K A T J A S W E L T
July 28, 2004

Biscaya


Haaach, „Biscaya“ ist und bleibt vermutlich mein liebstes Last-Lied. Auch wenn er´s nicht geschrieben hat – es ist ein Wahnsinns-Stück! Dieses genial vertonte Wellenplätschern, der ätherisch flirrende Chor, die Brandungsgeräusche, das leicht spröde – aber dann plötzlich geschmeidige, warme Akkordeon. Ich könnte noch tagelang weiterschwärmen.

Und vermutlich sagte ich auch schon, dass ich dieses Stück schon ´82 geliebt hab, als es in den Charts war. Ich war ganz verzaubert, verzückt, hingerissen. Hatte es nur nie auf Kassette, tragischerweise. Das lag daran, dass dieses Stück beim hippen Sender SDR3 auch eher selten lief. Sondern mehr so auf SWF1 und anderen Kitsch-Wellen. Und die hab ich nur in Ausnahmefällen gehört. Samstags manchmal, wenn ich gezappt hab zu „Gute Laune aus Südwest“. Mit Dieter Thomas Heck. Aber wen interessiert das schon?

„Biscaya“ also, das Album. Ein Album – typisch 80er, mit viel Synthesizer. Und – eine Art Konzeptalbum. „Biscaya“ ist nur der Ausgangspunkt für eine ganze LP, die im ähnlichen Sound und einer ähnlichen Stimmung gehalten ist. Leicht melancholisch, träge dahintreibend – nicht nur, klar. Und ziemlich soft. Und ich muss sagen: es funktioniert! Es ist eine tolle Idee. Und trotz dieses ziemlich sterilen 80er-Synthie-Klangs ein tolles Album. Weil dieser Biscaya-Keim eben in allem drinsteckt. Und man mit dem Opener sozusagen eingeführt ist in die Welt, die sich dahinter auftut. Gern, gern, gern wüsste ich, wie James Last auf „Boscaya“ gestoßen ist. Wie ihm die Idee zu seinem Arrangement kam. Und zu dieser Platte.

Wenn ich je geschimpft hab, dass nur Giorgio Moroder diese kühlen Instrumentals thrillend hinkriegt – und das habe ich! Denn es gibt auch sehr schlimme Last-Alben dieser Art!! – dann muss ich hier sagen: nein, Last kann es auch. Wenn er will. Wenn es flutscht. Wenn es halt klappt.

Auf „Biscaya“ sind praktisch keine Hit-Cover drauf. Vieles aus der Familie Last, mehrere Thomas Eggerts und ein Jimmy Bowien. Und win Bookwood/O´Malley natürlich – der Titelsong. Und bei dem klaut Last zum Teil ganz frech. „Rain and sun“ ist ein fast unverholenes Plagiat – andere Melodie zwar, aber das ist auch alles. Tja, aber wer „Biscaya“ liebt, der liebt auch dieses Stück. Das hat man sich ja insgeheim immer gewünscht: mehr davon. Und mit „Morning after“ ist das auch nix anderes.

Die ganze Platte ist eigentlich so wie das – wunderschöne – Cover. Bei dem man natürlich auch direkt melancholisch wird: Meeresbrandung und Strand in Braun-, Orange- – und wenn man ehrlich ist – auch in Grautönen. Genial. Mutig.

Das kleine Last-Foto stört natürlich die Komposition. Argghhhlllll. Aber das sind eben diese blöden, blinden, geschmacklosen 80er. Verdammt. Wozu? Egal. Wenigstens eine schöne, ausgefallene Last-Platte.

July 27, 2004

Hammond à gogo


28 Melodien zum Tanzen und Träumen.

Das ist also die erste „Hammon à gogo“. Eine fette Platte. Wiegt mindestens doppelt soviel wie Platten aus den 70ern und später. James Last und seine Hammond-Combo.

Ja, der Sound ist noch voll 60er. Bisschen muffig, etwas erdrückend. Kommt natürlich auch durch die Orgel. Die kann man ja so und so einsetzen... Und eine Hammond-Orgel ist halt kein Moog. Die Leute damals dürften aber großen Spaß daran gehabt haben. Auf den Hammond-Sound werden sie sowieso gestanden haben. Und dann garniert Last das Ganze natürlich mit exzellenten Swing-Arrangements. Leise federt das Becken. Und schrabbt die Rassel. Weich umrahmen die Bläser das Orgel-Gewaber. Eine Orgel, wohlgemerkt, die hier in keiner Weise psychedelisch eingesetzt wird. Es ist die alte, etwas behäbige Hammond-Spielweise. Die vermutlich wegen ihres warmen, einlullenden und trotzdem spacigen Sounds geliebt wurde.

Und Last lässt jede Menge bekannter Songs vorbeiparadieren. „Hello Dolly“, „Milord“, „Wheels“, Moon River“, “If I had a hammer”, “Red Roses for a blue Lady” und jede Menge Latin-Stücke. 28 Melodien zum Tanzen und Träumen eben. Ach, ich liebe diese Hör-Anweisungen. Süß. Und immer noch sympathisch. Bei anderen Künstlern würde, wenn sie ehrlich wären, draufstehen: Nur zum hochgeistig Interpretieren und Anbeten. Hier, bei Last, darf man wenigstens seinen Spaß haben.

Und den hat man. Ich mag diese Hammond à gogo lieber als die zweite. Obwohl ich Franz Lambert ja auch nicht schlecht finde. Aber das ist echt schon eine andere Hammond-Generation. Der haut viel mehr drauf, da geht echt die Post ab. Das hier ist vergleichsweise gediegenes Understatement. Aber auch James Last kann mit seiner Hammond-Bar-Combo so flott galoppieren, dass einem schwindelig wird. Wollt ich nur mal anmerken, um nichts unter den Tisch fallen zu lassen. „Blue Moon“. „Letkiss“. Wow.

Und warum eigentlich Bar-Combo? Vielleicht, weil man damals in Bars getanzt hat. Und weil eine Bar auf dem Cover abgebildet ist. Eine Bar, in der man vor lauter Zigarettenqualm kaum die Hand vor Augen sieht. Überhaupt wird in der Last-Frühzeit noch viel auf den Covers gequalmt. Auch auf der „Humba Humba à gogo“ liegt eine Fluppenpackung rum.

Natürlich ist auch das Cover voll Sixties. Eigenartige Sixties. Dunkle, schwer durchschaubare, geheimnisvolle Sixties. Nix neue Einfachheit. Op Art oder so. Nein nein. Real Life. Schnappschuss. Und nicht gerade so fotographiert, dass man es schon auf zehn Schritt Entfernung erkennt. Warum? Sollte man näherkommen? Sollte man schon genauer hingucken müssen? Riskant. Oder wirkte dieses Cover auch als Gesamtkunstwerk auf größere Distanz? Hm. Man erkennt hier ja kaum einzelne Farben. Kurios. Nein – da ist doch der Übergang zu anderen A gogo-Cover ein Quantensprung. Auch die Non Stop-Cover sind ganz anders. Die sind ja eher auch früh schon Zeugnis graphischer Klarheit.

Naja, echte Last-Fans müssen diese Platte einfach haben. Und wer Easy Listening auch nur im Entferntesten mag, wird auch seinen Spaß dran haben. Willkommen im weiten Universum der Hammond-Klänge.

July 26, 2004

With compliments


Ich finde, die Platte hätte auch „Schöne Grüße vom Sensemann“ heißen können. Oder „Herzlichst, ihre Gruft“. Man muss sich nur mal den Gesichtsausdruck von James Last angucken, den schwarzen Anzug und die Blume in seiner Hand. Eine weiße Lilie. Ich finde, weiße Lilien sind ausgesprochene Todesblumen.

Aber nein, das ist ja „With compliments“. Und lieb gemeint. Das merkt man auch an der Musik. Die ist wirklich hübsch gemacht. „Endless journey“ – kennt man als „Le Reve“ von Ricky King. „House of the rising sun“. Das rockt. Und jazzt. Mit Honky Tonk Klavier.

„El condor pasa“ – hier mit schmatzender Disco-Gitarre drunter! Das romantische „Evie“ mit brausendem Finale. Überhaupt ist hier viel Romantisches, Langsames drauf. Mir persönlich zu elegisch. Der Sound mit den vielen Streichern dann auch zu süßlich. Obwohl er noch klar im Prä-80er-Sound ist. Heisst: zupackend, herzhaft, nicht zu glatt.

Aber bis auf wenige Ausnahmen ist „With compliments“ eben ein Balladen-Album. Wer drauf steht... Mir persönlich: zu ernst. Schon dieses dunkle Grün hinten auf dem Cover. Nein. Auch wenn die „Ballad of the easy rider“ zwischendurch munter plätschert. Dieses Album kommt nicht mit auf die einsame Insel.

July 25, 2004

M.O.R.


M.O.R.? Middle of the road, sagt der Chefredakteur. Aha. “Polydor International” steht unten auf der Hülle. Der Versuch, James Last Anfang der 70er international zu pushen? Glaub nicht, dass das 1973 noch nötig war. Vermutlich einfach eine internationale Pressung.

Mit Hits über Hits... Ausgespielt. „If you could read my mind“ – mein Gott, was für ein Chor! Was für ein Arrangement! Wundervoll. Bittersüß. Zart. Der Chor zweistimmig in Harmonien. Wow. James Last spart sich die Synkopen, alles Elegische und treibt den Song einigermaßen rücksichts- und rastlos voran. Aber durch die zarten Glockenspieltöne und den Chor im Vordergrund ist ohnehin genug Süße im Spiel. Wow, wow, wow.

Ähnlich klingt “Killing me softly”. Wunderschön. Traumwandlerisch. Und direkt daran das stramme „Delta Queen“. Ja, hier stimmt die Mischung. Eine perfekte Visitenkarte. Und mehr Chor war nie bei James Last! Chor mit Text, deutlich artikulierend und klar vernehmlich.

