K A T J A S W E L T
July 28, 2004

Biscaya


Haaach, „Biscaya“ ist und bleibt vermutlich mein liebstes Last-Lied. Auch wenn er´s nicht geschrieben hat – es ist ein Wahnsinns-Stück! Dieses genial vertonte Wellenplätschern, der ätherisch flirrende Chor, die Brandungsgeräusche, das leicht spröde – aber dann plötzlich geschmeidige, warme Akkordeon. Ich könnte noch tagelang weiterschwärmen.

Und vermutlich sagte ich auch schon, dass ich dieses Stück schon ´82 geliebt hab, als es in den Charts war. Ich war ganz verzaubert, verzückt, hingerissen. Hatte es nur nie auf Kassette, tragischerweise. Das lag daran, dass dieses Stück beim hippen Sender SDR3 auch eher selten lief. Sondern mehr so auf SWF1 und anderen Kitsch-Wellen. Und die hab ich nur in Ausnahmefällen gehört. Samstags manchmal, wenn ich gezappt hab zu „Gute Laune aus Südwest“. Mit Dieter Thomas Heck. Aber wen interessiert das schon?

„Biscaya“ also, das Album. Ein Album – typisch 80er, mit viel Synthesizer. Und – eine Art Konzeptalbum. „Biscaya“ ist nur der Ausgangspunkt für eine ganze LP, die im ähnlichen Sound und einer ähnlichen Stimmung gehalten ist. Leicht melancholisch, träge dahintreibend – nicht nur, klar. Und ziemlich soft. Und ich muss sagen: es funktioniert! Es ist eine tolle Idee. Und trotz dieses ziemlich sterilen 80er-Synthie-Klangs ein tolles Album. Weil dieser Biscaya-Keim eben in allem drinsteckt. Und man mit dem Opener sozusagen eingeführt ist in die Welt, die sich dahinter auftut. Gern, gern, gern wüsste ich, wie James Last auf „Boscaya“ gestoßen ist. Wie ihm die Idee zu seinem Arrangement kam. Und zu dieser Platte.

Wenn ich je geschimpft hab, dass nur Giorgio Moroder diese kühlen Instrumentals thrillend hinkriegt – und das habe ich! Denn es gibt auch sehr schlimme Last-Alben dieser Art!! – dann muss ich hier sagen: nein, Last kann es auch. Wenn er will. Wenn es flutscht. Wenn es halt klappt.

Auf „Biscaya“ sind praktisch keine Hit-Cover drauf. Vieles aus der Familie Last, mehrere Thomas Eggerts und ein Jimmy Bowien. Und win Bookwood/O´Malley natürlich – der Titelsong. Und bei dem klaut Last zum Teil ganz frech. „Rain and sun“ ist ein fast unverholenes Plagiat – andere Melodie zwar, aber das ist auch alles. Tja, aber wer „Biscaya“ liebt, der liebt auch dieses Stück. Das hat man sich ja insgeheim immer gewünscht: mehr davon. Und mit „Morning after“ ist das auch nix anderes.

Die ganze Platte ist eigentlich so wie das – wunderschöne – Cover. Bei dem man natürlich auch direkt melancholisch wird: Meeresbrandung und Strand in Braun-, Orange- – und wenn man ehrlich ist – auch in Grautönen. Genial. Mutig.

Das kleine Last-Foto stört natürlich die Komposition. Argghhhlllll. Aber das sind eben diese blöden, blinden, geschmacklosen 80er. Verdammt. Wozu? Egal. Wenigstens eine schöne, ausgefallene Last-Platte.

July 27, 2004

Hammond à gogo


28 Melodien zum Tanzen und Träumen.

Das ist also die erste „Hammon à gogo“. Eine fette Platte. Wiegt mindestens doppelt soviel wie Platten aus den 70ern und später. James Last und seine Hammond-Combo.

Ja, der Sound ist noch voll 60er. Bisschen muffig, etwas erdrückend. Kommt natürlich auch durch die Orgel. Die kann man ja so und so einsetzen... Und eine Hammond-Orgel ist halt kein Moog. Die Leute damals dürften aber großen Spaß daran gehabt haben. Auf den Hammond-Sound werden sie sowieso gestanden haben. Und dann garniert Last das Ganze natürlich mit exzellenten Swing-Arrangements. Leise federt das Becken. Und schrabbt die Rassel. Weich umrahmen die Bläser das Orgel-Gewaber. Eine Orgel, wohlgemerkt, die hier in keiner Weise psychedelisch eingesetzt wird. Es ist die alte, etwas behäbige Hammond-Spielweise. Die vermutlich wegen ihres warmen, einlullenden und trotzdem spacigen Sounds geliebt wurde.

Und Last lässt jede Menge bekannter Songs vorbeiparadieren. „Hello Dolly“, „Milord“, „Wheels“, Moon River“, “If I had a hammer”, “Red Roses for a blue Lady” und jede Menge Latin-Stücke. 28 Melodien zum Tanzen und Träumen eben. Ach, ich liebe diese Hör-Anweisungen. Süß. Und immer noch sympathisch. Bei anderen Künstlern würde, wenn sie ehrlich wären, draufstehen: Nur zum hochgeistig Interpretieren und Anbeten. Hier, bei Last, darf man wenigstens seinen Spaß haben.

Und den hat man. Ich mag diese Hammond à gogo lieber als die zweite. Obwohl ich Franz Lambert ja auch nicht schlecht finde. Aber das ist echt schon eine andere Hammond-Generation. Der haut viel mehr drauf, da geht echt die Post ab. Das hier ist vergleichsweise gediegenes Understatement. Aber auch James Last kann mit seiner Hammond-Bar-Combo so flott galoppieren, dass einem schwindelig wird. Wollt ich nur mal anmerken, um nichts unter den Tisch fallen zu lassen. „Blue Moon“. „Letkiss“. Wow.

Und warum eigentlich Bar-Combo? Vielleicht, weil man damals in Bars getanzt hat. Und weil eine Bar auf dem Cover abgebildet ist. Eine Bar, in der man vor lauter Zigarettenqualm kaum die Hand vor Augen sieht. Überhaupt wird in der Last-Frühzeit noch viel auf den Covers gequalmt. Auch auf der „Humba Humba à gogo“ liegt eine Fluppenpackung rum.

Natürlich ist auch das Cover voll Sixties. Eigenartige Sixties. Dunkle, schwer durchschaubare, geheimnisvolle Sixties. Nix neue Einfachheit. Op Art oder so. Nein nein. Real Life. Schnappschuss. Und nicht gerade so fotographiert, dass man es schon auf zehn Schritt Entfernung erkennt. Warum? Sollte man näherkommen? Sollte man schon genauer hingucken müssen? Riskant. Oder wirkte dieses Cover auch als Gesamtkunstwerk auf größere Distanz? Hm. Man erkennt hier ja kaum einzelne Farben. Kurios. Nein – da ist doch der Übergang zu anderen A gogo-Cover ein Quantensprung. Auch die Non Stop-Cover sind ganz anders. Die sind ja eher auch früh schon Zeugnis graphischer Klarheit.

Naja, echte Last-Fans müssen diese Platte einfach haben. Und wer Easy Listening auch nur im Entferntesten mag, wird auch seinen Spaß dran haben. Willkommen im weiten Universum der Hammond-Klänge.

July 26, 2004

With compliments


Ich finde, die Platte hätte auch „Schöne Grüße vom Sensemann“ heißen können. Oder „Herzlichst, ihre Gruft“. Man muss sich nur mal den Gesichtsausdruck von James Last angucken, den schwarzen Anzug und die Blume in seiner Hand. Eine weiße Lilie. Ich finde, weiße Lilien sind ausgesprochene Todesblumen.

Aber nein, das ist ja „With compliments“. Und lieb gemeint. Das merkt man auch an der Musik. Die ist wirklich hübsch gemacht. „Endless journey“ – kennt man als „Le Reve“ von Ricky King. „House of the rising sun“. Das rockt. Und jazzt. Mit Honky Tonk Klavier.

„El condor pasa“ – hier mit schmatzender Disco-Gitarre drunter! Das romantische „Evie“ mit brausendem Finale. Überhaupt ist hier viel Romantisches, Langsames drauf. Mir persönlich zu elegisch. Der Sound mit den vielen Streichern dann auch zu süßlich. Obwohl er noch klar im Prä-80er-Sound ist. Heisst: zupackend, herzhaft, nicht zu glatt.

Aber bis auf wenige Ausnahmen ist „With compliments“ eben ein Balladen-Album. Wer drauf steht... Mir persönlich: zu ernst. Schon dieses dunkle Grün hinten auf dem Cover. Nein. Auch wenn die „Ballad of the easy rider“ zwischendurch munter plätschert. Dieses Album kommt nicht mit auf die einsame Insel.

July 25, 2004

M.O.R.


M.O.R.? Middle of the road, sagt der Chefredakteur. Aha. “Polydor International” steht unten auf der Hülle. Der Versuch, James Last Anfang der 70er international zu pushen? Glaub nicht, dass das 1973 noch nötig war. Vermutlich einfach eine internationale Pressung.

Mit Hits über Hits... Ausgespielt. „If you could read my mind“ – mein Gott, was für ein Chor! Was für ein Arrangement! Wundervoll. Bittersüß. Zart. Der Chor zweistimmig in Harmonien. Wow. James Last spart sich die Synkopen, alles Elegische und treibt den Song einigermaßen rücksichts- und rastlos voran. Aber durch die zarten Glockenspieltöne und den Chor im Vordergrund ist ohnehin genug Süße im Spiel. Wow, wow, wow.

Ähnlich klingt “Killing me softly”. Wunderschön. Traumwandlerisch. Und direkt daran das stramme „Delta Queen“. Ja, hier stimmt die Mischung. Eine perfekte Visitenkarte. Und mehr Chor war nie bei James Last! Chor mit Text, deutlich artikulierend und klar vernehmlich.

„I´m just a singer in a rock and roll band“ – nochmal strammer Rock. Für Last´sche Verhältnisse. „Walk on water“ von Neil Diamond, “You´re so vain”, “The nights went out in Georgia” – ja, ich glaube, das ist James Lasts Rock-Album. Selten hat man bei Last Schrammel-Gitarren und Chöre in so perfekter Mischung gefunden wie hier. Die Grundzutaten sind ja die gleichen wie etwa bei der „Beach Party“ oder „Happyning“: gospelige, erdige Chöre und viel Gitarre. Und Mitsing-Songs. Aber hier wurde halt doch mehr reingebuttert. Unplugged ist nicht so das Erfolgsrezept von James Last. Darf´s etwas mehr sein? Aber gerne doch.

July 24, 2004

Games that lovers play


Eine von diesen ganz frühen Last-Platten. Noch ohne typischen Schriftzug oder wiedererkennbare Design-Elemente auf dem Cover. Ich tippe auf Mitte bis Ende 60er.

Dafür ist das Paar auf dem Foto wirklich herzig, oder? Genau – auch James Last ist auf dem Cover nicht abgebildet.

Die Musik ist hauptsächlich balladig. Und schwer romantisch. Mit dem Titelsong geht´s schon mal los, ist ja klar. In der bekannten, wuchtigen Version. In der bekannten, schönen Version. Obwohl die minimalistischere Variante, über die man ganz selten mal stolpert, auch schön ist.

Der kleine, nackte, puttige Amor – vorne und hinten auf dem Cover – weist im Grunde schon den Weg. Diese Platte ist eine Liebesplatte. „A man and a woman“, „Never on sunday“, „Lara´s theme”, “I left my heart in San Francisco”. Die “Elisabeth Serenade” ist auch drauf, aber die war damals wohl sowieso Pflicht.

Ein Ohrenschmaus, wie Last hier an die Songs rangeht. Ein Frühlingsspaziergang, ein Sonnentag, Gänseblümchen und vierblättriger Klee... Auch wer nicht so auf Streicher steht – like me, beispielsweise – wir es mögen. Weil garantiert ein raffinierter Bossa drunterliegt. Und eben nicht nur hohe Violinen, sondern auch erdige Celli und Bässe.

Oh, man kann eine komplette Bigband so zart und trotzdem knackig swingen lassen. Wenn man so virtuos ist wie James Last. Und es schafft, dass auch ruhig vor sich hin fließende Song trotzdem aufregend und quirlig klingen. Es sind die kleinen Details, mit denen Last die Räume zwischen den großen Linien ausfüllt. Und während die Streicher ihre Legato-Bögen fiedeln, kann es schon mal vorkommen, dass der Percussionist die Rassel um Glühen bringt und der Trommler auf allem wirbelt, was Felle hat.

Dramatisch klingt sie, die Platte. Nach großen Gefühlen. Aber so ist das eben bei James Last: selbst wenn er stimmungsmäßig richtig dick aufträgt, kann er doch noch stilvoll und sophisticated bleiben. „Games that lovers play“ ist ein Reigen von Weltmelodien im Weltklasse-Sound. Edler, gemäßigter und saftiger Bigband-Sound. Sprüht trotz seines gemessenen Tempos Funken vor Ideen und Gimmicks. Drei Sterne!

July 23, 2004

Well kept secret


So ganz bring ich das ja nicht zusammen. Das Cover, den Titel und die Musik. Was hat ein altes Flugzeug mit einem gut gehüteten Geheimnis zu tun? Vielleicht damit, wo Glenn Miller und Saint-Exupéry abgeblieben sind... Und wo sind die Musiker von James Last? Hintendrauf stehen lauter (mir) unbekannte Namen. Wo ist Benny Benndorf? Wo Güner Platzek? Und warum hat James Last das Album nicht produziert?

Weil es eine amerikanische Produktion ist. Sein erstes in Amerika eingespieltes Album, sagt der Klappentext. Hm. Erklärt manches. Nicht alles. Es gibt doch Flugzeuge. Auch modernere als das auf dem Cover. Warum konnte man die Last-Musiker nicht rüberfliegen?

Naja, was soll´s. Die Musik klingt fantastisch. Irre, funkige, fusionjazzige Version von „Summertime“. Überhaupt blitzt und blinkt der Sound hier, dass es eine Pracht ist. Glamourös, verschwenderisch und trotzdem Funk. Hat was ungemein Schmieriges – im positiven Sinne. Fett. Geschmeidig. Hätte Peter Klemt sicher auch hingekriegt. Aber hier ist kein Peter Klemt als Toningenieur mit drauf. Umso interessanter, wie es klingt, wenn sich Last mal von seiner angestammten Mannschaft trennen muss.

Andererseits – was will man erwarten? James Last hat sich so oft neu erfunden. Und gezeigt, dass ihn kein Stil, keine Mode überfordert. Warum nicht mal mit einer anderen Truppe? Wie gesagt, der Klang ist auf Hochglanz poliert. Aber unglaublich funky. Satt und kräftig. Urig. Und gleichzeitig edel. Die Musik scheint sich manchmal in Improvisationen zu verlieren – etwas, das man bei Last sonst eigentlich nie findet.

Aber natürlich bleibt die Musik trotzdem unterhaltsam. Klingt irgendwie schwer nach L. A., der Sound. Weiß auch nicht, warum. Kennt jemand noch eine Band namens „Camel“? Die klang so ähnlich. Auch Instrumental-Stücke, ausschweifend – irgendwo zwischen Jazz, Funk und Spät-Hippie-Arabesken. Jetzt das ganze also mal mit Bigband.

Echte Songs hört man hier selten raus. Hat schon fast was Filmmusik-artiges, diese Platte. Viel E-Gitarre. Viel Solo-E-Gitarre. Viel Flöte. Und –wenn man so will – klingt sie tatsächlich ein wenig amerikanisch. Ein wenig Un-lastig. Aber sie klingt trotzdem aufregend. Thrillend. Gut.

July 22, 2004

Im Allgäu


Ich seh schon: wer Polkas und James Last liebt, muss auch diese Platte haben. Klingt wie eine Lüge, aber Volksmusik und James Last geht halt so gut wie Party & James Last. Oder Swing & James Last. Oder Psychedelia & James Last. Und von wem kann man das noch behaupten?

Schade, dass das Cover so vergleichsweise blass ist. Das müsste noch viel mehr knallen. So wie „Freut Euch des Lebens“. Hier liegt so´n Grauschleier drüber. Dabei ist das Allgäu wirklich schön. Und gibt jede Menge knalliger Farben her. Ich war schon da. Und zwar – wie ich gerade sehe – zeitlich nur knapp nach James Last. Wir müssen uns sozusagen haarscharf verpasst haben. Er 1984. Und ich 1985.

Zünftig geht´s hier so. Mal mehr, mal weniger folkloristisch. Und natürlich auch mal ganz besinnlich und ruhig. Friedrich Finkel ist dabei. Und Professor Schickhaus. Der spielt Hackbrett. Ja, und dann noch die Ur-Allgäuer Karel Gott und Vicky Leandros. Und Karel Gott singt irgendwas Allgäuisches aus der Feder von Ronald Last...

Er sieht übrigens noch jung und fesch aus, der Karel Gott. So, als hätte ihn die Biene Maja gerade erst mit einem Tropfen Honig benetzt. Mit einem großen Tropfen. Denn neulich hab ich ihn im Fernsehen gesehen – huah – da trug er ein Errol Flynn-Bärtchen unter der Nase. Und am Kinn so einen senkrecht runterlaufenden Bartstrich. Noch zwei Zentimeter länger, und man hätte zur Beschreibung schon das Wort „Ziege“ einbauen müssen. Und unglaublich, wie schnell so ein Bart wächst. Nur zwei Tage früher, in einer Sendung just mit James Last zusammen, war er noch glattrasiert, der Karel Gott.

Nun, die „3 Buben aus dem Tölzer Knabenchor“ hätte man sich meinetwegen sparen können. Das ist meine Sache nicht, so Falsett-Gejodel. Aber ich hätte auch Petra Schürmann nichts moderieren lassen. Sie ist zwar auf der Hülle abgebildet, aber gottseidank hat man ihre Moderationen nicht mit ins Presswerk gegeben.

Nun, „Im Allgäu“ ist eine beschauliche, ein wenig in sich gekehrte Platte geworden. Nix lärmende Musikantenstadl-Fröhlichkeit. Oder wenn, nur kurz. Sie hat den typischen Last-Schmäh. Und das ist doch die Hauptsache, oder?

July 21, 2004

Sing mit Lass´ die Puppen tanzen


Wenn Frank Zander dereinst vor seinen obersten Richter tritt, wird er erklären müssen, was er sich dabei gedacht hat – Stimmen so zu pitchen, dass sie zwar nicht lustig, aber irgendwie auffällig klingen.

Seinem Erbe verdanken wir nicht nur die Techno-Platten der Schlümpfe, sondern auch den Beginn dieser James Last-Platte. Wenn albern verzerrte Stimmen singen „Lass die Puppen tanzen“. Demnach wären es ja die Puppen selbst, die hier fordern, dass man sich tanzen lässt. Sollen sie doch einfach tanzen, wenn ihnen danach ist. Und wenn sie wissen, wie das geht...

Au backe, und auch unter „I was Kaiser Bill´s Batman“ liegt das Puppen-Geschnarre drunter. Nie war mehr Fasching auf einer Last-Platte. Und damit auch alle Karnevals-Schwachmaten auf einer Scheibe vereint sind, ist hier natürlich auch noch die „Polonäse Blankenese“ drauf. Mir egal, Hauptsache, Gottlieb Wendehals singt nicht mit – wollt ich grad sagen. Aber hier ist auch noch ein Wendehals-Imitator dabei. Ich sarg mich gleich ein.

Nun gut. Den Schneewalzer verzeih ich. Weil mein Bruder den früher so geliebt hat. Und ansonsten nehm ich das Cover dieser Platte einfach mal als Bestätigung dessen, was ich immer schon behauptet hab. Bei James Last sitzen Tiere in der Band! Vor allem natürlich an den Drums. Und an den Trompeten. Und wie man jetzt auch weiß: ein Affe am Saxophon. Dazu sag ich nichts. Man lese meine Rezension von „Sax à gogo“... Ein Zebra am Klavier – na gut.

Ansonsten ist das mal wieder eine „Sing mit“-Platte der bewährten Art. Abgesehen von den Intermezzi der gepitchten Stimmen eigentlich eine vergleichsweise dezente „Sing mit“. Ein Medley halt aus Gassenhauern. Zum Mitsingen eben. Ziemlich soft, vor allem auf der zweiten Seite. Offenbar müssen auch Puppen mal ausruhen. Dafür nehmen sie Balladen wie „Mama Lorraine“ und „Mit Tränen in den Augen ist man blind“. Bevor dann – ja, unvermeidlich 1982 – der Ententanz ruft. Und, damit wir uns nicht falsch verstehen. „Sing mit Lass die Puppen tanzen“ ist eine nette, dem Titel angemessene Platte. Andere „Sing mit“s mögen mehr krachen. Aber das putzigste Cover – nach der „Sing mit 3“ natürlich – hat unzweifelhaft diese hier!

July 20, 2004

That´s life


Eine schöne, alte James Last Platte. Mit einem derart stylishen und raffinierten Cover, dass man dem Designer die Füße küssen möchte. Und die Frau auf dem Bild muss noch nichtmal viel Haut dafür zeigen. Der Clou beim Ganzen: dass der Rahmen des Covers im Grunde der Rahmen eines Brillenglases ist... Hach.

Und auf der Platte: die wunderbarsten Swingperlen. Im schon typischen Last-Sound. Muss so Ende der 60er gewesen sein. Viel Hall, viel überbordende Spielfreude, ein Bad in den diversen Klangfarben. Viel Beat-Musik. Und natürlich auch viele Trompeten.

So stellt ich mir den Klang vor, als klar wurde, dass die Zeit des – nicht minder grandiosen – Bert Kaempfert abgelaufen ist. Dass hier jemand nachrückt, der mit einem Bigband einen ganz anderen Sound macht. Und damit die Herzen auf der ganzen Welt erobern wird. Es ist noch sehr Sixties, hier. Und auch durchaus klassischer Bigbandsound. Aber noch nicht mit diesen manischen, euphorischen Trompeten. Schon gar nicht mit den Partygeräuschen und dem Potpourri-Hopping. Aber es ist eine klare Handschrift. Jemandes, der Gas geben will. Und nicht nur schon Musik, sondern Lebensfreude verbreiten will.

Kurios, dass dies ausgerechnet ein Bremer war, oder? Man hätte bei so was doch weniger auf einen Fischkopf getippt, sondern auf einen fröhlichen Südländer, oder? Wäre das nicht eigentlich der Job von Max Greger gewesen? Aber er hat es ja im Grunde auch versucht. Und es liegt irgendwie auf der Hand, dass es nicht klappen konnte. Bei allem Respekt für Max Greger. Aber es braucht halt eine gewisse Lässigkeit für so was. Wer mit der Last-Mission reüssieren will, der darf das Wort „granteln“ noch nichtmal buchstabieren können. Eigentlich wäre Paul Kuhn viel eher dafür prädestiniert gewesen. Ja, warum hat der keinen Happy Sound um die Welt gejagt? Vermutlich, weil er auf ganz anderen Weg, einem konventionellen Weg, versucht hat, die Welt mit einer Bigband zu verschönern. Bis der RIAS kam und sie wegrationalisiert hat.

Traurig, traurig. Deshalb: schnell erzählen, welch herrliche Musik auf dieser Platte ist. „Winchester Cathedral“, das klingt, wie auf einem Kamm geblasen. Lustig.

Und - mein Gott, was für eine reduzierte Fassung von „Games that lovers play“. Man kriegt direkt einen Schock! Aber sie ist wunderschön. Piano pianissimo zwar. Und klingt wie für eine Mini-Barcombo arrangiert. Fast für ein Trio. Aber nicht mehr für Bigband. Die fällt natürlich später ein, aber der Anfang ist wirklich ganz spartanisch. Und ganz anders akzentuiert als in der bekannten Fassung. Wow. Viel, viel Understatement hier. Sehr, sehr stylish!

Es sind komplette Stücke, die hier drauf sind. Klassiker. „That´s life“, „Time after time“, „Go away litte girl“, „Guantanamera“. Und sie sind einfach wahnsinnig toll arrangiert und gespielt. Hier sprühen wirklich Funken, ohne dass James Last irgendwelche Extreme auffährt. Er hat einfach nur mit dem größtmöglichen Pep arrangiert. Und trotzdem ungemein sophisticated.

„Guantanamera“ zum Beispiel – schönes Beispiel dafür, dass James Last sehr wohl karibische Klänge in Szene setzen kann. Die auch langsam und träge gut klingen. Schade, dass seine karibische Platte von diesem Geist nichts mitgenommen hat. Wunderbar hier, mit Vibraphon und Streichern.

Also: diese Platte ist super, super, super!s

July 19, 2004

Caribbean Nights


Mein Gott – dieses Cover. Da wurde ein Traum für James Last wahr, oder? Vielleicht auch der eines Art Directors. Ich vermute allerdings mal, es war ein männlicher Traum. Da muss dann auch der Kopf der Frau nur noch halb drauf. Hauptsache, die Titten und James Last sind zu sehen. Nun ist der ja wiederum durch etliche seiner restlichen Cover rehabilitiert. Denn was man da mit ihm gemacht hat, das verstieß ja oft in vielerlei Hinsicht gegen die Genfer Konventionen. Trotzdem.

Das ist also die Reggae-Platte im Last-Oeuvre. Nun gut. Oder doch die Boney M.-Platte? Synthetischer Reggae klingt ja schnell nach denen. Hm. Bin ein bisschen unentschieden. Einerseits ist Last in Sachen Sommer ja eine sichere Bank. Hab ich mal behauptet. Aber schon die Beach Parties sind eigentlich nur in homöopatischen Dosen zu genießen. Ganz zu schweigen von der „Happyning“. Tja.

Also, ich leg mich mal fest: ich bin kein Fan der „Carribean nights“. Zu langsam, mit Bleigewichten an den Gliedern gespielt. Und das dürfen nur Leute, die dabei auch gehörig nach Ekstase, nach Feuer klingen. Es muss schon irgendwie aufreizend sein. Und das ist die Last-Band hier nicht. Nein, sie klingt leider etwas leer. Und reichlich glattpoliert. Dekadent. Und der Sound ist auch wieder so flach geraten.

Mag der Chor auch mitunter swingen. Und mögen die Percussions zwischendurch fantasievolle Expeditionen ins Reich der Klänge machen – in der Regel sind es immer dieselben Harmonien, immer dieselben schnalzenden Gitarren und immer der gleiche Vokal-Sound. Im immergleichen Intervall. Leider: Daumen runter. Die „Caribbean nights“ gehört nicht ins Gepäck für die einsame Insel.

July 18, 2004

Happyning


Dieses Platte muss man allein schon wegen ihres Covers küssen. James Last in einem Sandhaufen. Mit geflochtener Anglerkappe, geknotetem Shirt und gelben Flossen. Leider nicht an den Füßen! In welchem Studio das Foto wohl gemacht ist? Ob es schwer war, ihn dazu zu überreden? Ich hätte wirklich gern Mäuschen gespielt.

Und die Musik: geschrammelte Midtempo-Hits mit Chor. Keine Potpourris. Ganze Songs. Und der Chor geht mal wieder in die Beach Party-Richtung: down to earth, lagerfeuermäßig.

„Montego Bay“, „My sweet lord“, „I hear you knocling“...über „She came in through the bathroom”, “Knock three times” bis “The Party is over”. Auf lange Sicht klingt das leider ein bisschen schlapp und monoton. Dieses behäbige Geklampfe.

Naja, dafür ist das Rückcover auch noch mal lustig. Kann man mal wieder sehen, was Menschen in den 70ern so am Leib trugen. Es darf nicht wahr sein! Und ist das eine Trompete, die der (Pianist?) – oder wer auch immer – da einfängt, mit dem Riesen-Schmetterlingsnetz? Der Mann ganz rechts im bestickten Blumenhemd sieht aus, als wolle er sagen: ich kann auch nix dafür. Und noch weiter rechts kann man sehen, dass ein weiteres Bandmitglied nichtmal mehr mit aufs Bild kam. Vermutlich noch vor der Erfindung des Weitwinkelobjektivs.

