht, ist es auch schon wieder vorbei, und along comes „Evie“. Eine Ballade, langsam und soft, aber mit Soul und Style.

Wow, das ist nicht die schrille, partymachende Last-Combo, die hier durch die Hallen der Welt tourt. Auch wenn ich die sehr liebe. Aber das ist ein großer, swingender Klangkörper. Wow, wow, wow.

Und der hat im Programm, was Anfang der 70er modern, edel und weltoffen klingt. Eben Songs wie „Evie“, die amerikanischen Croonern gut zu Gesicht stehen: „Face in the Crowd“, „I left my heart in San Francisco“. Lounge-Swing. Las Vegas-Chic. Mit weiten Melodiebögen und coolen, sophisticated Arrangents.

Aber auch Abrocker wie „Easy Livin´“. Pures Adrenalin-Schub. Mit diesen straffen Bläsern und gnadenlos rockigen Gitarren. Und was der Drummer da an seinen Trommeln macht – wow.

Dazwischen: kurze Begrüßung durch einen atemlosen James Last („...im Namen dieser großen Familie hier auf der Bühne. Dankeschön.“), der die große Geste sowieso nicht liebt. Und schon perlt wieder die Romantik mit zarten Streichern, sanften Bläser- und Piano-Soli, und man möchte mit irgendwas Hochprozentigem on the rocks ungestört an einer Bar sitzen und lauschen. Wer diese Tour live erlebt hat, dem ist das Leben nichts mehr schuldig.

Wo das Konzert aufgenommen ist? Ja, das wüsste man gern. Auf der Welt-Tournee halt. Kann man sich jetzt aussuchen, ob in Moskau, Hamburg, Toronto, London, Neuseeland oder Hongkong. Ob er die Fett-Polka wirklich in Hongkong gespielt hat? Wahrscheinlich gerade da. Aber auch in Neuseeland und London? Hm.

Jedenfalls ist das eine der wenigen Live-LPs, die ich mir anhören kann. Nicht zu fassen, dass dieselben Leute auch diese schrecklichen Klassik-Platten eingespielt haben. Dr. Jekyll und Mr. Hyde... Oh, diese wunderbare Orgel von Günter Platzek in „Swing low sweet chariot“. Wie konnte man die je unter süßlichen Streichern verschwinden lassen? Also, nicht hier. Sondern auf den erwähnten Klassik-LPs. Dies hier ist eine der Platten, wo man verflucht, dass man damals noch zu jung und die Eltern keine James Last-Fans waren, die einen mal hätten mitnehmen können auf ein Konzert. Bei ebay bietet ein heute vermutlich Mitt- bis Enddreißiger ein Programmheft von 1970 mit Autogrammen von James Last und Katja Ebstein an. Habe er backstage bei einem Konzert ergattert, weil die Sicherheitsmaßnahmen damals noch nicht so schlimm waren. Und man als Kind da sowieso leicht hinkam. Da kann man mal sehen, was man damals alles hätte erleben können. Wenn die Eltern nur gewollt hätten... J´accuse!

Wär auch toll gewesen, wenn James Last bei jeder ZDF-Hitparade die Titelmelodie live gespielt hätte. Das wäre dann der einzige Titel gewesen, der auch ohne Wiederwählen nach drei Malen noch dabeigewesen wäre. War er ja auch so. Aber eben als Konserve. Oh Scheiße, ich ertappe mich gerade, wie ich bei der Fettpolka mitklatsche. Das kann echt nicht wahr sein, oder? Aber da kann man mal sehen, was diese Platte mit mir macht. Das, was alle Platten mit einem machen sollten. Wenn sie ihr Geld wert wären.

Mein Gott, gestern habe ich Musik gehört, die ich vorher nur verbal beschrieben bekommen habe. Vom Neon-Magazin und dem Musiker selbst: Pharell Williams von NERD. Den Beschreibungen nach hätte ich auf die thrillendste, unglaublichste Musik ever getippt. Es war wirklich so glaubwürdig und verheißungsvoll beschrieben. Es war ja auch quasi das gleiche Magazin, das modernen RnB als die futuristischte Musik beschrieben hat, die es derzeit gibt. Und da konnte ich vollauf zustimmen. Wusste genau, was sie meinen. Aber dann seh ich auf MTV gestern so´n Geknüppel und Gebrülle, dass ich dachte: das sollen NERD sein? Die diese traumhafte, zauberhafteste und fantastischste Musik ever machen?

Ich will damit nur sagen: hier kann Ihnen das nicht passieren. Diese Platte ist wirklich und ehrlich so toll, wie ich sage. Hier wird jeder Hörer, der sie erst auf meinen Rat hin hört, sagen: „Ja, stimmt. Frl. Katja hat wirklich Recht. Gut, dass wir Ihr vertraut haben. Diese LP wird fast meine neue Lieblingsscheibe werden.“

Denn: Sie hören hier ein Spitzenensemble. Super Intonation, tolle Klangfarben. Auch toller Raumklang, plastisch, förmlich zu greifen – und klingt wirklich nach einer großen Halle. Genauer: zwar nach einer großen Halle, wo ein Spitzenmann am Mischpult sitzt und die Klänge optimal abnimmt. Bestimmt wurde hier nicht im Studio nachgebessert, wie bei eigentlich allen andere Live-Platten. Ich hab mir da jedenfalls Geschichten erzählen lassen... Aber das hier sind bestimmt echte, authentische Aufnahmen. Höchstens aus verschiedenen Konzerten und Orten zusammengefriemelt. Aber das hör ich nicht so raus, ob das jetzt die Sowieso-Halle aus Toronto ist oder diese andere Halle aus Hongkong. Sonst wär ich damit schon längst bei Wetten, dass... gewesen. Und hier stört mich auch der kurze Beethoven-Ausflug nicht. Ist a) super gespielt. Und b) ist das die einzige Platte, wo nach einer „Romanze in F-Dur“ das „Theme from Shaft“ kommt.

Tolles Timing. Tolle Dynamik. Super Stimmung. Vibriert förmlich. Die Luft flirrt, die Vibes bringen den ganzen Raum zum schwingen. Ich weiß, meine Kategorien sind was für Grobmotoriker. Aber auch Grobmotoriker lieben Musik. Sie können sie nur schlecht beschreiben.

Deshalb können sie auch nicht sagen, warum genau das „Also sprach Zarathustra“ so toll nach Disco klingt. Und warum sie beim Russland-Medley förmlich dahinschmelzen. Es ist einfach so. Gott sei´s gepriesen. Auf dieser Platte ist sogar hörenswert, wenn das Orchester vorgestellt wird und jeder sein Solo spielen darf. In jedem Konzert eigentlich der Punkt tödlicher Langeweile. Hier die Minuten, wo die Musiker zeigen, wie Psychedelia klingen kann. Wie der ganze Rest: fantastisch!

June 18, 2004

Tanzparty mit James Last


Was ist das denn für ein Ausreißer? Keine Party, kein Dancing. Eine Tanzparty. Klingt, naja, hm, bestimmt verheißungsvoll. Vielleicht eher Tanz-Tee? Wer tanzt denn auf „Happy Luxemburg“. Die RTL-Hörer? Camillo Felgen? Der Mann im orangefarbenen Anzug mit der braunen Fliege auf dem Cover sieht auch eher nach einem gepflegten 5-Uhr-Walzer aus als nach heißem Abhotten.

Club-Edition steht oben in der Cover-Ecke. In welchem Club bin ich denn hier gelandet? In einem „Wenn mich jemand sucht – ich bin in meinem Club“-Club? In einem Club, in dem Menschen schemenhaft im Gegenlicht tanzen und ihre Haar hin und her schleudern? Ist der Mann auf dem Cover der Butler oder der Türsteher?