„I´m just a singer in a rock and roll band“ – nochmal strammer Rock. Für Last´sche Verhältnisse. „Walk on water“ von Neil Diamond, “You´re so vain”, “The nights went out in Georgia” – ja, ich glaube, das ist James Lasts Rock-Album. Selten hat man bei Last Schrammel-Gitarren und Chöre in so perfekter Mischung gefunden wie hier. Die Grundzutaten sind ja die gleichen wie etwa bei der „Beach Party“ oder „Happyning“: gospelige, erdige Chöre und viel Gitarre. Und Mitsing-Songs. Aber hier wurde halt doch mehr reingebuttert. Unplugged ist nicht so das Erfolgsrezept von James Last. Darf´s etwas mehr sein? Aber gerne doch.

July 24, 2004

Games that lovers play


Eine von diesen ganz frühen Last-Platten. Noch ohne typischen Schriftzug oder wiedererkennbare Design-Elemente auf dem Cover. Ich tippe auf Mitte bis Ende 60er.

Dafür ist das Paar auf dem Foto wirklich herzig, oder? Genau – auch James Last ist auf dem Cover nicht abgebildet.

Die Musik ist hauptsächlich balladig. Und schwer romantisch. Mit dem Titelsong geht´s schon mal los, ist ja klar. In der bekannten, wuchtigen Version. In der bekannten, schönen Version. Obwohl die minimalistischere Variante, über die man ganz selten mal stolpert, auch schön ist.

Der kleine, nackte, puttige Amor – vorne und hinten auf dem Cover – weist im Grunde schon den Weg. Diese Platte ist eine Liebesplatte. „A man and a woman“, „Never on sunday“, „Lara´s theme”, “I left my heart in San Francisco”. Die “Elisabeth Serenade” ist auch drauf, aber die war damals wohl sowieso Pflicht.

Ein Ohrenschmaus, wie Last hier an die Songs rangeht. Ein Frühlingsspaziergang, ein Sonnentag, Gänseblümchen und vierblättriger Klee... Auch wer nicht so auf Streicher steht – like me, beispielsweise – wir es mögen. Weil garantiert ein raffinierter Bossa drunterliegt. Und eben nicht nur hohe Violinen, sondern auch erdige Celli und Bässe.

Oh, man kann eine komplette Bigband so zart und trotzdem knackig swingen lassen. Wenn man so virtuos ist wie James Last. Und es schafft, dass auch ruhig vor sich hin fließende Song trotzdem aufregend und quirlig klingen. Es sind die kleinen Details, mit denen Last die Räume zwischen den großen Linien ausfüllt. Und während die Streicher ihre Legato-Bögen fiedeln, kann es schon mal vorkommen, dass der Percussionist die Rassel um Glühen bringt und der Trommler auf allem wirbelt, was Felle hat.

Dramatisch klingt sie, die Platte. Nach großen Gefühlen. Aber so ist das eben bei James Last: selbst wenn er stimmungsmäßig richtig dick aufträgt, kann er doch noch stilvoll und sophisticated bleiben. „Games that lovers play“ ist ein Reigen von Weltmelodien im Weltklasse-Sound. Edler, gemäßigter und saftiger Bigband-Sound. Sprüht trotz seines gemessenen Tempos Funken vor Ideen und Gimmicks. Drei Sterne!

July 23, 2004

Well kept secret


So ganz bring ich das ja nicht zusammen. Das Cover, den Titel und die Musik. Was hat ein altes Flugzeug mit einem gut gehüteten Geheimnis zu tun? Vielleicht damit, wo Glenn Miller und Saint-Exupéry abgeblieben sind... Und wo sind die Musiker von James Last? Hintendrauf stehen lauter (mir) unbekannte Namen. Wo ist Benny Benndorf? Wo Güner Platzek? Und warum hat James Last das Album nicht produziert?

Weil es eine amerikanische Produktion ist. Sein erstes in Amerika eingespieltes Album, sagt der Klappentext. Hm. Erklärt manches. Nicht alles. Es gibt doch Flugzeuge. Auch modernere als das auf dem Cover. Warum konnte man die Last-Musiker nicht rüberfliegen?

Naja, was soll´s. Die Musik klingt fantastisch. Irre, funkige, fusionjazzige Version von „Summertime“. Überhaupt blitzt und blinkt der Sound hier, dass es eine Pracht ist. Glamourös, verschwenderisch und trotzdem Funk. Hat was ungemein Schmieriges – im positiven Sinne. Fett. Geschmeidig. Hätte Peter Klemt sicher auch hingekriegt. Aber hier ist kein Peter Klemt als Toningenieur mit drauf. Umso interessanter, wie es klingt, wenn sich Last mal von seiner angestammten Mannschaft trennen muss.

Andererseits – was will man erwarten? James Last hat sich so oft neu erfunden. Und gezeigt, dass ihn kein Stil, keine Mode überfordert. Warum nicht mal mit einer anderen Truppe? Wie gesagt, der Klang ist auf Hochglanz poliert. Aber unglaublich funky. Satt und kräftig. Urig. Und gleichzeitig edel. Die Musik scheint sich manchmal in Improvisationen zu verlieren – etwas, das man bei Last sonst eigentlich nie findet.

Aber natürlich bleibt die Musik trotzdem unterhaltsam. Klingt irgendwie schwer nach L. A., der Sound. Weiß auch nicht, warum. Kennt jemand noch eine Band namens „Camel“? Die klang so ähnlich. Auch Instrumental-Stücke, ausschweifend – irgendwo zwischen Jazz, Funk und Spät-Hippie-Arabesken. Jetzt das ganze also mal mit Bigband.

Echte Songs hört man hier selten raus. Hat schon fast was Filmmusik-artiges, diese Platte. Viel E-Gitarre. Viel Solo-E-Gitarre. Viel Flöte. Und –wenn man so will – klingt sie tatsächlich ein wenig amerikanisch. Ein wenig Un-lastig. Aber sie klingt trotzdem aufregend. Thrillend. Gut.

July 22, 2004

Im Allgäu


Ich seh schon: wer Polkas und James Last liebt, muss auch diese Platte haben. Klingt wie eine Lüge, aber Volksmusik und James Last geht halt so gut wie Party & James Last. Oder Swing & James Last. Oder Psychedelia & James Last. Und von wem kann man das noch behaupten?

Schade, dass das Cover so vergleichsweise blass ist. Das müsste noch viel mehr knallen. So wie „Freut Euch des Lebens“. Hier liegt so´n Grauschleier drüber. Dabei ist das Allgäu wirklich schön. Und gibt jede Menge knalliger Farben her. Ich war schon da. Und zwar – wie ich gerade sehe – zeitlich nur knapp nach James Last. Wir müssen uns sozusagen haarscharf verpasst haben. Er 1984. Und ich 1985.

Zünftig geht´s hier so. Mal mehr, mal weniger folkloristisch. Und natürlich auch mal ganz besinnlich und ruhig. Friedrich Finkel ist dabei. Und Professor Schickhaus. Der spielt Hackbrett. Ja, und dann noch die Ur-Allgäuer Karel Gott und Vicky Leandros. Und Karel Gott singt irgendwas Allgäuisches aus der Feder von Ronald Last...

Er sieht übrigens noch jung und fesch aus, der Karel Gott. So, als hätte ihn die Biene Maja gerade erst mit einem Tropfen Honig benetzt. Mit einem großen Tropfen. Denn neulich hab ich ihn im Fernsehen gesehen – huah – da trug er ein Errol Flynn-Bärtchen unter der Nase. Und am Kinn so einen senkrecht runterlaufenden Bartstrich. Noch zwei Zentimeter länger, und man hätte zur Beschreibung schon das Wort „Ziege“ einbauen müssen. Und unglaublich, wie schnell so ein Bart wächst. Nur zwei Tage früher, in einer Sendung just mit James Last zusammen, war er noch glattrasiert, der Karel Gott.

Nun, die „3 Buben aus dem Tölzer Knabenchor“ hätte man sich meinetwegen sparen können. Das ist meine Sache nicht, so Falsett-Gejodel. Aber ich hätte auch Petra Schürmann nichts moderieren lassen. Sie ist zwar auf der Hülle abgebildet, aber gottseidank hat man ihre Moderationen nicht mit ins Presswerk gegeben.

Nun, „Im Allgäu“ ist eine beschauliche, ein wenig in sich gekehrte Platte geworden. Nix lärmende Musikantenstadl-Fröhlichkeit. Oder wenn, nur kurz. Sie hat den typischen Last-Schmäh. Und das ist doch die Hauptsache, oder?

July 21, 2004

Sing mit Lass´ die Puppen tanzen


Wenn Frank Zander dereinst vor seinen obersten Richter tritt, wird er erklären müssen, was er sich dabei gedacht hat – Stimmen so zu pitchen, dass sie zwar nicht lustig, aber irgendwie auffällig klingen.

Seinem Erbe verdanken wir nicht nur die Techno-Platten der Schlümpfe, sondern auch den Beginn dieser James Last-Platte. Wenn albern verzerrte Stimmen singen „Lass die Puppen tanzen“. Demnach wären es ja die Puppen selbst, die hier fordern, dass man sich tanzen lässt. Sollen sie doch einfach tanzen, wenn ihnen danach ist. Und wenn sie wissen, wie das geht...

Au backe, und auch unter „I was Kaiser Bill´s Batman“ liegt das Puppen-Geschnarre drunter. Nie war mehr Fasching auf einer Last-Platte. Und damit auch alle Karnevals-Schwachmaten auf einer Scheibe vereint sind, ist hier natürlich auch noch die „Polonäse Blankenese“ drauf. Mir egal, Hauptsache, Gottlieb Wendehals singt nicht mit – wollt ich grad sagen. Aber hier ist auch noch ein Wendehals-Imitator dabei. Ich sarg mich gleich ein.

Nun gut. Den Schneewalzer verzeih ich. Weil mein Bruder den früher so geliebt hat. Und ansonsten nehm ich das Cover dieser Platte einfach mal als Bestätigung dessen, was ich immer schon behauptet hab. Bei James Last sitzen Tiere in der Band! Vor allem natürlich an den Drums. Und an den Trompeten. Und wie man jetzt auch weiß: ein Affe am Saxophon. Dazu sag ich nichts. Man lese meine Rezension von „Sax à gogo“... Ein Zebra am Klavier – na gut.