Schade, schade. Die ganze Platte klingt – selbst, wenn das Tempo ein bisschen anzieht – recht monoton. Dieser menschelnde Chor, der klingt, als könne auch Otto Normalverbraucher jederzeit einfallen. Und darunter eine ziemlich spröde Gitarrenband. Natürlich auch mit Percussions, und dann und wann lässt sich mal ein Bläser hören. Aber insgesamt keine wirklich schöne Musik. Auch keine besonders aufregende.

July 17, 2004

Happy Summer Party


Eine Happy Summer Party mit James Last? Aber immer doch. Er scheint auch richtig auf Gäste zu warten, wenn man sich mal das Rückcover anguckt. Oder ist das eine Ein-Mann-Party? Getrunken wird hier ja offenbar auch schon... Und für wen sind die ganzen anderen Drinks? Alle für den Mann in den Nikes? Hm. Der Drinks mit der Sahne und den drei Strohhalmen sieht toll aus. Aber die Weintrauben wiederum... Möchte sowieso nicht wissen, wie es bei dem Foto-Shooting gestunken hat. Da liegt noch eine aufgeschnittene Ananas. Huah.

Wir sind also in den stylishen 80ern angekommen. Mit weißen Hosen. Und weißen Gartenmöbeln. Und es hängt noch so ein synthetisch-karibischer Sound in der Luft, wie ihn Boney M. eingeführt haben. „South of the border“. “Quando Sali di cuba”.

Es sind aber auch ungemein flotte Sachen drauf. Das sind dann meist die eher spanisch-mexikanischen Stücke: „Cachita“. „Sly Mongoose“.

„Spanish eyes“ ist im Grunde nun wirklich nix Spanisches: hieß im Original schon bei Kaempfert „Moon over Naples“. Gesungen hat´s dann auch ein Italo-Amerikaner. Und Bert Kaempfert war bekanntlich auch kein Spanier. Aber James Last fährt hier seine Trompeten-Armada auf. Und die klingt spanisch! Wenn auch mit Bleigewichten an den Fingern. Jesses, ist das zäh.

Auch die legendäre „Copacabana“-Version ist hier drauf. Legendär, weil sie wirklich super ist.

Warum nur sind Sommer-Platten & James Last eine so sichere Bank? Das geht immer, immer, immer gut. Weil er ein solch sonniges Gemüt hat? Weil diese Sommer-Lieder immer melodiös und fröhlich sind? Weil da eben viel Latin dabei ist und das James Last Orchester für so was wie geschaffen ist? Weil Latin einfach alles mitbringt: angenehm sonnig-melancholische Harmonien, perfekte Vorlagen für üppige Percussions und Wahnsinns-Rhythmen? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls ist das mal wieder eine gelungene Last-Platte. Zwar auch viel Midtempo bis völlige Zeitlupe, aber warum nicht? Der Stil ist etwas glatt. Auch etwas flach. Aber so produzierte man vermutlich in den 80ern. Und es ist halt keine typische Non Stop-Tanzplatte, wo man den Leute die Schritte einpeitscht und ihr Wohnzimmer klangtechnisch zur Turnhalle macht. Nein, es ist eine relaxte, bunte Happy Summer Party. Wahrscheinlich so ´ne Pool Party, wo man auch mal lässig rumsteht, mit seinem Drink, und quatscht. Wenn man einen Pool hat. Und Drinks.

Allerdings – warum in Herrgottsnamen ist hier der „Einsame Hirte“ drauf??? Erstmal: einsame Hirten sind ganz schöne Partykiller. Weil sie eben einsam sind. Und außerdem kenne ich das Lied vor allem von der Platte „Russland Erinnerungen“. Sollen wir hier mit Mantel und Schal am Pool sitzen? Ich hab schon damals gesagt, das Ding klingt mir mehr nach Peru. Aber James Last hatte es geschafft, mir das Stück dermaßen mit Russland zu verbinden, dass mich beim Hören unwillkürlich fröstelt. Außerdem: was ist das hier? Eine „Greatest Hits“? Oder eine „Happy Summer Party“?!

Aber – ganz wichtig noch: gut, dass Palmen erst obenrum buschig werden. Sonst hätte es passieren können, dass auf dem Cover die Köpfe des knutschenden Pärchens zu sehen gewesen wären. Aber nicht die Titten und das Bikinihöschen der Frau. Mann, mann, mann. Das ist ja gerade noch mal gutgegangen.

July 16, 2004

Sax à gogo


Diese à gogo-Platten sind wirklich klasse, um Instrumentenkunde zu betreiben. Nach Hören der „Trumpet à gogo“ und der „Sax à gogo“ weiß man so einiges. Zum Beispiel, warum nur das Saxophon das Instrument der 80er werden konnte. Weil es im Gegensatz zur Trompete schwerfällig, leicht schmierig und überhaupt unprägnant im Klang ist. Ja, ich bin eine alte Saxophonhasserin. Ich hab wahrscheinlich auch zu viele sexy Saxophonistinnen in schlechten 80er-Videoclips und -Filmen gesehen.

Und was sag ich? Schwerfällig und leicht schmierig? Volià: hier ist „Amor, amor, amor“ drauf! Und „O sole mio“. Aber auch “La cucaracha”, ”The more I see you” und “Little man”. Ja, da geht´s. „Little man“ ist sogar recht lustig. Mit der fetten Hammond-Orgel drunter. Und hier dürfen auch mal Trompeten übernehmen. Oder Posaunen? Jedenfalls gibt´s hier auch mal ordentlich Tempo!

Sind bestimmt auch wieder ungemein gute Saxophonisten hier am Werk. So war´s nicht gemeint. Aber Saxophon ist echt nicht meins. Ob die James Last Band mit Saxophonen statt Trompeten überhaupt Erfolg gehabt hätte? Ich glaube nicht.

„Sa à gogo“ ist bei weitem nicht so flott wie die „Trumpet à gogo“. Es kommt im Klang leider an die erste „Hammond à gogo“ ran. Bisschen betulich. Breit. Wabernd. Und leicht breiig. Nicht im Arrangement, auch nicht in der Produktion, sondern wirklich nur durch dieses weiche, verschleiernde Saxophon.

Dabei ist das Cover wirklich cool. Schlicht, stylish, poppig und auf Kilometer entfernt lesbar. Es hätte bessere Musik verdient gehabt. Aber so ist das Leben.

July 15, 2004

Non Stop Dancing 9


Wow, das Cover macht ja allein schon besoffen… Toll, was sich so alles mit der Non Stop-Schrift anfängen lässt. Also, da durfte sich jemand design-Begabtes aber mal so richtig austoben. Die Marke – sprich: der Schriftzug – dürfte Ende der 60er mehr als eingeführt gewesen sein. Da ließ sich dann natürlich auch herrlich verfremden... Und, ähem, der Last-Schriftzug steht ja noch genügend deutlich und unverfremdet darüber. Nein, schief gehen konnte hier nichts mehr.

Hey, das ist aber ein wabernder, psychedelisch flackernder Sound hier. Mit verzerrten Gitarren! Und das kickasst! Ja, das ist der James Last-Power Sound. Swingend, mit Hall und viel Weite. Und fröhlich, fröhlich, fröhlich. Ersetzt viele kleine bunte Pillen. „Nacke-di, Nacke-du“, „Er steht im Tor“, „Lieber heute geküsst“ – ja klar, Renate Kern hatte ihren festen Last-Platten. Bin trotzdem leicht verunsichert: darf ich hoffen, dass die Kern-Lieder damals wirklich in der ersten Liga der Gassenhauer spielten? Und waren da doch eher die Tantiemen für den Komponisten, der neben auch Bruder des Bandleaders war, ausschlaggebend? Hm. Ich weiß, dass die späten 60er und frühen 70er die große Kern-Zeit waren. Aber groß genug hierfür?

Wer hätte gedacht, dass „Honky Tonk Woman“ mit hohen Frauen-Chören gut klingt? Ich nicht. Aber James Last kann ja auch über´s Wasser laufen. Da ist das hier ein Klacks für ihn. Ha!

Tanzen auf „Give peace a chance“? Klar! Auch wenn die Friedensbewegung – die da natürlich noch nicht existent war. Oder doch? – darüber geweint haben würde. James Last weiß eben, was groovige Musik ist. Und die schrille Trompete tut „Je t´aime...“ in der Tat gut.

Ein Kraftpaket, diese Platte. Und wer sich mal eingehend mit den Non Stop-Scheiben beschäftigt hat, der weiß, dass keine wie die andere klingt. Ob Last nun bewusst einen anderen Sound-Einschlag gesucht hat oder nicht – es sind nur Nuancen. Aber sie sind da, und sie machen jede Platte zu einem eigenen Statement. Es ist auch eine Geschichte des Sounds, die James Last nolens volens schreibt. Faszinierend.

Also, Non Stop Dancing ist eine leicht manische Platte, die klingt wie eine Art leichtlebiger Playboy. Als spiele die ganze Welt drumherum keine Rolle mehr. Und wer wäre nicht gern so?

July 14, 2004

Non Stop Dancing 7


Nein, es ist kein Wunder, dass dieser Platte ein Hit wurde. Nein, nein, nein. Wer schon so göttlich mit „Help yourself“ einsteigt – im wunderbaren, peppigen Bläsersound, mit hochfrequentem Vibraphon-Puls unterlegt –, der muss ein Weltstar werden! Und wer noch dazu so genial den Anschluss an „Mrs. Robinson“ findet... Mit satter, angezupfter Surfgitarre. Wahnsinn!

Wenn diese verdammt alten Non Stop-Platten geliebt werden, dann gewiss auch für den Hall, der auf den Aufnahmen liegt. Damals durfte Musik noch nach Tanzhalle klingen. Durfte weit, weit in ferne Gefilde swingen. All das, womit Lenny Kravitz später Mega-Kohle gemacht hat, nämlich für seinen simplen, aber wohligen Retro-Sound – das findet man hier natürlich in Natura! Wenn die Trompeten von mehr rechts kommen und die Posaunen von links antworten. Wenn man mit verbundenen Augen zu dem Punkt im Studio laufen könnte, wo der Chor steht.

Und endlich kriegt die widerliche Beatles-Schnule „Hey Jude“ mal ´ne ordentliche Bluttransfusion verpasst. So manisch, um nicht zu sagen früh-psychedelisch klangen die Beatles nicht mal auf Sgt. Pepper! Zumindest, was das Last´sche Fade out angeht.

Ja, es ist die Hoch-Zeit des Bubblegum, auf dieser Platte. „Yummy Yummy“, „Simon says“, „Mony Mony“... Und alles in einem durch! Schrammelnde Beat-Gitarren, vibrierende Orgel, Knackbass, ein Tier – nein, „das“ Tier! – an den Drums und natürlich die unermüdlichen, unerschöpflichen, im Gas gebenden Bläser. Wow.

Die Partygeräusche, der Chor und die Mitgröler sind noch wunderbar verwaschen drübergelegt. Ätherisch, kaum greifbar. Was die ganze Platte natürlich noch mehr verzaubert.

Ob die das wirklich in Echtzeit so im Studio durchgespielt haben? Ich vermute: ja. Und ich vermute, das Schlimmste war nicht das Durchspielen. Sondern: den passenden Sound, die passende Anordnung, die richtige Mischung. Damit´s nicht nur im Studio gut klingt, sondern auch bei Erna Kasuppke in der Dreizimmer-Wohnung. Wenn die Lead-Gitarre von „Jumpin´ Jack Flash“ durch´s Wohnzimmer rockt...

Auch Arthur Browns „Fire“ ist drauf, „Lazy Sunday“ von den Small Faces, das “Young girl” und der “Man without love”. Yeah. Back to the Sixties. Und einem Last-Sound, der wohl nie saftiger und voller war. Und natürlich noch einen Stil-Oscar an den Menschen, der das grandiose Cover gestaltet hat. Es ist nicht einfach nur ein quietschbunter, wild gemusterter Stoff, der hier unter der Schrift liegt. Sondern der ist auch noch raffiniert mit Licht-Effekten bearbeitet. Alles in allem – trotz des Temperaments, der Farben und der Knalligkeit: puristisch, stylish, zeitlos gut. Ich knie nieder.

July 13, 2004

Hammond à gogo 3


Endlich wird auf dem Cover mal nur gesoffen. Und nicht geraucht. Das Foto ist ja auch mal wieder der Werbung einer bekannten Sektmarke entliehen...

Und nicht nur das Cover ist stylisher geworden – es hat sich komplett gewandelt, um es mal deutlich zu sagen. Die Schrift, die Farben, die gesamte Anmutung ist poppiger geworden. ...sondern auch der Sound hat sich verändert. Die Mischung ist komplett anders. Alles ist leichtgewichtiger geworden und mehr miteinander verschmolzen.

Die Orgel muss sich ins Gesamtensemble einfügen. Und es klingt weicher, flotter, moderner. Nix mehr behäbig, schwer und muffig. Viele geschmeidige Läufe und ein vergleichsweise polierter Hammond-Sound. Dafür hört man die Details aber auch nicht mehr so gut raus.

Die Medleys sind ebenfalls raffinierter verzahnt. Alles ist ein Fluß, geht unmerklich ineinander über. Also für Partys besser denn je geeignet. Man muss sich ein bisschen anstrengen, um nichts zu verpassen und die Lieder auch wirklich zu erkennen. Das Klangbild ist auch – trotz der Leichtigkeit – viel üppiger. Eine softe Klangmauer aus so vielen Einzelgeräuschen, die noch dazu ziemlich demokratisch nebeneinanderstehen. Nein, Hammond à gogo ist schon Meilen entfernt von der ersten Folge.

Die Medleys sind immer noch nach Tanzrhythmen geordnet. Und das meiste kennt man: „Volare“, „Calcutta“, „Ich hätt getanzt heut nacht“, „Tequila“, „Salome“, „´s wonderful“... Na dann: her mit dem Eierlikör! Und den Schnittchen! Die Easy Listening-Jukebox ist schon da.

July 12, 2004

Traumschiff Melodien


Wow, hammermäßig. Schon mit den ersten Klängen sieht man den Koloss ins Meer stechen. Aufbrechend zu exotischen Stränden, immer begleitet von einer gütigen, telegenen Sonne. Und von deutschen Serien-Stars.

Ach, ich liebe die Traumschiff-Melodie. Das Titelthema. Es hätte kein Besseres geben können. Und selbst wenn es mittlerweile im Sound leicht überarbeitet worden sein mag (ist es?) – es ist zeitlos klassisch. Und es würde mich nicht wundern, wenn die MS Hoppetosse, äh, Berlin immer noch mit den Originalklängen segeln würde.

Ja, der Kapitän mag längst gewechselt haben. Und der Chefsteward auch. Nicht aber das majestätische und trotzdem leichte, freundliche Streicher-Opening. Ach, da geht die Seele doch sofort auf Reisen, schwingt sich in die Lüfte... Hier durch zarten Synthie-Beat angetrieben. Und immer wieder das gesamte Orchester. Die sanften Bläser untermalend im Hintergrund. Und alle aufzubietenden Streicher in Harmonie-Linien im Vordergrund. Immer wieder verfüchtigt sich die Melodie im Ungefähren. Und immer wieder holt das aufbrausende Orchester sie auf den Boden zurück. Ich liebe es. Obwohl es wohl vielmehr das Meer ist, dass James Last hier vertont haben mag. Als den schweren Luxusliner. Nein, er behält oder schafft sogar den Draht zur Natur, zu den Naturgewalten. Denn es könnte auch der Wind sein, der hier das Traumschiff umspielt. Jedenfalls: genial, genial, genial.

Ansonsten: viel Folklore. Was halt so im Hintergrund laufen muss, wenn Thomas Fritsch oder Volkert Kraeft auf einem Landgang ihre Ehen retten müssen oder Töchter wiederfinden, ihre Krise oder Katharsis durchleiden. Und die nach Chopin gearbeitete „Liebeserklärung“. Hach, das klingt so nach intimen, nicht ganz zufälligen Treffen nach Sonnenuntergang an Deck, an der Reling...

Und dann gibt es noch ein Stück namens „Heidelinde“. Überinterpretiere ich jetzt? Oder hatte Heidelinde Weiss mal eine tragende Rolle im Traumschriff? Eine Dauerrolle? Hm. Muss ich mal recherchieren. Ich kann mich eigentlich immer nur an Heide Keller erinnern... Und würde es nicht viel mehr Sinn machen, es hätte mal eine Rolle namens Heidelinde gegeben, der das Lied gewidmet war? Vielleicht Heidelinde Weiss in der Rolle einer Heidelinde. Das hätte Herrn Rademann ähnlich gesehen: Ick will, dass die Heidelinde mal ne janz besondere Rolle kricht! Ne Hommage... Und das gipfelte dann vielleicht noch in den Stück „Heidelinde“. Der wie vieles auf dieser Platter Midtempo-Synthie-Pop mit Streichern ist. Dezent halt, wie es sich für Filmmusik gehört.

Ha, und da ist der Dinnermarsch. Nach der Titelmelodie das zweite Stück, dass es in jeder Traumschiff-Folge gibt. Weil es in jeder Folge Eisbomben mit Wunderkerzen gibt, die in den großen Speisesaal getragen werden müssen. Sozusagen das Dessert zu den gelösten Liebes- und Lebensproblemen. Flotter Trompeten Marsch mit zierlichen Flötenarabesken. 54 Sekunden. Mehr braucht es nicht. Dann gehen ja die Gespräche an den Tischen weiter. Oder der Käpt´n hält eine Ansprache. Hält er? Ich weiß nicht. Muss noch mehr Traumschiff gucken.

Ein „Love theme“ ist auch drauf. Wieder mit Synthies und Streichern, aber auch mit Saxophon und ganz schön melancholisch. Ach, es ist halt eine eigene Welt, dieses Traumschiff. Und diese Platte darf in keinem James Last-Fan-Schrank fehlen. Auch wenn Anja Kruse hier drauf singen darf. („Ich habe das Leben gelebt“.) Das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Aber sonst: Traumschiff ahoi. Wahrscheinlich gab es in Deutschland nie eine schönere Fernsehmelodie.

July 11, 2004

Polka Party 3


Ah, diesmal wird recycelt. „Wochenend und Sonnenschein“ als Polka! Gute Idee anyway. Man ist sofort wieder voll drin. Im fröhlichen Polka-Gehopse. Diese dritte Folge ist von 1974, und sie wirkt besonders hell und freundlich. „Happy Cowboy“ ist natürlich eine Eigenkomposition des Meisters und sogar mit lustigen Wah-Wah-Gitarren unterlegt.

James Last zeigt, was mit Polkas möglich ist. Ja, er hat der Polka eine immense Imagepolitur beschert. Nicht, dass sie nicht beliebt gewesen sei. Oh Nein. Aber wär sie so einfach in die Hitparaden gekommen? Mit so schönen Covern und dem Wörtchen „Party“? Nein! Das hätten die Herren Mosch und Egerländer nicht hinbekommen. Aber mit den Namen „James Last“ und „Party“ klingt „Polka“ doch schon gleich nach „Pop“.

Da ist auch schon wieder die „Sportpalast-Polka“. Und die „Siamesische Wachtparade“. Und „Rosamunde“. Sollten doch mehr Polkas unter den handelsüblichen Schlagern sein, als ich dachte? Wahrscheinlich hat sich James Last jahrelang imaginäre Kreuzchen ins Hirn gemacht, wenn ihm ein Lied unterkam, dass er als Polka erkannte.

Das Cover ist besonders kurios. Es ist von allen Polka-Parties mein liebstes. Ich liebe leuchtendes Apfelgrün! Und man kann für meinen Geschmack gar nicht genug Rot und Gelb damit kombinieren. Aber was ist da im Hintergrund? Ein kostbares Porzellanbauwerk mit Bildchen, die auf die Roaring Twenties schließen lassen. Schöne Idee. Schade, schade, schade, dass der Cover-Designer nie auf den Platten genannt wird. Ich muss da mal eine offizielle Eingabe bei der Polydor machen.

Jedenfalls ist Polka Party 3 mal wieder ein echtes Fest. Ein echter Aufputscher. Und sogar ein internationaler: mit der „Schwedischen Rhapsodie“, der „Donkey Serenade“ und der „Polka Francaise“. Naja, Letzteres ist „Sur le pont d´Avignon“, verpolkt. Und auch sonst bietet Last hier einen farbenfrohen Reigen. Viele Trompeten, klar. Aber auch Flöten und Glockenspielt. Manche peitschen mehr, manche gleiten smoother dahin. Es ist ein lockerer Bigband-Sound. Der hier eben etwas volktümlicher als sonst klingt. Aber immer noch edel und klug.

Und außerdem ist die Polka ohnehin eine bunte Einbahnstraße, die einen automatische vorwärtstreibt. Und bei der man scheinbar nichts falsch machen kann. Schnell, simpel, publikumsfreundlich. Demokratisch. Meine Welt!

July 10, 2004

Instrumentals forever

Ja, er kann auch konservativ, der James Last. Un-James-Last-ig, edel, leicht spießig. Nicht, dass die Platte schlecht wäre. Oh nein. Es ist eben 50er-Jahre-Swing: schön, zart und schwelgerisch. Gut, in den 60ern hat man so was auch noch gehabt. Aber es klingt sehr, sehr klassisch.

Und die Stücke sind auch Klassiker: „Moon River“, „Theme from a summerplace“, „Moulin Rouge“,The ´in´ crowd“, „Moonglow and picnic”, „April in Portugal”… Sogar der “Telstar” kommt hier zu Ehren! Und kleiner Anspieltip: „Delicado“!

Swing-Kenner werden James Last hier wahrscheinlich sofort erkennen. Wer im Universum der Ray Connifs, Mantovanis und Max Gregers zuhause ist... Gut – dass das nicht Bert Kaempfert ist, merk ich auch noch. Zu powervoll, zu optimistisch im Klang. Aber kein Happy Sound.

Diese Platte konnte Madame problemlos im Salon als Hintergrund beim Damenkränzchen laufen lassen. Doch, es hat noch leicht was von Nierentischchen. Trotzdem die Empfehlung: Augen zu und treiben lassen. Diese Platte ist ein Genuß. Ein Swing-Gesamtkunstwerk. Bisschen süßlich, aber große Kunst. Mal mit wuchtigen „tutti“, dann wieder mit leicht schmutzigen Trompeten und getupften Flötentönen. Und gewollt gruseligen Streicherglissandi. Eine Klangmauer des guten Geschmacks.

Und das Cover... noch ein Klassiker! Die Frau hinter der Trompete. Durch die Trompete. In der Trompete? Hoffentlich ist das überhaupt eine Trompete. Dieses Foto muss jedenfalls ein großer Künstler komponiert haben. Man sieht nur noch Augen und Metallrohre und vergisst immer wieder, welch einfacher und doch berechnender Trick hier angewandt wurde. Eine simple Trompete! Und natürlich eine Tusse. Natürlich. Ist das eigentlich ein überdimensionaler Lidstrich? Oder schwarzer Lidschatten? Schade, dass der Stylist nicht genannt wurde. Er hatte garantiert großen Anteil am suggestiven Erfolg dieses Fotos. Man vergisst nämlich auch immer wieder, dass hier vermutlich keine Asiatin zu sehen ist. Sondern, hm, ich tippe, eine stark geschminkte Britin. Oder Französin. Egal. Eine Platte, die man an´s Herz drücken will.

July 09, 2004

Trumpet a gogo


Oh, hier seh ich große Freuden auf mich zukommen: American Patrol, mein geliebtes Delicado, Tico Tico, Wheels, Never on a sunday... Klingt nach einem Melodienregen, der sich gewaschen hat. In Kombination mit dem, was zu den ausgemachten Stärken von James Last gehört: Trompeten in Szene zu setzen!

Und so ist es auch. Das einzige, was hier noch fehlt, ist das „Trompetenecho“. Aber vielleicht gab´s das damals noch nicht. Hier sind jedenfalls jede Menge Lieder drauf, ganz große Melodien, die man so im Unterbewusstsein gespeichert hat, eigentlich aber nie sagen kann, wie sie heißen. Solche Lieder sind oft von Herb Alpert. Oder dem Sir Douglas Quintett. Lieder, wo man erst behauptet: „Kenn ich nicht.“ Und wenn sie dann jemand ansingt: „Ach ja, daaas!“ Manchmal kennt man sie auch, weil man sich vor Jahren mal einen Easy Listening-Sampler gekauft hat namens „Hits in Stereo“, auf dem alle möglichen dieser Sachen im niedlichen 50s-Hammond-Sound drauf sind.

Jetzt also im sexy Trompeten-Sound. Denn das muss man sagen: Trompeten bei James Last sind immer, immer, immer sexy! Unsexy ist höchstens mal der Cha Cha Cha-Rhythmus darunter. Aber nicht die Trompeten. Bin ja kein großer Fan von „La Paloma“. Höchstens von „Ola Paloma“. Blanca. Aber was James Last hier aus „La Paloma“ macht, das macht selbst mir schmackhaft. Eine gebratene Taube sozusagen, direkt ins Maul. Nein – es ist nur ein sehr schmissiger, kickassender Song geworden. Super.

Ich wette übrigens, Menschen, die viele Tanzkurse besucht haben, kennen dieses Sorte Lieder auch. Und sie würden jetzt sicher auch schon wieder tanzen. Weil sie genau wissen, welche Schrittfolge „Cherry Pink“ erfordert. Ich fühle einen kühl-samtigen Bossa. Oder ist es doch wieder ein Cha Cha Cha? Herrlich jedenfalls die Vibraphon-Läufe. Nein, ich wollte diese Platte nicht gegen die „In the mood for trumpets“ ausspielen. Sie sind beide wunderbar. Diese hier ist vergleichsweise old fashioned. Und sehr tanzbar. Auf eine 50er-Weise.

Oh, das tolle „La Bamba”. Ja, das hat bei James Last richtig Pep. Findet sich nicht ohne Grund längst auf einer Auto- und Walkman-Kassetten. Wie er hier durchjagt! Und das flotte „Greensleeves“ – nach der Pianissimo-Zeitlupen-Einleitung geht´s hier aber richtig ab! Sicher eines der von James Last – ich will nicht sagen: meisteingespielten – aber meistveröffentlichten Stücken. Findet sich so ziemlich auf jeder zweiten seiner Compilations...

Schade, dass nach den 50er-Jahren die Vibraphone irgendwie aus der Swing-Musik verschwunden sind. Gut, sie können miefig und gedämpft klingen. Aber sie können auch göttlich und stylish klingen. Sie haben ihr unwürdiges Schicksal nicht verdient. Denn im besten Fall sind sie später noch leise im Hintergrund, sozusagen in der hintersten Reihe der Rhythm-Section zu hören. Aber nicht mehr mit ihren schönen, eigentümlichen Läufen und ausgetickten Rasereien über den Klanghölzern. Hier hört man jedenfalls noch viel Vibraphon. Oder Vibes, wie coole Kenner sagen.

Also, wenn „Passion Flower“ nicht ganz schwer bei Beethovens „Für Elise“ geklaut ist, dann fress ich einen Besen. Vielleicht hat Beethoven aber auch viel „Trumpet à gogo“ gehört und sich „inspirieren“ lassen. Oder er war mal in Spanien. Oder Mexiko. Danach klingt das Stück nämlich. Ja, „Trumpet à gogo“ dürfte zu den besten 10 Last-Platten gehören. Vermutlich sogar zu den besten zwei.

July 08, 2004

Humba Humba à gogo


James Last ist wirklich unglaublich. Die Worte „Humba Humba“ dürften so ziemlich zu dem Schrecklichsten, Abstoßendsten gehören, was die deutsche Sprache hervorgebracht hat. Sowas, wo sich alle vorher Handschuhe anziehen. Und niemand mit gesehen werden will. Aber James Last hängt einfach ein „à gogo“ dran – und schon ist das ganze Ding stylish.