Ist jedenfalls ein beschwingter Mix, hier auf der Platte. Bisschen glatt vielleicht, die Take-Enden zum Teil zu stark geblendet – was ja dem Prinzip der Non Stop-Platten im Kern widerspricht. Aber das hier ist auch keine Non Stop-Platte. Oh, klasse: ich hör gerade die erste Fassung von „If you leave me now“, bei der mir nicht schlecht wird. Das ist doch mal ein Fortschritt. Der Trick scheint ganz einfach: man muss einfach Chicago weglassen!

Wow, die Musik der Starparade! Die ist toll. Die ist Party pur. Da liegt das ganze Genie von James Last drin. Denn: super Melodie, super pfiffig, super Musiker. Swingt wie der Teufel. Und hat auch wieder diesen tollen Ausklang, bevor der Schluss-Schlag kommt. Das alles könnte auch daran liegen, dass der komplette Take (mit „San Francisco“, „Silence is golden“ und „Ha! Ha! Said the Clown“) aus dem 69ern kommt.

Diese Platte ist nämlich auch wieder eine Compilation aus verschiedenen alten Aufnahmen zwischen 1967 und 1977. Muss funktionieren, weil James Last-Fans ja zwangsläufig Oldie-Fans sind. Wie ich bereits an anderer Stelle erläuterte, hinkten ja schon die Non Stop Party den Dingen um mindestens ein halbes Jahr hinterher, müssen also auch schon als Oldies durchgehen.

Aber hier sind neben den Sixties-Sachen auch schon veritable Disco-Stücke drauf. „More, more, more“ zum Beispiel. Und manchmal gehen die Takes auch ineinander über.

Und mein geliebtes „Schmidtchen Schleicher“ ist auch drauf. Was hab ich dieses Lied gemocht in den 70ern! Noch mehr als „Mein Gott, Walter“. Aber nicht so sehr wie „Paloma Blanca“.

„Silver Bird“ ist ein bisschen träge. So kommt der nie hoch. Ich hab mal im Radio gehört, wie dieses Lied direkt nach der Schweigeminute für die Opfer des 11. September lief. „Ich hab keinen Freund in New York City...“ Ich hab aber auch schon gehört, wie eine Sendung, in der der Tod von Jürgen Möllemann das Topthema war, mit „Das Leben is wia a Traum“ von der Spider Murphy Gang anfing. Um das Malheur abzufangen, wurde dann schnell noch ein Lied draufgespielt. Das war dann „You´re so vain“ von Carly Simon. Für Jürgen Möllemann auch wesentlich passender, finde ich. Und vielleicht hätte er ja auch früher gern zu dieser Platte getanzt. Der Club jedenfalls, dem sie gewidmet ist, wird sich bestimmt gefreut haben. Sonst wär das auch die letzte Club-Edition gewesen, schätz ich mal.

June 17, 2004

Ein festliches Konzert zur Weihnachtszeit


Das kommt auch immer gut: ein Doppel-LP-Cover mit nur einer LP. Nicht dass da eine fehlen würde. Es ist halt nur eine üppige Aufmachung.

Und dafür, dass hier viele Streicher drauf sind, auch eine schöne Platte. Eine sehr ernsthafte Weihnachtsplatte. Würdevoll. Kein Easy Listening. Aber leicht weichgespülte E-Musik. Getragen, gefühlvoll. Nicht die Weihnachtsmusik, die ich mir anhören würde. Aber wer an Weihnachten mal in sich gehen möchte – und das mit James Last tun möchten, für den ist das was. Ausgezeichnet mit dem deutschen Schallplattenpreis, Ende der 70er, Prädikat: „Empfehlenswerte Aufnahme“.

Wie gesagt, für mich ist es eher nichts. Getragen. Innig. Mit diversen Largo, Concerti, Adagio, Ave verum corpus, Der Winter und Uns ist ein Kindlein heut geborn... Leider sieht man auch das Orchester nicht auf dem Cover. Und erfährt nicht, wo diese schöne, golden geschmückte Kirche steht. Macht sich jedenfalls optisch auf jeden Fall unterm Weihnachtsbaum gut.

June 16, 2004

Schließ die Augen, laß Dich verwöhnen


Klassische Melodien voller Romantik.

Wieder so eine James Last goes Klassik-LP. Die verstecken sich ja hinter den vielfältigsten Namen. Classics, Classics up to date, In Concert, Die schönsten klassischen Melodien… Und jetzt eben ”Schließ die Augen“. Romanze, Adagio, Türkischer Marsch, Ave Maria...

Wer braucht denn sowas noch? Wer hat es noch nicht? Sind da immer neue James Last-Fan-Generationen herangewachsen, die die alten Platten nicht kannten, nicht hatten? Waren da wirklich immer neue Sachen drauf? Scheint mir nicht so. Schließlich erstrecken sich bei dieser Platte die Aufnahmejahre von 1973 bis 1980. Merken James Last-Fans nicht, wenn sie sich noch mal kaufen, was sie längst haben? Oder macht es die neue Zusammenstellung?

Ich weiß, ich muß ganz ruhig sein. Von wegen „Merken sich James Last-Fans nicht, was sie längst haben?“... Verdammt, das ist auch schwer, da den Überblick zu behalten. „War es nun die Non Stop Party 1971, die mir noch fehlt? Oder die Non Stop Party 1972/2?“ Dieser Zahlenfetischismus bei James Last... Und dann sind da auf den Coverrückseiten immer noch etliche andere Cover abgedruckt, dass man eh irgendwann nicht mehr weiß: hab ich die? Oder hab ich nur oft genug das Cover gesehen? Nach gewisser Zeit sind einem alle James Last-Cover alte Bekannte.

Hey, hier ist mit den „Zigeunerweisen“ von de Sarasate was richtig flottes drauf. Und dass es James Last ist, erkennt man höchstens an den exzessiv geschlagenen Tambourins. Und beim ganzen Rest die soften Unisono-Streicher. Herrjeh, jetzt, wo ich weiß, dass in Luxemburg unter anderem der Europäische Gerichtshof sitzt – und Luxemburg Stadt deshalb viel größer ist, als ich dachte, und man sich da durchaus mal eine ganze Stunde lang verfahren kann –, möchte ich das auch gern nutzen. Die Klage Preißner gegen Last lautet: Beeinträchtigung der Menschenwürde durch zu viele Klassik-Platten. Ich möchte gern über Herrn Last einen Swingzwang verhängen lassen. Er soll bis ins Grab nur noch tolle Swingplatten einspielen. Und den Herrschaften Mozart, Bach etc. darf er sich nur noch bis auf 200m nähern. Wäre das nicht toll?

Ich glaub, er hat eh schon längst mit den Klassik-Platten aufgehört. Bei mir landen in meiner James Last-Anhäufungswut nur die ganzen, die er in seinem Leben schon aufgenommen hat. Das konnte nicht gut gehen.

June 15, 2004

Erinnerungen


Erinnerungen an was? An große Hits? An alte James Last-Sachen? Ist das hier wieder Aufgewärmtes von vorgestern? Oder einfach Erinnerungen „an sich“?

Man weiß das nie so genau. Möglicherweise erinnern sich Menschen, dass sie seit 1983 noch eine James Last-Platte im Schrank haben, die da komischerweise fast unberührt vor sich hinschimmert.

Der „große Single Hit ´Erinnerung´“ mag einem bekannt vorkommen. An „großen Single Hits“ kommt man ja sowieso kaum vorbei. Er ist auch noch recht kurzweilig, dieser Hit. Mit viel Klavier. Ich tippe auf E-Piano. Nicht, dass man´s hört. Aber es würde passen. Klar, hier ist auch viel Synthesizer drauf. Bei allem Respekt, dass James Last sich nie vor Neuerungen (naja, der Synthesizer war da nicht wirklich neu, aber ich mein so was ähnliches) verschloss – aber es klingt doch nur wie ein billiger Streicherersatz.