Ansonsten ist das mal wieder eine „Sing mit“-Platte der bewährten Art. Abgesehen von den Intermezzi der gepitchten Stimmen eigentlich eine vergleichsweise dezente „Sing mit“. Ein Medley halt aus Gassenhauern. Zum Mitsingen eben. Ziemlich soft, vor allem auf der zweiten Seite. Offenbar müssen auch Puppen mal ausruhen. Dafür nehmen sie Balladen wie „Mama Lorraine“ und „Mit Tränen in den Augen ist man blind“. Bevor dann – ja, unvermeidlich 1982 – der Ententanz ruft. Und, damit wir uns nicht falsch verstehen. „Sing mit Lass die Puppen tanzen“ ist eine nette, dem Titel angemessene Platte. Andere „Sing mit“s mögen mehr krachen. Aber das putzigste Cover – nach der „Sing mit 3“ natürlich – hat unzweifelhaft diese hier!

July 20, 2004

That´s life


Eine schöne, alte James Last Platte. Mit einem derart stylishen und raffinierten Cover, dass man dem Designer die Füße küssen möchte. Und die Frau auf dem Bild muss noch nichtmal viel Haut dafür zeigen. Der Clou beim Ganzen: dass der Rahmen des Covers im Grunde der Rahmen eines Brillenglases ist... Hach.

Und auf der Platte: die wunderbarsten Swingperlen. Im schon typischen Last-Sound. Muss so Ende der 60er gewesen sein. Viel Hall, viel überbordende Spielfreude, ein Bad in den diversen Klangfarben. Viel Beat-Musik. Und natürlich auch viele Trompeten.

So stellt ich mir den Klang vor, als klar wurde, dass die Zeit des – nicht minder grandiosen – Bert Kaempfert abgelaufen ist. Dass hier jemand nachrückt, der mit einem Bigband einen ganz anderen Sound macht. Und damit die Herzen auf der ganzen Welt erobern wird. Es ist noch sehr Sixties, hier. Und auch durchaus klassischer Bigbandsound. Aber noch nicht mit diesen manischen, euphorischen Trompeten. Schon gar nicht mit den Partygeräuschen und dem Potpourri-Hopping. Aber es ist eine klare Handschrift. Jemandes, der Gas geben will. Und nicht nur schon Musik, sondern Lebensfreude verbreiten will.

Kurios, dass dies ausgerechnet ein Bremer war, oder? Man hätte bei so was doch weniger auf einen Fischkopf getippt, sondern auf einen fröhlichen Südländer, oder? Wäre das nicht eigentlich der Job von Max Greger gewesen? Aber er hat es ja im Grunde auch versucht. Und es liegt irgendwie auf der Hand, dass es nicht klappen konnte. Bei allem Respekt für Max Greger. Aber es braucht halt eine gewisse Lässigkeit für so was. Wer mit der Last-Mission reüssieren will, der darf das Wort „granteln“ noch nichtmal buchstabieren können. Eigentlich wäre Paul Kuhn viel eher dafür prädestiniert gewesen. Ja, warum hat der keinen Happy Sound um die Welt gejagt? Vermutlich, weil er auf ganz anderen Weg, einem konventionellen Weg, versucht hat, die Welt mit einer Bigband zu verschönern. Bis der RIAS kam und sie wegrationalisiert hat.

Traurig, traurig. Deshalb: schnell erzählen, welch herrliche Musik auf dieser Platte ist. „Winchester Cathedral“, das klingt, wie auf einem Kamm geblasen. Lustig.

Und - mein Gott, was für eine reduzierte Fassung von „Games that lovers play“. Man kriegt direkt einen Schock! Aber sie ist wunderschön. Piano pianissimo zwar. Und klingt wie für eine Mini-Barcombo arrangiert. Fast für ein Trio. Aber nicht mehr für Bigband. Die fällt natürlich später ein, aber der Anfang ist wirklich ganz spartanisch. Und ganz anders akzentuiert als in der bekannten Fassung. Wow. Viel, viel Understatement hier. Sehr, sehr stylish!

Es sind komplette Stücke, die hier drauf sind. Klassiker. „That´s life“, „Time after time“, „Go away litte girl“, „Guantanamera“. Und sie sind einfach wahnsinnig toll arrangiert und gespielt. Hier sprühen wirklich Funken, ohne dass James Last irgendwelche Extreme auffährt. Er hat einfach nur mit dem größtmöglichen Pep arrangiert. Und trotzdem ungemein sophisticated.

„Guantanamera“ zum Beispiel – schönes Beispiel dafür, dass James Last sehr wohl karibische Klänge in Szene setzen kann. Die auch langsam und träge gut klingen. Schade, dass seine karibische Platte von diesem Geist nichts mitgenommen hat. Wunderbar hier, mit Vibraphon und Streichern.

Also: diese Platte ist super, super, super!s

July 19, 2004

Caribbean Nights


Mein Gott – dieses Cover. Da wurde ein Traum für James Last wahr, oder? Vielleicht auch der eines Art Directors. Ich vermute allerdings mal, es war ein männlicher Traum. Da muss dann auch der Kopf der Frau nur noch halb drauf. Hauptsache, die Titten und James Last sind zu sehen. Nun ist der ja wiederum durch etliche seiner restlichen Cover rehabilitiert. Denn was man da mit ihm gemacht hat, das verstieß ja oft in vielerlei Hinsicht gegen die Genfer Konventionen. Trotzdem.

Das ist also die Reggae-Platte im Last-Oeuvre. Nun gut. Oder doch die Boney M.-Platte? Synthetischer Reggae klingt ja schnell nach denen. Hm. Bin ein bisschen unentschieden. Einerseits ist Last in Sachen Sommer ja eine sichere Bank. Hab ich mal behauptet. Aber schon die Beach Parties sind eigentlich nur in homöopatischen Dosen zu genießen. Ganz zu schweigen von der „Happyning“. Tja.

Also, ich leg mich mal fest: ich bin kein Fan der „Carribean nights“. Zu langsam, mit Bleigewichten an den Gliedern gespielt. Und das dürfen nur Leute, die dabei auch gehörig nach Ekstase, nach Feuer klingen. Es muss schon irgendwie aufreizend sein. Und das ist die Last-Band hier nicht. Nein, sie klingt leider etwas leer. Und reichlich glattpoliert. Dekadent. Und der Sound ist auch wieder so flach geraten.

Mag der Chor auch mitunter swingen. Und mögen die Percussions zwischendurch fantasievolle Expeditionen ins Reich der Klänge machen – in der Regel sind es immer dieselben Harmonien, immer dieselben schnalzenden Gitarren und immer der gleiche Vokal-Sound. Im immergleichen Intervall. Leider: Daumen runter. Die „Caribbean nights“ gehört nicht ins Gepäck für die einsame Insel.

July 18, 2004

Happyning


Dieses Platte muss man allein schon wegen ihres Covers küssen. James Last in einem Sandhaufen. Mit geflochtener Anglerkappe, geknotetem Shirt und gelben Flossen. Leider nicht an den Füßen! In welchem Studio das Foto wohl gemacht ist? Ob es schwer war, ihn dazu zu überreden? Ich hätte wirklich gern Mäuschen gespielt.

Und die Musik: geschrammelte Midtempo-Hits mit Chor. Keine Potpourris. Ganze Songs. Und der Chor geht mal wieder in die Beach Party-Richtung: down to earth, lagerfeuermäßig.

„Montego Bay“, „My sweet lord“, „I hear you knocling“...über „She came in through the bathroom”, “Knock three times” bis “The Party is over”. Auf lange Sicht klingt das leider ein bisschen schlapp und monoton. Dieses behäbige Geklampfe.

Naja, dafür ist das Rückcover auch noch mal lustig. Kann man mal wieder sehen, was Menschen in den 70ern so am Leib trugen. Es darf nicht wahr sein! Und ist das eine Trompete, die der (Pianist?) – oder wer auch immer – da einfängt, mit dem Riesen-Schmetterlingsnetz? Der Mann ganz rechts im bestickten Blumenhemd sieht aus, als wolle er sagen: ich kann auch nix dafür. Und noch weiter rechts kann man sehen, dass ein weiteres Bandmitglied nichtmal mehr mit aufs Bild kam. Vermutlich noch vor der Erfindung des Weitwinkelobjektivs.

Schade, schade. Die ganze Platte klingt – selbst, wenn das Tempo ein bisschen anzieht – recht monoton. Dieser menschelnde Chor, der klingt, als könne auch Otto Normalverbraucher jederzeit einfallen. Und darunter eine ziemlich spröde Gitarrenband. Natürlich auch mit Percussions, und dann und wann lässt sich mal ein Bläser hören. Aber insgesamt keine wirklich schöne Musik. Auch keine besonders aufregende.

July 17, 2004

Happy Summer Party


Eine Happy Summer Party mit James Last? Aber immer doch. Er scheint auch richtig auf Gäste zu warten, wenn man sich mal das Rückcover anguckt. Oder ist das eine Ein-Mann-Party? Getrunken wird hier ja offenbar auch schon... Und für wen sind die ganzen anderen Drinks? Alle für den Mann in den Nikes? Hm. Der Drinks mit der Sahne und den drei Strohhalmen sieht toll aus. Aber die Weintrauben wiederum... Möchte sowieso nicht wissen, wie es bei dem Foto-Shooting gestunken hat. Da liegt noch eine aufgeschnittene Ananas. Huah.

Wir sind also in den stylishen 80ern angekommen. Mit weißen Hosen. Und weißen Gartenmöbeln. Und es hängt noch so ein synthetisch-karibischer Sound in der Luft, wie ihn Boney M. eingeführt haben. „South of the border“. “Quando Sali di cuba”.

Es sind aber auch ungemein flotte Sachen drauf. Das sind dann meist die eher spanisch-mexikanischen Stücke: „Cachita“. „Sly Mongoose“.