Und hätte hier nicht ein Dekor wie auf „Hereinspaziert zur Polka Party“ auf´s Cover gehört? Oder wenigstens eine Flasche Jägermeister? Nein! „Ein Potpourri mit 28 hand- und trinkfesten Stimmungsliedern für die Bottleparty“ ist der Untertitel der Platte. Hand- und trinkfest? Ich will gar nicht weiter drüber nachdenken... Aber so macht das James Last: macht seinen Fans einen Sauf-Soundtrack und spricht von „Bottleparty“. Hier ist kein gewollt modernistischer Aglizismer am Werk, sondern ein Mensch, der echte Lebenshilfe leistet. Er gibt dem Affen Zucker – aber zugleich auch das Gefühl, etwas Besseres zu sein. Eiche rustikal zum letzten Schrei erhoben. Salonfähig gemacht. Hier sind sogar Martinikirschen im Glas! Aufgespießt auf einem kleinen Säbel, damit das Publikum sich trotzdem noch wiedererkennt. Gewusst, wie.

Auf der Platte erkennt man die Bierseligkeit höchstens an ein paar tiefen Legato-Trompetenläufen, am Repertoire und – ich finde – ein bisschen auch an der gelegentlich durchwabernden Hammondorgel. Inhaltlich ist das „Ännchen von Tharau auf Zechtour“: Trink, Brüderlein, trink; O du wunderschöner, deutscher Rhein; In München steht ein Hofbräuhaus. Und natürlich: Humba, Humba Tätärä.

Das ganze im munteren Potpourri-Sound: fröhlicher Swing (ich weiß, das sag ich zum hundertsten Mal – ist aber so!), wie Perlen aufgereiht auf der Medley-Kette. Einigermaßen rasante Platte also. Mit durchaus hörenswerten Details, zum Beispiel einem kleinen Glockenspiel-Solo. Das ist ja einer der Vorzüge der Last-Platten: sie funktionieren im Vollsuff und als fernes Hintergrundgeräusch, aber eben auch beim einsamen, kontemplativen Hören. Sie sind – anyway – großartige Musik.

Denn man kann sagen, was man will: nie hat man bei James Last das Gefühl, er spiele irgendwas routiniert runter. Er lege nur eine Klangschablone über die zu arrangierenden Songs und spule eben seine Masche ab. Nein, jede Platte klingt, als sei sie mit viel Liebe, mit großem Können und ungeheurer Energie gemacht. Als habe sich jemand mit Haut und Haaren in die Lieder gestürzt. Bemüht, aus ihnen rauszuholen, was rauszuholen und ihrer würdig ist. Auch dafür Dank an Le James! Selbst seine (grauenvollen) Ausflüge in den sterilen 80er-Synthie-Pop verzeiht man ihm, weil man merkt, dass er neugierig und offen war und Neues ausprobieren wollte. „Humba Humba à gogo“ ist jedenfalls eine tolle, satte, krachende Swing-Platte!

July 07, 2004

In Concert 6


Ich will ja nichts sagen, aber diese Platte ist eine schlechte Fälschung der „Classics up to date 4“. Wohlmeinendere würden das vielleicht „Wiederveröffentlichung“ nennen. Leicht manipulierte Wiederveröffentlichung.

Das Cover ist bis auf den Schriftzug schon mal identisch. Und hinten muss man dann ein klein bisschen suchen, um die Fehler zu finden. „Rodrigos Concerto“ heisst nun – korrekt – „Concierto d´Aranjuez“. Es ist von der linken auf die rechte Seite gerutscht, hat als einziges Stück eine – Schlamperei – kleinere, fettgedruckte Schrift bekommen und sein
Zeitangabe verloren.

Im Gegenzug ist Mendelssons „Frühlingslied“ nach unten gerutscht. Und Ravels „Pavane“ hat´s sogar ganz rausgehauen. Die ist hier gar nicht mehr drauf.

Im übrigens wurde auch unten bei der Diskographie geschlampt. Die letzte Veröffentlichung ist auf beiden Platten „Happy Marching“. Und sie ist auf beiden Platten größer gedruckt als der Rest der Diskographie. Ja, hat sich hier denn der Schlendrian eingeschlichen? Weiß die Polydor James Last nicht mehr seiner würdig zu behandeln? Wurden solche schlecht kopierten Last-Platten damals von den gleichen Leuten verkauft, die heute gefakete Louis Vuitton-Taschen verkaufen?

July 06, 2004

Non Stop Party 12


Irgendwie kommt mir alles auf dieser Platte bekannt vor… Ich mein jetzt nicht, weil die Lieder eigentlich in anderen Fassungen berühmt wurden. Sondern in den James Last-Versions. Hm. Naja, es ist definitiv die erste Non Stop Party 12, die rezensiere, also Augen zu und durch.

Sportlich klingt sie. Weiß nicht, warum. Aber wäre gewiss der bessere Aerobic-Soundtrack geworden als diese Sydney Rome-Sch... Gibt es das schon? Retro-Aerobic? Ich wäre bereit, meine James Last-Platten teuer an Aerobic-Kurse zu vermieten, die das mal ausprobieren wollen. Sehr teuer.

Es ist hier irgendwas im Rhythmus und in den Arrangements, das voraussetzt, dass Menschen, die auf diese Platte tanzen wollen, körperlich sehr fit sein müssen. So wie ich, harr harr. In Wahrheit war James Last Vater der Trimm Dich-Bewegung. Max Greger hatte da eigentlich gar nichts zu suchen. Stand bei Parties in den 70ern immer ein Notarzt bereit, falls sich jemand an James Last übertanzte? Vermutlich wurde vorsorglich mal immer einer eingeladen. Ärzte konnten sich damals tatsächlich vor Party-Einladungen kaum retten. Sie haben sich immer gefragt, warum...

„Oh, wann kommst Du“ ist hier auch drauf. Erinnert mich an ein unlängst geführtes Telefonat mit meiner Mutter, in dem sie behauptete, Daliah Lavi sei mit James Last verheiratet gewesen. Das ist natürlich Humbug. Aber es dauerte ein bisschen, bis wir raus hatten, dass sie eigentlich Dunja Raiter meinte. Und Les Humphries. Kann man ja mal verwechseln. James Last und Les Humphries. Hmpf. Wir reden trotzdem noch miteinander. Ich kann verzeihen.

Zumal, wenn ich so tolle Musik höre. „Silver Moon“, „After Midnight“, „What is life“, „She´s a lady”… Die Non Stop Party 12 ist wirklich sehr zu empfehlen! Der Sound ist ungemein kräftig, der Chor wird fantastisch und zum Teil mit viel Hall eingebunden. Die Partygeräusche liegen natürlich drüber, drunter, dazwischen. Aber wenn jemand in der Lage ist, sich dennoch Gehör zu verschaffen, dann sind es die Trompeter der James Last Band! Satt, saftig, fröhlich. Von „Cracklin´ Rosie“ bis „Knock three times“. Anhören, anhören, anhören!

July 05, 2004

Das Beste aus 150 Goldenen


Diese Platte ist die Basis einer meiner liebsten Auto- und Walkman-Kassetten. Wer einen schmucken Querschnitt durch das Schaffen von James Last sucht, ist hier richtig. Und wer will, kann die Goldenen auf der Coverrückseite nachzählen: es sind genau 150.

Hier wird jedes Blümchen des Last-Schaffens kurz von der LP-Biene angeflogen: die besten Polkas sind hier drauf, zumindest die „Liechtensteiner Polka“. Manches klingt wie eine, ist aber vermutlich keine: Knaller wie die „Petersburger Schlittenfahrt“ (!!!) und „Hora Staccato“. Natürlich auch die „Amboss-Polka“ – lecker! Und „Starparade“, „Happy Music“, „Happy Luxemburg“...

Keine große Last-Melodie, die hier drauf fehlt (nimmt man ca. 1979 als Veröffentlichungsjahr): „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“, „Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung“, „Der einsame Hirte“, „Games that lovers play“ und „Happy Heart“

Ein paar Balladen: „Charmaine“, „Don´t cry for me Argentina“, die „Ballade pour Adeline“. Und natürlich ein bisschen Klassik: „Elvira Madigan“, eine Beethovensche „Violinromanze“ – und aus der Operetten-Blüte Stolz´ „Salome“.

Auf der zweiten Platte gibt´s dann ein paar Potpourris: deutsche Sachen mit Mitschunkeln und Chart-Hits, darunter auch viel englischsprachiger Pop.

Ich arbeite ja immer noch daran, rauszukriegen, ob „Happy Luxemburg“ mal eine Titelmelodie für Radio Luxemburg war. Ich meine, so etwas gehört zu haben. Ich finde, das ist so die typische Last-Handschrift. Und dass er am besten ist, bei kleinteiligen Stücken, die einem schon mit den ersten Takten ihren Stempel aufdrücken. Die „Luxemburg“-Fanfare ist einfach genial: deutlich, sympatisch, erinnerbar. Und modern.

Toll auch, wie er´s in „Morgens um Sieben...“ schafft, eine Ballade aufzuswingen. Man wird förmlich durch´s Lied durchgetrieben. Und nie waren die hohen Streicher besser angebracht, als über den grundierenden, kräftigen Bläsern und der Marsch-Trommel. Gleiches gilt für „Wenn süß das Mondlicht...“. Mag ich eigentlich noch mehr als „Morgens um Sieben...“. Unglaublich, wenn hier die Bläser den nächsten Aufschwung antreiben und die Streicher dann wie ein Segelboot in der Luft weiterschweben. Klingt kitschig. Ist auch so. Kann´s aber nicht besser beschreiben. Ist jedenfalls ein unglaubliches, ein unglaublich schönes Stück Musik.

Und die Amboss-Polka – Wahnsinn. Es ist diese Polka, die mich wünschen lässt, im zweiten Leben Trompeter oder Drummer bei James Last zu sein. Wie kriegt man so was ohne Drogen hin? Mann, mann, mann. Ich liebe dieses Stück! Wer ähnliche Adrenalin-Spritzen braucht, ziehe sich auch die „Petersburger Schlittenfahrt“ und „Hora Staccato“ rein. Vor allem nach letzterem brauch ICH mein vielzitiertes Sauerstoffzelt. Ich will verdammt sein, wenn das den Musikern nicht genauso ging! Mensch, bin ich dankbar, dass die hier draufgepackt wurden. Hätte ich genauso gemacht. Das rockt!!

Nur „Happy Music“ – das hätte ich mir doch noch einen Tick schneller gewünscht. Ich finde, da fehlt ein Zacken Tempo. Ist ja eigentlich auch ein durchgeknalltes Stückchen Musik, vertonte Ekstase – und die geht schneller.

Eine Art Mini-Instrumental-Oper ist „La entrada del Bilboa“ von José Feliciano. Geht über 6´32. Klingt zwischendrin richtig experimentell, wenn mit Percussions und verzerrten Gitarren eine Art Feuerwerk intoniert werden. Oder gehen hier Pferde durch?

Wahnsinn auch immer wieder: der erste Schlag bei „Games that lovers play“. Wow. Sowieso die Drums in diesem Lied – klasse. Und der Chor gefällt mir hier auch. Das konnte Andy Williams nur noch schlechter machen, oder? Und dann war´s immer noch ein Welthit...

James Last guckt übrigens vom Cover, als würde er der nächste Bundespräsident. Man sollte echten Bundespräsidenten dieses Foto zum Üben geben. Es sollte an ihrem Spiegel, in ihrem Auto und auf ihrem Schreibtisch kleben. Dabei – im Grunde ist James Last der deutsche Bundespräsident. Seit über 30 Jahren. Man kennt ihn. Man achtet ihn. Bis auf ein paar beleidigte Jazzer... Er repräsentiert uns glänzend. In vermutlich mehr Ländern, als der Papst je bereisen kann. Ja, ich glaube, James Last ist der Bundespräsident und der Papst. Für mich jedenfalls.

Im Innencover gefällt mir am besten das Foto „Verleihung der 136 - 150 Goldenen Schallplatte“. Man sieht einen Teppich aus Goldenen Schallplatten. Und dahinter James Last mit einigen – ich vermute – Label-Fritzen, die alle mit anpacken müssen, um die Goldenen optimal ins Fotographenlicht zu halten. Bis auf den Herrn links-mittig. Der ist damit beschäftigt, Erna und Heidi von hinten an die Schultern zu fassen. Mensch, was James Last der Polydor Geld gespart hat. In einem Aufwasch mal eben 15 Goldene abgeholt – es reicht dafür ein Buffett, ein Empfang, ein Abend. Das schafft heute nur noch Andrea Berg.

Und ganz rechts ist ein Foto, wie Kennedy vor dem Berliner Rathaus zu den Massen spricht. Ach nee, das ist auch James Last. Und da – in der Royal Albert Hall. Und neben Count Basie. Und neben Walter Scheel. Zwei Bundespräsidenten, Aug in Aug!

Und so stylish, das James Last Orchester auf der IFA und in der Starparade... Muss man mal sagen: das war echt was für´s Auge!

Angenommen, ich dürfte eine einzige James Last-Platte mit auf eine einsame Insel nehmen: es wäre diese hier. Mit den Sachen, die hier drauf sind, komm ich über die Runden. „Amboss-Polka“, „Petersburger Schlittenfahrt”, “Wenn süß das Mondlicht”… Ahoi.

July 04, 2004

Hair


„Hair“ – ein Thema wie gemacht für James Last! Hat er uns nicht immer durch seine Frisuren, sein wallendes Haar Freude gemacht? Doch, hat er. Genial auch mal wieder das Cover. Mir fehlen da die Worte.

Gottseidank nicht bei der Musik. Die ist zu einem unglaublichen Trip geworden. Softe, wohlige Psychedelia. Viele Flöten, Orgel und Jazz-Improvisationen. Morgenröte-Stimmung. Abgesehen von den irrwitzigen Orchesterausbrüchen: „Aquarius“ – ein Wahnsinnsritt. Drogisierte Lebensfreude. „Good Morning Starshine“ dagegen die Trägheit-danach, müde Glieder und elegisches Vorwärtsschleppen.

Unglaublich, mit welch feinen Pinsel und mit welch ungewohntem Gestut James Last hier malt. Sicher, man erkennt ihn und seinen Orchester-Stil. Aber es ist die Variation seiner selbst, die er hier vorlegt. Ein weiterer Einblick in das Genius Last, denn der groovige, jazzige, ausschweifende Sound auf „Hair“ ist ein Meisterstück.

Die Steigerung der Bläser in „Let the sunshine in“, über dem manisch trommelnden Drummer... Das fröhlich-beschwingte „Walking in space“. Und das pointierte Pianospiel in „Easy to be hard“... James Last´s “Hair” hat auch düstere Momente. Es ist keine „Non Stop Dancing“-Platte. Nichts zum Durchtanzen. Sondern zum Zuhören, Mitleiden, Erfahren. Ein Ausflug durch fantasievolle Landschaften. Durch schöne, euphorische und traurige Gegenden.

Das Gute, nein Beste, bei James Last ist, dass er sinnliche Musik macht. Sie ist oft im besten Sinne Gebrauchsmusik, versucht die Kluft zwischen sich und dem Publikum zu überbrücken, indem sie sich heftig in den Dienst der Käufer stellt. Indem sie auffordert, ihr nicht kontemplativ zu lauschen. Indem sie diesen Effekt durch Hintergrundgeräusche fast selbst zunichte macht.

James Last will nicht interpretiert, nicht gerühmt und gelesen werden. Sondern einfach benutzt. Und zu diesem Zweck appelliert er oft im Übermaß an die Sinne. Seine Musik ist oft kraftstrotzend, farbenfroh und einfach „schön“. Und auf „Hair“ kommt noch seine ganze Jazz-Kunst hinzu. Eine unglaubliche Platte. Eine Last-untypische Platte, weil er sich den Stimmungen des Liedes hingibt, auch wenn sie melancholisch sind. Sich treiben lässt, Stimmungen auskostet. Und mit ungehörten, fantasievollen Arrangements ausmalt. Vielleicht seine beste Platte.

July 03, 2004

In Concert 2


Von allen Last´schen Klassik-Einspielungen ist mir diese vermutlich die liebste. Wegen des Covers! Ist das nicht frech: James Last im Halbprofil zwischen all den anderen Gipsbüsten?! Gewagt. Und gewonnen.

Diese Last-Cover haben wirklich mal einen fetten Preis verdient. So humorvoll und auch kühn, wie sich viele präsentieren. Überhaupt mag ich hier mal wieder die gesamte Bild-Komposition: mit den großen Kleinbuchstaben in gelb, die ganze Proportionierung, die dieses Cover weder zu groß noch zu klein erscheinen lässt. Und dann diese schiere Landschaft aus Büsten. Ja, da gehört er hin, der James Last. Zwischen die anderen Meister. Gottlob sieht er noch viel lebendiger aus.

Und auch sein Orchester ist mehr als lebendig. Wunderbares Finale in Tschaikowskys „Capriccio italien“. Wie das wohl für die Musiker gewesen sein mag – mal Jazz, mal Pop, mal angeswingte E-Musik? Sagt man da als Musiker „Juchhe“? Ich hoffe es.

Also. Viel weicher Streicherbrei hierauf. Wieso sollte das den Hörern besser reinlaufen, mit viel Darm und hohen Lagen? Wieso sollte das den Stücken angemessen sein? Ich glaube, hier kommt für mich eine ungute Ehe zusammen: E-Musik und Streicher in hohen Lagen. Gut, beim Traumschiff mag ich´s. Aber da ist die ganze Musik auch eine gaaanz andere.

Wunderbare Orgel allerdings in Bachs „Toccata und Fuge“. Macht tatsächlich Spaß zuzuhören, weil ein Spitzenmann an den Tasten sitzt. Und weil Last die übrigen Instrumente mit dem nötigen Pfiff untermengt.

Und, ja, es ist eine unterhaltsame, bunte Platte geworden. Muss ich anerkennen. Die marschartige „L´Arlesienne-Suite“, die natürlich in Pastellfarben gezeichnete „Mondscheinsonate“... Ja, hier spielen Musiker, die´s wirklich können und Gefühl in den Fingern haben. Kein Zweifel. Und Last hat stimmungsvoll, einfallsreich – manchmal aber auch vorhersehbar – arrangiert. Ich glaube, ich hätte mir diese Musik gern live angeguckt. Aber von Konserve ist es echt nicht mein Ding.

July 02, 2004

Classics


Heute möchte ich im James Last-Unterricht mal die Frage beantwortet bekommen: warum wurde James Last ausgerechnet für die Party-Platten bekannt?? Warum nicht für seine Klassik-Einspielungen? Ich bin mir sicher, die müssen sich noch viel mehr Menschen gekauft haben.

Ich bin mir sicher, alle auf dieser Platte befindlichen Stücke schon mal auf einer anderen gehört zu haben. Und ich werde einen Teufel tun, das jetzt zu überprüfen. Reicht mir, dass ich mir jede rezensierte Platte von vorne bis hinten anhöre. Vielleicht gibt es auch noch einen weiteren Grund dafür, dass ich diese Klassik-Platten hasse: ich mag keine E-Musik.

Dann will ich mich mal stattdessen auf´s Cover konzentrieren und es schwer loben. Denn es ist wirklich stilvoll und trotzdem im guten James Last-Ton gehalten. Lachsfarben, mhhh. Und wie er da steht, in seinem Brokatjäckchen hinterm Flügel – so alle müsse er eigentlich schon weiter. Sieht leicht ungeduldig aus, der Herr Last. Hübsches pinkfarbenes Hemd trägt. Und auch dafür liebe ich die 70er wieder: dass sich jemand in einem pinkfarbenen Hemd auf ein lachsfarbenes Cover stellen darf. Auch die Schriftzüge sind wirklich sehr geschmackvoll gestaltet.

Oh, ich seh gerade, das ist mal wieder eine Club-Sonderauflage. Kein Wunder, dass ich die Stücke alle kenne. Hoffmanns „Barcarole“, die „Habanera“ aus „Carmen“, die „Air“, den „Ungarischen Tanz“, den „Gefangenenchor“, die „Romanze“ von Beethoven etc. Gut: sie sind immerhin treffsicher ausgewählt. Blendet man aus, dass ich E-Musik nicht mag, dann sind die „Barcarole“ und Borodins „Ballett Music“ aus „Prinz Igor“ mit ihren Flötentönen bzw. E-Gitarren-Läufen doch bemerkenswert arrangiert. Und wenn man´s ohnehin nicht allzu orthodox nimmt mit E-Musik-Klängen und auch mal ein Augenzwinkern zulässt, dann kann man schon viel Spaß haben mit dieser Platte.

Bunt ist sie – an Stilen, Tempi und Klangfarben. Das alte „Ah ja, jetzt erinner ich mich“-Spiel kann man hiermit natürlich auch ganz wunderbar spielen. Also: Spannung und was zum Spielen. Immerhin.

July 01, 2004

Non Stop Dancing 11


Ra-Ta-Ta, Ringel-Dingel-Klingelding, Er hat ein knallrotes Gummiboot… Man ahnt, wo die Reise hingeht. Zumal wieder die fröhlichen Last-Trillinge auf dem Cover sind.

Und tatsächlich ist es ein Happy Mix mit viel Tschingderassabum. Und selbst der Song of Joy lädt noch ein zum Schunkeln. Hier finden sich auch wieder die unvermeidlichen Greensleeves und die alte Frau Cecilia – die auf den Beach Parties eigentlich viel besser platziert ist.

Es ist eine dieser Platten, wo man den Eindruck hat, der Bigband-Moloch verschlingt einfach alles, was ihm in den Weg kommt. Und hinten kommt es dann wieder als fröhlicher Konfetti-Regen raus. Gleich, was es vorher war. Klingt ein bisschen rastlos.

Manchmal frage ich mich, ob uns das Cover sagen soll, dass sich der schüchterne Herr Last in seiner eigenen Gesellschaft am wohlsten fühlt. Auch den Fotos, wo er ganz allein zu sehen ist, guckt er meist am mürrischsten. Worüber er mit sich selbst wohl redet? „Da hättest den dritten Takt von links doch nicht nach Gis-Dur transponieren sollen.“ „Du sei doch ganz still! Ich hab doch gleich gesagt, nimm eine Triangel mehr.“ „Ach Kinder“, meint der weise Last in der Mitte, „streitet doch nicht. Die Leute kaufen es ohnehin wie geschnitten Brot.“

Womit er Recht hat. Allein, um mal wieder seine unwiderstehlichen CCR-Versionen zu hören. Wahrscheinlich hätte es schon für Gold gereicht, wenn stets alle auf den Covern abgebildete Last´s die Platte gekauft hätten.

Oh, hier ist das wunderbare „Are you ready“ drauf. Das muss man auch im Original gehört haben. Ist von so´ner schwarzen Gesangsband. Ähnlich wie die Sisters Sledge (Sisters?), aber noch mit einem durchgeknallten Vater dazu. James Last beweist tolles Augenmaß, indem er diesen super Titel mit auf´s Album nimmt. Und direkt danach „Lola“. Wow. Nicht wegen des Liedes, sondern wegen der Kombination.

Hier liegt übrigens auch wieder diese Party-Atmosphäre drüber. Würd mich mal interessieren, ob die Partygäste separat eingespielt und von James Last entsprechend dirigiert wurden. Anyway. Fröhliche, gelungene, aber auch leicht flüchtige Platte. Nicht so prägnant im Sound wie andere Non Stops.

June 30, 2004

James Last (Amiga)

Eine Amiga-Pressung. Mal sehen, was man den Mitgliedern des real existierenden Sozialismus zumuten durfte. Und vor allem – wann? Das Foto sieht ja aus, als sei es frühestens kurz vorm Mauerfall aufgenommen.

Liszts „Liebestraum“ in einer wohlig beschwingten Einspielung. Die sogar mir gefällt. Danach Grieg, Beethoven, Stolz und Lehár. Auch was man beileibe nie erwartet hätte, ist hier drauf: „American Patrol“. Vielleicht hat man sich gesagt: auch Glenn Miller hatte dieses Lied im Repertoire. Hat es vermutlich sogar richtig bekannt gemacht. Und der war ja schließlich auf Seiten der Alliierten. Bleibt aber neben „Charmaine“ der einzige Ausflug in poppige resp. angelsächsische Gefilde.

Der Großteil ist eine Mischung aus Klassik- und Operettenseligkeit. Ein bisschen 20er und die Ballade pour Adeline noch dazu – und fertig ist das Geschwurbel. Womit ich nur die Zusammenstellung dissen möchte. Nicht die Musik. Obwohl ich wirklich nicht – man weiß es mittlerweile – Fan der Klassik-Einspielungen bin. Aber in winzigen, homöopathischen Dosen vertrag ich sie.

Mal ehrlich – ist je ein jugendlicher Last-Fans durch die „Classic“-Platten angefixt worden? Ich lese eigentlich immer: Sing mit, Hammond à gogo etc. Das kann ich nachvollziehen. Extremst sogar. Aber wer die „Classic“-Platten im Regal hatte – der hatte keine guten Last-Platten daneben, oder? Sammler natürlich ausgenommen. Ein Kollege erinnert sich an grauenvolle Ski-Urlaube mit seinen Eltern – peinigend untermalt von „Classics up to date 1 - 100“. Und, nein: diese „Last goes Für Elise“ ist einfach schlimm.

Schlimm, schlimm, schlimm. Sicher: eigenwillige, ähem, originelle, hüstel, Version. Aber auch eine, nach der echte Musikfans erstmal intravenös wieder aufgepäppelt werden müssen. Wo ist das Riechsalz? Hi-hi-hilfe.

Nein, nein, nein. Die Ehe von weitschweifigen Klassik-Melodien und dem dem Last´schen Easy Listening-Sound sollte verboten sein. Da muss irgendwas Inzestuöses dran sein, weshalb sich das nicht verträgt.

Mit Stolz – Robert Stolz – funktioniert das schon besser. Ich tippe mal wieder auf die Liedform, die Weichzeichner-Sounds viel besser abkann als umständliche Klassik-Formate das tun. Die Abwechslung ist hier einfach viel größer. Durch die kleineren Teile und rascheren Wendungen. Tippe ich. Vielleicht ist Stolz auch einfach ein besserer Komponist als Beethoven? Ich will das mal nicht vertiefen...

Jedenfalls sind die Operetten-Takes bekanntlich liebreizend. Gehen eine wundervolle kleine Liaison mit James Last ein. Vermutlich auch, weil er die Melodie oft nur andeutet, nur skizziert. Dem Hörer-Gehirn reicht das. Das lässt sich auch gern mal milde erinnern. Genießt die Flüchtigkeit.

Zwanghaft muss ich noch mal das Cover umdrehen und die Vorderseite betrachten. James Last gehört exakt zu der Sorte Männer, die im Alter anfangen, optisch aufzublühen. Die dann erst wirklich attraktiv werden. Was ist er doch für ein schmucker Ergrauter! Der Schnäuzer vertrüge auch ein schmaleres Errol Flynn-Design. Oder Clark Gable? Vielleicht trug ja Clark Gable ein Errol Flynn- Bärtchen. Und das kann sich nicht jeder leisten. Steht nicht jedem!

Und welche Dame würde da Nein sagen – angesichts dieses verheißungsvoll lächelnden Gentleman und des formvollendet gedeckten Tisches. Wieso stehen da eigentlich drei Gläser? Das mindert den Spaß natürlich. Für die Dame. Und vermutlich ist dieses Cover auch Schuld daran, dass rübergemachte Ossis in westdeutschen Restaurants immer nach flackernden Kaminfeuern Ausschau hielten. Am James Last-Schriftzug ist, wie ich das sehe, auch gefrickelt worden. Da fehlen unten die Schlagschatten. Hmpf.

Egal. Die „American Patrol“-Fassung ist die wunderbare, mit diesen geschleiften Trompeten-Einsätzen. Ich kann´s nicht besser beschreiben. Es darf jedenfalls nicht „geschliffenen“ heissen. Und genau sie sind das I-Tüpfelchen an der Last-Version!