Das ist also die klangliche Parallelwelt, in die sich Menschen damals flüchteten, die nicht gerade Schlager-NDW oder Supertramp und Police hörten. In warmen Braun- und Gelbtönen versucht das Cover dasselbe zu sagen wie die Musik: „Fürchtet Euch nicht.“ Ja, so lässt es sich überwintern. Das ist die kontemplative Ära des James Last. Keine flotten Potpourris, sondern seriöse Einzeltakes in epischer 4´30-Länge, die klingen, als seien sie irgendwo aus einem Drama mit Daryl Hannah oder Meryl Streep geklaut. Filme, für die´s keine Oscars gibt. Die auch nicht wirkliche Blockbuster sind. Sondern irgendwann auf Kabel 1 oder Super RTL laufen.

Zeitlupen-Orchester-Rock im anbrechenden Computerzeitalter. Dummer- äh, komischerweise ist das auch die Zeit, wo sich James Last traut, immer mehr eigene Kompositionen auf seine Platten draufzupacken. Und das sind, Verzeihung, Verzeihung, Verzeihung, keine großen Würfe. Meistens jedenfalls. Wir wissen alle, wie großartig „Games that lovers play“, „Der einsame Hirte“, „Morgens um sieben...“, „Happy Heart“ oder „Wenn sich das Mondlicht...“ (von Last?) sind. Auch die Last´sche Gebrauchsmusik – von den Fernsehmusiken (ZDF Hitparade, Starparade) über Radiomusiken und Schnellschüssen wie „Happy Luxemburg“ und „Happy Music“ – Zucker. Aber vieles, was sich auf Vinyl gepresst findet, sind unausgegorene Sachen, die leider in den Papierkorb statt ins Studio gehört hätten. Wie auch das meiste von Sohn Last.

Auf dieser Scheibe findet sich neben Elton Johns „Song for guy“ (und – bezeichnenderweise – einem „Sorry Elton“ von James Last) noch ein bisschen was von Vanghelis, Bach, Chopin, Paganini und Schubert. Okay, für sein wegweisendes Engagement, E- und U-Musik auf eine Platte zu bannen, gebührt James Last eine Medaille. Aber für diesen lahmen, runtergenudelten Möchtegern-Sound dieser Platte nicht.

June 14, 2004

Seduction


Seduction – das musste ich erstmal nachschlagen. Verführung. Von 1980. Das Cover sieht auf den ersten Blick schlimm aus, ist aber doch ganz okay. Schön puristisch. Fast poppig.

Aber die Musik. Hilfe! Geht gar nicht. So schwurbeliger Früh-Achtziger-Cool-Fusion-Pop. Überproduziert. Glatt. Ohne Atmosphäre. Ohne Hooks. Und das liegt – Verzeihung – daran, dass hier bis auf zwei Moroder-Takes nur Stücke aus der Last-Familie drauf sind. Von Vater und Sohn Last. Und dass aus diesen Stücken keine Evergreens wurden, hat seinen Grund.

Uninspiriertes Gedaddel, das... Und dass hier ausgerechnet Moroders „Night Drive“ aus „American Gigolo“ drauf ist, ist bezeichnend. Dieser Sound ist die Blaupause für vieles, was James Last Anfang der 80er gemacht hat. So ein früher Miami Vice-Klang. Mit Synthie, ja. Mit – wie man wohl dachte – betont funkigem Bass. Und – na? Ja, natürlich. Mit Saxophon! Aber was bei Moroder thrillt, weil er genügend Disco-Man ist und immer auch mit Hooks packen will, verläuft sich hier in die unendlichen Weiten des großen Nichts.

Das taugt höchstens noch zur Untermalung von Früh-Achtziger-Derrick-Folgen. Sogar Jan Hammer, der nicht mal auf Armeslänge an Moroder rankommt, hat mehr Spannung und zieht einen irgendwie durch seine Stücke, auch wenn man´s gar nicht will. Aber das hier klingt nach dem Gejamme einer soliden, aber zu Recht unbekannten Sessioncrew. Oder nach Filmmusik aus ganz schlimmen Achtziger-Filmen. Die größten Sünden von John Cusack. Möglichst noch mit Kristy McNichol. Oder Brooke Shields. So ein Machwerk wie “Endless love”. Ich möchte mal einen Schauspieler sehen, der sich für bestimmte Filme nicht wegen der Scheiß-Story und dem billigen Schmierenspiel schämt, sondern wegen der grauenvollen Musik, die sich durch den Film zieht. Diese Platte würde das schon möglich machen.

June 13, 2004

Die schönsten Melodien der Welt


Auch das eine Folge der Serie „The gentleman of music“ im Weichzeichner-Ich-hab-viele-Streicher-im-Orchester-Sound. Arg lahm, mit Glacéhandschuhen eingespielt. Und alles drauf, was halt zu den schönsten Melodien der Welt gehört: Schiwago-Melodie, Lili Marlen, Elisabeth Serenade, Song Sung Blue, Guantanamera...

Wahrscheinlich ist man hingegangen und wollte die gerade knospende Blüte der Traumschiff-Musik begleiten mit dem besten of Softie-Sound aus alten James Last-Platten.

Ist jedenfalls eine Compilation mit Sachen bis zurück in die 60er. Aber irgendwas müssen sie sich doch dabei gedacht haben, oder? Sie müssen. Irgendwas. Vielleicht hat man ein neues Publikum entdeckt. Die In-den-80ern-Altgebliebenen. Ergraute James Last-Fans, die die Non Stop Jahre auf wundersame Weise unbeschadet überstanden haben, aber jetzt mal eine Pause brauchten.

Oder gab´s in den 80ern keine Parties mehr? Hat sich die Aids-Problematik auch auf die Verkaufszahlen von James Last ausgewirkt? Wieso kam der jetzt auf einmal mit diesem Träum-was-Schönes-Duktus? Das kann doch kein Zufall sein. Den Schock der Moderne mildern?

Oh mein Gott, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mir dieses Zehenspitzen-Gedudel zu viel wird. Alte Menschen wollen auch rocken! Und ein bisschen steril wirkt es auch, diese Platte. Ist das die glatte Produktion? Ist das der gleichbleibend lebensunlustige Rhythmus? Das Schlafmützen-Tempo? Also, das ist keine Jukebox, wie ich sie brauche. Wirklich nicht.

Und dann noch diese Scheiß-Achtziger-Cover. Mit einem Gemischtwarenladen an Infos vornedrauf. Ein Sammelsurium an Was-darf´s-denn-sein? Mit Glamour statt Einfallsreichtum. Nö. Nix für mich. Auch wenn´s auf Seite zwei ein bisschen flotter wird. (Die James Last-Einspielung von „In the mood“ schätze ich hoch!)

Das ist zu spät, Freunde.

June 12, 2004

Ännchen von Tharau bittet zum Träumen


Das ist eine merkwürdige Kreuzung: Gutenachtvolkslieder. Irgendwie scheint James Last Anfang der 80er-Jahre auf dem Weichzeichnertrip gewesen zu sein. Alles gepufft, in Watte gehüllt, wie durch einen Schleier. Und natürlich in Slowmotion.

Die Vögel, die alle schon da sind, scheinen pastellfarbene Ballkleidchen zu tragen und wiegen sich sanft zu den – behutsam von einem leisen Drummer untermalten – Streicherklängen. Und ein paar Flöten dürfen auch nicht fehlen.

Dieser Sound ist superdekadent, wenn man bedenkt, dass hier richtige, kernige Volkslieder zugrunde liegen. Aber es hat was! So´n bisschen Disco in „Abend wird es wieder“ – aber nur ganz zart. Und wie sich alles auflöst und sich verflüchtigen will in Streicherar-Arabesken, bevor´s doch ein bisschen anfängt zu swingen. Wow.

Ich bin insbesondere Fan der ersten Seite. Die plätschert unwiderstehlich vor sich hin. Ist aber auch sehr abwechslungsreich! Mittendrin in „Abend wird es wieder“: eine freistehende Basslinie! Darunter zwar kühle Synthies, so wie in diesen Achtziger-Designer-Filmen. „American Gigolo“ und so. Was ja auch nur steht für: Yuppies, Dekadenz, Werteverfall, kaltes Chrom. Aber Mann, das ist mehr als Eighties. Und zwar in einem sehr coolen, prophetischen Sinn. Dekonstruktivismus bei James Last!