„Spanish eyes“ ist im Grunde nun wirklich nix Spanisches: hieß im Original schon bei Kaempfert „Moon over Naples“. Gesungen hat´s dann auch ein Italo-Amerikaner. Und Bert Kaempfert war bekanntlich auch kein Spanier. Aber James Last fährt hier seine Trompeten-Armada auf. Und die klingt spanisch! Wenn auch mit Bleigewichten an den Fingern. Jesses, ist das zäh.

Auch die legendäre „Copacabana“-Version ist hier drauf. Legendär, weil sie wirklich super ist.

Warum nur sind Sommer-Platten & James Last eine so sichere Bank? Das geht immer, immer, immer gut. Weil er ein solch sonniges Gemüt hat? Weil diese Sommer-Lieder immer melodiös und fröhlich sind? Weil da eben viel Latin dabei ist und das James Last Orchester für so was wie geschaffen ist? Weil Latin einfach alles mitbringt: angenehm sonnig-melancholische Harmonien, perfekte Vorlagen für üppige Percussions und Wahnsinns-Rhythmen? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls ist das mal wieder eine gelungene Last-Platte. Zwar auch viel Midtempo bis völlige Zeitlupe, aber warum nicht? Der Stil ist etwas glatt. Auch etwas flach. Aber so produzierte man vermutlich in den 80ern. Und es ist halt keine typische Non Stop-Tanzplatte, wo man den Leute die Schritte einpeitscht und ihr Wohnzimmer klangtechnisch zur Turnhalle macht. Nein, es ist eine relaxte, bunte Happy Summer Party. Wahrscheinlich so ´ne Pool Party, wo man auch mal lässig rumsteht, mit seinem Drink, und quatscht. Wenn man einen Pool hat. Und Drinks.

Allerdings – warum in Herrgottsnamen ist hier der „Einsame Hirte“ drauf??? Erstmal: einsame Hirten sind ganz schöne Partykiller. Weil sie eben einsam sind. Und außerdem kenne ich das Lied vor allem von der Platte „Russland Erinnerungen“. Sollen wir hier mit Mantel und Schal am Pool sitzen? Ich hab schon damals gesagt, das Ding klingt mir mehr nach Peru. Aber James Last hatte es geschafft, mir das Stück dermaßen mit Russland zu verbinden, dass mich beim Hören unwillkürlich fröstelt. Außerdem: was ist das hier? Eine „Greatest Hits“? Oder eine „Happy Summer Party“?!

Aber – ganz wichtig noch: gut, dass Palmen erst obenrum buschig werden. Sonst hätte es passieren können, dass auf dem Cover die Köpfe des knutschenden Pärchens zu sehen gewesen wären. Aber nicht die Titten und das Bikinihöschen der Frau. Mann, mann, mann. Das ist ja gerade noch mal gutgegangen.

July 16, 2004

Sax à gogo


Diese à gogo-Platten sind wirklich klasse, um Instrumentenkunde zu betreiben. Nach Hören der „Trumpet à gogo“ und der „Sax à gogo“ weiß man so einiges. Zum Beispiel, warum nur das Saxophon das Instrument der 80er werden konnte. Weil es im Gegensatz zur Trompete schwerfällig, leicht schmierig und überhaupt unprägnant im Klang ist. Ja, ich bin eine alte Saxophonhasserin. Ich hab wahrscheinlich auch zu viele sexy Saxophonistinnen in schlechten 80er-Videoclips und -Filmen gesehen.

Und was sag ich? Schwerfällig und leicht schmierig? Volià: hier ist „Amor, amor, amor“ drauf! Und „O sole mio“. Aber auch “La cucaracha”, ”The more I see you” und “Little man”. Ja, da geht´s. „Little man“ ist sogar recht lustig. Mit der fetten Hammond-Orgel drunter. Und hier dürfen auch mal Trompeten übernehmen. Oder Posaunen? Jedenfalls gibt´s hier auch mal ordentlich Tempo!

Sind bestimmt auch wieder ungemein gute Saxophonisten hier am Werk. So war´s nicht gemeint. Aber Saxophon ist echt nicht meins. Ob die James Last Band mit Saxophonen statt Trompeten überhaupt Erfolg gehabt hätte? Ich glaube nicht.

„Sa à gogo“ ist bei weitem nicht so flott wie die „Trumpet à gogo“. Es kommt im Klang leider an die erste „Hammond à gogo“ ran. Bisschen betulich. Breit. Wabernd. Und leicht breiig. Nicht im Arrangement, auch nicht in der Produktion, sondern wirklich nur durch dieses weiche, verschleiernde Saxophon.

Dabei ist das Cover wirklich cool. Schlicht, stylish, poppig und auf Kilometer entfernt lesbar. Es hätte bessere Musik verdient gehabt. Aber so ist das Leben.

July 15, 2004

Non Stop Dancing 9


Wow, das Cover macht ja allein schon besoffen… Toll, was sich so alles mit der Non Stop-Schrift anfängen lässt. Also, da durfte sich jemand design-Begabtes aber mal so richtig austoben. Die Marke – sprich: der Schriftzug – dürfte Ende der 60er mehr als eingeführt gewesen sein. Da ließ sich dann natürlich auch herrlich verfremden... Und, ähem, der Last-Schriftzug steht ja noch genügend deutlich und unverfremdet darüber. Nein, schief gehen konnte hier nichts mehr.

Hey, das ist aber ein wabernder, psychedelisch flackernder Sound hier. Mit verzerrten Gitarren! Und das kickasst! Ja, das ist der James Last-Power Sound. Swingend, mit Hall und viel Weite. Und fröhlich, fröhlich, fröhlich. Ersetzt viele kleine bunte Pillen. „Nacke-di, Nacke-du“, „Er steht im Tor“, „Lieber heute geküsst“ – ja klar, Renate Kern hatte ihren festen Last-Platten. Bin trotzdem leicht verunsichert: darf ich hoffen, dass die Kern-Lieder damals wirklich in der ersten Liga der Gassenhauer spielten? Und waren da doch eher die Tantiemen für den Komponisten, der neben auch Bruder des Bandleaders war, ausschlaggebend? Hm. Ich weiß, dass die späten 60er und frühen 70er die große Kern-Zeit waren. Aber groß genug hierfür?

Wer hätte gedacht, dass „Honky Tonk Woman“ mit hohen Frauen-Chören gut klingt? Ich nicht. Aber James Last kann ja auch über´s Wasser laufen. Da ist das hier ein Klacks für ihn. Ha!

Tanzen auf „Give peace a chance“? Klar! Auch wenn die Friedensbewegung – die da natürlich noch nicht existent war. Oder doch? – darüber geweint haben würde. James Last weiß eben, was groovige Musik ist. Und die schrille Trompete tut „Je t´aime...“ in der Tat gut.

Ein Kraftpaket, diese Platte. Und wer sich mal eingehend mit den Non Stop-Scheiben beschäftigt hat, der weiß, dass keine wie die andere klingt. Ob Last nun bewusst einen anderen Sound-Einschlag gesucht hat oder nicht – es sind nur Nuancen. Aber sie sind da, und sie machen jede Platte zu einem eigenen Statement. Es ist auch eine Geschichte des Sounds, die James Last nolens volens schreibt. Faszinierend.

Also, Non Stop Dancing ist eine leicht manische Platte, die klingt wie eine Art leichtlebiger Playboy. Als spiele die ganze Welt drumherum keine Rolle mehr. Und wer wäre nicht gern so?

July 14, 2004

Non Stop Dancing 7


Nein, es ist kein Wunder, dass dieser Platte ein Hit wurde. Nein, nein, nein. Wer schon so göttlich mit „Help yourself“ einsteigt – im wunderbaren, peppigen Bläsersound, mit hochfrequentem Vibraphon-Puls unterlegt –, der muss ein Weltstar werden! Und wer noch dazu so genial den Anschluss an „Mrs. Robinson“ findet... Mit satter, angezupfter Surfgitarre. Wahnsinn!

Wenn diese verdammt alten Non Stop-Platten geliebt werden, dann gewiss auch für den Hall, der auf den Aufnahmen liegt. Damals durfte Musik noch nach Tanzhalle klingen. Durfte weit, weit in ferne Gefilde swingen. All das, womit Lenny Kravitz später Mega-Kohle gemacht hat, nämlich für seinen simplen, aber wohligen Retro-Sound – das findet man hier natürlich in Natura! Wenn die Trompeten von mehr rechts kommen und die Posaunen von links antworten. Wenn man mit verbundenen Augen zu dem Punkt im Studio laufen könnte, wo der Chor steht.

Und endlich kriegt die widerliche Beatles-Schnule „Hey Jude“ mal ´ne ordentliche Bluttransfusion verpasst. So manisch, um nicht zu sagen früh-psychedelisch klangen die Beatles nicht mal auf Sgt. Pepper! Zumindest, was das Last´sche Fade out angeht.

Ja, es ist die Hoch-Zeit des Bubblegum, auf dieser Platte. „Yummy Yummy“, „Simon says“, „Mony Mony“... Und alles in einem durch! Schrammelnde Beat-Gitarren, vibrierende Orgel, Knackbass, ein Tier – nein, „das“ Tier! – an den Drums und natürlich die unermüdlichen, unerschöpflichen, im Gas gebenden Bläser. Wow.

Die Partygeräusche, der Chor und die Mitgröler sind noch wunderbar verwaschen drübergelegt. Ätherisch, kaum greifbar. Was die ganze Platte natürlich noch mehr verzaubert.

Ob die das wirklich in Echtzeit so im Studio durchgespielt haben? Ich vermute: ja. Und ich vermute, das Schlimmste war nicht das Durchspielen. Sondern: den passenden Sound, die passende Anordnung, die richtige Mischung. Damit´s nicht nur im Studio gut klingt, sondern auch bei Erna Kasuppke in der Dreizimmer-Wohnung. Wenn die Lead-Gitarre von „Jumpin´ Jack Flash“ durch´s Wohnzimmer rockt...