Alles in allem gediegenes Eiche rustikal-Sortiment. Passt zwischen den antiquierten Globus und die Bücher-Attrappen. Bisschen verklemmt zusammengestellt, vielleicht.

June 29, 2004

My favorite songs


Einigermaßen grässliches Cover. Eine durch ein Passepartout gebändigte Collage von Notenblättern. Plus ein schräg draufgepapptes Autogramm-Bildchen von James Last. Und auch keine schönen, poppigen Farben...

Anyway. Diese vergleichsweise konservativen Song-Alben sind bei James Last meist ein Gewinn. Und so ist es auch hier. „I can see clearly now“ – seltsam ruppig und in schönen dunklen Tönen. Kein fröhlicher Happy Sound, kein Brei für Zahnlose – den er im übrigen nie produziert hat. Man muss ihn schon mutwillig so rezipieren. Aber diese Einspielungen zeigen mal wieder die Vielseitigkeit von James Last. Hätte der Tag 70 Stunden und der Mensch drei Köpfe – es gäbe vermutlich astronomische Zahlen von James Last-Platten – und Sounds, die wir nie bei ihm vermutet hätten.

Gut, in der „Dolannes Melodie“ fahren irgendwann wieder die Unisono-Streicher ihre Ellbogen aus. Aber die fast Horn-artigen Bläser und die Schwere der untermalenden Harmonien – das hätte er so auf keinen Non Stop-Album untergebracht. Auch „Have you never been mellow“ – ein Traum. Weibliche Stimmen – in kräftigen Alt-Lagen. Oder Sopräne, die in den unteren Bereichen ihres Umfangs singen. Fantastisch.

„Don´t cry for me Argentina” ist schon volle 6´42 lang – länger kommt hier noch die 8´21-Version von „Mac Arthur Park“. Ja, dies ist das Album der langen Songs. Und James Last ist groß darin, Spannung aufzubauen und zu halten – über Minuten hinweg und im Rahmen ein und desselben Songs. „Don´t cry for me Argentina“ ist auch mit sparsamen Mitteln bei Last großes Kino. Geht unter die Haut.

Und danach wieder ein sanft rockender Take: „Only you can“, irgendwo zwischen Pop und Karibik. Gesang erinnert im Refrain an Boney M. – aber nur positiv. Selten durften die Sänger so zupacken, wie auf dieser Platte. Und selten waren sie so sehr in den Vordergrund gemischt, wie hier. An dieser Stelle einmal explizite Hochachtung für die Zusammenstellung der Takes. Genauer: die Abfolge auf den Platte. Die kompletten Alben sind bei James Last in den meisten Fälle Gesamtkunstwerke: die Hand, die für die Arrangements zuständig ist, dürfte auch auf der Ebene des Formats viel geordnet haben. Manchmal erhört sich der Genuss des gerade beendeten Liedes noch, wenn die kongenial passenden Takte des folgenden beginnen. Klingt komisch: aber in diesen Momenten wird die Kunst des abgelaufenen Lieder erst vollendet. Bekommt die Krone aufgesetzt.

„Summer of ´42“ zeigt mal wieder, dass sich James Last grundsätzlich nicht vor dem großen Philly-Orchester MFSB verstecken brauchte. Und ja, ja, ja – James Last covert die Eagles! „Best of my love“. Hier aalt er sich für meinen Geschmack einen Tick zuviel im reinen Wohlklang. Obwohl der Song an sich nicht schlecht gewählt ist. Klingt im Last-Sound trotzdem einen Hauch zu glitschig. Vielleicht rutschen mir hier auch nur wieder die Chöre zu hoch, vielleicht ist es mir in der Kombination mit dem Zeitlupentempo too much. Irgendwas behagt mir hier nicht.

Dann wieder eine Last-Komposition: „Photographs“. Das ist ja immer eine komische Sache. Üblicherweise besteht beim Last-Hören viel Spaß im Wiedererkennen der Vorlage und im genüsslichen Aufnehmen der Interpretation. Hier heisst es: sich berieseln lassen und irgendwann feststellen – wenn man die Melodie ausgemacht hat – ob´s einem gefällt. Das hier ist edler Westküsten-Satzgesang, mal wieder in hohen Lagen. Aber nicht zu sehr ausufernd, immer wieder rechtzeitig von harmonisch neuen Passagen abgefangen. Ja, eigentlich hätte auch aus „Photographs“ ein Welthit werden müssen. Für die Streisand. Oder Angelika Milster. Ist jedenfalls ein schöner Song.

Kaum dass „The Boxer“ anfängt, scheint es, dass die ganze zweite Seite dieser Platte sopranesken Chören gewidmet ist. Aber was James Last als Arrangeur aus diesem Song gemacht hat, ist aller Ehren wert. Eine Mischung aus Beach Party-Lagerfeuer-Einfachheit und ausgestellten Percussion-Details. Ein sanfter Fluss aus Akustik-Gitarre und kaum hörbarem Beat. Dafür quakige Oboen(?)-Laute, weit abgerückte Drum-Explosionen und gegen Ende auch wunderbare Orgel-Ausflüge. Sehr stimmungsvoll.

„Mac Arthur Park“ und James Last – auch eine Traumkombination. Obwohl ja gerade dieses Lied dem Urgestus der Potpourris – und damit der größten Erfolgsmasche von Last – entgegensteht. Denn dieses Lied braucht Zeit, seine verschiedenen Häutungen zu durchleben, um am Ende seinen Schmetterling fliegen zu lassen. Kein Problem für den Bigband-Leader. Zwar kippt das Stück bei ihm nicht in den wunderbaren Wahnsinn der Donna Summer-Fassung ab. Dafür bleibt es zu getragen und würdevoll. Aber die Klangfarben sind mal wieder wunderbar

Fazit: Tolle Platte. Gehört auf jeden Fall mit in die Spitze der besten Last-Platten. Spannend und unglaublich, zu sehen, mit welcher Konzentration und Wucht sich der Meister der Potpourris auf einzelne Songs stürzen kann, um ihnen über Minuten hinweg den Sockel zu zimmern, den sie verdienen und der sie trägt.

June 28, 2004

Non Stop Dancing 1977 2


Na klar, dass ein Lied wie “Under the moon of love” wie gemacht ist für James Last, war klar. Er holt sogar noch einiges an Witz raus, was im Original nicht drin ist. Durch so was wie lustig getupfte Tuba-Töne. Jedenfalls klingt´s nach einer Tuba.

Und „Living next door to Alice“ direkt daneben zu packen – in einer so federzarten Einspielung. Genialer Kniff. Ja, 1977 war ein gutes Jahr. Musikalisch. Da doo ron ron. Knowing me, knowing you. Don’t leave me this way. Car wash. Boogie nights. Sunny.

James Last schwebt mit seinem Sound einfach drüber, über den Fundus – hat man den Eindruck. Viele Chöre in hohen Lagen, viel soft getupfter Beat. Trotzdem hat hier kein Weichzeichner die Konturen verwischt. Im Gegenteil, sie sind scharf herausgearbeitet. Heisst auch: die Schichten liegen transparent und gut durchschaubar über- und nebeneinander. Und es sind Transparenz und die Leichtigkeit, die den Sound auf dieser Platte so raffiniert machen. Auch wenn sie sich scheinbar ohne Ecken und Kanten durch ihren Potpourri-Marathon ackert, verzichtet die Produktion aber aber zuviel Glattheit. Es gibt viel zu entdecken im vor Leben pulsierenden Bigband-Sound – dank der Ehrlichkeit der Produktion.

James Last ist ein fantastischer Disco Man. Er weiß, wo er die soften Synthies zu platzieren hat – und in welchem Verhältnis dazu die Bläser stehen müssen. Räumlich dahinter nämlich, im großen Boogie-Universum. Er weiß genau, wie man die schillernde, irreale Dancefloor-Atmosphäre schafft. Weiß, wie die Chöre klingen müssen: wo sie scharfzackige Stromstöße in den Raum feuern dürfen, wo die Trompetenfanfaren hervorschnellen müssen und wo der ideale Moment für funkige Gitarrensoli ist. Grandios.

...nicht zuletzt auch die atemberaubenden Übergänge. Jeder Sequenz-Wechsel ein Geniestreich. Weil man sie nicht bemerkt und schwupp, schon mitten im neuen Song-Versatzstück ist. Wer nach dieser Platte kein Sauerstoffzelt braucht, mit dem stimmt was nicht.

June 27, 2004

Käpt´n James auf allen Meeren


Ach, Käpt´n James... Wieso braucht eigentlich eine Platte, die „Auf allen Meeren“ heisst, eine „Riesen-Landkarte“??!

Egal. Es dauert eine Minute – solange, bis die kräftigen Klavier-Akkorde und die schmissigen Trompeten aufspielen – und ich hab Fernweh! Fernweh nach dem Meer. Geht das nur mir so?

Es ist mal wieder genial gemacht: der durchgehende, lockere Swing-Beat – und darauf eine flotte Abfolge der verschiedensten Melodien. Es wird auch mal still und langsam, und dann führt eine sanfte Basslinie die ganze Mannschaft wieder weiter ins nächste Gewässer. Und nie hat dieser sirenenhafte, sprachlos Vokale raunende Chor besser gepasst, als bei Käpt´n James. Gänsehaut.

Es ist ein großmaschiger Sound: sanft ineinander verschlungen und in der Tat wellenförmig. Ein geniales Bild, das James Last hier mit seinen Arrangements zeichnet: dem Thema auf den Leib geschneidert. Aber trotzdem noch Pop.

Ein Hauch von Traumschiff ist hier auch schon dabei – vor allem in den Eigenkompositionen, die mit eingeflochten sind. Unendliche Weiten durch sanft verklingende Streicherlinien. Und – man merke auf, vor allem zu Beginn der ersten Seite: James Last baut richtige Soundcollagen. Mit Sprachfetzen, Schiffshörnern und Hafen-Atmo.

Aber nicht nur das: die ganze Platte vollzieht eine Reiseroute nach, die auch mit lustigen Geschichten über Käpt´n James und Konsorten auf der Karte nachzulesen ist. Es geht um die halbe Welt. Von Hamburg nach Irland und über Portugal, Spanien, Griechenland nach Israel. Muss i denn, Greensleeves, When irish eyes are smiling, Carmen Marsch, Ein Schiff wird kommen, Hava Nagilah... Mit anderen Worten: „Käpt´n James auf allen Meeren“ ist das wichtigste Konzeptalbum nach Sgt. Pepper!

June 26, 2004

In the mood for trumpets


Diese Platte und ich – das war Liebe auf den ersten Blick. Und sie hält. Ist das nicht ein wunderschönes Cover? Die Farben. Und man weiß nicht ganz – ist es Manhattan, im Hintergrund? Oder sind es Nachbilder von irgendwas Herunterzischendem? Es hat – im Gegensatz zu eigentlich allen anderen Last-Platten etwas ungemein Mondänes.

Und natürlich wusste ich, dass Last & Trompeten nur gut gehen kann. Tut es auch. Hier sind etliche Stücke drauf, die einfach nicht älter werden. Und die nach dem hundertsten Hören noch nicht nerven. In the Mood. A String of pearls. American Patrol.

Manches findet sich schon auf ganz frühen Last-Platten – aber er hat sie offenbar alle nochmal neu einspielen lassen. „American Patrol“ beispielsweise hat hier den letzten, ausgefeilten Schliff erhalten, der die Last-Version so unvergleichlich macht. Unvergleichlich gut.

Die Stücke wurden mit verschiedenen Solo-Trompetern eingespielt. Ich bin ja ein bisschen irritiert, weil ich ja von den Bert Kaempfert-Aufnahmen einen Trompeter namens Ack van Rooyen kenne. Und hier spielt ein Arc van Royen mit. Zufall? Oder hat sich zwischenzeitlich die Schreibweise geändert? Hm.

Jedenfalls ist „In the mood for trumpets“ eine ungemein edle Platte. Aber trotzdem das, was man leicht und schrankenlos konsumierbar nennt. Das ist ja oft die große Kunst von James Last: dass er den Leuten fröhlichen Pop vorsetzt, der in Wahrheit von Meisterhand arrangierter und von einem Spitzenorchester gespielter Swing ist. Und ich persönlich bin tief beeindruckt von Lasts Multitasking-Fähigkeiten: der Mann war hochdekorierter Bassist – und ist trotzdem zu allen anderen Instrumenten das, was Noah mit der Arche zu den Tieren war.

Will sagen: er hat auch noch für alle anderen Instrumente das richtige Ohr und Händchen. Muss er ja. Als Bigband-Leader. Trotzdem bin ich perplex, wie ein Basser ein Trompetenalbum „schreibt“, das sicher zu den besten überhaupt gehört.

Und das ungemein vielseitig ist. Russische Folklore ist hier genauso drauf wie soft perlende Balladen, die in luxuriöse, mit dunklem Holz getäfelte Bars gehören. Und der fröhlich-rustikale „St. Louis Blues March“... Ein wahres Klang-Universum. Mit strahlenden, peitschenden, sanften und schüchternen Trompeten. Hören und entdecken.

June 25, 2004

Non Stop Dancing 1979 (New NSD)


Himmel, was für ein lustiges Cover. Sie geht ja noch als attraktiv durch – aber er! Diese gescheitelte Matte. Und die Brille! Vom Behörden-Schreibtisch direkt auf´s James Last-Cover. So schnell kann´s gehen.

´79 riecht nach Disco-Zeit. Aber was hier erklingt, das ist Pop-Brei. Das ist ziemlich zahnlose Disco. „Macho man“, „You´re the greatest lover“, “Substitute”… Und gerade letzterem hat man einen Aderlass verpasst, der offenbar kaum noch einen Tropfen Blut übrigließ… Hätte man auch „Träum was Schönes Vol. 2“ nennen können. Dabei weiß doch sogar Käpt´n James: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da!

Nein, hier muss man sich schon die Rosinen rauspicken. „Stuff like that“ zum Beispiel – das ist zumindest smoothe Disco. Und das Format der Disco-Maxi-Versions scheint sich auch auf James Last auszuwirken: auf dem Cover wird für “Hits in voller Länge“ geworben!

Wenigstens ist „Rasputin“ hier mal richtig hübsch anzuhören. So kann das also klingen, wenn man originelle Percussions drunterlegt – und James Last hat sogar eine richtige 4´50 lange extended Version draus gefrickelt. Cool. Also, wer sich mit Disco light anfreunden kann – und einem gewohnt toll auspielenden Orchester, der ist mit New Non Stop Dancing 1979 gut bedient.

Wirklich: Band und Chor sind wie immer klasse. Der softem, glattpolierte Sound passt zur Musik. Es groovt zwar, ist aber leider ziemlich leichte Kost.

June 24, 2004

Beachparty 4


1973 ist die Beachparty doch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Geht los mit einer bühnenreifen Orchester-Einleitung. Aber ein Strand ist kein Konzerthaus. Wo ist die schludrige, improvisierte Lagerfeuer-Atmosphäre?

Nein, diese Beach Party ist vergleichsweise ambitioniert und auch etwas glatt. Nix mehr mit Klampfe und Schlaghölzchen an den Strand – das hier ist hochprofessionell. Der improvisierte, gemütliche Charme der ersten Folgen ist weg.

Die Reihe ist zu einer Art Non Stop Midtempo mit viel Akustikgitarren und Gospelchören verkommen. Drauf finden sich gängige, v. a. amerikanische Hits, soulige Sachen und Lieder, die man damals wohl tatsächlich in katholischen Jugendfreizeiten gesungen hat. If you could reed my mind, Killing me softly, Delta Queen, You´re so vain… Schöne Songs, zweifellos. Auch schöne Platte. Nur eben anders als die ersten Beach Parties.

Dafür ist das Rück-Cover bezaubernd schön. Ist das nicht ein herrlicher Schnappschuss von James Last? Nur die Vorderseite schaut man sich besser nicht an. Herrjeh, seht Ihr den Jungen rechts von James Last schlottern? Der sitzt bestimmt nicht ohne Grund so zusammengekauert an. Und warum hat James Last wohl lange Ärmel an? Hinten rechts steht sogar ein Posaunist, der trägt Hemd und Pullover! Es muss schweinekalt gewesen sein! Wo diese Beach Party-Fotos wohl immer aufgenommen wurden? Und musste das Orchester das Floß zwischen den Proben wohl selbst zimmern? Wow – verpasst auch nicht, Euch mal den dritten Herrn von links anzugucken (den Frauenkopf dazwischen hab ich nicht mitgezählt). Die Hose! Ich sag nur: die Hose! Die Riesenblumen auf dem Schlag!! Und rechts daneben steht einer mit einer grünglänzenden Latzhose. Echt, super Requisite, diese James Last Family.

June 23, 2004

World Hits


World Hits – das klingt eigentlich schrecklich. Da fehlt nur noch „Die schönsten...“ – World Hits. Ganz grauenvoll. Aber hey, schaut auf dieses Cover: da lacht mich verheißungsvoll funkige Disco-Musik an. Ob wenigstens mal ein bisschen dieser Platte, na, zumindest im Big Eden am Ku´damm gelaufen ist? Vermutlich nicht. Auch da werden die Originale gespielt worden sein. Trotzdem. Hätte auch gut gepasst.

Vor allem – was macht James Last denn hier??! Nimmt einen alten Rodgers/Hammerstein-Hit. Also aus der Frühzeit amerikanischer Popmusik, als selbst der Begriff Tin Pan Alley noch jung war. Und verpoppt sie mit trockenen Hi-Hats, Disco-Streichern und durchaus nicht störenden Synthesizern. Na, das ist mal eine originelle, heiße Hochzeit. Nicht die Hits der Saison im Happy Sound nachgespielt. Sondern weiße US-Mittelklasse-Oldies von knapp nach der Jahrhundertwende im Disco-Gewand. Wow! Das hat was, kann ich Euch sagen.

Cole Porters „What is this thing called love“ – man hört förmlich Harold Melvin auf die Bühne keuchen, um das Ding noch mitsingen zu können. Aber – zu spät. Das schaukelt die Last-Band schon allein nach Hause. Und zum ersten Mal denke ich: nicht mal MFSB hätten das besser spielen können. Oh Nein! Das ist Philly Sound aus Bremen – täuschend echt. Heißblütig, wie dampfende Schokolade, wie Motown auf dem Betriebsausflug. Und edel – ich sag Euch. Das hier ist ganz großes Kino! Nicht zuletzt durch den Chor. Ach, hätten Manhattan Transfer nur halb so viel Gefühl und Timing gehabt...

Das klingt so wie die Singers Unlimited etc. – diese großen, glamourösen amerikanischen Gesangsgruppen der 70er. Von denen Manhattan Transfer mit Abstand die schlechtesten waren. Und mit denen es an deutschen Äquivalenten die Ute Mann-Singers zum Beispiel spielend aufnehmen können. Die sind klasse, die Ute Mann-Singers, mein ich damit. Der Gesang solcher Gruppen kling wie musikgewordener Luxus. Überirdisch. Flirrend. Streichelnd. Nicht von dieser Welt eben. Und am besten scheinen sie zu sein, wenn sie Frauennamen besingen. Charmaine. Emily...

Angenehm auch zu sehen, was James Last so als Welthits zusammenschnürt. Man hatte vielleicht erwartet: Yesterday, It`s now or never, My way… Aber Last greift zurück in die goldene Zeit v.a. amerikanischer Songkunst. „Besame mucho“ ist auch drauf, „Singin´ in the rain“ und „Volare“. Der Rest ist Jazz Age und Tin Pan Alley. Und das im Disco-Sound – tolles Crossover. Und ganz ungewohnt für James Last.

June 22, 2004

Copacabana


Endlich mal ein gutes Cover, meint der Chefredakteur. Ich finde, er soll ruhig mal nach Brasilien fahren und selbst nachgucken. Ich persönlich glaube nämlich nicht, dass die Frauen da tatsächlich so kleine Hintern haben. Das ist doch gefaket.

Jedenfalls ist das eine super Idee mit dieser Platte. James Last und Latin, das passt immer. Damit hat er ja schon seine Hammond-Ausflüge gerettet. Latin heisst auf solchen Platten immer: große Fröhlichkeit mit angenehmen, warmen Harmonien. Da wird die Melodie manchmal nebensächlich – die Harmonien halten das Ding schon in einem angenehmen, irgendwie vertrauten Fluß. Aber natürlich gibt es trotzdem Melodien: laute, durchdringende Melodien. Irgendwo zwischen Fanfare und Marsch. Kein Wunder, dass das klingt, als hätte James Last nie was anderes gemacht.

Nein, Latin-Musik ist einfach wie geschaffen für ihn und seine grandiose Band. Die rüttelt und schüttelt sich, die überschlägt sich an den Percussions, die lässt heiße Lava aus sich herauskochen – und dann wieder eine Mischung aus sanftem Sonnenuntergang und Studio 54. Ja, es wird Sommer mit dem Copacabana Happy Dancing – wie die Platte mit vollem Namen heisst. Und soviel Rhythmus wie die Brasilianerinnen im Hintern hat die James Last-Band ja im kleinen Finger.

Ich möchte das Augenmerk auch noch mal auf das bemerkenswerte Cover lenken. Angesichts dessen, dass hier schon die Ära der James Last-losen Cover angebrochen scheint, ist das ein umso gelungeneres Exemplar. Denn oft sehen die James Last-Cover in den 80ern nur noch Scheiße aus. Während sie in den 70ern meist noch ihn selbst zeigen und irgendwie sympathisch und witzig wirken. Nun, dass man beim Thema Copacabana nicht widerstehen konnte, etwas anderes auf die Hülle zu packen, liegt ja nahe... Ich als Frau kann ja den tollen, poppigen Copacabana-Schriftzug betrachten, den ich total super finde. Ich finde, allein für diesen Schriftzug hat die Platte einen Design-Grammy verdient. Da hat jemand sehr genial die Farben und Konturen des Hüfttuchs aufgenommen. Fabelhaft, wie Dieter Thomas Heck und ich hier aus einem Munde tönen!

Yeah, meine Finger rocken im Latin-Takt über die Tasten. Das tut ihnen auch mal gut. Zumal keiner im Raum ist, der sagt: Du hast ja ´ne lustige Art, zu tippen! Das hör ich im Büro ständig. Entweder ist es immer der gleiche Kollege, der sich jedes Mal von neuem lautstark beeindruckt zeigt. Oder es ist die Fluktuation von Kollegen und Praktikanten, die ständig neue Leute in den Raum schwemmt, die garantiert noch nie jemanden so haben tippen sehen. Zur Erläuterung: ich tippe mit zwei Fingern der rechten Hand, während die linke Hand allein der Shifttaste vorbehalten ist. Und ich mache das ziemlich schnell. Am schnellsten geht es, wenn die Zimmertemperatur eine bestimmte Gradzahl nicht unterschreitet und niemand auf meine Finger glotzt und sagt: Tipp mal was. Ich möcht Dich noch mal tippen sehen. – Dann geht es nicht. Dann fühlen sich meine Finger zu beobachtet. Aber mal im Ernst: warum soll das nicht gehen, mit zwei Fingern schnell zu tippen? Pianisten können irgendwann ihre Stücke auch auswendig spielen. Ich bin sicher, Günter Platzek hätte sich nie über meine Schreibweise gewundert. Der wusste, dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirken kann. Wirken? Wirkeln. So klingt das schon aktiver. Schöpferischer. Denn ich meine nicht nur: wirken, sondern wirken im Sinne von „etwas produzieren“. Und dafür passt Wirkeln besser. Dass man an allen Arten von Tasten virtuos und doch routiniert wirkeln kann.

Oder wie der Vibraphon-Spieler in „Perhaps? Perhaps? Perhaps?“. Der klingt toll. Und der Bass, Mannomann. Obwohl er auf dem kleinen Foto hinten einen zu engen Anzug zu tragen scheint, der Basser. Umso beeindruckender, wie toll er hier zupft. Während an James Last der weiße Anzug mal wieder sitzt, als wär er speziell für ihn getackert worden. Und ich ahne, dass die Orgel von Günter Platzek, leider im Halbdunkel verborgen, verdammt spacig aussieht.

Es ist diese Musik, die hier drauf ist, die man auch oft bei Tanzturnieren hört. Wenn zu stark geschminkte Damen mit zu straff nach hinten gesteckten Haaren und männliche Schmierlappen den heißen Rhythmen das letzte Quentchen Lebenslust austreiben, indem sie Tanzen wie schwere Akkordarbeit aussehen lassen. Diese Musik hier könnte – in gewissem Maße – auch Max Greger spielen. Hugo Strasser auch, aber bei dem kläng sie nicht so lässig. Nein, wirklich nach Easy Going und Strandleben klingt sie nur, und zwar nur, bei James Last!

Wobei ich zugleich warne: wer hier obsessive Ausflüge in tripartige Sessions erwartet, der wird enttäuscht. Diese Platte macht Hummeln im Hintern wach, sie ist durchdrungen von großer Arrangier- und Spiellust. Aber sie ist kein Höllenritt wie manche Non Stop Dancing von Ende der 60er oder Anfang der 70er. Das Klang-Puzzle ist vergleichsweise understatementig: wie schon gesagt, warm und manifest. Aber nicht so, als hätten die Last-Musikanten vergessen, ihre Gaga-Zügler zu nehmen. Nein, das ist eine Latin-Platte, wie sie sein soll. Einen atemlos hindurchziehend und erst nach dem letzten Ton wieder loslassend. Mit allem, was Latin so hergibt an Percussions und Bläsern, aber vergleichsweise weich. Und auch hier schön zu sehen, dass es eine Fassung des Titelsongs gibt, die sich hören lässt: nämlich eine ohne Barry Manilow. Auch wenn mir zwischen Strophe und Refrain dieser ganz hoch geblasene Ton fehlt. Wer macht den eigentlich sonst? Ist das eine Trompete? Eine Posaune? Eine Trillerpfeife ? Rätsel der Musikgeschichte… Wenn´s jemand weiß: her damit.

June 21, 2004

Party


Diese Platte ist natürlich der Hammer. Das ist so die Art Platte, wo man sich fragt: soll ich sie wirklich rezensieren und damit Einbrecher auf den Plan rufen? Keine Ahnung, was sie wert ist. Aber sie ist wunderschön. Und es sind keine Klassik-Stücke drauf.

Ganz im Gegenteil. Vor allem ist ein Spiel drin. Ja, auch den Innenseiten der Box ist ein Partyspiel. Neckisch, poppig und so, wie Menschen wohl in den 70ern Spiele gespielt haben. Haben sie? Fall ja, melden Sie sich! Vor allem melden Sie sich, wenn Sie bei diesem James Last-Partyspiel ihren Partner kennen- und liebengelernt haben!! Schließlich gibt es hier Spielfelder wie „Liebesgarten“ und „Seitensprung“, aber auch „Mauerblümchen“...

„Viel Spaß! – Und lassen Sie sich recht viel einfallen!“, rät die Spielanleitung zum Schluss. Die Knollennasenmännchen sehen ein bisschen aus wie von Loriot. Und das Layout hat nicht ohne Grund die Firma „pop + art design“ gemacht.

Wer für das göttliche Cover zuständig war, steht leider nicht dabei. Sieht es nicht aus, als gucke James Last aus eine poppigen Fernseher heraus? Ich hab noch eine Heino-Platte, die sieht ähnlich aus. Damals traute man sich noch, die Farben Rot und Pink zu kombinieren. Ich möchte die 70er dafür ausdrücklich beglückwünschen. Auch für zu den fetten – Wohlstand und Optimismus ausdrückenden – „Party“-Buchstaben. Ja, ich bin ein bisschen verliebt in diese Box.

Auch in das aufgemalte Siegel: „James Last. Happy Sound International.“ Wow. Sieht aus, wie das Logo einer sexy Fluglinie. DA würde man gern mal mitfliegen. Vor allem, wenn da die Musik läuft, die auf diesen vier Platten drauf ist. Ich bin ja mittlerweile optimistischer, je älter die Platten sind. Man muss es mal ehrlich aussprechen: vor allem in den 80ern hat James Last viel Schmuh gemacht. Aber in den 60ern und 70ern – vor allem in den frühen 70ern und auch noch kurz vor der Disco-Zeit – da war James Last der helle Wahnsinn. Und genau aus dieser Ära sind die Platten der Box.