Es ist schon schräg, was Ännchen von Tharau im Laufe der Jahre so mitmachen musste. Sie ist ja so´n bisschen das Fundament, der Grundstein der Karriere von James Last. Jaja, ich weiß: Non Stop Dancing, Non Stop Party... Aber trotzdem. Die ersten beiden Ännchen-Platten stehen wie ein Fels in der James Last-Brandung. Sie sind meinetwegen die Propheten, die Weisen aus dem Morgenland, die Autobahnschilder auf dem Weg zum Erfolg. Sie bündeln alles, was James Last reich und berühmt machen sollte: aus Bekanntem mit seinem Happy Sound den Nerv des Volks zu treffen. Aber man hört ihnen noch den Wagemut an. Auch wenn sie ein glatter, revolutionärer, kühner Durchmarsch sind.

Und jetzt, 1981, muss sich die Recycling-Figur Ännchen noch mal recyceln lassen. Nicht zum ersten Mal, klar. Es gab ja auch schon „Swinging Ännchen von Tharau“. Und nun also „Ännchen von Tharau bittet zum Träumen“. Musikalisches Softeis. Die zweite Seite ist eher langweilig und eintönig, auch ein bisschen düster. Aber die erste Seite ist schon ein Fest, wenn man sich mal drauf eingelassen hat. Auch wenn die Instrumentierung ähnlich scheint: aber im Gegensatz zu den „Classics up to date“ geht hier die Rechnung auf. Möglicherweise durch die kleinteiligeren Formen. Hier funktioniert die Abwechslung, hier darf sich James Last alle zwei Minuten an einer neuen Überleitung austoben und nach Herzenslust Solo-Ausflüge und Arabesken einfügen.

Wobei hier keine Potpourris im gewohnten Sinne drauf sind, sondern exotisch ausgeschmückte ganze Lieder in einzelnen Takes: Ännchen von Tharau, Der Mond ist aufgegangen, Alle Vögel sind schon da, Es waren zwei Königskinder... Schwelgen und genießen.

June 11, 2004

The Best of James Last Non Stop Dancing 1965-1970


Schön, dass es idiotensicher auf dem Cover steht, was das hier ist: 2 LP – Doppelalbum. Sehr gut. Dann ist man nicht so überrascht, wenn man das Cover aufklappen kann.

Geht jedenfalls musikalisch voll ab. Von den Monkees über die Beach Boys, Beatles, Simon&Garfunkel , Tom Jones, Elvis, Hair, Hollies etc. bis zur Flower Power-Zeit und den Bee Gees. Auch die Starparadenmusik ist drauf. Und Iron Butterfly: „In a gadda da vida”. Super.

Diese Platte ist ein Ohrenschmaus für Musikfans. Also – nicht falsch verstehen, die „Musikfans“. Ich mein Leute, die nicht tanzen wollen, sondern einfach nur hören. Üppiger Sound: warm, bunt, satt. Das swingt definitiv! Einfallsreich, mit der Hand des besessenen Profis arrangiert. Es lodert, strahlt, glüht vor Spielfreude und Hingabe. Ja, das ist das James Last Orchester at ist best. Mitreißend, mit unwiderstehlichem Sound und euphorisch von hier bis nach Babylon. Das leise „In the Ghetto“ – fantastisch! Die weiche Gitarre, die dunklen Bläser... Hier stimmt die Atmosphäre, hier stimmt der Hall, hier stimmt der Kick. Und überhaupt diese Surf-Gitarren und das Tier an den Drums. Diese Platte ist göttlich. Ein Trip. Ein Feuerwerk an Spitzenarrangements. Auch wenn James Last ein bisschen skeptisch vom Cover blickt – wie viele dieser Lederjacken und Blümchenhemden hat der eigentlich? – diese Platte sollte dabei sein, wenn je die zehn besten Jazzplatten, ach was, Platten überhaupt zum Mond raufgeschossen werden. Oder zum Mars.

Es ist jedenfalls noch eine Platte aus der Zeit, als Last feurigen Jazz gemacht hat. Und die Leute definitiv von den Sitzen reißen wollte. Dürfte mehr als gelungen sein.

June 10, 2004

Non Stop Dancing ´85


James Last ist ein Beamter. Er macht einfach Jahrzehnte das, was er gelernt hat, oder? Aktuelle Hits zu verswingten Potpourris zusammenzupacken. Egal, was. Egal, wie. Inzwischen haben auch Synthesizer und rockige Gitarren bei ihm Einzug gehalten – also, als zum Fundament gehörend.

Nur – wurden in den 80ern noch Parties gefeiert, wo solche Musik lief? In den 70ern kann ich mir das ja gut vorstellen. Aber ´85? Hier sind zum Beispiel Giorgio Moroders „Reach out“ oder „Jump (for my love“ und „Dancing with tears in my eyes” drauf. Bei den ersten beiden schlägt er sich gut. Aber das Ultravox-Lied klingt irgendwie runtergespielt.

Nein, eigentlich klingt das alles runtergespielt. Wo ist das lodernde Feuer der 70er? Wo die grellen Farben, das Tanzfieber? Das hier ist für Leute, die zu den – auch nicht viel peppigeren – Originalen schon Sicherheitsabstand halten.

„Such a shame“. Wer das Original als harmlosen Pop abtut, soll sich mal anhören, was James Last draus macht. Ein müdes Zweiviertel-Stück ohne einen Funken Swing. Ich hab mir ja mal das Hirn zermartert, wie sehr sich James Last bearbeitend an den Stücken vergreifen darf. Ich kam zu dem Schluss, er darf eigentlich alles machen. Aber hat er nicht die verdammte Pflicht, sie wenigstens swingen zu lassen? Ja, ich glaube schon.

Gut, „I won´t let the sun go down“ funkt ganz schön. Das lustige an den Non Stop-Platten ist ja auch, dass sie ihrer Zeit immer hinterherhinken. Das ist die Tragik von James Last: andere machen frische Musik. Überraschen und verzücken die Welt mit neuen Ideen. Und dann kommt er hinterhergehumpelt, sammelt das ganze Zeug ein und dreht es durch den Happy Sound-Wolf. Wer wissen will, was 1985 in den Charts war, der braucht natürlich Non Stop Dancing 1986!

„Reach out“, „Dancing with tears in my eyes“, „She bop“, „I just called to say I love you“ – alles Musik von 1984!

Und warum, um herrgottswillen, ist vom wunderbaren „She bop“ nur ein Potpourri drauf, aber „I just called to say I love you“ in voller, peinigender Länge? Und warum rockt Geier Sturzflugs „Einsamkeit“ nichtmal ein kleines bisschen? Ich bin ja wirklich James Last-Fan. Aber das hier tut weh. Das ist wirklich die Geburtsstunde der Hermes House Band. Weniger feinfühlend und swingresistent kann die auch nicht an Songs rangehen. Ja, „lass mich doch endlich mal allein.“ Auf die von Last mitkomponierte Gag-Nummer „Uauauaua“ will ich aus pietätsgründen gar nicht erst eingehen.

„Wake me up before you gogo“ geht. Queens “It´s a hard live” (hard live?? Steht hier so.) hat die Welt schon im Original nicht gebraucht. Und hier ist es in über vier Minuten drauf. An Bronski Beats „Smalltown boy“ kamen sie aber nicht vorbei, und es ist auch gar nicht so schlecht geraten. Noch ein bisschen Klaus Lage, Prince, Lionel Richards, Frankie goes to Hollywood – und Bob Marley. Kann sich jemand erinnern, dass Bob Marleys „Exodus“ 1984 nochmal ein Hit war? Ach, irgendwo auf der Welt bestimmt. Na dann. Happy partying.

June 09, 2004

Beachparty 3


Ist das erlaubt, nicht richtig die Songabfolge auf der Platte zu notieren? Ich sehe hier zwei Klumpen an Liedern, vorne und hinten, weiß aber nicht, ob das auch die Tracklist ist.