Auch Arthur Browns „Fire“ ist drauf, „Lazy Sunday“ von den Small Faces, das “Young girl” und der “Man without love”. Yeah. Back to the Sixties. Und einem Last-Sound, der wohl nie saftiger und voller war. Und natürlich noch einen Stil-Oscar an den Menschen, der das grandiose Cover gestaltet hat. Es ist nicht einfach nur ein quietschbunter, wild gemusterter Stoff, der hier unter der Schrift liegt. Sondern der ist auch noch raffiniert mit Licht-Effekten bearbeitet. Alles in allem – trotz des Temperaments, der Farben und der Knalligkeit: puristisch, stylish, zeitlos gut. Ich knie nieder.

July 13, 2004

Hammond à gogo 3


Endlich wird auf dem Cover mal nur gesoffen. Und nicht geraucht. Das Foto ist ja auch mal wieder der Werbung einer bekannten Sektmarke entliehen...

Und nicht nur das Cover ist stylisher geworden – es hat sich komplett gewandelt, um es mal deutlich zu sagen. Die Schrift, die Farben, die gesamte Anmutung ist poppiger geworden. ...sondern auch der Sound hat sich verändert. Die Mischung ist komplett anders. Alles ist leichtgewichtiger geworden und mehr miteinander verschmolzen.

Die Orgel muss sich ins Gesamtensemble einfügen. Und es klingt weicher, flotter, moderner. Nix mehr behäbig, schwer und muffig. Viele geschmeidige Läufe und ein vergleichsweise polierter Hammond-Sound. Dafür hört man die Details aber auch nicht mehr so gut raus.

Die Medleys sind ebenfalls raffinierter verzahnt. Alles ist ein Fluß, geht unmerklich ineinander über. Also für Partys besser denn je geeignet. Man muss sich ein bisschen anstrengen, um nichts zu verpassen und die Lieder auch wirklich zu erkennen. Das Klangbild ist auch – trotz der Leichtigkeit – viel üppiger. Eine softe Klangmauer aus so vielen Einzelgeräuschen, die noch dazu ziemlich demokratisch nebeneinanderstehen. Nein, Hammond à gogo ist schon Meilen entfernt von der ersten Folge.

Die Medleys sind immer noch nach Tanzrhythmen geordnet. Und das meiste kennt man: „Volare“, „Calcutta“, „Ich hätt getanzt heut nacht“, „Tequila“, „Salome“, „´s wonderful“... Na dann: her mit dem Eierlikör! Und den Schnittchen! Die Easy Listening-Jukebox ist schon da.

July 12, 2004

Traumschiff Melodien


Wow, hammermäßig. Schon mit den ersten Klängen sieht man den Koloss ins Meer stechen. Aufbrechend zu exotischen Stränden, immer begleitet von einer gütigen, telegenen Sonne. Und von deutschen Serien-Stars.

Ach, ich liebe die Traumschiff-Melodie. Das Titelthema. Es hätte kein Besseres geben können. Und selbst wenn es mittlerweile im Sound leicht überarbeitet worden sein mag (ist es?) – es ist zeitlos klassisch. Und es würde mich nicht wundern, wenn die MS Hoppetosse, äh, Berlin immer noch mit den Originalklängen segeln würde.

Ja, der Kapitän mag längst gewechselt haben. Und der Chefsteward auch. Nicht aber das majestätische und trotzdem leichte, freundliche Streicher-Opening. Ach, da geht die Seele doch sofort auf Reisen, schwingt sich in die Lüfte... Hier durch zarten Synthie-Beat angetrieben. Und immer wieder das gesamte Orchester. Die sanften Bläser untermalend im Hintergrund. Und alle aufzubietenden Streicher in Harmonie-Linien im Vordergrund. Immer wieder verfüchtigt sich die Melodie im Ungefähren. Und immer wieder holt das aufbrausende Orchester sie auf den Boden zurück. Ich liebe es. Obwohl es wohl vielmehr das Meer ist, dass James Last hier vertont haben mag. Als den schweren Luxusliner. Nein, er behält oder schafft sogar den Draht zur Natur, zu den Naturgewalten. Denn es könnte auch der Wind sein, der hier das Traumschiff umspielt. Jedenfalls: genial, genial, genial.

Ansonsten: viel Folklore. Was halt so im Hintergrund laufen muss, wenn Thomas Fritsch oder Volkert Kraeft auf einem Landgang ihre Ehen retten müssen oder Töchter wiederfinden, ihre Krise oder Katharsis durchleiden. Und die nach Chopin gearbeitete „Liebeserklärung“. Hach, das klingt so nach intimen, nicht ganz zufälligen Treffen nach Sonnenuntergang an Deck, an der Reling...

Und dann gibt es noch ein Stück namens „Heidelinde“. Überinterpretiere ich jetzt? Oder hatte Heidelinde Weiss mal eine tragende Rolle im Traumschriff? Eine Dauerrolle? Hm. Muss ich mal recherchieren. Ich kann mich eigentlich immer nur an Heide Keller erinnern... Und würde es nicht viel mehr Sinn machen, es hätte mal eine Rolle namens Heidelinde gegeben, der das Lied gewidmet war? Vielleicht Heidelinde Weiss in der Rolle einer Heidelinde. Das hätte Herrn Rademann ähnlich gesehen: Ick will, dass die Heidelinde mal ne janz besondere Rolle kricht! Ne Hommage... Und das gipfelte dann vielleicht noch in den Stück „Heidelinde“. Der wie vieles auf dieser Platter Midtempo-Synthie-Pop mit Streichern ist. Dezent halt, wie es sich für Filmmusik gehört.

Ha, und da ist der Dinnermarsch. Nach der Titelmelodie das zweite Stück, dass es in jeder Traumschiff-Folge gibt. Weil es in jeder Folge Eisbomben mit Wunderkerzen gibt, die in den großen Speisesaal getragen werden müssen. Sozusagen das Dessert zu den gelösten Liebes- und Lebensproblemen. Flotter Trompeten Marsch mit zierlichen Flötenarabesken. 54 Sekunden. Mehr braucht es nicht. Dann gehen ja die Gespräche an den Tischen weiter. Oder der Käpt´n hält eine Ansprache. Hält er? Ich weiß nicht. Muss noch mehr Traumschiff gucken.

Ein „Love theme“ ist auch drauf. Wieder mit Synthies und Streichern, aber auch mit Saxophon und ganz schön melancholisch. Ach, es ist halt eine eigene Welt, dieses Traumschiff. Und diese Platte darf in keinem James Last-Fan-Schrank fehlen. Auch wenn Anja Kruse hier drauf singen darf. („Ich habe das Leben gelebt“.) Das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Aber sonst: Traumschiff ahoi. Wahrscheinlich gab es in Deutschland nie eine schönere Fernsehmelodie.

July 11, 2004

Polka Party 3


Ah, diesmal wird recycelt. „Wochenend und Sonnenschein“ als Polka! Gute Idee anyway. Man ist sofort wieder voll drin. Im fröhlichen Polka-Gehopse. Diese dritte Folge ist von 1974, und sie wirkt besonders hell und freundlich. „Happy Cowboy“ ist natürlich eine Eigenkomposition des Meisters und sogar mit lustigen Wah-Wah-Gitarren unterlegt.

James Last zeigt, was mit Polkas möglich ist. Ja, er hat der Polka eine immense Imagepolitur beschert. Nicht, dass sie nicht beliebt gewesen sei. Oh Nein. Aber wär sie so einfach in die Hitparaden gekommen? Mit so schönen Covern und dem Wörtchen „Party“? Nein! Das hätten die Herren Mosch und Egerländer nicht hinbekommen. Aber mit den Namen „James Last“ und „Party“ klingt „Polka“ doch schon gleich nach „Pop“.

Da ist auch schon wieder die „Sportpalast-Polka“. Und die „Siamesische Wachtparade“. Und „Rosamunde“. Sollten doch mehr Polkas unter den handelsüblichen Schlagern sein, als ich dachte? Wahrscheinlich hat sich James Last jahrelang imaginäre Kreuzchen ins Hirn gemacht, wenn ihm ein Lied unterkam, dass er als Polka erkannte.

Das Cover ist besonders kurios. Es ist von allen Polka-Parties mein liebstes. Ich liebe leuchtendes Apfelgrün! Und man kann für meinen Geschmack gar nicht genug Rot und Gelb damit kombinieren. Aber was ist da im Hintergrund? Ein kostbares Porzellanbauwerk mit Bildchen, die auf die Roaring Twenties schließen lassen. Schöne Idee. Schade, schade, schade, dass der Cover-Designer nie auf den Platten genannt wird. Ich muss da mal eine offizielle Eingabe bei der Polydor machen.

Jedenfalls ist Polka Party 3 mal wieder ein echtes Fest. Ein echter Aufputscher. Und sogar ein internationaler: mit der „Schwedischen Rhapsodie“, der „Donkey Serenade“ und der „Polka Francaise“. Naja, Letzteres ist „Sur le pont d´Avignon“, verpolkt. Und auch sonst bietet Last hier einen farbenfrohen Reigen. Viele Trompeten, klar. Aber auch Flöten und Glockenspielt. Manche peitschen mehr, manche gleiten smoother dahin. Es ist ein lockerer Bigband-Sound. Der hier eben etwas volktümlicher als sonst klingt. Aber immer noch edel und klug.

Und außerdem ist die Polka ohnehin eine bunte Einbahnstraße, die einen automatische vorwärtstreibt. Und bei der man scheinbar nichts falsch machen kann. Schnell, simpel, publikumsfreundlich. Demokratisch. Meine Welt!

July 10, 2004

Instrumentals forever

Ja, er kann auch konservativ, der James Last. Un-James-Last-ig, edel, leicht spießig. Nicht, dass die Platte schlecht wäre. Oh nein. Es ist eben 50er-Jahre-Swing: schön, zart und schwelgerisch. Gut, in den 60ern hat man so was auch noch gehabt. Aber es klingt sehr, sehr klassisch.

Und die Stücke sind auch Klassiker: „Moon River“, „Theme from a summerplace“, „Moulin Rouge“,The ´in´ crowd“, „Moonglow and picnic”, „April in Portugal”… Sogar der “Telstar” kommt hier zu Ehren! Und kleiner Anspieltip: „Delicado“!