„Hits à la Last“ zeigt, was man mit einer Bigband machen: swingen – so sexy, leicht und trotzdem feurig, wie ich es bei niemanden sonst je gehört hab. Der Charme und Optimismus das James Last-Sounds ist letztlich unkopierbar. Da kommt niemand ran, auch der von mir hochgeschätzte Max Greger kann mit den besten Platten von James Last nicht konkurrieren. James Last versetzt sämtliche Moleküle – zumindest meines Körpers – in Bewegung. Bis auf die des Mundes: der steht offen, weil ich immer wieder baff bin über die rasanten, trickreichen Arrangements und die Spielfreude der Band. Let the sunshine in, Happy heart, El Condor Pasa, Lara´s Theme, Blowin´ in the wind… Wer immer noch Häme über den Last´schen Mainstream-Brei verbreiten will, der übersieht, dass Last den vermeintlich so „kleinen Leuten“ verdammt viel Psychedelia untergemischt hat. Die hatten ihre Freude an. Während die Kritiker vermutlich nicht mal reingehört haben und nicht merkten, was ihnen da entging.

Die Rückseite der ersten Platte heisst übrigens „Latin Hammond“ – und damit ist auch der Last´sche Hammond-Sound bei mir wieder voll rehabilitiert. In dieser Zusammenstellung holt Last aus dem Hammond-Sound raus, was ihn erst erträglich bis unwiderstehlich macht: Schmalz, Witz und Besessenheit. Hammond Orgeln haben ´was unfreiwillig Komisches im Klang, finde ich. Aber mit Latino-Klängen und Tanzrhythmen gehen sie die perfekte Ehe ein. Estrellita, Cumana, In a little spanish town, Benita, Wheels... Ich bin entzückt! Man beachte auch, dass James Last nebenbei noch der Erfinder von Franz Lambert ist. Nicht dass ich Beweise dafür hätte – aber wenn ich diese Platte höre, wird mir einiges klar.

Endlich, endlich kann ich mal hören, wie „Swinging Ännchen“ klingt. Bisher kannte ich ja nur das normale Ännchen, das zum Tanz resp. zum Träumen lädt. Swinging Ännchen klingt gut! Mit Knackbass, ausgelasteten Bläsern und einem rührigen Piano. Und die Bläser machen nebenbei noch Geräusche, die ich zumindest bei Last noch nie von ihnen gehört hab: dreckige, verfremdete Geräusche. Ich schätze, nach dieser Aufnahme musste das Orchester erstmal wegen schweren Muskelkaters in Kur geschickt werden. ...oder es nahm erstmal den Fuß vom Gas. Die letzten drei der vier Takes sind vergleichsweise soft und Midtempo. Kein allzu großer Unterschied zu den üblichen Ännchen-Platten – die ja durchaus auch swingen. Schade. Aber trotzdem hörenswert.

Von der B-Seite grüßt der beliebte Käpt´n James. Vielleicht war das gemäßigtere Ännchen die Vorbereitung auf ihn... Denn Käpt´n James swingt auch eher leise. Aber freundlich und ideenreich.

Platte 3 enthält einen Seite mit „Instrumentals“. Was angesichts des gängigen Last-Sounds, der auch bei Volks- und Seemannsliedern eher wenig Text enthält, schon lustig ist. Es sind jedenfalls von American Patrol über The more I see you bis zum Drina Marsch eher oldfashioned, klassische Stücke. Mal temperamentvoll, mal majestätisch eingespielt. Aber alle mit diesem Strahlen, diesem großen Ja des Last-Sounds und alle unverkennbar Last! Flott, tanzbar, gutgelaunt. Viel Bläser, viel klassische Bigband.

Ein Dank-Telegramm eines Lehár-Neffen hat James Last einst seine Lehár-Platte eingebracht. (Diese werden dem „Onkel“ neue, jugendliche Hörer zuführen.) Hier zusammengefasst zu „Lehár for dancing“. Flott, schmissig, swingender Operetten-Kitsch. Ich weiß, dass das Wörtchen „Swing“ in Last-Rezensionen inflationär gebraucht wird. Aber was will man machen? Es swingt halt. Manchmal auch weich und schwebend. Und manchmal mit Streichern, so leicht wie gasgefüllte Luftballons...

Die „Golden Non Stop“s auf der vierten Platten sind zackige, rockende Tanzboden-Kracher. Na na hey hey..., In-a-gadda-da-vida, Venus und auch der ein oder andere Volksfest-Song. Im Potpourri mit Partygeräuschen. Und mit rühriger Orgel, Vibes, natürlich viel Blech und Händeklatschen. Das alte Dschungelfeeling nach dem Motto „Klotzen, nicht kleckern“. Wer sich hier nicht bewegt, ist selber schuld.

Aber auch wunderschöne, wie ich finde, zu Unrecht vergessene Lieder sind hier zu finden: The windmills of my mind! The wonder of you. Greensleeves. Wieso hört man die sonst nur noch so selten?? „More Non Stop“ heisst sinnigerweise die letzte Seiter dieser Box. Auch wenn man´s ein bisschen belächeln darf: die Seiten-Titel sind schon süß. Und liebevoll ausgewählt. Das ist die Petersilie auf dem Schnittchen-Teller. Der Apfel im Spanferkel-Maul. Und wie ich „Goodbye Sam, hello Samantha“ liebe! Auch dafür noch mal Danke!! Und eben für diese ganze wunderbare, supertolle Box!!!

June 20, 2004

Non Stop Party 1974


Ja super. Wenn einer dem deutschen Middle-of-the-Road-Publikum beigebracht hat, wie groovy eine E-Gitarre sein kann, dann James Last! Man höre nur mal den Anfang von „Non Stop Party 1974“. Ist das wirklich das Last-Orchester oder sind das Deep Purple? Ganz ehrlich! Ah, und hier steht´s auch endlich mal: „Produktion: James Last“. Lange hab ich gerätselt, ob der Ton-Ingenieur zugleich auch Produzent ist. Aber nein: seit ´64 hat Last einen Exklusiv-Vertrag mit der Polydor, und zwar als Produzent!

Na, den hat er ja gut investiert. Vorzugsweise in seine eigenen Platten. Die hier wird dann allerdings doch ein bisschen schlapp. Was war denn los 1974? Die Carpenters, Elton John, Suzie Quatro, Gilbert O´Sullivan, Ringo Starr und Sweet – ja, macht Ihr daraus mal ein flottes Package! Das ist auch schwer! Und am Ende dann doch ein bisschen zu geschmackvoll geraten.

Ob das wohl wehgetan hat – bei nur zwei Non Stop Party-Platten pro Jahr die besten Lieder aus zwölf Monaten rauszusortieren? Gut, zwei Tricks, um möglichst viele Songs auf die Platten draufzukriegen, hat er ja entwickelt: erstens seine Potpourris. Heisst: pro Track gut und gerne drei bis fünf Titel untergebracht. Und dann: die Reihe Non Stop Dancing. Das sind bestimmt noch mal zwei Platten pro Jahr. Und worin sollen die sich von den Non Stop Parties groß unterscheiden als im Namen? Clever!

Aber trotzdem wird ihm da doch manchmal das Herz geblutet haben, dem James Last. Auf dieser Platte hier ist zum Beispiel kein einziges Abba-Lied drauf. Ich seh ihn direkt vor mir, den Bandleader. Mit verzweifelt zusammengezogenen Brauen, den Kopf ermattet in die Hand gestützt – um dann am Ende doch die Münze zu werfen: „Waterloo“ oder „Knockin´ on heavens door“? Bekanntlich hat Dylan gewonnen.

Wenn ich mir das Cover so ansehe, ahne ich übrigens, wer in den Siebzigern der meistfotografierte Deutsche gewesen sein muss. Willy Brandt? Franz Beckenbauer? Nein. James Last! Erstens ist der auf fast jedem seiner Plattencover drauf. Und zweitens das dann oft noch mehrfach. Allein hier zähle ich neun James Last´s!

Aber wenn man die Platte länger hört, wird sie doch wieder ganz gut. Die Sweet-Sachen sind natürlich wie geschaffen für das James Last Orchester! Die schreien förmlich danach, noch ein paar saftige Beat-Gitarren und zehn Tambourin-Schläger zu kriegen. Und, ganz ehrlich, Gesang konnte man das ja nicht nennen, was Brian Connolly da angestellt hat. Wurde also auch Zeit, dass sich da mal der James Last Chor drüber her gemacht hat. Gibt’s eigentlich ´was, das nicht die Marke „James Last“ trägt? Ich hab gelesen, dass er seiner Band in der Nordheide sogar ein eigenes Erholungszentrum gebaut hat. Klingt gut, aber bestimmt wurden die da nur kaserniert, um sich nicht mit anderen Musikern austauschen zu können. Sonst hätten sie gemerkt, dass nicht alle Bands in Sträflingskostümen für alberne Plattencover posieren müssen...

Und noch was macht mir Sorgen: kann man unbeschadet durch die Pubertät kommen, wenn der eigene Vater sämtliche Lieblingsbands auf Platte covert und davon noch mehr verkauft als die Originale selber? Mal im Ernst: bei James Last ist doch von den Beatles über Deep Purple bis T. Rex alles drauf. Was bleibt denn da noch? Ich wette, Led Zeppelin hat er sich auch irgendwo vorgeknöpft. Hm. Black Sabbath vielleicht aber nicht. Und Velvet Underground auch nicht. „Sei artig, sonst kommt dein Lieblingssong auf meine nächste Platte drauf.“ Lief es eventuell so? „Solang Du deine Füße unter meinen Tisch stellst, sind deine Lieblingssongs auch meine Lieblingssongs!“ Wie schrecklich. Ich glaub, der Sohn von James Last ist bestimmt sehr früh ausgezogen. Das Lästigste war vermutlich, dass sich der Vater ständig seine Platten geborgt hat. Und die hat man dann zurückgekriegt als „Non Stop Party 170“. Oder als „Dylan a gogo“. Au backe. Vielleicht gibt´s deshalb so viele Non Stop Parties. Weil Last jr. so schwer zu bändigen war. Danke, Mann.

June 19, 2004

James Last live


Aus dem großen Welt-Tournee-Programm.

Oh mein Gott, diese Platte beginnt tatsächlich mit der Glocke, die die Zuschauer zu ihren Plätzen ruft. Es geht los! Mit dem Titel „Opening Tournee“. Wow, hier sind schon die Bläser-Fanfaren. Furioser Opener, muss man sagen. Aber so flott, wie das hier abgeht, ist es auch schon wieder vorbei, und along comes „Evie“. Eine Ballade, langsam und soft, aber mit Soul und Style.

Wow, das ist nicht die schrille, partymachende Last-Combo, die hier durch die Hallen der Welt tourt. Auch wenn ich die sehr liebe. Aber das ist ein großer, swingender Klangkörper. Wow, wow, wow.

Und der hat im Programm, was Anfang der 70er modern, edel und weltoffen klingt. Eben Songs wie „Evie“, die amerikanischen Croonern gut zu Gesicht stehen: „Face in the Crowd“, „I left my heart in San Francisco“. Lounge-Swing. Las Vegas-Chic. Mit weiten Melodiebögen und coolen, sophisticated Arrangents.

Aber auch Abrocker wie „Easy Livin´“. Pures Adrenalin-Schub. Mit diesen straffen Bläsern und gnadenlos rockigen Gitarren. Und was der Drummer da an seinen Trommeln macht – wow.

Dazwischen: kurze Begrüßung durch einen atemlosen James Last („...im Namen dieser großen Familie hier auf der Bühne. Dankeschön.“), der die große Geste sowieso nicht liebt. Und schon perlt wieder die Romantik mit zarten Streichern, sanften Bläser- und Piano-Soli, und man möchte mit irgendwas Hochprozentigem on the rocks ungestört an einer Bar sitzen und lauschen. Wer diese Tour live erlebt hat, dem ist das Leben nichts mehr schuldig.

Wo das Konzert aufgenommen ist? Ja, das wüsste man gern. Auf der Welt-Tournee halt. Kann man sich jetzt aussuchen, ob in Moskau, Hamburg, Toronto, London, Neuseeland oder Hongkong. Ob er die Fett-Polka wirklich in Hongkong gespielt hat? Wahrscheinlich gerade da. Aber auch in Neuseeland und London? Hm.

Jedenfalls ist das eine der wenigen Live-LPs, die ich mir anhören kann. Nicht zu fassen, dass dieselben Leute auch diese schrecklichen Klassik-Platten eingespielt haben. Dr. Jekyll und Mr. Hyde... Oh, diese wunderbare Orgel von Günter Platzek in „Swing low sweet chariot“. Wie konnte man die je unter süßlichen Streichern verschwinden lassen? Also, nicht hier. Sondern auf den erwähnten Klassik-LPs. Dies hier ist eine der Platten, wo man verflucht, dass man damals noch zu jung und die Eltern keine James Last-Fans waren, die einen mal hätten mitnehmen können auf ein Konzert. Bei ebay bietet ein heute vermutlich Mitt- bis Enddreißiger ein Programmheft von 1970 mit Autogrammen von James Last und Katja Ebstein an. Habe er backstage bei einem Konzert ergattert, weil die Sicherheitsmaßnahmen damals noch nicht so schlimm waren. Und man als Kind da sowieso leicht hinkam. Da kann man mal sehen, was man damals alles hätte erleben können. Wenn die Eltern nur gewollt hätten... J´accuse!

Wär auch toll gewesen, wenn James Last bei jeder ZDF-Hitparade die Titelmelodie live gespielt hätte. Das wäre dann der einzige Titel gewesen, der auch ohne Wiederwählen nach drei Malen noch dabeigewesen wäre. War er ja auch so. Aber eben als Konserve. Oh Scheiße, ich ertappe mich gerade, wie ich bei der Fettpolka mitklatsche. Das kann echt nicht wahr sein, oder? Aber da kann man mal sehen, was diese Platte mit mir macht. Das, was alle Platten mit einem machen sollten. Wenn sie ihr Geld wert wären.

Mein Gott, gestern habe ich Musik gehört, die ich vorher nur verbal beschrieben bekommen habe. Vom Neon-Magazin und dem Musiker selbst: Pharell Williams von NERD. Den Beschreibungen nach hätte ich auf die thrillendste, unglaublichste Musik ever getippt. Es war wirklich so glaubwürdig und verheißungsvoll beschrieben. Es war ja auch quasi das gleiche Magazin, das modernen RnB als die futuristischte Musik beschrieben hat, die es derzeit gibt. Und da konnte ich vollauf zustimmen. Wusste genau, was sie meinen. Aber dann seh ich auf MTV gestern so´n Geknüppel und Gebrülle, dass ich dachte: das sollen NERD sein? Die diese traumhafte, zauberhafteste und fantastischste Musik ever machen?

Ich will damit nur sagen: hier kann Ihnen das nicht passieren. Diese Platte ist wirklich und ehrlich so toll, wie ich sage. Hier wird jeder Hörer, der sie erst auf meinen Rat hin hört, sagen: „Ja, stimmt. Frl. Katja hat wirklich Recht. Gut, dass wir Ihr vertraut haben. Diese LP wird fast meine neue Lieblingsscheibe werden.“

Denn: Sie hören hier ein Spitzenensemble. Super Intonation, tolle Klangfarben. Auch toller Raumklang, plastisch, förmlich zu greifen – und klingt wirklich nach einer großen Halle. Genauer: zwar nach einer großen Halle, wo ein Spitzenmann am Mischpult sitzt und die Klänge optimal abnimmt. Bestimmt wurde hier nicht im Studio nachgebessert, wie bei eigentlich allen andere Live-Platten. Ich hab mir da jedenfalls Geschichten erzählen lassen... Aber das hier sind bestimmt echte, authentische Aufnahmen. Höchstens aus verschiedenen Konzerten und Orten zusammengefriemelt. Aber das hör ich nicht so raus, ob das jetzt die Sowieso-Halle aus Toronto ist oder diese andere Halle aus Hongkong. Sonst wär ich damit schon längst bei Wetten, dass... gewesen. Und hier stört mich auch der kurze Beethoven-Ausflug nicht. Ist a) super gespielt. Und b) ist das die einzige Platte, wo nach einer „Romanze in F-Dur“ das „Theme from Shaft“ kommt.

Tolles Timing. Tolle Dynamik. Super Stimmung. Vibriert förmlich. Die Luft flirrt, die Vibes bringen den ganzen Raum zum schwingen. Ich weiß, meine Kategorien sind was für Grobmotoriker. Aber auch Grobmotoriker lieben Musik. Sie können sie nur schlecht beschreiben.

Deshalb können sie auch nicht sagen, warum genau das „Also sprach Zarathustra“ so toll nach Disco klingt. Und warum sie beim Russland-Medley förmlich dahinschmelzen. Es ist einfach so. Gott sei´s gepriesen. Auf dieser Platte ist sogar hörenswert, wenn das Orchester vorgestellt wird und jeder sein Solo spielen darf. In jedem Konzert eigentlich der Punkt tödlicher Langeweile. Hier die Minuten, wo die Musiker zeigen, wie Psychedelia klingen kann. Wie der ganze Rest: fantastisch!

June 18, 2004

Tanzparty mit James Last


Was ist das denn für ein Ausreißer? Keine Party, kein Dancing. Eine Tanzparty. Klingt, naja, hm, bestimmt verheißungsvoll. Vielleicht eher Tanz-Tee? Wer tanzt denn auf „Happy Luxemburg“. Die RTL-Hörer? Camillo Felgen? Der Mann im orangefarbenen Anzug mit der braunen Fliege auf dem Cover sieht auch eher nach einem gepflegten 5-Uhr-Walzer aus als nach heißem Abhotten.

Club-Edition steht oben in der Cover-Ecke. In welchem Club bin ich denn hier gelandet? In einem „Wenn mich jemand sucht – ich bin in meinem Club“-Club? In einem Club, in dem Menschen schemenhaft im Gegenlicht tanzen und ihre Haar hin und her schleudern? Ist der Mann auf dem Cover der Butler oder der Türsteher?

Ist jedenfalls ein beschwingter Mix, hier auf der Platte. Bisschen glatt vielleicht, die Take-Enden zum Teil zu stark geblendet – was ja dem Prinzip der Non Stop-Platten im Kern widerspricht. Aber das hier ist auch keine Non Stop-Platte. Oh, klasse: ich hör gerade die erste Fassung von „If you leave me now“, bei der mir nicht schlecht wird. Das ist doch mal ein Fortschritt. Der Trick scheint ganz einfach: man muss einfach Chicago weglassen!

Wow, die Musik der Starparade! Die ist toll. Die ist Party pur. Da liegt das ganze Genie von James Last drin. Denn: super Melodie, super pfiffig, super Musiker. Swingt wie der Teufel. Und hat auch wieder diesen tollen Ausklang, bevor der Schluss-Schlag kommt. Das alles könnte auch daran liegen, dass der komplette Take (mit „San Francisco“, „Silence is golden“ und „Ha! Ha! Said the Clown“) aus dem 69ern kommt.

Diese Platte ist nämlich auch wieder eine Compilation aus verschiedenen alten Aufnahmen zwischen 1967 und 1977. Muss funktionieren, weil James Last-Fans ja zwangsläufig Oldie-Fans sind. Wie ich bereits an anderer Stelle erläuterte, hinkten ja schon die Non Stop Party den Dingen um mindestens ein halbes Jahr hinterher, müssen also auch schon als Oldies durchgehen.

Aber hier sind neben den Sixties-Sachen auch schon veritable Disco-Stücke drauf. „More, more, more“ zum Beispiel. Und manchmal gehen die Takes auch ineinander über.

Und mein geliebtes „Schmidtchen Schleicher“ ist auch drauf. Was hab ich dieses Lied gemocht in den 70ern! Noch mehr als „Mein Gott, Walter“. Aber nicht so sehr wie „Paloma Blanca“.

„Silver Bird“ ist ein bisschen träge. So kommt der nie hoch. Ich hab mal im Radio gehört, wie dieses Lied direkt nach der Schweigeminute für die Opfer des 11. September lief. „Ich hab keinen Freund in New York City...“ Ich hab aber auch schon gehört, wie eine Sendung, in der der Tod von Jürgen Möllemann das Topthema war, mit „Das Leben is wia a Traum“ von der Spider Murphy Gang anfing. Um das Malheur abzufangen, wurde dann schnell noch ein Lied draufgespielt. Das war dann „You´re so vain“ von Carly Simon. Für Jürgen Möllemann auch wesentlich passender, finde ich. Und vielleicht hätte er ja auch früher gern zu dieser Platte getanzt. Der Club jedenfalls, dem sie gewidmet ist, wird sich bestimmt gefreut haben. Sonst wär das auch die letzte Club-Edition gewesen, schätz ich mal.

June 17, 2004

Ein festliches Konzert zur Weihnachtszeit


Das kommt auch immer gut: ein Doppel-LP-Cover mit nur einer LP. Nicht dass da eine fehlen würde. Es ist halt nur eine üppige Aufmachung.

Und dafür, dass hier viele Streicher drauf sind, auch eine schöne Platte. Eine sehr ernsthafte Weihnachtsplatte. Würdevoll. Kein Easy Listening. Aber leicht weichgespülte E-Musik. Getragen, gefühlvoll. Nicht die Weihnachtsmusik, die ich mir anhören würde. Aber wer an Weihnachten mal in sich gehen möchte – und das mit James Last tun möchten, für den ist das was. Ausgezeichnet mit dem deutschen Schallplattenpreis, Ende der 70er, Prädikat: „Empfehlenswerte Aufnahme“.

Wie gesagt, für mich ist es eher nichts. Getragen. Innig. Mit diversen Largo, Concerti, Adagio, Ave verum corpus, Der Winter und Uns ist ein Kindlein heut geborn... Leider sieht man auch das Orchester nicht auf dem Cover. Und erfährt nicht, wo diese schöne, golden geschmückte Kirche steht. Macht sich jedenfalls optisch auf jeden Fall unterm Weihnachtsbaum gut.

June 16, 2004

Schließ die Augen, laß Dich verwöhnen


Klassische Melodien voller Romantik.

Wieder so eine James Last goes Klassik-LP. Die verstecken sich ja hinter den vielfältigsten Namen. Classics, Classics up to date, In Concert, Die schönsten klassischen Melodien… Und jetzt eben ”Schließ die Augen“. Romanze, Adagio, Türkischer Marsch, Ave Maria...

Wer braucht denn sowas noch? Wer hat es noch nicht? Sind da immer neue James Last-Fan-Generationen herangewachsen, die die alten Platten nicht kannten, nicht hatten? Waren da wirklich immer neue Sachen drauf? Scheint mir nicht so. Schließlich erstrecken sich bei dieser Platte die Aufnahmejahre von 1973 bis 1980. Merken James Last-Fans nicht, wenn sie sich noch mal kaufen, was sie längst haben? Oder macht es die neue Zusammenstellung?

Ich weiß, ich muß ganz ruhig sein. Von wegen „Merken sich James Last-Fans nicht, was sie längst haben?“... Verdammt, das ist auch schwer, da den Überblick zu behalten. „War es nun die Non Stop Party 1971, die mir noch fehlt? Oder die Non Stop Party 1972/2?“ Dieser Zahlenfetischismus bei James Last... Und dann sind da auf den Coverrückseiten immer noch etliche andere Cover abgedruckt, dass man eh irgendwann nicht mehr weiß: hab ich die? Oder hab ich nur oft genug das Cover gesehen? Nach gewisser Zeit sind einem alle James Last-Cover alte Bekannte.

Hey, hier ist mit den „Zigeunerweisen“ von de Sarasate was richtig flottes drauf. Und dass es James Last ist, erkennt man höchstens an den exzessiv geschlagenen Tambourins. Und beim ganzen Rest die soften Unisono-Streicher. Herrjeh, jetzt, wo ich weiß, dass in Luxemburg unter anderem der Europäische Gerichtshof sitzt – und Luxemburg Stadt deshalb viel größer ist, als ich dachte, und man sich da durchaus mal eine ganze Stunde lang verfahren kann –, möchte ich das auch gern nutzen. Die Klage Preißner gegen Last lautet: Beeinträchtigung der Menschenwürde durch zu viele Klassik-Platten. Ich möchte gern über Herrn Last einen Swingzwang verhängen lassen. Er soll bis ins Grab nur noch tolle Swingplatten einspielen. Und den Herrschaften Mozart, Bach etc. darf er sich nur noch bis auf 200m nähern. Wäre das nicht toll?

Ich glaub, er hat eh schon längst mit den Klassik-Platten aufgehört. Bei mir landen in meiner James Last-Anhäufungswut nur die ganzen, die er in seinem Leben schon aufgenommen hat. Das konnte nicht gut gehen.

June 15, 2004

Erinnerungen


Erinnerungen an was? An große Hits? An alte James Last-Sachen? Ist das hier wieder Aufgewärmtes von vorgestern? Oder einfach Erinnerungen „an sich“?

Man weiß das nie so genau. Möglicherweise erinnern sich Menschen, dass sie seit 1983 noch eine James Last-Platte im Schrank haben, die da komischerweise fast unberührt vor sich hinschimmert.

Der „große Single Hit ´Erinnerung´“ mag einem bekannt vorkommen. An „großen Single Hits“ kommt man ja sowieso kaum vorbei. Er ist auch noch recht kurzweilig, dieser Hit. Mit viel Klavier. Ich tippe auf E-Piano. Nicht, dass man´s hört. Aber es würde passen. Klar, hier ist auch viel Synthesizer drauf. Bei allem Respekt, dass James Last sich nie vor Neuerungen (naja, der Synthesizer war da nicht wirklich neu, aber ich mein so was ähnliches) verschloss – aber es klingt doch nur wie ein billiger Streicherersatz.

Das ist also die klangliche Parallelwelt, in die sich Menschen damals flüchteten, die nicht gerade Schlager-NDW oder Supertramp und Police hörten. In warmen Braun- und Gelbtönen versucht das Cover dasselbe zu sagen wie die Musik: „Fürchtet Euch nicht.“ Ja, so lässt es sich überwintern. Das ist die kontemplative Ära des James Last. Keine flotten Potpourris, sondern seriöse Einzeltakes in epischer 4´30-Länge, die klingen, als seien sie irgendwo aus einem Drama mit Daryl Hannah oder Meryl Streep geklaut. Filme, für die´s keine Oscars gibt. Die auch nicht wirkliche Blockbuster sind. Sondern irgendwann auf Kabel 1 oder Super RTL laufen.

Zeitlupen-Orchester-Rock im anbrechenden Computerzeitalter. Dummer- äh, komischerweise ist das auch die Zeit, wo sich James Last traut, immer mehr eigene Kompositionen auf seine Platten draufzupacken. Und das sind, Verzeihung, Verzeihung, Verzeihung, keine großen Würfe. Meistens jedenfalls. Wir wissen alle, wie großartig „Games that lovers play“, „Der einsame Hirte“, „Morgens um sieben...“, „Happy Heart“ oder „Wenn sich das Mondlicht...“ (von Last?) sind. Auch die Last´sche Gebrauchsmusik – von den Fernsehmusiken (ZDF Hitparade, Starparade) über Radiomusiken und Schnellschüssen wie „Happy Luxemburg“ und „Happy Music“ – Zucker. Aber vieles, was sich auf Vinyl gepresst findet, sind unausgegorene Sachen, die leider in den Papierkorb statt ins Studio gehört hätten. Wie auch das meiste von Sohn Last.

Auf dieser Scheibe findet sich neben Elton Johns „Song for guy“ (und – bezeichnenderweise – einem „Sorry Elton“ von James Last) noch ein bisschen was von Vanghelis, Bach, Chopin, Paganini und Schubert. Okay, für sein wegweisendes Engagement, E- und U-Musik auf eine Platte zu bannen, gebührt James Last eine Medaille. Aber für diesen lahmen, runtergenudelten Möchtegern-Sound dieser Platte nicht.