Na gut. Hier kommt direkt wieder Lagerfeuer-Atmosphäre auf. Beachparty – das ist bei James Last nix Dekadentes, für Besserverdienende, die in Florida leben und Golf spielen. Nein, das ist gemütliche Abendausklangsmusik. Gemeinschaftsmusik. Gemütlich, mit Chor und sanfter Instrumentiertung. Es ist vermutlich das, was sich James Last unter Flower Power vorstellt. Swing low, sweet chariot, Song sung blue, Jesus Christ, Wimoweh, Banks the of Ohio…

Leicht angegospelt, zum Mitklatschen, und irgendwo schlägt noch jemand die Bongos. Wie das ja auch leider so ist, wenn man sommerabends an städtischen Ersatzstränden entlangschlendert.

Was allerdings sehr schön ist: die Platte ist bemerkswerts produziert, der Sound. Das ist nicht glatt, das klingt nicht nach Studio – das ist leicht breiig und so, als wäre es tatsächlich irgendwo am Ufer aufgenommen. Bisschen verwaschen, bisschen verschleiert. Unaufdringlich, warm und freundlich. Und da heult doch tatsächlich ein bisschen E-Gitarre auf, und ein paar Fusion-Flöten. Aber nur ein bisschen.

Und diese Beach Parties haben tatsächlich auch sehr schöne Covers. Nicht nur, dass ich diese bunten Streifen unter dem Schriftzug liebe, die auf jeder Folge andere Farben haben. Ich mag auch diese Breitband-Schnappschüsse von einer – vermutlich wirklichen – Party. Wahrscheinlich ein Familienausflug der James Last Band. Möchte man glauben. Ich glaub allerdings, dem Mädchen, das bei James Last sitzt, sind heute noch die Schuhe peinlich, die es auf dem Cover trägt. Weiße Lack-Sandalen, die gleichzeitig Schnallen und Schürsenkel haben. War damals vermutlich schick. So wie die gestreifte Schlaghose, die James Last trägt.

Und der Fotograph, der schon so viele legendäre James Last-Platten mit Cover versehen hat, ist tatsächlich auch noch bei der Party aufgetaucht. Woran man das sieht? An der Coverrückseite. Er konnte es nicht lassen, James Last doch noch separat auf dem Bug eines Plastikboots zu drapieren. Wo er mit gewohnter Leichenbittermiene sitzt. Wie auf den vielen anderen James Last-Covern. Sieht ein bisschen aus wie Nietzsche auf dem Felsen der ewigen Wiederkehr. Schade, dass sich die beiden nie getroffen haben. Nietzsche und James Last.

June 08, 2004

In der St. Patricks Cathedral

James Last in Sublin. Wir sind schon mitten in den Achtzigern: 1984. James Last fängt an, gut auszusehen. Sie wissen schon: diese Männer, die bis 40 ein bisschen albern, zumindest aber nicht gut aussehen. Und danach anfangen, aufzuholen.

Schick sieht er aus, im schwarzen Anzug. Mit so ner rund ausgeschnittenen Weste, weißem Hemd und Fliege. Ist ja auch ein ganz ernsthafter Auftritt. In einer Kathedrale, uijuijui. Und das Orchester ganz in leuchtendblauen Hemden und dunkel Jacketts. Muss auch ganz schön was gekostet haben. Wo sitzt eigentlich der Pianist? Ich kann ihn nicht erkennen, hör ihn aber. James Last tritt gleich, wenn er sich umdreht, auf seine Notenblätter. Ein paar hat er nämlich schon auf den Fußboden gelegt. Wahrscheinlich sind sie damit durch.

Sitzt der Pianist am Ende an der Orgel? Also irgendwo oben, wo hlt die Orgel steht? Nee, ich hör hier auch richtiges Keyboard. Hm. Und hinten in der Kirche stehen zwei toll geschmückte Weihnachtsbäume. Mit roten, blauen und goldenen Kugeln. Hätte man die nicht ein bisschen vorholen und zentraler platzieren können?

Ja, die Kirche sieht schon imposant aus. Und das James Last Orchester macht sich hier auch optisch gut. Die Musik ist halt leider recht ernst. Deshalb ist die Coverrückseite vermutlich auch vorwiegend schwarz. Viel E-Musik: Bach, Haydn, Schuman... Aber auch Traditionals und ein bisschen was Eigenes von James Last. ...der ja auch wieder arrangiert und verlegt hat wie der Teufel. Weshalb auf der Platte so lustige Angaben stehen wie „Ave Maria (K: Bach ...) Happy Music“. Mir gefällt das.

Der Rest ist nicht so meine Sache. So getragen. So düster. Auch wenn’s sicher einwandfrei gespielt ist. Und dann noch Kirchenchor und eine irische Solistin – nee, nee, nee.

Ist zum Teil auch ne prima Weihnachtsplatte. Allerdings schon eher das, was meine Mutter gern hören würde. Kein Christmas Dancing. Das sollte man wissen, wenn man sich diese Platte zulegt.

June 07, 2004

Paradiesvogel

paradiesvogel.jpg

Dieses Cover ist der Sündenfall in der Layout-Geschichte von James Last. Vorausgesetzt, es ist das erste dieser Art. Egal. Es ist das erste dieser Art, das mir unterkommt.

Zunächst: wo ist James Last??? Es muss ein Schock für alle Fans gewesen sein: ein James Last-Cover ohne James Last. Und dann diese grauenvolle Airbrushtechnik. Das ist doch was für Geschmacksarme, also bitte. Außerdem ist das eine zweidimensionale Flöte, die der halbwegs dreidimensionale Vogel hier im Maul hält. Was muss das für ein Rieseneumel sein, wenn die Flöte so winzig wirkt? Und wo hat er die geklaut? Bei Gheorghe Zamfir? Oder ist dieser Vogel am Ende Horea Crishan, der – wie auf der Coverrückseite erwähnt – ansonsten im NDR-Sinfonieorchester Violine spielt, aber hier eben mal die Panflöte?

Wenn ich ehrlich bin, glaub ich ja auch nicht, dass das tatsächlich James Last ist, der diese Platte gemacht hat. Das ist Andreas Vollenweider. Oder dieser Schwurbel von Tangerine Dream. Vielleicht auch Jean Michel Jarre. Ja, vielleicht ist es James Last, der zuviel Jean Michel Jarre gehört hat.

Und wo um Himmels willen ist sein Orchester hin? Vermutlich alle im eigenen Fitnesscenter statt den Meister zur Raison zu bringen. Diese Platte ist ein Esoterik-Machwerk. Sphärenklänge, Andante-Streicher und halt lauter so fließende Melodien. Die Panflöte ist natürlich ganz hervorragend, um solche Platten anzudicken. Ich vermute, die Percussionisten sind in der Zeit mal ein Bier trinken gegangen. Obwohl ich hier tatsächlich ein leises Hi-Hat höre...

Ist es schlimm, dass ich das nicht lange aushalt? Naja, der Titelsong geht. Der hat wenigstens eine erkennbare Melodie. Und war auch als Single ausgekoppelt. Ja, der rockt vergleichsweise. Verglichen mit dem anderen Brei auf dieser Platte.

Und da ist ja auch die Komposition eines jungen Mannes, der später lieber Comedy machte und Lieder wie „Mief“ sang. Oder, wie der Promo-Waschzettel sagt: „Mit Oliver Dittrich und Thomas Eggert tauchen zwei neue Namen unter den Autoren auf, deren Titel James Last in seinen mustergültigen Arrangements zu Erfolg verhilft.“ Wie nett. „Alassio“ heisst das Stück. Will der Waschzettel sagen, dass die Melodie eigentlich ziemlich dürftig ist, aber naja, James Last durch seine große Güte was draus gemacht hat? Hm. Klingt tatsächlich nicht schlecht. Und ich schätze, dass James Last einfach den richtigen Riecher für die nötige Dramatik hat. Dafür, wie man aus einem Liedchen großes Kino macht. Ist jedenfalls mit ein bisschen gezupfter Gitarre und damit schon wesentlich abwechslungsreicher als die restlichen Stücke. Und es lässt sich gut mitsummen, ist aber auch so ein sanfter Es-ist-früh-am-Morgen-die-Erde-erwacht-Song.