Swing-Kenner werden James Last hier wahrscheinlich sofort erkennen. Wer im Universum der Ray Connifs, Mantovanis und Max Gregers zuhause ist... Gut – dass das nicht Bert Kaempfert ist, merk ich auch noch. Zu powervoll, zu optimistisch im Klang. Aber kein Happy Sound.

Diese Platte konnte Madame problemlos im Salon als Hintergrund beim Damenkränzchen laufen lassen. Doch, es hat noch leicht was von Nierentischchen. Trotzdem die Empfehlung: Augen zu und treiben lassen. Diese Platte ist ein Genuß. Ein Swing-Gesamtkunstwerk. Bisschen süßlich, aber große Kunst. Mal mit wuchtigen „tutti“, dann wieder mit leicht schmutzigen Trompeten und getupften Flötentönen. Und gewollt gruseligen Streicherglissandi. Eine Klangmauer des guten Geschmacks.

Und das Cover... noch ein Klassiker! Die Frau hinter der Trompete. Durch die Trompete. In der Trompete? Hoffentlich ist das überhaupt eine Trompete. Dieses Foto muss jedenfalls ein großer Künstler komponiert haben. Man sieht nur noch Augen und Metallrohre und vergisst immer wieder, welch einfacher und doch berechnender Trick hier angewandt wurde. Eine simple Trompete! Und natürlich eine Tusse. Natürlich. Ist das eigentlich ein überdimensionaler Lidstrich? Oder schwarzer Lidschatten? Schade, dass der Stylist nicht genannt wurde. Er hatte garantiert großen Anteil am suggestiven Erfolg dieses Fotos. Man vergisst nämlich auch immer wieder, dass hier vermutlich keine Asiatin zu sehen ist. Sondern, hm, ich tippe, eine stark geschminkte Britin. Oder Französin. Egal. Eine Platte, die man an´s Herz drücken will.

July 09, 2004

Trumpet a gogo


Oh, hier seh ich große Freuden auf mich zukommen: American Patrol, mein geliebtes Delicado, Tico Tico, Wheels, Never on a sunday... Klingt nach einem Melodienregen, der sich gewaschen hat. In Kombination mit dem, was zu den ausgemachten Stärken von James Last gehört: Trompeten in Szene zu setzen!

Und so ist es auch. Das einzige, was hier noch fehlt, ist das „Trompetenecho“. Aber vielleicht gab´s das damals noch nicht. Hier sind jedenfalls jede Menge Lieder drauf, ganz große Melodien, die man so im Unterbewusstsein gespeichert hat, eigentlich aber nie sagen kann, wie sie heißen. Solche Lieder sind oft von Herb Alpert. Oder dem Sir Douglas Quintett. Lieder, wo man erst behauptet: „Kenn ich nicht.“ Und wenn sie dann jemand ansingt: „Ach ja, daaas!“ Manchmal kennt man sie auch, weil man sich vor Jahren mal einen Easy Listening-Sampler gekauft hat namens „Hits in Stereo“, auf dem alle möglichen dieser Sachen im niedlichen 50s-Hammond-Sound drauf sind.

Jetzt also im sexy Trompeten-Sound. Denn das muss man sagen: Trompeten bei James Last sind immer, immer, immer sexy! Unsexy ist höchstens mal der Cha Cha Cha-Rhythmus darunter. Aber nicht die Trompeten. Bin ja kein großer Fan von „La Paloma“. Höchstens von „Ola Paloma“. Blanca. Aber was James Last hier aus „La Paloma“ macht, das macht selbst mir schmackhaft. Eine gebratene Taube sozusagen, direkt ins Maul. Nein – es ist nur ein sehr schmissiger, kickassender Song geworden. Super.

Ich wette übrigens, Menschen, die viele Tanzkurse besucht haben, kennen dieses Sorte Lieder auch. Und sie würden jetzt sicher auch schon wieder tanzen. Weil sie genau wissen, welche Schrittfolge „Cherry Pink“ erfordert. Ich fühle einen kühl-samtigen Bossa. Oder ist es doch wieder ein Cha Cha Cha? Herrlich jedenfalls die Vibraphon-Läufe. Nein, ich wollte diese Platte nicht gegen die „In the mood for trumpets“ ausspielen. Sie sind beide wunderbar. Diese hier ist vergleichsweise old fashioned. Und sehr tanzbar. Auf eine 50er-Weise.

Oh, das tolle „La Bamba”. Ja, das hat bei James Last richtig Pep. Findet sich nicht ohne Grund längst auf einer Auto- und Walkman-Kassetten. Wie er hier durchjagt! Und das flotte „Greensleeves“ – nach der Pianissimo-Zeitlupen-Einleitung geht´s hier aber richtig ab! Sicher eines der von James Last – ich will nicht sagen: meisteingespielten – aber meistveröffentlichten Stücken. Findet sich so ziemlich auf jeder zweiten seiner Compilations...

Schade, dass nach den 50er-Jahren die Vibraphone irgendwie aus der Swing-Musik verschwunden sind. Gut, sie können miefig und gedämpft klingen. Aber sie können auch göttlich und stylish klingen. Sie haben ihr unwürdiges Schicksal nicht verdient. Denn im besten Fall sind sie später noch leise im Hintergrund, sozusagen in der hintersten Reihe der Rhythm-Section zu hören. Aber nicht mehr mit ihren schönen, eigentümlichen Läufen und ausgetickten Rasereien über den Klanghölzern. Hier hört man jedenfalls noch viel Vibraphon. Oder Vibes, wie coole Kenner sagen.

Also, wenn „Passion Flower“ nicht ganz schwer bei Beethovens „Für Elise“ geklaut ist, dann fress ich einen Besen. Vielleicht hat Beethoven aber auch viel „Trumpet à gogo“ gehört und sich „inspirieren“ lassen. Oder er war mal in Spanien. Oder Mexiko. Danach klingt das Stück nämlich. Ja, „Trumpet à gogo“ dürfte zu den besten 10 Last-Platten gehören. Vermutlich sogar zu den besten zwei.

July 08, 2004

Humba Humba à gogo


James Last ist wirklich unglaublich. Die Worte „Humba Humba“ dürften so ziemlich zu dem Schrecklichsten, Abstoßendsten gehören, was die deutsche Sprache hervorgebracht hat. Sowas, wo sich alle vorher Handschuhe anziehen. Und niemand mit gesehen werden will. Aber James Last hängt einfach ein „à gogo“ dran – und schon ist das ganze Ding stylish.

Und hätte hier nicht ein Dekor wie auf „Hereinspaziert zur Polka Party“ auf´s Cover gehört? Oder wenigstens eine Flasche Jägermeister? Nein! „Ein Potpourri mit 28 hand- und trinkfesten Stimmungsliedern für die Bottleparty“ ist der Untertitel der Platte. Hand- und trinkfest? Ich will gar nicht weiter drüber nachdenken... Aber so macht das James Last: macht seinen Fans einen Sauf-Soundtrack und spricht von „Bottleparty“. Hier ist kein gewollt modernistischer Aglizismer am Werk, sondern ein Mensch, der echte Lebenshilfe leistet. Er gibt dem Affen Zucker – aber zugleich auch das Gefühl, etwas Besseres zu sein. Eiche rustikal zum letzten Schrei erhoben. Salonfähig gemacht. Hier sind sogar Martinikirschen im Glas! Aufgespießt auf einem kleinen Säbel, damit das Publikum sich trotzdem noch wiedererkennt. Gewusst, wie.

Auf der Platte erkennt man die Bierseligkeit höchstens an ein paar tiefen Legato-Trompetenläufen, am Repertoire und – ich finde – ein bisschen auch an der gelegentlich durchwabernden Hammondorgel. Inhaltlich ist das „Ännchen von Tharau auf Zechtour“: Trink, Brüderlein, trink; O du wunderschöner, deutscher Rhein; In München steht ein Hofbräuhaus. Und natürlich: Humba, Humba Tätärä.

Das ganze im munteren Potpourri-Sound: fröhlicher Swing (ich weiß, das sag ich zum hundertsten Mal – ist aber so!), wie Perlen aufgereiht auf der Medley-Kette. Einigermaßen rasante Platte also. Mit durchaus hörenswerten Details, zum Beispiel einem kleinen Glockenspiel-Solo. Das ist ja einer der Vorzüge der Last-Platten: sie funktionieren im Vollsuff und als fernes Hintergrundgeräusch, aber eben auch beim einsamen, kontemplativen Hören. Sie sind – anyway – großartige Musik.

Denn man kann sagen, was man will: nie hat man bei James Last das Gefühl, er spiele irgendwas routiniert runter. Er lege nur eine Klangschablone über die zu arrangierenden Songs und spule eben seine Masche ab. Nein, jede Platte klingt, als sei sie mit viel Liebe, mit großem Können und ungeheurer Energie gemacht. Als habe sich jemand mit Haut und Haaren in die Lieder gestürzt. Bemüht, aus ihnen rauszuholen, was rauszuholen und ihrer würdig ist. Auch dafür Dank an Le James! Selbst seine (grauenvollen) Ausflüge in den sterilen 80er-Synthie-Pop verzeiht man ihm, weil man merkt, dass er neugierig und offen war und Neues ausprobieren wollte. „Humba Humba à gogo“ ist jedenfalls eine tolle, satte, krachende Swing-Platte!

July 07, 2004

In Concert 6


Ich will ja nichts sagen, aber diese Platte ist eine schlechte Fälschung der „Classics up to date 4“. Wohlmeinendere würden das vielleicht „Wiederveröffentlichung“ nennen. Leicht manipulierte Wiederveröffentlichung.

Das Cover ist bis auf den Schriftzug schon mal identisch. Und hinten muss man dann ein klein bisschen suchen, um die Fehler zu finden. „Rodrigos Concerto“ heisst nun – korrekt – „Concierto d´Aranjuez“. Es ist von der linken auf die rechte Seite gerutscht, hat als einziges Stück eine – Schlamperei – kleinere, fettgedruckte Schrift bekommen und sein
Zeitangabe verloren.