June 14, 2004

Seduction


Seduction – das musste ich erstmal nachschlagen. Verführung. Von 1980. Das Cover sieht auf den ersten Blick schlimm aus, ist aber doch ganz okay. Schön puristisch. Fast poppig.

Aber die Musik. Hilfe! Geht gar nicht. So schwurbeliger Früh-Achtziger-Cool-Fusion-Pop. Überproduziert. Glatt. Ohne Atmosphäre. Ohne Hooks. Und das liegt – Verzeihung – daran, dass hier bis auf zwei Moroder-Takes nur Stücke aus der Last-Familie drauf sind. Von Vater und Sohn Last. Und dass aus diesen Stücken keine Evergreens wurden, hat seinen Grund.

Uninspiriertes Gedaddel, das... Und dass hier ausgerechnet Moroders „Night Drive“ aus „American Gigolo“ drauf ist, ist bezeichnend. Dieser Sound ist die Blaupause für vieles, was James Last Anfang der 80er gemacht hat. So ein früher Miami Vice-Klang. Mit Synthie, ja. Mit – wie man wohl dachte – betont funkigem Bass. Und – na? Ja, natürlich. Mit Saxophon! Aber was bei Moroder thrillt, weil er genügend Disco-Man ist und immer auch mit Hooks packen will, verläuft sich hier in die unendlichen Weiten des großen Nichts.

Das taugt höchstens noch zur Untermalung von Früh-Achtziger-Derrick-Folgen. Sogar Jan Hammer, der nicht mal auf Armeslänge an Moroder rankommt, hat mehr Spannung und zieht einen irgendwie durch seine Stücke, auch wenn man´s gar nicht will. Aber das hier klingt nach dem Gejamme einer soliden, aber zu Recht unbekannten Sessioncrew. Oder nach Filmmusik aus ganz schlimmen Achtziger-Filmen. Die größten Sünden von John Cusack. Möglichst noch mit Kristy McNichol. Oder Brooke Shields. So ein Machwerk wie “Endless love”. Ich möchte mal einen Schauspieler sehen, der sich für bestimmte Filme nicht wegen der Scheiß-Story und dem billigen Schmierenspiel schämt, sondern wegen der grauenvollen Musik, die sich durch den Film zieht. Diese Platte würde das schon möglich machen.

June 13, 2004

Die schönsten Melodien der Welt


Auch das eine Folge der Serie „The gentleman of music“ im Weichzeichner-Ich-hab-viele-Streicher-im-Orchester-Sound. Arg lahm, mit Glacéhandschuhen eingespielt. Und alles drauf, was halt zu den schönsten Melodien der Welt gehört: Schiwago-Melodie, Lili Marlen, Elisabeth Serenade, Song Sung Blue, Guantanamera...

Wahrscheinlich ist man hingegangen und wollte die gerade knospende Blüte der Traumschiff-Musik begleiten mit dem besten of Softie-Sound aus alten James Last-Platten.

Ist jedenfalls eine Compilation mit Sachen bis zurück in die 60er. Aber irgendwas müssen sie sich doch dabei gedacht haben, oder? Sie müssen. Irgendwas. Vielleicht hat man ein neues Publikum entdeckt. Die In-den-80ern-Altgebliebenen. Ergraute James Last-Fans, die die Non Stop Jahre auf wundersame Weise unbeschadet überstanden haben, aber jetzt mal eine Pause brauchten.

Oder gab´s in den 80ern keine Parties mehr? Hat sich die Aids-Problematik auch auf die Verkaufszahlen von James Last ausgewirkt? Wieso kam der jetzt auf einmal mit diesem Träum-was-Schönes-Duktus? Das kann doch kein Zufall sein. Den Schock der Moderne mildern?

Oh mein Gott, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mir dieses Zehenspitzen-Gedudel zu viel wird. Alte Menschen wollen auch rocken! Und ein bisschen steril wirkt es auch, diese Platte. Ist das die glatte Produktion? Ist das der gleichbleibend lebensunlustige Rhythmus? Das Schlafmützen-Tempo? Also, das ist keine Jukebox, wie ich sie brauche. Wirklich nicht.

Und dann noch diese Scheiß-Achtziger-Cover. Mit einem Gemischtwarenladen an Infos vornedrauf. Ein Sammelsurium an Was-darf´s-denn-sein? Mit Glamour statt Einfallsreichtum. Nö. Nix für mich. Auch wenn´s auf Seite zwei ein bisschen flotter wird. (Die James Last-Einspielung von „In the mood“ schätze ich hoch!)

Das ist zu spät, Freunde.

June 12, 2004

Ännchen von Tharau bittet zum Träumen


Das ist eine merkwürdige Kreuzung: Gutenachtvolkslieder. Irgendwie scheint James Last Anfang der 80er-Jahre auf dem Weichzeichnertrip gewesen zu sein. Alles gepufft, in Watte gehüllt, wie durch einen Schleier. Und natürlich in Slowmotion.

Die Vögel, die alle schon da sind, scheinen pastellfarbene Ballkleidchen zu tragen und wiegen sich sanft zu den – behutsam von einem leisen Drummer untermalten – Streicherklängen. Und ein paar Flöten dürfen auch nicht fehlen.

Dieser Sound ist superdekadent, wenn man bedenkt, dass hier richtige, kernige Volkslieder zugrunde liegen. Aber es hat was! So´n bisschen Disco in „Abend wird es wieder“ – aber nur ganz zart. Und wie sich alles auflöst und sich verflüchtigen will in Streicherar-Arabesken, bevor´s doch ein bisschen anfängt zu swingen. Wow.

Ich bin insbesondere Fan der ersten Seite. Die plätschert unwiderstehlich vor sich hin. Ist aber auch sehr abwechslungsreich! Mittendrin in „Abend wird es wieder“: eine freistehende Basslinie! Darunter zwar kühle Synthies, so wie in diesen Achtziger-Designer-Filmen. „American Gigolo“ und so. Was ja auch nur steht für: Yuppies, Dekadenz, Werteverfall, kaltes Chrom. Aber Mann, das ist mehr als Eighties. Und zwar in einem sehr coolen, prophetischen Sinn. Dekonstruktivismus bei James Last!

Es ist schon schräg, was Ännchen von Tharau im Laufe der Jahre so mitmachen musste. Sie ist ja so´n bisschen das Fundament, der Grundstein der Karriere von James Last. Jaja, ich weiß: Non Stop Dancing, Non Stop Party... Aber trotzdem. Die ersten beiden Ännchen-Platten stehen wie ein Fels in der James Last-Brandung. Sie sind meinetwegen die Propheten, die Weisen aus dem Morgenland, die Autobahnschilder auf dem Weg zum Erfolg. Sie bündeln alles, was James Last reich und berühmt machen sollte: aus Bekanntem mit seinem Happy Sound den Nerv des Volks zu treffen. Aber man hört ihnen noch den Wagemut an. Auch wenn sie ein glatter, revolutionärer, kühner Durchmarsch sind.

Und jetzt, 1981, muss sich die Recycling-Figur Ännchen noch mal recyceln lassen. Nicht zum ersten Mal, klar. Es gab ja auch schon „Swinging Ännchen von Tharau“. Und nun also „Ännchen von Tharau bittet zum Träumen“. Musikalisches Softeis. Die zweite Seite ist eher langweilig und eintönig, auch ein bisschen düster. Aber die erste Seite ist schon ein Fest, wenn man sich mal drauf eingelassen hat. Auch wenn die Instrumentierung ähnlich scheint: aber im Gegensatz zu den „Classics up to date“ geht hier die Rechnung auf. Möglicherweise durch die kleinteiligeren Formen. Hier funktioniert die Abwechslung, hier darf sich James Last alle zwei Minuten an einer neuen Überleitung austoben und nach Herzenslust Solo-Ausflüge und Arabesken einfügen.

Wobei hier keine Potpourris im gewohnten Sinne drauf sind, sondern exotisch ausgeschmückte ganze Lieder in einzelnen Takes: Ännchen von Tharau, Der Mond ist aufgegangen, Alle Vögel sind schon da, Es waren zwei Königskinder... Schwelgen und genießen.

June 11, 2004

The Best of James Last Non Stop Dancing 1965-1970


Schön, dass es idiotensicher auf dem Cover steht, was das hier ist: 2 LP – Doppelalbum. Sehr gut. Dann ist man nicht so überrascht, wenn man das Cover aufklappen kann.

Geht jedenfalls musikalisch voll ab. Von den Monkees über die Beach Boys, Beatles, Simon&Garfunkel , Tom Jones, Elvis, Hair, Hollies etc. bis zur Flower Power-Zeit und den Bee Gees. Auch die Starparadenmusik ist drauf. Und Iron Butterfly: „In a gadda da vida”. Super.

Diese Platte ist ein Ohrenschmaus für Musikfans. Also – nicht falsch verstehen, die „Musikfans“. Ich mein Leute, die nicht tanzen wollen, sondern einfach nur hören. Üppiger Sound: warm, bunt, satt. Das swingt definitiv! Einfallsreich, mit der Hand des besessenen Profis arrangiert. Es lodert, strahlt, glüht vor Spielfreude und Hingabe. Ja, das ist das James Last Orchester at ist best. Mitreißend, mit unwiderstehlichem Sound und euphorisch von hier bis nach Babylon. Das leise „In the Ghetto“ – fantastisch! Die weiche Gitarre, die dunklen Bläser... Hier stimmt die Atmosphäre, hier stimmt der Hall, hier stimmt der Kick. Und überhaupt diese Surf-Gitarren und das Tier an den Drums. Diese Platte ist göttlich. Ein Trip. Ein Feuerwerk an Spitzenarrangements. Auch wenn James Last ein bisschen skeptisch vom Cover blickt – wie viele dieser Lederjacken und Blümchenhemden hat der eigentlich? – diese Platte sollte dabei sein, wenn je die zehn besten Jazzplatten, ach was, Platten überhaupt zum Mond raufgeschossen werden. Oder zum Mars.

Es ist jedenfalls noch eine Platte aus der Zeit, als Last feurigen Jazz gemacht hat. Und die Leute definitiv von den Sitzen reißen wollte. Dürfte mehr als gelungen sein.

June 10, 2004

Non Stop Dancing ´85


James Last ist ein Beamter. Er macht einfach Jahrzehnte das, was er gelernt hat, oder? Aktuelle Hits zu verswingten Potpourris zusammenzupacken. Egal, was. Egal, wie. Inzwischen haben auch Synthesizer und rockige Gitarren bei ihm Einzug gehalten – also, als zum Fundament gehörend.

Nur – wurden in den 80ern noch Parties gefeiert, wo solche Musik lief? In den 70ern kann ich mir das ja gut vorstellen. Aber ´85? Hier sind zum Beispiel Giorgio Moroders „Reach out“ oder „Jump (for my love“ und „Dancing with tears in my eyes” drauf. Bei den ersten beiden schlägt er sich gut. Aber das Ultravox-Lied klingt irgendwie runtergespielt.

Nein, eigentlich klingt das alles runtergespielt. Wo ist das lodernde Feuer der 70er? Wo die grellen Farben, das Tanzfieber? Das hier ist für Leute, die zu den – auch nicht viel peppigeren – Originalen schon Sicherheitsabstand halten.

„Such a shame“. Wer das Original als harmlosen Pop abtut, soll sich mal anhören, was James Last draus macht. Ein müdes Zweiviertel-Stück ohne einen Funken Swing. Ich hab mir ja mal das Hirn zermartert, wie sehr sich James Last bearbeitend an den Stücken vergreifen darf. Ich kam zu dem Schluss, er darf eigentlich alles machen. Aber hat er nicht die verdammte Pflicht, sie wenigstens swingen zu lassen? Ja, ich glaube schon.

Gut, „I won´t let the sun go down“ funkt ganz schön. Das lustige an den Non Stop-Platten ist ja auch, dass sie ihrer Zeit immer hinterherhinken. Das ist die Tragik von James Last: andere machen frische Musik. Überraschen und verzücken die Welt mit neuen Ideen. Und dann kommt er hinterhergehumpelt, sammelt das ganze Zeug ein und dreht es durch den Happy Sound-Wolf. Wer wissen will, was 1985 in den Charts war, der braucht natürlich Non Stop Dancing 1986!

„Reach out“, „Dancing with tears in my eyes“, „She bop“, „I just called to say I love you“ – alles Musik von 1984!

Und warum, um herrgottswillen, ist vom wunderbaren „She bop“ nur ein Potpourri drauf, aber „I just called to say I love you“ in voller, peinigender Länge? Und warum rockt Geier Sturzflugs „Einsamkeit“ nichtmal ein kleines bisschen? Ich bin ja wirklich James Last-Fan. Aber das hier tut weh. Das ist wirklich die Geburtsstunde der Hermes House Band. Weniger feinfühlend und swingresistent kann die auch nicht an Songs rangehen. Ja, „lass mich doch endlich mal allein.“ Auf die von Last mitkomponierte Gag-Nummer „Uauauaua“ will ich aus pietätsgründen gar nicht erst eingehen.

„Wake me up before you gogo“ geht. Queens “It´s a hard live” (hard live?? Steht hier so.) hat die Welt schon im Original nicht gebraucht. Und hier ist es in über vier Minuten drauf. An Bronski Beats „Smalltown boy“ kamen sie aber nicht vorbei, und es ist auch gar nicht so schlecht geraten. Noch ein bisschen Klaus Lage, Prince, Lionel Richards, Frankie goes to Hollywood – und Bob Marley. Kann sich jemand erinnern, dass Bob Marleys „Exodus“ 1984 nochmal ein Hit war? Ach, irgendwo auf der Welt bestimmt. Na dann. Happy partying.

June 09, 2004

Beachparty 3


Ist das erlaubt, nicht richtig die Songabfolge auf der Platte zu notieren? Ich sehe hier zwei Klumpen an Liedern, vorne und hinten, weiß aber nicht, ob das auch die Tracklist ist.

Na gut. Hier kommt direkt wieder Lagerfeuer-Atmosphäre auf. Beachparty – das ist bei James Last nix Dekadentes, für Besserverdienende, die in Florida leben und Golf spielen. Nein, das ist gemütliche Abendausklangsmusik. Gemeinschaftsmusik. Gemütlich, mit Chor und sanfter Instrumentiertung. Es ist vermutlich das, was sich James Last unter Flower Power vorstellt. Swing low, sweet chariot, Song sung blue, Jesus Christ, Wimoweh, Banks the of Ohio…

Leicht angegospelt, zum Mitklatschen, und irgendwo schlägt noch jemand die Bongos. Wie das ja auch leider so ist, wenn man sommerabends an städtischen Ersatzstränden entlangschlendert.

Was allerdings sehr schön ist: die Platte ist bemerkswerts produziert, der Sound. Das ist nicht glatt, das klingt nicht nach Studio – das ist leicht breiig und so, als wäre es tatsächlich irgendwo am Ufer aufgenommen. Bisschen verwaschen, bisschen verschleiert. Unaufdringlich, warm und freundlich. Und da heult doch tatsächlich ein bisschen E-Gitarre auf, und ein paar Fusion-Flöten. Aber nur ein bisschen.

Und diese Beach Parties haben tatsächlich auch sehr schöne Covers. Nicht nur, dass ich diese bunten Streifen unter dem Schriftzug liebe, die auf jeder Folge andere Farben haben. Ich mag auch diese Breitband-Schnappschüsse von einer – vermutlich wirklichen – Party. Wahrscheinlich ein Familienausflug der James Last Band. Möchte man glauben. Ich glaub allerdings, dem Mädchen, das bei James Last sitzt, sind heute noch die Schuhe peinlich, die es auf dem Cover trägt. Weiße Lack-Sandalen, die gleichzeitig Schnallen und Schürsenkel haben. War damals vermutlich schick. So wie die gestreifte Schlaghose, die James Last trägt.

Und der Fotograph, der schon so viele legendäre James Last-Platten mit Cover versehen hat, ist tatsächlich auch noch bei der Party aufgetaucht. Woran man das sieht? An der Coverrückseite. Er konnte es nicht lassen, James Last doch noch separat auf dem Bug eines Plastikboots zu drapieren. Wo er mit gewohnter Leichenbittermiene sitzt. Wie auf den vielen anderen James Last-Covern. Sieht ein bisschen aus wie Nietzsche auf dem Felsen der ewigen Wiederkehr. Schade, dass sich die beiden nie getroffen haben. Nietzsche und James Last.

June 08, 2004

In der St. Patricks Cathedral

James Last in Sublin. Wir sind schon mitten in den Achtzigern: 1984. James Last fängt an, gut auszusehen. Sie wissen schon: diese Männer, die bis 40 ein bisschen albern, zumindest aber nicht gut aussehen. Und danach anfangen, aufzuholen.

Schick sieht er aus, im schwarzen Anzug. Mit so ner rund ausgeschnittenen Weste, weißem Hemd und Fliege. Ist ja auch ein ganz ernsthafter Auftritt. In einer Kathedrale, uijuijui. Und das Orchester ganz in leuchtendblauen Hemden und dunkel Jacketts. Muss auch ganz schön was gekostet haben. Wo sitzt eigentlich der Pianist? Ich kann ihn nicht erkennen, hör ihn aber. James Last tritt gleich, wenn er sich umdreht, auf seine Notenblätter. Ein paar hat er nämlich schon auf den Fußboden gelegt. Wahrscheinlich sind sie damit durch.

Sitzt der Pianist am Ende an der Orgel? Also irgendwo oben, wo hlt die Orgel steht? Nee, ich hör hier auch richtiges Keyboard. Hm. Und hinten in der Kirche stehen zwei toll geschmückte Weihnachtsbäume. Mit roten, blauen und goldenen Kugeln. Hätte man die nicht ein bisschen vorholen und zentraler platzieren können?

Ja, die Kirche sieht schon imposant aus. Und das James Last Orchester macht sich hier auch optisch gut. Die Musik ist halt leider recht ernst. Deshalb ist die Coverrückseite vermutlich auch vorwiegend schwarz. Viel E-Musik: Bach, Haydn, Schuman... Aber auch Traditionals und ein bisschen was Eigenes von James Last. ...der ja auch wieder arrangiert und verlegt hat wie der Teufel. Weshalb auf der Platte so lustige Angaben stehen wie „Ave Maria (K: Bach ...) Happy Music“. Mir gefällt das.

Der Rest ist nicht so meine Sache. So getragen. So düster. Auch wenn’s sicher einwandfrei gespielt ist. Und dann noch Kirchenchor und eine irische Solistin – nee, nee, nee.

Ist zum Teil auch ne prima Weihnachtsplatte. Allerdings schon eher das, was meine Mutter gern hören würde. Kein Christmas Dancing. Das sollte man wissen, wenn man sich diese Platte zulegt.

June 07, 2004

Paradiesvogel

paradiesvogel.jpg

Dieses Cover ist der Sündenfall in der Layout-Geschichte von James Last. Vorausgesetzt, es ist das erste dieser Art. Egal. Es ist das erste dieser Art, das mir unterkommt.

Zunächst: wo ist James Last??? Es muss ein Schock für alle Fans gewesen sein: ein James Last-Cover ohne James Last. Und dann diese grauenvolle Airbrushtechnik. Das ist doch was für Geschmacksarme, also bitte. Außerdem ist das eine zweidimensionale Flöte, die der halbwegs dreidimensionale Vogel hier im Maul hält. Was muss das für ein Rieseneumel sein, wenn die Flöte so winzig wirkt? Und wo hat er die geklaut? Bei Gheorghe Zamfir? Oder ist dieser Vogel am Ende Horea Crishan, der – wie auf der Coverrückseite erwähnt – ansonsten im NDR-Sinfonieorchester Violine spielt, aber hier eben mal die Panflöte?

Wenn ich ehrlich bin, glaub ich ja auch nicht, dass das tatsächlich James Last ist, der diese Platte gemacht hat. Das ist Andreas Vollenweider. Oder dieser Schwurbel von Tangerine Dream. Vielleicht auch Jean Michel Jarre. Ja, vielleicht ist es James Last, der zuviel Jean Michel Jarre gehört hat.

Und wo um Himmels willen ist sein Orchester hin? Vermutlich alle im eigenen Fitnesscenter statt den Meister zur Raison zu bringen. Diese Platte ist ein Esoterik-Machwerk. Sphärenklänge, Andante-Streicher und halt lauter so fließende Melodien. Die Panflöte ist natürlich ganz hervorragend, um solche Platten anzudicken. Ich vermute, die Percussionisten sind in der Zeit mal ein Bier trinken gegangen. Obwohl ich hier tatsächlich ein leises Hi-Hat höre...

Ist es schlimm, dass ich das nicht lange aushalt? Naja, der Titelsong geht. Der hat wenigstens eine erkennbare Melodie. Und war auch als Single ausgekoppelt. Ja, der rockt vergleichsweise. Verglichen mit dem anderen Brei auf dieser Platte.

Und da ist ja auch die Komposition eines jungen Mannes, der später lieber Comedy machte und Lieder wie „Mief“ sang. Oder, wie der Promo-Waschzettel sagt: „Mit Oliver Dittrich und Thomas Eggert tauchen zwei neue Namen unter den Autoren auf, deren Titel James Last in seinen mustergültigen Arrangements zu Erfolg verhilft.“ Wie nett. „Alassio“ heisst das Stück. Will der Waschzettel sagen, dass die Melodie eigentlich ziemlich dürftig ist, aber naja, James Last durch seine große Güte was draus gemacht hat? Hm. Klingt tatsächlich nicht schlecht. Und ich schätze, dass James Last einfach den richtigen Riecher für die nötige Dramatik hat. Dafür, wie man aus einem Liedchen großes Kino macht. Ist jedenfalls mit ein bisschen gezupfter Gitarre und damit schon wesentlich abwechslungsreicher als die restlichen Stücke. Und es lässt sich gut mitsummen, ist aber auch so ein sanfter Es-ist-früh-am-Morgen-die-Erde-erwacht-Song.

Oh, ein bisschen Fusionjazz ist auch noch auf der Platte drauf. Deren Stücke alle so alberne Namen tragen wie Roter Milan, Love Bird, Nightowl, Eisvogel, Paradiesvogel, The Sandpiper... Ist das schon ein Konzeptalbum? Vielleicht. Aber kein gutes.

June 06, 2004

Non Stop Dancing 1973 2


Als Opener: Also sprach Zarathustra. Mit leicht schrillem Chor drüber. Huha. Wann soll das denn 1973 ein Hit gewesen sein? Durch 2001 Odyssee im Weltraum?

Aber hier ist wenigstens der Boogie los. „Rock me baby“ klingt definitiv nicht nach Rock – was ja auch nicht die Aufgabe diese Platte ist. Aber immerhin nach Boogie.

Oh, und neue Karten für mein James Last Quartett. Unten auf dem Rückcover... Ob das vielleicht wirklich inspiriert war durch Quartett-Spiele? In den 70ern hat man ja viel Quartett gespielt. Ich hatte eines mit Peter und der Wolf-Karten. Und später, dass muss dann schon Anfang der 80er gewesen sein: mit Monchichi. Das waren ziemlich kleine Karten mit viel Rosa. Auf einer saß ein Monchichi in einem Rennauto. Leider hab ich mich verlesen, deshalb dachte ich jahrelang, diese Rennwagenliga heisst „Fromel 1“. Klingt doch auch gut, oder? Fromel 1. Wenn Herr Ecclestone mal nicht mehr will, mach ich weiter. Als Fromel 1.

Oha, diese Version von „Immer wieder sonntags“ ist aber viel zu entspannt. So hätte das geklungen, wenn Johnny Mathis das gesungen hätte. Oder Julio Iglesias. Aber Cindy und Bert hatten doch immer so was von frisch aufgezogenen Duracell-Hasen. Feeling war das nicht. Timing auch nicht. Aber Hektik, Atemlosigkeit. Penetranz.

Dafür rockt Mama Loo genauso wie das Original bei den Les Humphries. Das ist nicht wirklich ein Kompliment, auch wenn das hier nicht schlecht klingt. Aber die Les Humphries sind für mich ja das zweite Paradebeispiel von Anti-Soul. Nach Cindy und Bert. Die noch ein paar andere Anti-Sachen sind, obwohl sie eigentlich gern hör. Die Les Humphries hör ich auch gern, aber bitte, dass swingt doch nicht. Das ist der Versuch, durch „viel“ und „schnell“ nach Ekstase zu klingen. Wenn Les Humphries so auch im Bett war, dann gute Nacht. Ich müsste noch eine Einladung zu seiner Hochzeit haben. Ich such sie grad mal raus...

„You´re like a yellow boomerang“. Mein Gott, die 70er waren aber wirklich albern. War das nun ein Kompliment, mit dem Bumerang? Oder doch eher ein „Du bist schlecht angezogen und hast eine komische Form“?

Ich grübel auch immer noch, ob James Last-Stücke klingen müssen wie das Original. Gibt es da eine Kopisten-Verpflichtung? Nein, würde ich sagen. Aber er appelliert doch in höchstem Maße an den Wiedererkennungseffekt. Und die Leute sollen den Potpourris auch nicht lauschen, sondern dazu tanzen. Gebrauchsmusik.

Nein, ich glaub trotzdem, er darf mit den Liedern machen, was er will. Letztlich sollen sich seine Platten ja auch nur verkaufen, oder? Und seinen Ruhm vermehren. Und, na, ein bisschen glaub ich schon, dass er die Leute auch zum Tanzen bringen wollte. Oder zumindest nicht davon abhalten. Also: was darf James Last? Alles.

Bis auf, naja, „Classics up to date“ rausbringen. Aber da ist ein anderes Kapitel… Wo zieht man eigentlich jemanden ab, um die Sirene am Anfang von “Block Buster” zu spielen? Bei der Rhythmsection? Oder ist das eher die Melodie-Fraktion? Oh, und dann das furchtbare „Get down“. Was mussten die Menschen in den 70ern doch leiden. Die Ölkrise, Mogadischu und Gilbert O´Sullivan. Mein Beileid.

Ich glaube auch, dass Deep Purple weinen würden, wenn sie ihr „Woman from Tokyo“ hören würden. Mit diesem Chor. Aber haben sie es besser verdient? Haben sie die Welt nicht mit „Smoke on the water“ verseucht? Ja, haben sie. Deshalb haben sie es auch verdient, in direkter Nachbarschaft eines Liedes namens „Hi, hi, hi“ eingespielt zu werden. Das ist von einem McCartney, ich vermute, aus der Post-Beatles-Zeit, sonst würde ich es ja kennen. Und nach den Beatles kam bei allen bis auf einen Beatles nix Gutes mehr bei rum. Und der eine war George Harrison. Na, vielleicht ein bisschen noch Ringo Starr.Ich mag „Photograph“. Aber ich mag ja auch „Octopus's garden“.

Oh, und da säuselt gerade das wunderbare Me and Mrs. Jones“ vorbei. Mein Gott, was ist denn heute mit mir los? Gefällt mir den gar nichts? Oder kann ich einfach nicht verzeihen? Von wegen, „Wer meine Lieblingslieder einspielt...“. Aber es kommt halt ans Original nicht ran. Und so´n bisschen verzückt würde ich von Coverversionen schon auch gern. Sonst macht´s ja keinen Spaß. Das „Me and Mrs. Jones” muss so träge und lastiv vor sich hinlabern. Und ich glaub, dann kann man nur noch obszöne Schieber tanzen. Und das will James Last wohl nicht.

Dafür klingt „Proud Mary“ gut. CCR scheinen eine sichere Bank zu sein. Da kann James Last wohl nichts falsch machen. Was sagt uns das jetzt über CCR? Ich weiß nicht.

June 05, 2004

Non Stop Dancing 1974 2


Das ist, glaub ich, bisheriger Rekord: 13 James Laste auf einem Cover! Und diese Kombination aus Lederjacke, blauem Blümchenhemd und brauner Blümchenfliege – unschlagbar! Die Koteletten wuchern auch, als hätte er nach den Aufnahmen noch einen Termin in der ZDF-Hitparade.