Oh, ein bisschen Fusionjazz ist auch noch auf der Platte drauf. Deren Stücke alle so alberne Namen tragen wie Roter Milan, Love Bird, Nightowl, Eisvogel, Paradiesvogel, The Sandpiper... Ist das schon ein Konzeptalbum? Vielleicht. Aber kein gutes.

June 06, 2004

Non Stop Dancing 1973 2


Als Opener: Also sprach Zarathustra. Mit leicht schrillem Chor drüber. Huha. Wann soll das denn 1973 ein Hit gewesen sein? Durch 2001 Odyssee im Weltraum?

Aber hier ist wenigstens der Boogie los. „Rock me baby“ klingt definitiv nicht nach Rock – was ja auch nicht die Aufgabe diese Platte ist. Aber immerhin nach Boogie.

Oh, und neue Karten für mein James Last Quartett. Unten auf dem Rückcover... Ob das vielleicht wirklich inspiriert war durch Quartett-Spiele? In den 70ern hat man ja viel Quartett gespielt. Ich hatte eines mit Peter und der Wolf-Karten. Und später, dass muss dann schon Anfang der 80er gewesen sein: mit Monchichi. Das waren ziemlich kleine Karten mit viel Rosa. Auf einer saß ein Monchichi in einem Rennauto. Leider hab ich mich verlesen, deshalb dachte ich jahrelang, diese Rennwagenliga heisst „Fromel 1“. Klingt doch auch gut, oder? Fromel 1. Wenn Herr Ecclestone mal nicht mehr will, mach ich weiter. Als Fromel 1.

Oha, diese Version von „Immer wieder sonntags“ ist aber viel zu entspannt. So hätte das geklungen, wenn Johnny Mathis das gesungen hätte. Oder Julio Iglesias. Aber Cindy und Bert hatten doch immer so was von frisch aufgezogenen Duracell-Hasen. Feeling war das nicht. Timing auch nicht. Aber Hektik, Atemlosigkeit. Penetranz.

Dafür rockt Mama Loo genauso wie das Original bei den Les Humphries. Das ist nicht wirklich ein Kompliment, auch wenn das hier nicht schlecht klingt. Aber die Les Humphries sind für mich ja das zweite Paradebeispiel von Anti-Soul. Nach Cindy und Bert. Die noch ein paar andere Anti-Sachen sind, obwohl sie eigentlich gern hör. Die Les Humphries hör ich auch gern, aber bitte, dass swingt doch nicht. Das ist der Versuch, durch „viel“ und „schnell“ nach Ekstase zu klingen. Wenn Les Humphries so auch im Bett war, dann gute Nacht. Ich müsste noch eine Einladung zu seiner Hochzeit haben. Ich such sie grad mal raus...

„You´re like a yellow boomerang“. Mein Gott, die 70er waren aber wirklich albern. War das nun ein Kompliment, mit dem Bumerang? Oder doch eher ein „Du bist schlecht angezogen und hast eine komische Form“?

Ich grübel auch immer noch, ob James Last-Stücke klingen müssen wie das Original. Gibt es da eine Kopisten-Verpflichtung? Nein, würde ich sagen. Aber er appelliert doch in höchstem Maße an den Wiedererkennungseffekt. Und die Leute sollen den Potpourris auch nicht lauschen, sondern dazu tanzen. Gebrauchsmusik.

Nein, ich glaub trotzdem, er darf mit den Liedern machen, was er will. Letztlich sollen sich seine Platten ja auch nur verkaufen, oder? Und seinen Ruhm vermehren. Und, na, ein bisschen glaub ich schon, dass er die Leute auch zum Tanzen bringen wollte. Oder zumindest nicht davon abhalten. Also: was darf James Last? Alles.

Bis auf, naja, „Classics up to date“ rausbringen. Aber da ist ein anderes Kapitel… Wo zieht man eigentlich jemanden ab, um die Sirene am Anfang von “Block Buster” zu spielen? Bei der Rhythmsection? Oder ist das eher die Melodie-Fraktion? Oh, und dann das furchtbare „Get down“. Was mussten die Menschen in den 70ern doch leiden. Die Ölkrise, Mogadischu und Gilbert O´Sullivan. Mein Beileid.

Ich glaube auch, dass Deep Purple weinen würden, wenn sie ihr „Woman from Tokyo“ hören würden. Mit diesem Chor. Aber haben sie es besser verdient? Haben sie die Welt nicht mit „Smoke on the water“ verseucht? Ja, haben sie. Deshalb haben sie es auch verdient, in direkter Nachbarschaft eines Liedes namens „Hi, hi, hi“ eingespielt zu werden. Das ist von einem McCartney, ich vermute, aus der Post-Beatles-Zeit, sonst würde ich es ja kennen. Und nach den Beatles kam bei allen bis auf einen Beatles nix Gutes mehr bei rum. Und der eine war George Harrison. Na, vielleicht ein bisschen noch Ringo Starr.Ich mag „Photograph“. Aber ich mag ja auch „Octopus's garden“.

Oh, und da säuselt gerade das wunderbare Me and Mrs. Jones“ vorbei. Mein Gott, was ist denn heute mit mir los? Gefällt mir den gar nichts? Oder kann ich einfach nicht verzeihen? Von wegen, „Wer meine Lieblingslieder einspielt...“. Aber es kommt halt ans Original nicht ran. Und so´n bisschen verzückt würde ich von Coverversionen schon auch gern. Sonst macht´s ja keinen Spaß. Das „Me and Mrs. Jones” muss so träge und lastiv vor sich hinlabern. Und ich glaub, dann kann man nur noch obszöne Schieber tanzen. Und das will James Last wohl nicht.

Dafür klingt „Proud Mary“ gut. CCR scheinen eine sichere Bank zu sein. Da kann James Last wohl nichts falsch machen. Was sagt uns das jetzt über CCR? Ich weiß nicht.

June 05, 2004

Non Stop Dancing 1974 2


Das ist, glaub ich, bisheriger Rekord: 13 James Laste auf einem Cover! Und diese Kombination aus Lederjacke, blauem Blümchenhemd und brauner Blümchenfliege – unschlagbar! Die Koteletten wuchern auch, als hätte er nach den Aufnahmen noch einen Termin in der ZDF-Hitparade.

Mein Gott, die haben auf der Rückseite vier andere Cover von James Last abgedruckt, als Werbung. Die sind aber so designed, dass ich sie vermutlich gleich ausschneide und damit Quartett spiele. Das James Last-Quartett. Oder Sextett. Oder 20-tett. Um realistischerweise auch die Non Stop Parties integrieren zu können.

Jesses, die „Seasons in the sun“ sind aber skurril geraten. Nicht nur, dass man fröhlich auf das Lied eines Selbstmörders tanzen soll – das hier ist nicht fröhlich! Das ist eine schnarchige Version, die noch dazu das schönste an dem Lied – nämlich die hallende Gitarrenkadenz vom Anfang gegen die Wand fährt.

Nee, das ist hier keine früh-psychedelische, sexy Party. Das ist solide Tanzmucke. Mit ein paar bekannten Melodien. Mit einem bunten Strauß sozusagen. Shady Lady – das klingt tatsächlich gut; Du kannst nicht immer 17 sein; Spaniens Gitarren, The Locomotion.