Im Gegenzug ist Mendelssons „Frühlingslied“ nach unten gerutscht. Und Ravels „Pavane“ hat´s sogar ganz rausgehauen. Die ist hier gar nicht mehr drauf.

Im übrigens wurde auch unten bei der Diskographie geschlampt. Die letzte Veröffentlichung ist auf beiden Platten „Happy Marching“. Und sie ist auf beiden Platten größer gedruckt als der Rest der Diskographie. Ja, hat sich hier denn der Schlendrian eingeschlichen? Weiß die Polydor James Last nicht mehr seiner würdig zu behandeln? Wurden solche schlecht kopierten Last-Platten damals von den gleichen Leuten verkauft, die heute gefakete Louis Vuitton-Taschen verkaufen?

July 06, 2004

Non Stop Party 12


Irgendwie kommt mir alles auf dieser Platte bekannt vor… Ich mein jetzt nicht, weil die Lieder eigentlich in anderen Fassungen berühmt wurden. Sondern in den James Last-Versions. Hm. Naja, es ist definitiv die erste Non Stop Party 12, die rezensiere, also Augen zu und durch.

Sportlich klingt sie. Weiß nicht, warum. Aber wäre gewiss der bessere Aerobic-Soundtrack geworden als diese Sydney Rome-Sch... Gibt es das schon? Retro-Aerobic? Ich wäre bereit, meine James Last-Platten teuer an Aerobic-Kurse zu vermieten, die das mal ausprobieren wollen. Sehr teuer.

Es ist hier irgendwas im Rhythmus und in den Arrangements, das voraussetzt, dass Menschen, die auf diese Platte tanzen wollen, körperlich sehr fit sein müssen. So wie ich, harr harr. In Wahrheit war James Last Vater der Trimm Dich-Bewegung. Max Greger hatte da eigentlich gar nichts zu suchen. Stand bei Parties in den 70ern immer ein Notarzt bereit, falls sich jemand an James Last übertanzte? Vermutlich wurde vorsorglich mal immer einer eingeladen. Ärzte konnten sich damals tatsächlich vor Party-Einladungen kaum retten. Sie haben sich immer gefragt, warum...

„Oh, wann kommst Du“ ist hier auch drauf. Erinnert mich an ein unlängst geführtes Telefonat mit meiner Mutter, in dem sie behauptete, Daliah Lavi sei mit James Last verheiratet gewesen. Das ist natürlich Humbug. Aber es dauerte ein bisschen, bis wir raus hatten, dass sie eigentlich Dunja Raiter meinte. Und Les Humphries. Kann man ja mal verwechseln. James Last und Les Humphries. Hmpf. Wir reden trotzdem noch miteinander. Ich kann verzeihen.

Zumal, wenn ich so tolle Musik höre. „Silver Moon“, „After Midnight“, „What is life“, „She´s a lady”… Die Non Stop Party 12 ist wirklich sehr zu empfehlen! Der Sound ist ungemein kräftig, der Chor wird fantastisch und zum Teil mit viel Hall eingebunden. Die Partygeräusche liegen natürlich drüber, drunter, dazwischen. Aber wenn jemand in der Lage ist, sich dennoch Gehör zu verschaffen, dann sind es die Trompeter der James Last Band! Satt, saftig, fröhlich. Von „Cracklin´ Rosie“ bis „Knock three times“. Anhören, anhören, anhören!

July 05, 2004

Das Beste aus 150 Goldenen


Diese Platte ist die Basis einer meiner liebsten Auto- und Walkman-Kassetten. Wer einen schmucken Querschnitt durch das Schaffen von James Last sucht, ist hier richtig. Und wer will, kann die Goldenen auf der Coverrückseite nachzählen: es sind genau 150.

Hier wird jedes Blümchen des Last-Schaffens kurz von der LP-Biene angeflogen: die besten Polkas sind hier drauf, zumindest die „Liechtensteiner Polka“. Manches klingt wie eine, ist aber vermutlich keine: Knaller wie die „Petersburger Schlittenfahrt“ (!!!) und „Hora Staccato“. Natürlich auch die „Amboss-Polka“ – lecker! Und „Starparade“, „Happy Music“, „Happy Luxemburg“...

Keine große Last-Melodie, die hier drauf fehlt (nimmt man ca. 1979 als Veröffentlichungsjahr): „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“, „Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung“, „Der einsame Hirte“, „Games that lovers play“ und „Happy Heart“

Ein paar Balladen: „Charmaine“, „Don´t cry for me Argentina“, die „Ballade pour Adeline“. Und natürlich ein bisschen Klassik: „Elvira Madigan“, eine Beethovensche „Violinromanze“ – und aus der Operetten-Blüte Stolz´ „Salome“.

Auf der zweiten Platte gibt´s dann ein paar Potpourris: deutsche Sachen mit Mitschunkeln und Chart-Hits, darunter auch viel englischsprachiger Pop.

Ich arbeite ja immer noch daran, rauszukriegen, ob „Happy Luxemburg“ mal eine Titelmelodie für Radio Luxemburg war. Ich meine, so etwas gehört zu haben. Ich finde, das ist so die typische Last-Handschrift. Und dass er am besten ist, bei kleinteiligen Stücken, die einem schon mit den ersten Takten ihren Stempel aufdrücken. Die „Luxemburg“-Fanfare ist einfach genial: deutlich, sympatisch, erinnerbar. Und modern.

Toll auch, wie er´s in „Morgens um Sieben...“ schafft, eine Ballade aufzuswingen. Man wird förmlich durch´s Lied durchgetrieben. Und nie waren die hohen Streicher besser angebracht, als über den grundierenden, kräftigen Bläsern und der Marsch-Trommel. Gleiches gilt für „Wenn süß das Mondlicht...“. Mag ich eigentlich noch mehr als „Morgens um Sieben...“. Unglaublich, wenn hier die Bläser den nächsten Aufschwung antreiben und die Streicher dann wie ein Segelboot in der Luft weiterschweben. Klingt kitschig. Ist auch so. Kann´s aber nicht besser beschreiben. Ist jedenfalls ein unglaubliches, ein unglaublich schönes Stück Musik.

Und die Amboss-Polka – Wahnsinn. Es ist diese Polka, die mich wünschen lässt, im zweiten Leben Trompeter oder Drummer bei James Last zu sein. Wie kriegt man so was ohne Drogen hin? Mann, mann, mann. Ich liebe dieses Stück! Wer ähnliche Adrenalin-Spritzen braucht, ziehe sich auch die „Petersburger Schlittenfahrt“ und „Hora Staccato“ rein. Vor allem nach letzterem brauch ICH mein vielzitiertes Sauerstoffzelt. Ich will verdammt sein, wenn das den Musikern nicht genauso ging! Mensch, bin ich dankbar, dass die hier draufgepackt wurden. Hätte ich genauso gemacht. Das rockt!!

Nur „Happy Music“ – das hätte ich mir doch noch einen Tick schneller gewünscht. Ich finde, da fehlt ein Zacken Tempo. Ist ja eigentlich auch ein durchgeknalltes Stückchen Musik, vertonte Ekstase – und die geht schneller.

Eine Art Mini-Instrumental-Oper ist „La entrada del Bilboa“ von José Feliciano. Geht über 6´32. Klingt zwischendrin richtig experimentell, wenn mit Percussions und verzerrten Gitarren eine Art Feuerwerk intoniert werden. Oder gehen hier Pferde durch?

Wahnsinn auch immer wieder: der erste Schlag bei „Games that lovers play“. Wow. Sowieso die Drums in diesem Lied – klasse. Und der Chor gefällt mir hier auch. Das konnte Andy Williams nur noch schlechter machen, oder? Und dann war´s immer noch ein Welthit...

James Last guckt übrigens vom Cover, als würde er der nächste Bundespräsident. Man sollte echten Bundespräsidenten dieses Foto zum Üben geben. Es sollte an ihrem Spiegel, in ihrem Auto und auf ihrem Schreibtisch kleben. Dabei – im Grunde ist James Last der deutsche Bundespräsident. Seit über 30 Jahren. Man kennt ihn. Man achtet ihn. Bis auf ein paar beleidigte Jazzer... Er repräsentiert uns glänzend. In vermutlich mehr Ländern, als der Papst je bereisen kann. Ja, ich glaube, James Last ist der Bundespräsident und der Papst. Für mich jedenfalls.

Im Innencover gefällt mir am besten das Foto „Verleihung der 136 - 150 Goldenen Schallplatte“. Man sieht einen Teppich aus Goldenen Schallplatten. Und dahinter James Last mit einigen – ich vermute – Label-Fritzen, die alle mit anpacken müssen, um die Goldenen optimal ins Fotographenlicht zu halten. Bis auf den Herrn links-mittig. Der ist damit beschäftigt, Erna und Heidi von hinten an die Schultern zu fassen. Mensch, was James Last der Polydor Geld gespart hat. In einem Aufwasch mal eben 15 Goldene abgeholt – es reicht dafür ein Buffett, ein Empfang, ein Abend. Das schafft heute nur noch Andrea Berg.

Und ganz rechts ist ein Foto, wie Kennedy vor dem Berliner Rathaus zu den Massen spricht. Ach nee, das ist auch James Last. Und da – in der Royal Albert Hall. Und neben Count Basie. Und neben Walter Scheel. Zwei Bundespräsidenten, Aug in Aug!

Und so stylish, das James Last Orchester auf der IFA und in der Starparade... Muss man mal sagen: das war echt was für´s Auge!

Angenommen, ich dürfte eine einzige James Last-Platte mit auf eine einsame Insel nehmen: es wäre diese hier. Mit den Sachen, die hier drauf sind, komm ich über die Runden. „Amboss-Polka“, „Petersburger Schlittenfahrt”, “Wenn süß das Mondlicht”… Ahoi.

July 04, 2004

Hair


„Hair“ – ein Thema wie gemacht für James Last! Hat er uns nicht immer durch seine Frisuren, sein wallendes Haar Freude gemacht? Doch, hat er. Genial auch mal wieder das Cover. Mir fehlen da die Worte.