Mein Gott, die haben auf der Rückseite vier andere Cover von James Last abgedruckt, als Werbung. Die sind aber so designed, dass ich sie vermutlich gleich ausschneide und damit Quartett spiele. Das James Last-Quartett. Oder Sextett. Oder 20-tett. Um realistischerweise auch die Non Stop Parties integrieren zu können.

Jesses, die „Seasons in the sun“ sind aber skurril geraten. Nicht nur, dass man fröhlich auf das Lied eines Selbstmörders tanzen soll – das hier ist nicht fröhlich! Das ist eine schnarchige Version, die noch dazu das schönste an dem Lied – nämlich die hallende Gitarrenkadenz vom Anfang gegen die Wand fährt.

Nee, das ist hier keine früh-psychedelische, sexy Party. Das ist solide Tanzmucke. Mit ein paar bekannten Melodien. Mit einem bunten Strauß sozusagen. Shady Lady – das klingt tatsächlich gut; Du kannst nicht immer 17 sein; Spaniens Gitarren, The Locomotion.

Bin sehr gespannt, was James Last aus TSOP macht – oder wie es auf der Hülle fälschlicherweise geschrieben wird: Tsop. Als wär das ein normales Wort. Ist es aber nicht, ist ne Abkürzung für irgendwas. Aber für was nur? Ich weiß noch, wofür die Originalinterpretenabkürzung steht: MFSB. Mother Father Brother Sister. Das Spitzenorchester aus Philadelphia. Fundament des Philly Sounds. Eigentlich sowas ähnliches wie das James Last Orchester: ein Haufen Studiomusiker, die zum Mythos wurden. Nur dass dieses Philly-Orchester nicht auf Tour gegangen ist (oder? Immerhin haben MFSB mindestens zwei superspitze Alben rausgebracht) und nicht jedes Jahr zwei Non Stop Dancing rausgebracht hat.

Und jetzt fällt mir auch wieder ein, was TSOP heisst. Erst dachte ich, ich muss den Begriff Theme from Soul Train irgendwie vergewaltigen, dass er da reinpasst. Denn TSOP war das Titelthema der Sendung. Aber nein, viel einfacher: The Sound of Philadelphia. Yeah.

Aber das ist hier schon ein bisschen bitter. TSOP gerät zu einem Säuselliedchen, auch wenn viel Funk drin ist. Aber das geht doch vom Rhythmus her so ab, dass man es an den Seiten beschweren muss, damit es nicht aus der Kurve fliegt. Hier schlingert es schon ziemlich. Und natürlich ist es mit so ´ner Minute 43 auch nicht getan. Das ist ein Höllentrip, ein fucking ride, Leute! Kein Auflug an die nächste Ecke. Das Stück muss kommen wie eine große Tasse starken schwarzen Kaffees. Ha! Da mach ich ein neues Lied draus: Starker schwarzer Kaffee. Auf die Melodie von Klares kaltes Wasser.

Nee, da haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert, die James Last-Crew. Aber das ist auch die ultimative Messlatte, oder? TSOP. Du meine Güte, dass ist wie beim Limbo, wenn die Stange ganz unten ist, und der Schlangenmensch kommt nicht durch. Nee, schiefer Vergleich. Weil: da hätten sie echt die Finger von lassen sollen. Als James Last Orchester die MFSB nachspielen – das musste schief gehen. Konnte nur.

Egal. Für den Seniorentanztee reicht´s. Für die Tanzstunde 60 plus. Ich hab James Last schon mal mehr rocken hören. Auch wenn´s gegen Ende wieder anzieht. Aber das ist nur hochgetunter Zweiviertelbeat. Und, mein Gott, hier ist noch eine Eigenkomposition von Last drauf: Jesus loves you. Das will ich auch schwer hoffen!

June 04, 2004

Herzlichst Ihr James Last

Ah, die neuen Boxen sind da. Und das erste, was ich über sie höre, ist der „Einsame Hirte“. Denn der ist das erste Stück auf „Herzlichst Ihr James Last“. Welch Offenbarung. Und mit den Ohren gehen mir offenbar auch die Augen auf. Das Stück ist ja von James Last geschrieben! Wow. Fehlt nur noch, dass er auch „Biscaya“ geschrieben hätte, aber das wird nicht passieren.

Also, diese Platte ist optimal, um sie mit neuen Boxen zu hören. Die anderen sicher auch, aber diese ganz besonders. Da nähert sich schon „Wenn sanft das Mondlicht auf den Hügeln schläft“. Im Wettbewerb Wer-hat-den-längsten-Titel liegt James Last damit ganz weit vorn. Das Stück ist nämlich auch von ihm. Eigentlich könnte ich mit diesen Boxen zum ersten Mal seit Jahren auch was leise hören. Ohne dass mir ein Wackelkontakt alles wegbricht. Aber so medium ist doch schöner. Ach, was für schwelgerische Geiger. Und diese zart durchkomponierte Klangkulisse! James Last ist bestimmt der einzige, der süßes Mondlicht, Hügel und einen Marschrhythmus in einem einzigen Lied unterbringt.

Klar, dass das hier mal wieder neu Best of ist. Die schöne, entrückte Kosaken-Patrouille. Und das swingende „House of the rising sun“, in dem es trotz der Streicherkaskaden ganz schön rumort. Mit Wah-Wah-Gitarren und Jazz-Piano. Und auch dieser Take wird noch ganz schön entrückt. Sind das nur meine neuen Boxen? Oder sind hier vor allem Midtempo-Stücke mit weich-gemischtem Chor drauf?

Na sicher. Herzlichst Ihr... da kann er weder mit Party-Gejamme noch mit fröhlichen Mitgröl-Liedern kommen. Das muss schon so´n schleimiges Rumgesäusel sein. Schließlich will er mit dieser Platte nicht nur in den Partykeller der Käufer kommen, sondern ins Wohnzimmer, in Schlafzimmer gar. Ein romantisches Tete à tete zur Musik von James Last? Halt. An dieser Stelle keinen Schritt weiterdenken. Ich glaub, wer James Last im Schlafzimmer hört, der ist da für sich allein. Auch hier bitte keinen Schritt weiterdenken.

Oh je, was hat er nur mit dem tranigen „Hey Jude“ gemacht? Das gehört ja bei den Beatles schon nicht zu den Glanzleistungen. Und hier kommen noch Buttercreme rein und eine Tonne Zuckerguss drauf... Allerdings: bei der „Love Story“ passt´s. Die hat´s nicht anders verdient. Klingt aber auch gut damit.

Hui, die zweite Seite beginnt mit „Happy music“. Das kennen jüngere Leute als fröhliche Unterlegmusik von TV Total-Filmchen. Ist typisch James Last. Ein Lied, fast nur aus einer Fanfare bestehend. Er könnte noch ein bisschen mehr Gas geben. Das Ding schreit doch nach ´ner durchgeknallten Thrash-Einspielung. Aber bitte. Schade, dass „Happy music“ nie eine Fernsehmusik war. Es hätte so schön gepasst. Für eine erste, lustige deutsche Daily-Soap. Mit Hildegard Krekel, der junge Jutta Speidel und – Wolfgang Kieling. Ja, Wolfgang Kieling. Ich finde, Wolfgang Kieling hat in seinem kurzen Leben zuwenig Daily-Soaps gedreht.

Ein paar spanische Sachen sind auch noch drauf, auf der Platte. Die könnten auch noch mehr fetzen, wenn´s nach mir ginge. Kann sich das gesamte James Last-Orchester bitte noch mal im Studio einfinden? Nein, „Granada“ ist genau richtig geworden, so zart treibend. Und „Guantanamera“ – einfach super. Üppig instrumentiert und unter der ruhigen Oberfläche ziemlich quirlig. Die „Ballade pour Adeline“ verträgt auch 20-tausend Streicher. Und die „Schiwago-Melodie“ ebenfalls. Was will man mehr?

June 03, 2004

Und jetzt alle


Das ist ein super Titel für James Last. Der Titel ist Programm. Sie hätte auch „Sing mit 7“ heißen können. Oder „Non Stop Schlagerparty“. Sie heisst aber „Und jetzt alle“. Obwohl es inhaltlich nichts anderes ist.

Was war geschehen? Warum nicht die beliebte „Sing mit“-Reihe fortsetzen? Der Abwechslung wegen! Ah ja. Und das von jemandem, der „Non Stop Party“ Folge 1 bis 35... rausgebracht hat.

Hat jedenfalls ein schönes Cover. Drei Stockwerke James Last and friends. Bei welcher Agentur kriegt man eigentlich solche Models? Sogar eine Oma und ein Opa sind mit drauf. Nur keine Kinder. Sind James Last-Platten nicht jugendfrei? Oder die Parties, bei denen sie abgespielt werden?

Die Lieder scheinen es aber. Lustige Mischung aus alten Schlagern, aktuellen Schlagern, Volksliedern und Volksmusik. Und Hits wie: Die Legende von Babylon, Brown Girl in the ring, Kreuzberger Nächte. Und „Lass mein Knie, Joe“ als deutsche Version von „It´s a heartache“. Ich selbst hab ja an Kinderfasching am liebsten auf Rucki Zucki getanzt. Ist hier auch drauf. Wie schön.

Wäre ich etwas versierter, könnte ich genau analysieren, wieso mir diese Platte etwas glatt produziert vorkommt. Vielleicht ist der Chor zu slick und zu sehr in den Vordergrund gemischt. Die Band ist eigentlich super drauf. Und die gelegentlichen Synthieschwaden stören eigentlich auch nicht. Aber irgendwie ist das zum strahlenden Brei geraten. Es liegt so´n Schleier drauf, der alle Ecken abfedert und leider auch alle Löcher zuschaufelt, die ein bisschen Transparenz gelassen hätten. Phil Spector hätte wahrscheinlich gesagt „Back to mono“ oder so was. Es ist jedenfalls definitiv was an der Abnahme, am Klangbild, an der Mischung. Der Rest ist gut wie immer. Flott, Stimmung, Trullala.

June 02, 2004

Sing mit 5


„Hier ist was los“ – Intro, Eigenkomposition und Programm von James Last. Oder? Ja klar. Die Party steigt am 11. Dezember 1976. Damit sie rechtzeitig zu Fasching in den Läden steht. Hui, und da sind noch jede Menge Last-Kompositionen drauf: Guck, da tapst der Hans verstohlen. Obwohl das doch eindeutig die Melodie von „Fuchs du hast die Gans gestohlen ist! Auch „Ein Männlein liegt im Walde“ kommt einem bekannt vor. Nur „Die Party war schön“ – das kennt heute kein Mensch mehr, gell?

Aber der Knaller ist natürlich ein Lied namens „Ein Korn im Feldbett“! Sowas hatte ja Tradition in den 70ern. Der Junge mit dem Hund von Monika... Beim „Korn im Feldbett“ singt übrigens der Schauspieler Heinz Reincke mit. Unverkennbar. Der durfte ja später auch noch im Landarzt mitspielen, wo James Last auch die Musik für geschrieben hat. Hat er auch in zwei Münchner in Hamburg mitgespielt? Ich würde meinen rechten Arm drauf verwetten. Hamburg-Serien ohne Heinz Reincke. Gibt´s ja gar nicht.

Ansonsten ist das eine halb-volksliedhafte, halb-schlagermäßige Sammlung. Wohin muss man ausgehen, um all solche Lieder zu kennen? Ich vermute, man muss kräftig Fasching feiern. Aber als Bandleader steht man da doch selbst auf der Bühne. Allein auf dem Saarbrücker Premabüba haben zu solchen Zeiten drei Top-Orchester in der Congresshalle gespielt. Woher also das Wissen? Gibt´s da extra Scouts? Hatte die Polydor eigene A&R-Leute, nur auf der Suche nach Songs für James Last? Ja, so wird´s wohl gewesen sein.

Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, wann James Last Lieder kennengelernt haben soll. Der war doch ständig am Arrangieren – wenn er nicht im Studio war. Wahrscheinlich hatte sein Arbeitszimmer so ´ne Klappe, durch die man ihm einfach neue Lieder reingereicht hat: auf Tonband, auf Kassette, als hingekritzelte Akkorde. Die sogenannte James Last-Klappe. Nicht zu verwechseln mit einer Katzenklappe. Obwohl sie verdammt ähnlich aussehen. Durch diese Klappe hat ihm seine Familie übrigens auch das Essen reingereicht. Und an Weihnachten die Geschenke.

Nun, „Sing mit 5“ ist ein lockerer Mix geworden. Sehr laid back, smooth und flott. Ich wär zu gern mal bei einer Party dabeigewesen, wo diese Platte gelaufen ist. Oder auch jede andere „Sing mit“. Ob da wirklich jemand mitgesungen hat? Für die echten James Last-Fans muss das ja erstmal ein Schock gewesen sein. Der Star von Platten wie „Instrumentals forever“ macht plötzlich „Sing mit“. Lag das Erfolgsgeheimnis von James Last nicht immer darin, dass man gar keine Chance hatte, mitzusingen? Die Potpourri-Teile waren viel zu kurz und viel zu kunstvoll verwoben, um da überhaupt eine Chance zu lassen. Und dann diese Chöre – die lagen ja direkt auf der Grenze zwischen Instrumenten und Gesang. Die waren eine weitere Rhythmus-Section. Richtige Worte waren das nie, was die gesungen haben. Mehr so´n vokaler Schleier.

Und dann eine Reihe namens „Sing mit“? Das ist schon strange. Aber irgendwie funktioniert´s. Vielleicht hätte man mal rechtzeitig Feldstudien durchführen sollen: feiern Menschen mit einer „Sing mit“ anders als mit einer „Non Stop Party? Oder auch einer „Non Stop Dancing“? Soviel Geld, wie die Polydor mit der Musik von James Last verdient hat – da wär das doch mal drin gewesen.

Übrigens, ein eigens komponiertes Stück namens „Die Party war schön“ – vom Partyking himself? Ist das nicht ein bisschen frech? Hm, vielleicht sogar ein ganz klein bisschen arrogant? Oder nur die Verarbeitung von Erfahrenem? Oder pure Gedankenlosigkeit? Hätte da auch stehen können „Three Tomatos“, „Ich hab noch ein Pulli im Kofferraum“ oder „Songs that writers write“? Fragen über Fragen. „Sing mit 5“ ist jedenfalls eine wertvolle, gelungene Platte.

June 01, 2004

Non Stop Party 13

Huh, was sind die Leute auf dem Cover in schummriges Licht getaucht… Zumindest die hinter James Last. Vielleicht eine Pyjama Party. Nur James Last darf wieder nicht mittanzen, weil er gerade posieren muss.

Eine sehr softe Platte. Hat man so gefeiert, nach dem Olympia-Attentat? Na, bei „Get it on“ röhren dann die Gitarren doch ganz schön. Und auch im Hard-Rock-Teil aus „Immigrant Song“ und „Strange kind of woman“. Oh ja, und mit „Hey Willy“ geht´s dann auch rockig weiter.

Aber weite Strecken mit „Butterfly“, „Never ending song of love“, „Rainy days and mondays“ sind wirklich sehr leise plätschernd und eher leise beschwingt. Nicht, dass es irgendwie störend wäre. Es fällt nur auf.

Doch, es swingt. Es ist fröhlich. Aber es ist eine diskrete, unaufdringliche Freundlichkeit. Nicht diese schmetternde Euphorie. Die Übergänge sind perfekt. Eins gleitet ins andere über. Vielleicht ist es auch einfach nur die Müdigkeit nach Olympia. Wochenlang hat man geprobt, vorbereitet, vorgefeiert. Dann kam das große Ereignis mit Riesentamtam. Dann kamen die Terroristen. Und dann fielen alle in ein großes Loch. Ja, ich glaub, das ist hier das vertonte Loch. Eine süße Lethargie. Wie ein Schleier, der sich auf alles legt. Vielleicht hat´s während der Aufnahmen auch nur dolle geschneit. Und diese Stimmung hat dann unwillkürlich Einzug im Studio gehalten. Es klingt schon ein bisschen schallgedämpft, muss man sagen. Naja, aber wie es wirklich war – fragt ihn doch selber, den James Last. Was zerbrech ich mir hier den Kopf?

Es sind übrigens auch wieder ein paar Last-Eigenkompositionen drauf: Ten Bananas, One Day. Die, hüstel, räusper, muss man nicht wirklich haben. Und auch nicht kennen. Aber – das ist noch was: ein Intro. Eine Non Stop Party mit einem Intro! Das gibt´s ganz selten. Und nun sind wir mal ehrlich: für Intros, Fanfaren, Indikative ist James Last nun wirklich der beste Mann. Niemand kann so toll eröffnen wie er. Niemand hebt so wunderbare, flotte, bunte Vorhänge.

Wenn man mir was Gutes tun will, packt man mal all die tollen Intros (wie auch zum Beispiel von der „James Last live“) auf einem Longplay zusammen. Non Stop Intro 1. Wahrscheinlich kann ich im November im Konzert nach fünf Minuten aufstehen und gehen. Das Beste hab ich dann gesehen.

May 31, 2004

Sing mit 6


Das sieht übrigens sehr lustig aus, so ´ne Schallplatte ohne Leerrillen. Eine großes, schwarzes Nichts. Es kommt also mal wieder ein Riesenpotpourri.

Sing mit, Folge 6. Aber diesmal ein Special: von Hamburg bis Mexico. Hamburg erkenn ich nur an „Das gibt’s nur auf der Reeperbahn bei Nacht“. Aber Mexico strahlt mich schon mal auf fast der kompletten ersten Seite an. Will ich jedenfalls hoffen. Nicht dass sich da auch noch ein bisschen Spanien und ein Hauch Brasilien untergeschlichen hat. Aber James Last-Fans wissen, was gemeint ist mit „bis Mexico“. Und genau danach klingt´s auch. Super, super, super.

Solche Latin-Schlager eignen sich halt hervorragend für eine flotte Party. Sommerfeeling gibt´s da gratis. Und die Texte auch, die sind nämlich abgedruckt auf der Innenhülle. Meine Lieblingszeile ist „Über Peine und Paris, wo sie sich kurz blicken ließ.“ Aus „Einmal nach Sevilla“. Jesses, tobt hier die Percussion-Crew. Die hat richtig zu tun.

Die Leute auf dem Cover auch. Die sind heftig am Tanzen und Feiern. James Last würde auch gern mitfeiern, muss aber die große Sechs halten, die mitten auf dem Cover steht. Am liebsten sind ihm deshalb Folgen wie 1 oder 2. Alle Zahlen eben, die von selbst stehen und nicht wegrollen können.

Doof, das. Dabei hatte er sich so schön aufgebrezelt. Die Schlangenleder-Boots, die beige Hose und das Glitzershirt mit dem Schlitz an der Seite. Und diesmal lächelt er sogar richtig! Oder ist das nur ein Flirt mit dem Fotografen, damit er vielleicht rüberkommt und James Last ihm die Sechs in die Hand drücken kann?

Eine Tanzpartnerin hätte er auch schon. Die scheint etwas irritiert auf den entrückten Bandleader zu gucken. Aber kein Vergleich zu meiner Irritation, mit der ich auf die Frau gucke: Wieso trägt man ein Nichts von einem trägerlosen Hosenanzug, hängt sich aber einen Pulli über die Schultern? Eigentlich erklärt sich das von selbst, könnte man meinen: weil’s so schulterfrei halt ein bisschen kühl ist. Aber ich dachte, schulterfrei trägt man, damit die Schultern zu sehen ist. Vielleicht kann ich von den 70ern noch was lernen...

Singen zum Beispiel. Diese Sing mit-Platten sind wirklich toll. Vor allem, wenn man sich vorstellt, dass diese Latin-Sommer-von-Hamburg-bis-Mexico-Platte unter dem Einfluss von literweise Glühwein entstanden sein dürfte. Denn: aufgenommen am 10. Dezember 1977. Zum Ausgleich sind bestimmt alle James Last-Weihnachtsplatten im Hochsommer entstanden. Bei einer solchen Verkehrung der Jahreszeiten, der meteorologischen Entfremdung – wird man da nicht wahnsinnig? Gibt das nicht irre hohe Scheidungsraten? Oder fängt man das durch eine von der NASA gebaute Klima-Anlage auf, die immer auf „Gegenteil“ eingestellt ist?

Vielleicht kriegt man auch nur so dieses gewisse Etwas, das die flotten James Last-Platten auszeichnet. Wir dachten immer, es sind die virtuosen Musiker, der Jazz oder die Drogen. Nein, letzteres natürlich nie. Hat man nie auch nur ein Fitzelchen von gehört. Bis auf „Auch Musiker trinken gern“ (s. die Russland-Platten). Vielleicht sollte man mal recherchieren, was in dem James Last-eigenen Fitnesscenter vor sich geht. Vielleicht gibt’s da ´ne Schleuse, in der die Musiker von Sommer auf Winter gepolt werden und umgekehrt.

Und hey, da ist ja ein Stimmungslied, um das uns auch die Spanier und Mexikaner beneiden. Und die Hamburger: „Sieben Fässer Wein“! Es geht also auch mit deutscher Mucke.

Rolling and rumbling – das ist das, was diese Platte rüberbringt. Saftiger Sound, ein kickassender Chor und eine phatte Band. Die Musik strahlt in unendliche Weiten. So, wie das sein soll. Klasse Ding!

May 30, 2004

Weihnachten & James Last

Ja, wer sitzt denn hier zusammengesunken in seinem Schlitten? Mütterchen Russland? Der Weihnachtsmann in Räuberzivil? Nein, es ist James Last! Non Stop Christmas 386.

Und hinten auf dem Cover ist wieder das Bild vom Konzert vom Hamburger Rathaus, wo ich immer schon dachte: hier rieseln doch Schneeflocken vom Himmel. Aber in der „James Last live“ ist exakt das gleiche Foto drin. Mit der Datierung “30.August 1973“! Grad, wie man´s braucht.

Mit dem Vordercover komm ich allerdings noch nicht so ganz klar. In die Hülle sind runde Öffnungen gestanzt. Dahinter eine Pappe mit Weihnachtsbildchen, die durch die Öffnungen gucken. Aber warum kann ich die Pappe herausziehen? Dann sind nur die Bildchen weg, sonst nichts. Es gibt keine Bastelanleitung, es sind keine Aufkleber. Hm. Hab ich zu wenig Alkolhol im Blut, um das System zu kapieren? Ist mir nicht kalt genug? Gibt´s da nichts zu raffen?

Vermutlich. Sah wahrscheinlich einfach nur schick aus. Potemkische Cover. War in den 70ern halt so. Und mal so ´ne Pappe hin- und herschieben zu können, ist ja auch schon was.

James Last liegt da aber schon ein bisschen lethargisch im Sattel. Hoffentlich gehen die Rentiere nicht zu scharf in die Kurven... Vielleicht schürt ihm auch der Pelz das Blut ab. Mich erinnert das Motiv an einen Peanuts-Comic. Er hieß: „Beagle sollten keine Daunenjacken tragen.“ Und den Grund sah man dem Bildchen an: die Daunenjacke lässt Snoopy wie einen wandelnden Iglu aussehen. Und vieles von diesem Effekt ist auch diesem Foto abzulesen.

Vielleicht fährt deshalb auch diese Weihnachtsplatte mit halber Kraft. Ist zwar nicht so schlimm, wer braucht schon „Christmas Psychedelia“ oder „Thrashing Christmas“. Zweifellos sehr atmosphärische Platte. Ob die meiner Mutter besser gefällt als Vrolijk Kerstfeest? Vielleicht. Aber nur, bis bei „O Freude über Freude“ die Fischerchöre das Tambourin zu schlagen beginnen. Ach was, eine Armanda von Tambourinen. Jetzt geht es doch wieder mehr in meine Richtung.

Und wenn ich sage „atmosphärisch“, dann meine ich nicht das edle Nichts der Classics up to date-Platten, sondern eine Atmosphäre, wo man auch den leisen Passagen noch anhört, dass sie von einem Swing-Orchester kommen.
Übrigens sind hier auch wieder viele Last-Eigenkompositionen drauf: Schlittenfahrt zum Weihnachtsmarkt. (Ach, deshalb. Vielleicht ist das schon die Rückfahrt, auf dem Cover...); Die Hirten; Kirchenglocken zur Weihnachtszeit und In der Kathedrale. Bei letzterem spielen mit: Hamburger „Michel“, Gedächtniskirche Berlin, Kölner Dom, Münchner Frauenkirche und Glocken von Bethlehem. Da wär ich gern dabeigewesen, im Studio.

May 29, 2004

Auf Last geht’s los


Das ist wieder James Partyking Last! Das erkennt man unter anderem an der kleinen Sprechblase auf dem Cover, direkt über den Fingern von James Last. „Schnipp“ steht da drin.

Ob das seine eigene Hand ist, oder ob man da ein Handmodel genommen hat? Vielleicht hätte ein Handmodel aber auch das „Schnipp“ so hingekriegt, dass man keine Sprechblase gebracht hätte? Egal. James Last sieht sympathisch aus, und so als würde er sich fast freuen und vielleicht auch mal ein bisschen mit dem Fuß mitwippen.

Dafür sieht die Horde hinter ihm echt partymäßig aus. Das dürfte die größte Menschenansammlung sein, die ich je auf einem James Last-Cover gesehen habe. Mehr noch als bei der Beach Party. Und man scheint ihnen auch nicht zu wenig in den Tee getan zu haben. Hey, das geht ab!

Das Tollste ist aber die Innenhülle. „Das Neueste von James Last“ steht da. Haben die Platten damals so reißenden Absatz gefunden, dass man die Hülle schon als Nachrichtenmagazin nutzen konnte?

In diesen Infos wird auch erklärt, warum auf der Vorderseite ein Button mit der Schrift „Star des Jahres ´77“ prangt: weil Billboard und Music Week ihm diesen Titel verliehen haben. In London, in der Royal Albert Hall. „´Wenn ich davon in Deutschland erzähle, glaubt mir keiner´, sagte er. Doch das englische BBC-Fernsehen hat alles aufgezeichnet.“ Auch ein Transparent mit den Worten „Prosit Hansi“. „Es hing an der Loge eines englischen Lords!“

Oh, und in Hamburg und Danzig war er auch. Zum Urlaub fliegt er nach Florida. Und sieh da: Grundsteinlegung für sein Fitness- und Erholungscenter in der Lüneburger Heide. Was wird eingemauert? Die erste Goldene Schallplatte von James Last. Na klar. Wahrscheinlich kriegt er jeden Tag zehn mit der Post, und da kommt´s auf eine mehr oder weniger auch nicht an.

Musikalisch steppt auf der Platte übrigens der Bär. Karneval kann kommen, muss aber nicht. Auch Geburtstagsfeten-geeignet. Hier ist was los; José, der Straßenmusikant; Amerikcan Patrol; Yes Sir I can Boogie; Griechischer Wein, Living next Door to Alice; Fett-Polka; Rock around the clock; I´m on fire…

Die Band hat richtig Speed, ist ja auch ´ne super Mischung aus Disco, Schlager, Volksmusik, Rock´n´Roll. Der Sound ist fett und poliert zugleich, der Chor und die Geräuschkulisse rocken mit. Und alles glitscht so vor sich hin, wie es sein muss. Natürlich ohne Leerrille. Denn das ist, wie James Last richtig bemerkt: verlorene Zeit für Tänzer. Es lebe das extended Potpourri. Die Übergänge auf dieser Platte sind mindestens so geniös wie die Hauptarrangements. Auf Last geht’s definitiv los!

May 28, 2004

The Non Stop Dancing Sound of the 80s

Ist das der Abschied auf Raten vom Non Stop Dancing oder bloße Vorsicht? Hier steht keine Jahreszahl im Titel. Sondern, kaum dass das neue Jahrzehnt begonnen, der Rundumschlag. So, dass man die Kiste bei Bedarf auch zugeklappt lassen kann.