Bin sehr gespannt, was James Last aus TSOP macht – oder wie es auf der Hülle fälschlicherweise geschrieben wird: Tsop. Als wär das ein normales Wort. Ist es aber nicht, ist ne Abkürzung für irgendwas. Aber für was nur? Ich weiß noch, wofür die Originalinterpretenabkürzung steht: MFSB. Mother Father Brother Sister. Das Spitzenorchester aus Philadelphia. Fundament des Philly Sounds. Eigentlich sowas ähnliches wie das James Last Orchester: ein Haufen Studiomusiker, die zum Mythos wurden. Nur dass dieses Philly-Orchester nicht auf Tour gegangen ist (oder? Immerhin haben MFSB mindestens zwei superspitze Alben rausgebracht) und nicht jedes Jahr zwei Non Stop Dancing rausgebracht hat.

Und jetzt fällt mir auch wieder ein, was TSOP heisst. Erst dachte ich, ich muss den Begriff Theme from Soul Train irgendwie vergewaltigen, dass er da reinpasst. Denn TSOP war das Titelthema der Sendung. Aber nein, viel einfacher: The Sound of Philadelphia. Yeah.

Aber das ist hier schon ein bisschen bitter. TSOP gerät zu einem Säuselliedchen, auch wenn viel Funk drin ist. Aber das geht doch vom Rhythmus her so ab, dass man es an den Seiten beschweren muss, damit es nicht aus der Kurve fliegt. Hier schlingert es schon ziemlich. Und natürlich ist es mit so ´ner Minute 43 auch nicht getan. Das ist ein Höllentrip, ein fucking ride, Leute! Kein Auflug an die nächste Ecke. Das Stück muss kommen wie eine große Tasse starken schwarzen Kaffees. Ha! Da mach ich ein neues Lied draus: Starker schwarzer Kaffee. Auf die Melodie von Klares kaltes Wasser.

Nee, da haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert, die James Last-Crew. Aber das ist auch die ultimative Messlatte, oder? TSOP. Du meine Güte, dass ist wie beim Limbo, wenn die Stange ganz unten ist, und der Schlangenmensch kommt nicht durch. Nee, schiefer Vergleich. Weil: da hätten sie echt die Finger von lassen sollen. Als James Last Orchester die MFSB nachspielen – das musste schief gehen. Konnte nur.

Egal. Für den Seniorentanztee reicht´s. Für die Tanzstunde 60 plus. Ich hab James Last schon mal mehr rocken hören. Auch wenn´s gegen Ende wieder anzieht. Aber das ist nur hochgetunter Zweiviertelbeat. Und, mein Gott, hier ist noch eine Eigenkomposition von Last drauf: Jesus loves you. Das will ich auch schwer hoffen!

June 04, 2004

Herzlichst Ihr James Last

Ah, die neuen Boxen sind da. Und das erste, was ich über sie höre, ist der „Einsame Hirte“. Denn der ist das erste Stück auf „Herzlichst Ihr James Last“. Welch Offenbarung. Und mit den Ohren gehen mir offenbar auch die Augen auf. Das Stück ist ja von James Last geschrieben! Wow. Fehlt nur noch, dass er auch „Biscaya“ geschrieben hätte, aber das wird nicht passieren.

Also, diese Platte ist optimal, um sie mit neuen Boxen zu hören. Die anderen sicher auch, aber diese ganz besonders. Da nähert sich schon „Wenn sanft das Mondlicht auf den Hügeln schläft“. Im Wettbewerb Wer-hat-den-längsten-Titel liegt James Last damit ganz weit vorn. Das Stück ist nämlich auch von ihm. Eigentlich könnte ich mit diesen Boxen zum ersten Mal seit Jahren auch was leise hören. Ohne dass mir ein Wackelkontakt alles wegbricht. Aber so medium ist doch schöner. Ach, was für schwelgerische Geiger. Und diese zart durchkomponierte Klangkulisse! James Last ist bestimmt der einzige, der süßes Mondlicht, Hügel und einen Marschrhythmus in einem einzigen Lied unterbringt.

Klar, dass das hier mal wieder neu Best of ist. Die schöne, entrückte Kosaken-Patrouille. Und das swingende „House of the rising sun“, in dem es trotz der Streicherkaskaden ganz schön rumort. Mit Wah-Wah-Gitarren und Jazz-Piano. Und auch dieser Take wird noch ganz schön entrückt. Sind das nur meine neuen Boxen? Oder sind hier vor allem Midtempo-Stücke mit weich-gemischtem Chor drauf?

Na sicher. Herzlichst Ihr... da kann er weder mit Party-Gejamme noch mit fröhlichen Mitgröl-Liedern kommen. Das muss schon so´n schleimiges Rumgesäusel sein. Schließlich will er mit dieser Platte nicht nur in den Partykeller der Käufer kommen, sondern ins Wohnzimmer, in Schlafzimmer gar. Ein romantisches Tete à tete zur Musik von James Last? Halt. An dieser Stelle keinen Schritt weiterdenken. Ich glaub, wer James Last im Schlafzimmer hört, der ist da für sich allein. Auch hier bitte keinen Schritt weiterdenken.

Oh je, was hat er nur mit dem tranigen „Hey Jude“ gemacht? Das gehört ja bei den Beatles schon nicht zu den Glanzleistungen. Und hier kommen noch Buttercreme rein und eine Tonne Zuckerguss drauf... Allerdings: bei der „Love Story“ passt´s. Die hat´s nicht anders verdient. Klingt aber auch gut damit.

Hui, die zweite Seite beginnt mit „Happy music“. Das kennen jüngere Leute als fröhliche Unterlegmusik von TV Total-Filmchen. Ist typisch James Last. Ein Lied, fast nur aus einer Fanfare bestehend. Er könnte noch ein bisschen mehr Gas geben. Das Ding schreit doch nach ´ner durchgeknallten Thrash-Einspielung. Aber bitte. Schade, dass „Happy music“ nie eine Fernsehmusik war. Es hätte so schön gepasst. Für eine erste, lustige deutsche Daily-Soap. Mit Hildegard Krekel, der junge Jutta Speidel und – Wolfgang Kieling. Ja, Wolfgang Kieling. Ich finde, Wolfgang Kieling hat in seinem kurzen Leben zuwenig Daily-Soaps gedreht.

Ein paar spanische Sachen sind auch noch drauf, auf der Platte. Die könnten auch noch mehr fetzen, wenn´s nach mir ginge. Kann sich das gesamte James Last-Orchester bitte noch mal im Studio einfinden? Nein, „Granada“ ist genau richtig geworden, so zart treibend. Und „Guantanamera“ – einfach super. Üppig instrumentiert und unter der ruhigen Oberfläche ziemlich quirlig. Die „Ballade pour Adeline“ verträgt auch 20-tausend Streicher. Und die „Schiwago-Melodie“ ebenfalls. Was will man mehr?

June 03, 2004

Und jetzt alle


Das ist ein super Titel für James Last. Der Titel ist Programm. Sie hätte auch „Sing mit 7“ heißen können. Oder „Non Stop Schlagerparty“. Sie heisst aber „Und jetzt alle“. Obwohl es inhaltlich nichts anderes ist.

Was war geschehen? Warum nicht die beliebte „Sing mit“-Reihe fortsetzen? Der Abwechslung wegen! Ah ja. Und das von jemandem, der „Non Stop Party“ Folge 1 bis 35... rausgebracht hat.

Hat jedenfalls ein schönes Cover. Drei Stockwerke James Last and friends. Bei welcher Agentur kriegt man eigentlich solche Models? Sogar eine Oma und ein Opa sind mit drauf. Nur keine Kinder. Sind James Last-Platten nicht jugendfrei? Oder die Parties, bei denen sie abgespielt werden?

Die Lieder scheinen es aber. Lustige Mischung aus alten Schlagern, aktuellen Schlagern, Volksliedern und Volksmusik. Und Hits wie: Die Legende von Babylon, Brown Girl in the ring, Kreuzberger Nächte. Und „Lass mein Knie, Joe“ als deutsche Version von „It´s a heartache“. Ich selbst hab ja an Kinderfasching am liebsten auf Rucki Zucki getanzt. Ist hier auch drauf. Wie schön.