Gottseidank nicht bei der Musik. Die ist zu einem unglaublichen Trip geworden. Softe, wohlige Psychedelia. Viele Flöten, Orgel und Jazz-Improvisationen. Morgenröte-Stimmung. Abgesehen von den irrwitzigen Orchesterausbrüchen: „Aquarius“ – ein Wahnsinnsritt. Drogisierte Lebensfreude. „Good Morning Starshine“ dagegen die Trägheit-danach, müde Glieder und elegisches Vorwärtsschleppen.

Unglaublich, mit welch feinen Pinsel und mit welch ungewohntem Gestut James Last hier malt. Sicher, man erkennt ihn und seinen Orchester-Stil. Aber es ist die Variation seiner selbst, die er hier vorlegt. Ein weiterer Einblick in das Genius Last, denn der groovige, jazzige, ausschweifende Sound auf „Hair“ ist ein Meisterstück.

Die Steigerung der Bläser in „Let the sunshine in“, über dem manisch trommelnden Drummer... Das fröhlich-beschwingte „Walking in space“. Und das pointierte Pianospiel in „Easy to be hard“... James Last´s “Hair” hat auch düstere Momente. Es ist keine „Non Stop Dancing“-Platte. Nichts zum Durchtanzen. Sondern zum Zuhören, Mitleiden, Erfahren. Ein Ausflug durch fantasievolle Landschaften. Durch schöne, euphorische und traurige Gegenden.

Das Gute, nein Beste, bei James Last ist, dass er sinnliche Musik macht. Sie ist oft im besten Sinne Gebrauchsmusik, versucht die Kluft zwischen sich und dem Publikum zu überbrücken, indem sie sich heftig in den Dienst der Käufer stellt. Indem sie auffordert, ihr nicht kontemplativ zu lauschen. Indem sie diesen Effekt durch Hintergrundgeräusche fast selbst zunichte macht.

James Last will nicht interpretiert, nicht gerühmt und gelesen werden. Sondern einfach benutzt. Und zu diesem Zweck appelliert er oft im Übermaß an die Sinne. Seine Musik ist oft kraftstrotzend, farbenfroh und einfach „schön“. Und auf „Hair“ kommt noch seine ganze Jazz-Kunst hinzu. Eine unglaubliche Platte. Eine Last-untypische Platte, weil er sich den Stimmungen des Liedes hingibt, auch wenn sie melancholisch sind. Sich treiben lässt, Stimmungen auskostet. Und mit ungehörten, fantasievollen Arrangements ausmalt. Vielleicht seine beste Platte.

July 03, 2004

In Concert 2


Von allen Last´schen Klassik-Einspielungen ist mir diese vermutlich die liebste. Wegen des Covers! Ist das nicht frech: James Last im Halbprofil zwischen all den anderen Gipsbüsten?! Gewagt. Und gewonnen.

Diese Last-Cover haben wirklich mal einen fetten Preis verdient. So humorvoll und auch kühn, wie sich viele präsentieren. Überhaupt mag ich hier mal wieder die gesamte Bild-Komposition: mit den großen Kleinbuchstaben in gelb, die ganze Proportionierung, die dieses Cover weder zu groß noch zu klein erscheinen lässt. Und dann diese schiere Landschaft aus Büsten. Ja, da gehört er hin, der James Last. Zwischen die anderen Meister. Gottlob sieht er noch viel lebendiger aus.

Und auch sein Orchester ist mehr als lebendig. Wunderbares Finale in Tschaikowskys „Capriccio italien“. Wie das wohl für die Musiker gewesen sein mag – mal Jazz, mal Pop, mal angeswingte E-Musik? Sagt man da als Musiker „Juchhe“? Ich hoffe es.

Also. Viel weicher Streicherbrei hierauf. Wieso sollte das den Hörern besser reinlaufen, mit viel Darm und hohen Lagen? Wieso sollte das den Stücken angemessen sein? Ich glaube, hier kommt für mich eine ungute Ehe zusammen: E-Musik und Streicher in hohen Lagen. Gut, beim Traumschiff mag ich´s. Aber da ist die ganze Musik auch eine gaaanz andere.

Wunderbare Orgel allerdings in Bachs „Toccata und Fuge“. Macht tatsächlich Spaß zuzuhören, weil ein Spitzenmann an den Tasten sitzt. Und weil Last die übrigen Instrumente mit dem nötigen Pfiff untermengt.

Und, ja, es ist eine unterhaltsame, bunte Platte geworden. Muss ich anerkennen. Die marschartige „L´Arlesienne-Suite“, die natürlich in Pastellfarben gezeichnete „Mondscheinsonate“... Ja, hier spielen Musiker, die´s wirklich können und Gefühl in den Fingern haben. Kein Zweifel. Und Last hat stimmungsvoll, einfallsreich – manchmal aber auch vorhersehbar – arrangiert. Ich glaube, ich hätte mir diese Musik gern live angeguckt. Aber von Konserve ist es echt nicht mein Ding.

July 02, 2004

Classics


Heute möchte ich im James Last-Unterricht mal die Frage beantwortet bekommen: warum wurde James Last ausgerechnet für die Party-Platten bekannt?? Warum nicht für seine Klassik-Einspielungen? Ich bin mir sicher, die müssen sich noch viel mehr Menschen gekauft haben.

Ich bin mir sicher, alle auf dieser Platte befindlichen Stücke schon mal auf einer anderen gehört zu haben. Und ich werde einen Teufel tun, das jetzt zu überprüfen. Reicht mir, dass ich mir jede rezensierte Platte von vorne bis hinten anhöre. Vielleicht gibt es auch noch einen weiteren Grund dafür, dass ich diese Klassik-Platten hasse: ich mag keine E-Musik.

Dann will ich mich mal stattdessen auf´s Cover konzentrieren und es schwer loben. Denn es ist wirklich stilvoll und trotzdem im guten James Last-Ton gehalten. Lachsfarben, mhhh. Und wie er da steht, in seinem Brokatjäckchen hinterm Flügel – so alle müsse er eigentlich schon weiter. Sieht leicht ungeduldig aus, der Herr Last. Hübsches pinkfarbenes Hemd trägt. Und auch dafür liebe ich die 70er wieder: dass sich jemand in einem pinkfarbenen Hemd auf ein lachsfarbenes Cover stellen darf. Auch die Schriftzüge sind wirklich sehr geschmackvoll gestaltet.

Oh, ich seh gerade, das ist mal wieder eine Club-Sonderauflage. Kein Wunder, dass ich die Stücke alle kenne. Hoffmanns „Barcarole“, die „Habanera“ aus „Carmen“, die „Air“, den „Ungarischen Tanz“, den „Gefangenenchor“, die „Romanze“ von Beethoven etc. Gut: sie sind immerhin treffsicher ausgewählt. Blendet man aus, dass ich E-Musik nicht mag, dann sind die „Barcarole“ und Borodins „Ballett Music“ aus „Prinz Igor“ mit ihren Flötentönen bzw. E-Gitarren-Läufen doch bemerkenswert arrangiert. Und wenn man´s ohnehin nicht allzu orthodox nimmt mit E-Musik-Klängen und auch mal ein Augenzwinkern zulässt, dann kann man schon viel Spaß haben mit dieser Platte.

Bunt ist sie – an Stilen, Tempi und Klangfarben. Das alte „Ah ja, jetzt erinner ich mich“-Spiel kann man hiermit natürlich auch ganz wunderbar spielen. Also: Spannung und was zum Spielen. Immerhin.

July 01, 2004

Non Stop Dancing 11


Ra-Ta-Ta, Ringel-Dingel-Klingelding, Er hat ein knallrotes Gummiboot… Man ahnt, wo die Reise hingeht. Zumal wieder die fröhlichen Last-Trillinge auf dem Cover sind.

Und tatsächlich ist es ein Happy Mix mit viel Tschingderassabum. Und selbst der Song of Joy lädt noch ein zum Schunkeln. Hier finden sich auch wieder die unvermeidlichen Greensleeves und die alte Frau Cecilia – die auf den Beach Parties eigentlich viel besser platziert ist.

Es ist eine dieser Platten, wo man den Eindruck hat, der Bigband-Moloch verschlingt einfach alles, was ihm in den Weg kommt. Und hinten kommt es dann wieder als fröhlicher Konfetti-Regen raus. Gleich, was es vorher war. Klingt ein bisschen rastlos.

Manchmal frage ich mich, ob uns das Cover sagen soll, dass sich der schüchterne Herr Last in seiner eigenen Gesellschaft am wohlsten fühlt. Auch den Fotos, wo er ganz allein zu sehen ist, guckt er meist am mürrischsten. Worüber er mit sich selbst wohl redet? „Da hättest den dritten Takt von links doch nicht nach Gis-Dur transponieren sollen.“ „Du sei doch ganz still! Ich hab doch gleich gesagt, nimm eine Triangel mehr.“ „Ach Kinder“, meint der weise Last in der Mitte, „streitet doch nicht. Die Leute kaufen es ohnehin wie geschnitten Brot.“

Womit er Recht hat. Allein, um mal wieder seine unwiderstehlichen CCR-Versionen zu hören. Wahrscheinlich hätte es schon für Gold gereicht, wenn stets alle auf den Covern abgebildete Last´s die Platte gekauft hätten.

Oh, hier ist das wunderbare „Are you ready“ drauf. Das muss man auch im Original gehört haben. Ist von so´ner schwarzen Gesangsband. Ähnlich wie die Sisters Sledge (Sisters?), aber noch mit einem durchgeknallten Vater dazu. James Last beweist tolles Augenmaß, indem er diesen super Titel mit auf´s Album nimmt. Und direkt danach „Lola“. Wow. Nicht wegen des Liedes, sondern wegen der Kombination.

Hier liegt übrigens auch wieder diese Party-Atmosphäre drüber. Würd mich mal interessieren, ob die Partygäste separat eingespielt und von James Last entsprechend dirigiert wurden. Anyway. Fröhliche, gelungene, aber auch leicht flüchtige Platte. Nicht so prägnant im Sound wie andere Non Stops.