Wäre ich etwas versierter, könnte ich genau analysieren, wieso mir diese Platte etwas glatt produziert vorkommt. Vielleicht ist der Chor zu slick und zu sehr in den Vordergrund gemischt. Die Band ist eigentlich super drauf. Und die gelegentlichen Synthieschwaden stören eigentlich auch nicht. Aber irgendwie ist das zum strahlenden Brei geraten. Es liegt so´n Schleier drauf, der alle Ecken abfedert und leider auch alle Löcher zuschaufelt, die ein bisschen Transparenz gelassen hätten. Phil Spector hätte wahrscheinlich gesagt „Back to mono“ oder so was. Es ist jedenfalls definitiv was an der Abnahme, am Klangbild, an der Mischung. Der Rest ist gut wie immer. Flott, Stimmung, Trullala.

June 02, 2004

Sing mit 5


„Hier ist was los“ – Intro, Eigenkomposition und Programm von James Last. Oder? Ja klar. Die Party steigt am 11. Dezember 1976. Damit sie rechtzeitig zu Fasching in den Läden steht. Hui, und da sind noch jede Menge Last-Kompositionen drauf: Guck, da tapst der Hans verstohlen. Obwohl das doch eindeutig die Melodie von „Fuchs du hast die Gans gestohlen ist! Auch „Ein Männlein liegt im Walde“ kommt einem bekannt vor. Nur „Die Party war schön“ – das kennt heute kein Mensch mehr, gell?

Aber der Knaller ist natürlich ein Lied namens „Ein Korn im Feldbett“! Sowas hatte ja Tradition in den 70ern. Der Junge mit dem Hund von Monika... Beim „Korn im Feldbett“ singt übrigens der Schauspieler Heinz Reincke mit. Unverkennbar. Der durfte ja später auch noch im Landarzt mitspielen, wo James Last auch die Musik für geschrieben hat. Hat er auch in zwei Münchner in Hamburg mitgespielt? Ich würde meinen rechten Arm drauf verwetten. Hamburg-Serien ohne Heinz Reincke. Gibt´s ja gar nicht.

Ansonsten ist das eine halb-volksliedhafte, halb-schlagermäßige Sammlung. Wohin muss man ausgehen, um all solche Lieder zu kennen? Ich vermute, man muss kräftig Fasching feiern. Aber als Bandleader steht man da doch selbst auf der Bühne. Allein auf dem Saarbrücker Premabüba haben zu solchen Zeiten drei Top-Orchester in der Congresshalle gespielt. Woher also das Wissen? Gibt´s da extra Scouts? Hatte die Polydor eigene A&R-Leute, nur auf der Suche nach Songs für James Last? Ja, so wird´s wohl gewesen sein.

Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, wann James Last Lieder kennengelernt haben soll. Der war doch ständig am Arrangieren – wenn er nicht im Studio war. Wahrscheinlich hatte sein Arbeitszimmer so ´ne Klappe, durch die man ihm einfach neue Lieder reingereicht hat: auf Tonband, auf Kassette, als hingekritzelte Akkorde. Die sogenannte James Last-Klappe. Nicht zu verwechseln mit einer Katzenklappe. Obwohl sie verdammt ähnlich aussehen. Durch diese Klappe hat ihm seine Familie übrigens auch das Essen reingereicht. Und an Weihnachten die Geschenke.

Nun, „Sing mit 5“ ist ein lockerer Mix geworden. Sehr laid back, smooth und flott. Ich wär zu gern mal bei einer Party dabeigewesen, wo diese Platte gelaufen ist. Oder auch jede andere „Sing mit“. Ob da wirklich jemand mitgesungen hat? Für die echten James Last-Fans muss das ja erstmal ein Schock gewesen sein. Der Star von Platten wie „Instrumentals forever“ macht plötzlich „Sing mit“. Lag das Erfolgsgeheimnis von James Last nicht immer darin, dass man gar keine Chance hatte, mitzusingen? Die Potpourri-Teile waren viel zu kurz und viel zu kunstvoll verwoben, um da überhaupt eine Chance zu lassen. Und dann diese Chöre – die lagen ja direkt auf der Grenze zwischen Instrumenten und Gesang. Die waren eine weitere Rhythmus-Section. Richtige Worte waren das nie, was die gesungen haben. Mehr so´n vokaler Schleier.

Und dann eine Reihe namens „Sing mit“? Das ist schon strange. Aber irgendwie funktioniert´s. Vielleicht hätte man mal rechtzeitig Feldstudien durchführen sollen: feiern Menschen mit einer „Sing mit“ anders als mit einer „Non Stop Party? Oder auch einer „Non Stop Dancing“? Soviel Geld, wie die Polydor mit der Musik von James Last verdient hat – da wär das doch mal drin gewesen.

Übrigens, ein eigens komponiertes Stück namens „Die Party war schön“ – vom Partyking himself? Ist das nicht ein bisschen frech? Hm, vielleicht sogar ein ganz klein bisschen arrogant? Oder nur die Verarbeitung von Erfahrenem? Oder pure Gedankenlosigkeit? Hätte da auch stehen können „Three Tomatos“, „Ich hab noch ein Pulli im Kofferraum“ oder „Songs that writers write“? Fragen über Fragen. „Sing mit 5“ ist jedenfalls eine wertvolle, gelungene Platte.

June 01, 2004

Non Stop Party 13

Huh, was sind die Leute auf dem Cover in schummriges Licht getaucht… Zumindest die hinter James Last. Vielleicht eine Pyjama Party. Nur James Last darf wieder nicht mittanzen, weil er gerade posieren muss.

Eine sehr softe Platte. Hat man so gefeiert, nach dem Olympia-Attentat? Na, bei „Get it on“ röhren dann die Gitarren doch ganz schön. Und auch im Hard-Rock-Teil aus „Immigrant Song“ und „Strange kind of woman“. Oh ja, und mit „Hey Willy“ geht´s dann auch rockig weiter.

Aber weite Strecken mit „Butterfly“, „Never ending song of love“, „Rainy days and mondays“ sind wirklich sehr leise plätschernd und eher leise beschwingt. Nicht, dass es irgendwie störend wäre. Es fällt nur auf.

Doch, es swingt. Es ist fröhlich. Aber es ist eine diskrete, unaufdringliche Freundlichkeit. Nicht diese schmetternde Euphorie. Die Übergänge sind perfekt. Eins gleitet ins andere über. Vielleicht ist es auch einfach nur die Müdigkeit nach Olympia. Wochenlang hat man geprobt, vorbereitet, vorgefeiert. Dann kam das große Ereignis mit Riesentamtam. Dann kamen die Terroristen. Und dann fielen alle in ein großes Loch. Ja, ich glaub, das ist hier das vertonte Loch. Eine süße Lethargie. Wie ein Schleier, der sich auf alles legt. Vielleicht hat´s während der Aufnahmen auch nur dolle geschneit. Und diese Stimmung hat dann unwillkürlich Einzug im Studio gehalten. Es klingt schon ein bisschen schallgedämpft, muss man sagen. Naja, aber wie es wirklich war – fragt ihn doch selber, den James Last. Was zerbrech ich mir hier den Kopf?

Es sind übrigens auch wieder ein paar Last-Eigenkompositionen drauf: Ten Bananas, One Day. Die, hüstel, räusper, muss man nicht wirklich haben. Und auch nicht kennen. Aber – das ist noch was: ein Intro. Eine Non Stop Party mit einem Intro! Das gibt´s ganz selten. Und nun sind wir mal ehrlich: für Intros, Fanfaren, Indikative ist James Last nun wirklich der beste Mann. Niemand kann so toll eröffnen wie er. Niemand hebt so wunderbare, flotte, bunte Vorhänge.

Wenn man mir was Gutes tun will, packt man mal all die tollen Intros (wie auch zum Beispiel von der „James Last live“) auf einem Longplay zusammen. Non Stop Intro 1. Wahrscheinlich kann ich im November im Konzert nach fünf Minuten aufstehen und gehen. Das Beste hab ich dann gesehen.