Die 80er – eingespielt aber offenbar noch ´79 – beginnen auf dem 80er-Cover noch so bunt und fröhlich, wie die 70er aufgehört haben. Sie im luftigen Kleidchen, er im Anzug mit Fliege. Allenfalls die stilisierten Neonlinien deuten an, was die Takes nicht mehr leugnen können. Ein neuer Sound zieht auf. Der coole, synthetische Pop der 80er. Pop Muzik ist so ein Stück. Auch Michael Jackson steht direkt an der Schwelle vom ausgelassenen Funk zum Ladykiller-Produzenten-Dancefloor. „Don´t stop till you get enough“ heisst der Bote. “My Sharona” war zweifellos noch voll 70er und Teenie-Smash-Bubblegum-Pop, aber wenn die schnellen, harten, kargen Riffs waren doch schon bei der neuen Zeit geborgt.

Ansonsten auch viele Takes, die es nicht zu Evergreens geschafft haben: Sad Eyes, Rise, Lead me on. Plus der Disco-Hit von Kiss, einem filmischen Machwerk mit Brooke Shields (!) entnommen: I was made for loving you. Gut, Knock on wood ist nun wirklich ein Klassiker, aber man musste wohl schon blind und taub sein, um das 1979 nicht absehen zu können.

Für meinen Geschmack ist die Platte zu gepflegt geraten. Soft und gediegen, der Sound fast breiig. Slick und smooth. Nicht mehr die klar voneinander abgesetzten, transparent ineinanderspielenden Ebenen aus vorherigen Alben. Dabei hätte James Last gerade der entzauberten Klangwelt, dem dekadenten Synthiepop der 80er die Macht des Swing entgegenhalten müssen. Es wäre seine verdammte Pflicht gewesen. Naja, er hat schon soviel anderes Gutes getan...

May 27, 2004

Non Stop Dancing 1978

Was war das denn für ein Jahr, 1978? Ein schlechtes, offensichtlich. Die Party fängt schon ziemlich austauschbar an. Dancin´ Party, Satuday Night (eine Vater&Sohn-Last-Komposition) und ein Daddy Cool, das ich noch nie gehört habe.

Dabei dachte ich, 1978 müsste schon die Prä-Disco-Ära genial getobt haben. Offenbar nicht auf der Non Stop Dancing 1978. Die ist groovetechnisch ziemlich mau. Was will man auch anfangen, anders gefragt, mit Uriah Heep, Supertramp, Neil Diamond und den Wings. Der Mull of Kintyre – tiefer kann man nicht sinken. Schade. Hier hat die James Last Band leider ihre Betonschuhe an.

Der Chor, der ist immer noch top. Der ist ja auch oft besonders gut, wenn die Band ein bisschen nach hinten rückt. Dann kriegt er Raum, sich auszubreiten. Und muss sich nicht Aufmerksamkeit in sirenenhaften Lagen verschaffen.

Auf Seite 2 wird es etwas besser. Da gibt´s tatsächlich die angezogene-Handbremse-Disco von Chic (Dance, Dance, Dance), dann ein bisschen Love is in the Air und Get off you Aah! and Dance. Aber dann kommt schon der Ballermann-Hit „Tanze Samba mit mir“, und anschließend schmeißen die Searchers (Needles and pins) und Bonnie Tyler (It´s a heartache) eine Lokalrunde Valium. Unnötig, dass „Singin in the rain“ das Ganze dann zum Kasperltheater verkommen lässt. Selbst wenn „Shout it out loud“ noch mal einen furiosen Schlussakkord setzt.

Na, wer Freude dran hat, kann ja die Brauntöne des Covers als Kraftspender nutzen. Hat schon was. Aber irgendwie scheinen sich auch schon die sterilen 80er anzukündigen. Sicher, das Cover hier gehört wohl schon zu einer Neuauflage. „Jubiläumsausgabe“ steht obendrüber. Und die Serie ist für etliche Folgen duchgestylt. Aber andere Cover waren schöner, bunter, lustiger.

May 26, 2004

Non Stop Dancing 1976

1976 muss ein tolles Jahr gewesen sein. Denn es brachte „I´m on fire“. Ich glaub, von 100.000 Volt. Oder so ähnlich. Wunderbar, wie James Last die feurigsten Disco-Hits adaptiert und sie trotzdem nicht leiden. Das ist ja nicht selbstverständlich. Aber Disco liegt ihm halt im Blut. Eigentlich sollte man ihn den Discoking of music nennen. Er hat so was Ausgelassenes in seiner Musik. Und für fetzige, heiße Rhythmen ist er als alter Jazzer ja sowieso immer zu haben.

Oh, und hier sehe ich weitere Perlen herannahmen: Morning Sky, AIE, Lady Lay, That´s the was (I like it), Lady Bump, Fly Robin fly, Brazil, Paloma Blanca. Wie ich schon sagte: 1976 muss ein tolles Jahr gewesen sein.

Ich nehm an, das war schon die Zeit, wo in München die Euro Disco von Giorgio Moroder tobte. Der Philli Sound sowieso. Und dann – glaub ich – Frank Farian mit der Silver Convention. Das war doch Frank Farian, oder? Da kann man mal sehen, dass die Zeit vor dem Disco-Höhepunkt die viel spannendere war. Und wenn man seinen Kindern mal erklären will, was Disco war, braucht man ihnen nur Non Stop Dancing 1976 vorzuspielen. Hier ist alles drauf!

Die Bässe scheinen mir stärker als auf anderen Platten. Die Frauen dürfen wieder etwas tiefer und damit sexier singen. Obwohl ja gerade die Silver Convention gezeigt hat, dass hohe Frauenstimmen auch sehr sexy sein können.

Die langsamen Passagen auf dieser Platte sind auch sehr empfehlenswert! Weil´s hier erst so richtig schwül und groovy wird. Und es rockt! Viel mehr als auf anderen Platten. Und die Trompeten dürfen nicht mehr ganz so frei in den Raum reinfanfaren, sondern müssen den restlichen Sound stützen. Bisschen ungewohnt, kommt aber gut.

Das oben erwähnte „I´m on fire“ hab ich vor Jahren übrigens schon mal auf einer Les Humphries-Platte erstanden. Weil ich einfach alles haben musste, wo „I´m on fire“ draufstand. Mittlerweile hab ich gottseidank die Original-Single, seitdem ist es etwas besser geworden. Ich weiß nur, dass ich sehr entttäuscht war, weil es bei Les Humphries auch nur circa 1 min 30 in einem Medley einnahm. Hier war ich drauf gefasst, bei James Last kennt man es ja nicht anders. Aber ich merke, dass etwas anderes hier noch viel toller ist: die Les Humphries Singers singen nicht mit! Nein, die waren schon gut. Jürgen Drews wird ja heute noch demütig und kriegt feuchte Augen beim Gedanken an die Les Humphries. Das mein ich im Ernst, das mit den feuchten Augen. Und dann kann man von ihm auch Sätze hören wie „Was ich solo mach, ist ja alles nix. Das ist ja alles Müll.“ Sinngemäß. Aber auf die Les Humphries lässt er nichts kommen. Kann ich schon verstehen. Ich hör auch gern Kansas City. Aber mal ehrlich, das war das Gegenteil von sexy, soulig und swingend. Das war einfach nur verbal geknüppelt, oder? Wenn die Les Humphries Singers eines nicht hatten, dann war es Rhythmus. Dafür konnten sie lustig tanzen und Verrenkungen zeigen, die man an menschlichen Wesen vorher und nachher nie mehr bemerken konnte.

Während sich James Last hier durch einen Disco Dschungel kämpft, dass es eine Freude ist. „Welcome to the party“. Freunde, das ist sein Lied! „Change with the times“. Mein Gott, das ist Studio 45, noch bevor es eröffnet hat. Au, nur „Fly Robin fly“ kommt leider nicht ans Original ran. Schon der Übergang ist ein bisschen holprig. Und hier braucht es halt doch das relaxte, gedehnte 5-Minuten-Stück. Und auch bei „One of these nights“ dauert es etwas, bis man sich an den Bigband-Swing gewöhnt hat. Aber glaubt mir, insgesamt ist diese Platte eine Perle!

May 25, 2004

Mitternacht in Moskau

So macht man das also: stellt ein Lied um, sucht einen anderen Titel – und fertig ist eine neue Platte! Recycling à la James Last – oder soll ich sagen: à la Club? Denn das hier ist eine Club-Sonderauflage. Für welchen Club auch immer.

Das Lied „Mitternacht in Moskau“ ist genau von der ersten an die letzte Stelle der ersten Seite gerutscht. Und schon wird aus „Russland zwischen Tag und Nacht“ die LP „Mitternacht in Moskau“. Auch wieder verständlich: denn zwischen Tag und Nacht liegt ja auch – die Mitternacht. Vielleicht wollte man nur ein bisschen konkreter werden. Russland – Moskau. Zwischen Tag und Nacht – Mitternacht. Die nächste Folge heisst dann: Leninstraße 3 in 64238 Moskau, Russland, um Null Uhr Null.

Wieder heisst es hier: Auch Musiker trinken gern. Aber auf der anderen Platte ist noch zusätzlich das schöne Foto in der Metro drauf.

Ansonsten: same procedure. Schwermütige russische Melodien. Oft eher geraunt als intoniert. Und natürlich wilde russische Tänze. Insgesamt eine tolle Platte, weil die ruhigen Stücke trotzdem ganz anders sind als zum Beispiel viele Takes auf den Klassik-Platten. Hier herrscht eine Art Krimi-Atmosphäre: dunkel, exotisch, kräftig. Muss man haben.

May 24, 2004

Käpt´n James bittet zum Tanz. Folge 2.

28 Melodien von der Waterkant zum Tanzen.

Aha – diese Stücke sind nicht mehr zum Mitsingen, Schunkeln und Tanzen. Wie noch auf der ersten Folge von Käpt´n James. Die sind nur noch zum Tanzen. Und wenn ich doch ganz leise mitsing? Und, guckt mal, ich schunkel sogar! Und werd gar nicht verhaftet.

Aber hier stehen noch mehr merkwürdige Sachen auf der Hülle drauf. Über Matrosen zum Beispiel, „diese raubeinigen und doch gutmütigen Abenteurer, Schwerstarbeiter und Vagabunden der sieben Weltmeere.“ Sie lieben „des Käpt´ns Musik, die aus ihrem sonst schlingernden Gang einen flotten Tanzschritt macht.“ Eine Gehhilfe à la James Last also.

Wenn ich mich entscheiden, würde ich die erste Folge mit auf eine einsame Insel nehmen. Nicht, dass die hier schlecht wäre. Aber die erste klingt noch mehr nach Springseil und Hüpfburg, also noch lebendiger und pfiffiger. Und welche Melodien sind hier drauf, die man nun wirklich noch haben musste? Na, zum Beispiel: Seemann, deine Heimat ist das Meer. Glori, Glori, Gloria. Das schemi doch einen Seemann nicht gleich um. Und: Nun ade, Du mein lieb Heimatland.

May 23, 2004

Portrait of James Last

Ja, ganz recht. Das ist die gleiche Musik wie auf „James Last Non Stop & A gogo“. Und das hier ist vermutlich die deutsche Fassung, während die andere aus Holland kam. Mal wieder ein Querschnitt durch sein Schaffen also. Und wie man in der Rezension obiger Platte nachlesen kann: ein musikalisch extrem gelungener!

Wer den Schwulst aus „Song from Moulin Rouge“ nicht leider kann, muss nur dieses Lied überspringen und ist wieder mittendrin in einer glänzenden, modernen Swingsammlung. Oh, ich merk gerade: ich bin vermutlich in einer englischen Pressung gelandet. Nicht in einer deutschen! Denn hinten oben rechts steht „also playable on mono“. Nicht, dass wir Deutschen kein Mono gehabt hätten – aber da hätte vermutlich gestanden: auch abspielbar auf mono.

Okay, die Engländer also. Die waren ja auch schon in den 60ern ganz große James Last-Fans. Kein Wunder also, dass er da auch Platten rausgebracht hat. Warum aber hat man die Holländer mit einem offensichtlich durchgeknallten und schlecht frisierten Mädchen auf der Hülle abgespeist – während die Engländer den Kopf von James Last in Starschnittgröße kriegen? Vermutlich, weil die schon so schlechtes Essen haben. Und da wollte die Polydor wenigstens optische Entwicklungshilfe leisten. Na, dann will man ihnen das mal gönnen.

May 22, 2004

Wenn die Elisabeth

Was ist das denn? Wie genau nennt man solche Lieder? Aus-Omas-Jugend-Lieder? Lieder-aus-den-lustigen-20ern? Zwischen-Operette-und-Revue-Lieder? Ich find das schwierig zu sagen. Also lass ich mal ein paar Namen fallen: Was machst Du mit dem Knie, lieber Hans. Warte, warte nur ein Weilchen. Komm in den Park von Sanssouci. Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist. Ich hab das Fräul´n Helen baden seh´n. Hallo Du süße Klingelfee. Klingelfee? Keine Details, bitte.

Aber hier stehen auch die Komponisten dabei. Walter Kollo zum Beispiel. Da ist man dankbar für den Hinweis auf den Vornamen. Damit man weiß: Kollo, der Ältere. Aber warum ist der Vorname bei Herrn Kollo ausgeschrieben – und bei anderen nicht? F. Raymund. R. Stolz. Silver/Cohn scheinen sogar gar keine zu haben. Und Casucci – ist das nun Vor- oder Nachname? Kann mir mal jemand von der Gema Nachhilfe geben, was das soll? Bei „Wenn die Elisabeth...“ steht untendrunter sogar: „(mit James Last)“. Huch! Ernsthaft? Oder ist das ein Scherz des Covergestalters? Ist nämlich das einzige Lied, wo das drunter steht. Sind die anderen Lieder nicht mit James Last??? Oder hat die Elisabeth sich vielleicht eingeklagt: „Ich hab wirklich mit ihm. Also schreibt das gefälligst aufs Cover drauf.“ Also bitte. „Ich hab das Fräul´n Helen baden seh´n (mit James Last)“ hätte sich übrigens auch gut gemacht.

Ansonsten sind das hier recht nette Potpourris. Mir allerdings ein bisschen zu soft, zu schwelgerisch. Um mich selbst aufzumuntern, schau ich mir schnell das Bild auf der Covervorderseite an. Das ist mal wieder eine graphische Großtat. James Last, aus einem Goldrahmen rausschauend. Mit weißem Anzug – ja, das muss man hier mal sagen: James Last gehört neben Dean Martin und Sasha zu den einzigen drei Menschen auf der Welt, die einen weißen Anzug tragen können! Das hat er oft genug bewiesen. Wahrscheinlich musste man ihn da Anfang der 80er mit einem Schneidbrenner rausholen. Mit weißem Anzug also und lila-fliederfarben-gestreiftem Hemd, das nahtlos übergeht in die lila-fliederfarben-gestreifte Krawatte. Und in flaschengrünem Passepartou! Ach, ich wollte, die 70er kämen zurück. Die Elisabeth hat man irgendwie rausgeschnitten aus dem Cover. Deshalb wahrscheinlich das grüne Passepartou.

Ich glaub, Lieder wie diese brauchen neckischere Arrangements. Da wär man bei Max Raabe vermutlich besser aufgehoben. Solche Lieder brauchen einen zupackenderen Sound und liebevolle Überpointierung, nicht soviel Weichzeichner. Sorry, aber nur mit Betonung der Melodien bei wohlklingender Verpackung verkauft man sie unter Wert. Deshalb hier nur: eine Drei minus.

May 21, 2004

Rosen aus dem Süden

James Last spielt Johann Strauß.

Das war klar. Das musste es auch noch geben. Genauso wie später die „James Last plays Abba“ kommen musste. Gibt es nicht auch eine „James last spielt Beatles“? Und wenn nein – warum nicht? Weil Michael Jackson es nicht erlaubt hat?

Hm. James Last scheint nicht weiter traurig drüber zu sein. Die Mundwinkel noch einen Millimeter höher – und es wär fast ein Lächeln! Da steht er im Konfirmandenanzug auf dem Cover, bewaffnet mit einem fetten Rosenstrauß. Der war bestimmt teuer. Hoffentlich sind das auch echte Rosen und nicht so´n Dekostrauß, der beim Fotographen in der Ecke liegt und für jedes Shooting neu entstaubt werden muss. „Fotograpfen“ hab ich eben erst geschrieben. Ich muss das mal kurz thematisieren. Das ist nämlich eine Folge der Rechtschreibreform. Ich bin so schrecklich verunsichert, wann man nun noch ph schreiben darf oder schon f schreiben muss, dass ich vor lauter Konfusion ständig pf schreibe. Konpfusion. Pfantasie. Grapfik. Wenn ich die erwische, die sich diese Scheiß Rechtschreibrepform ausgedacht haben!

Der King of Easy Listening und der Walzerkönig also. Nein, nicht dass die sich die Reform ausgedacht hätten. Aber ich dachte, ich komm mal zum eigentlichen Thema zurück. Sanft nähert sich James Last dem Dreivierteltakt. Mit seufzenden Streichern und federleichtem Beat. Nein, das ist nichts für meine trompetensüchtigen Ohren. Obwohl es sich gut anfühlt, von James Last zum Walzer an die Hand genommen zu werden. Oh, die Annen-Polka ist hier aber zart geraten. Die kenn ich in einer schmissigeren Fassung (Stichwort „Glückwuschlotterie“)... Aber nun gut. Man gewöhnt sich dran.

Ist eh komisch, James Last hauptsächlich mit Streichern und vielen leisen Tönen zu hören. Es ist, als wär man im falschen Film. Wenigstens sind viele schöne bekannte Melodien hier drauf. Das ist vermutlich auch der Sinn der Sache. „Rosen aus dem Süden“, „Frühlingsstimmen-Walzer“, „Radetzky Marsch“... Daran kann man sich ja festhalten, wenn man – so wie ich – bei zuviel Geigen im Zeitlupentempo schiffbrüchig wird. SOS.

May 20, 2004

Onder moeders Paraplu

Ha! Eine holländische Pressung. Mit James Poppins auf dem Cover. Ist das nicht süß? Ob er die selbst gemacht hat? Und dann dieser blaugestreifte Anzug! Vor dem himmelblauen Hintergrund! Mit der pink-orangefarbenen Schrift! Wow, wow, wow.

Holländische Lieder sollen hier drauf sein, sagt das Cover. Ich kenn aber auch ein paar davon. Hab mein Wagen vollgeladen. Öhm. Das war´s auch schon. Also gut: ich kenn eines davon. Trotzdem ist das ´ne super Platte. Denn wie schon der holländische Klappentext schreibt: „Een geladen, van felle koperklanken overstromende LP met hoogtepunkten uit ´Hair´ er op“. Er op? Hier ist aber nix aus Hair drauf. Und was bitte ist „tintelfrisse muziek“? Tintelfrisse muziek van James Last? Keine Beleidigung, hoffe ich.

Ich glaub, am schönsten find ich das Stück „Daar zaten zeven kikkertjes“. Wenn ich das gehört hab, hab ich bestimmt Hunger auf richtig frische kikkertjes. Die schmecken sicher lecker. Oder nicht? Huch, hoffentlich ist das nicht was total Ekliges. Aber das merkt man ja oft erst, wenn man´s mal ausprobiert. Zehn Kikkertjes mit Pommes bitte. Hoffentlich darf man Pommes in Holland essen. Nicht dass die superverfeindet mit den Belgiern sind...

Die zweite Seite ist übrigens schmissiger als die erste. Wer also den rockin´ und rollin´ James Last sucht, der sollte Seite 2 auflegen. Und sich den ersten Take reinziehen. Ich muss es mal kurz ansprechen: ich hab bei diesen euphorischen Last-Dingern immer die olympischen Spiele von ´72 vor Augen. Also, solang sie noch fröhlich waren. Ich seh dann immer Leute mit bunten Fahnen in dieses wunderschöne, stylishe Olympiastadion einziehen, das hoffentlich unter Denkmalschutz steht. Es ist natürlich Bilderbuchwetter. Und im Geiste seh ich James Last dazu die Musik dirigieren. Obwohl das bestimmt Einbildung ist. Ich glaub, Bert Kaempfert hat irgendeinen Marsch dafür komponiert. Und sein Kumpel Herbert Rehbein hat auch irgendeinen Musikwettbewerb für die olympischen Spiele ´72 gewonnen. Und wo war James Last? Hä? Wo bitteschön war James Last bei den fröhlichen Spielen von München? Auf dem Siegerpodest, hoffe ich. Dort, wo er hingehört.

Aber gepasst hätte es schon: der Einmarsch der Nationen unter den Klängen von James Last. Der hätte alle Nationalhymnen aneinandergereiht gekriegt, ohne einmal den Takt zu wechseln. Alles im Zweiviertel-Takt! Und ich weiß doch ganz genau, dass James Last der King of Siebziger war. Schließlich hab ich in den 90ern aufmerksam Musikexpress und Rolling Stone gelesen. Irgendwo da waren hinten immer die Charts von vor 20 und 30 Jahren abgedruckt. Die LP-Charts. Und in den 70ern stand da ständig in den Top Ten „Non Stop Party 132“ oder „Polka Party 700“. Da weiß man dann schon, was Sache ist.

Also, auch wenn ich hier so gut wie kein Lied kenn: ist eine nette Platte. Aber die Ännchen von Tharaus sind besser. Nicht nur, weil ich da die Melodien kenne. Sondern weil sie besser sind. Nichts für ungut.

May 19, 2004

Käpt´n James bittet zum Tanz

28 Melodien von der Waterkant, zum Tanzen, Schunkeln und Mitsingen.

Das ist sie also, die berühmte „Käpt´n James“. Erste Folge. Ich hatte ja was Schwerfälliges, Betuliches erwartet. Bin nicht so der große Shantie-Fan. Aber da hat er mich auch schon an der Angel: mit lockerem Swing-Beat und diese tollen, leuchtenden Trompeten-Stößen. Sind das überhaupt Trompeten? Ich glaub, für mich ist alles, was nach Blech und Bläsern klingt, Trompeten.

Das ist natürlich Quatsch. Vermutlich sind unter den „Trompeten“ auch mehrere Trompeten. Aber auch eben auch andere Blechblasinstrumente. Posaunen zum Beispiel. Aber hat auch ein Saxophon Zutritt zu dieser erlauchten Gesellschaft? Also, auf dem schicken alten James Last-Poster, das ich einer anderen Platte entnommen habe, ist kein Saxophon zu sehen. Dafür jede Menge Trompeter. Und ein paar Posaunisten. Ich will mich künftig zusammenreißen und „Blech“ schreiben.

Also: super Blech, hier drauf! Das brauch ich schon, um mit James Last und überhaupt glücklich zu sein. Diese tollen kleinen Fanfaren, die immer wieder Zunder geben. Ach, wie das fließt. La Paloma, The Banks of Sacramento... Und dieser Chor, der luftig drüberschwebt. Also, da haben sie sich schon in einen kleinen Rausch gespielt, die Herrschaften von der James Last Band, oder? Jedenfalls spielen sie mich grad in einen Rausch.

Wer denkt, diese Platte hätte einen Bart und wär nur schwer erträgliche norddeutsche Folklore: No! Das ist Super-Spitzenklasse-leicht-rockender-und-trotzdem-softer-Easy Listening. Da bleibt kein Fuß ruhig und kein Auge trocken, wie man so sagt. James Last hat einen Bart – ja. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Heute geht´s an Bord, Die Liebe der Matrosen, Rolling home, Muß I denn... Wer jetzt noch kein Fernweh nach der See hat, mit dem stimmt ´was nicht. Ich wird vermutlich gleich meine Koffer packen. Und Städte wie Bremen und Hamburg wären gut beraten, ihre Kernbereiche ganztägig mit dem Käpt´n James-Sound zu beschallen.

Und wenn ich nochmals betonen darf: James Last wär ein klasse Kapitän für´s Traumschiff! Schaut Euch nur mal diesen verschmitzten Käptn an, der hier aus dem türkisfarbenen Rolli guckt! Von dem müsste er sich natürlich trennen. Ein Traumschiffkapitän trägt ein gestärktes weißes Hemd, aber keinen türkisfarbenen Rolli. Der ist höchstens was für die Afterparty. Ahoi!

May 18, 2004

Non Stop & A gogo


Wieder eine holländische Platte. Mit Evergreens. Ganz klassisch: Track auf Track. Nix Party. Obwohl hier Non Stop und A gogo steht. Was für ein Kombination!! Hätte es nicht noch heißen müssen: Happy non stop a gogo?

Ist jedenfalls eine grandiose Swing-Sammlung. Frisch, originell, bezaubernd. Echte Perlen. Ich könnte noch Stunden so weitermachen...

Komisch, dass „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ hier als „Eine ganze Nacht“ firmiert. Aber es ist natürlich trotzdem ganz großes Kino. Mit großem Tamtam und viel Hall. James Last hat einfach ein Händchen für Atmosphäre. Und die findet sich auf der ganzen Platte: Greensleeves, Hello Dolly, Sloop John B, Lara´s Theme, I got you Babe, Yellow Submarine, Das Wandern ist des Müllers Lust...

Knackbass, Latin-Rhythmen, Vibraphon-Soli – gibt nichts, was es hier nicht gibt. Lassen Sie sich nicht von der bemüht keck schauenden Dame auf dem Cover abschrecken. Das hier ist eine super, super Platte! Ganz anders als das James Last-Klischee mit den Party-Platten und den Pop-Medleys. Obwohl die auch klasse sind, ich kann´s nicht oft genug sagen. Aber hier ist auch so richtig alter, plüschig-gediegener Bar-Jazz drauf. Und die Luft der Beat-Ära weht ganz kräftig durch. Wunderbar produziert. Knackig, satt und raumgreifend. Macht die Wohnung gleich ein paar Quadratmeter lauter, wenn´s aus den Boxen wummert.

May 17, 2004

Concert-Successen


Ungefähr vier Last-Platten hat es gedauert, bis ich gemerkt hab, woher ich das „Theme from Elvira Madigan“ kenne. Nein, nicht aus einem Mozart-Konzert, wie man vielleicht vermuten könnte. Nein, aus dem Schlagerprogramm des Saarländischen Rundfunks. Aus dem Lied „Seelenfeuer“ von Claudia Jung und Richard Clayderman. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen – aber das ist doch komplett bei Mozart geklaut! Wahrscheinlich ist es sogar im Kleingedruckten auf der CD verzeichnet, und ich hätte bloß mal besser hingucken sollen.

Egal. Es ist die alte Misere. Ich und James Last-Klassik-Platten. Wir werden keine Freunde mehr. Und ich glaube, das liegt an der Struktur der Stücke selbst. Vielleicht auch am zu diskreten Beat. Aber vor allem, glaub ich, an der Struktur der Stücke.

Das sind halt keine Lieder: Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain... Nein, das sind durchkomponierte Werke aus nach irgenwelchen Druidenrezepten angeordneten Sequenzen. Das geht nicht so medias in res wie zum Beispiel bei, sagen wir, „Mohikana Shalali“ oder „Heute haun wir auf die Pauke“. Und genau das stört mich vermutlich. Dieser langatmige Aufbau, ohne dass es rockt. Da kann James Last nix dafür. Und da kann auch die Musik nix dafür. Die ist halt so. Während ich eher der Strophen-Refrain-Typ bin.

Klasse in Szene gesetzt ist das hier, keine Frage. Diese mäandernden Flöten in der Moldau – die werde ich jetzt in meinem Unterbewusstsein immer hören, wenn mir die Moldau im späteren Leben begegnet. Das ist so, wie wenn man die Vier Jahreszeit mit Nigel Kennedy kennt. Und dann noch mal eine konservative Einspielung hört. Dann erwartet man auch immer so´n scharfes Kratzen an den entscheidenden Stellen.

Auf dieser holländischen Pressung sind hinten ein paar interessante Fotos auf dem Cover. Warum bei uns eigentlich nicht? Bei uns sind immer nur die Cover weiterer Last-Platten abgebildet. Als hätten wir nichts besseres zu tun als kaufen, kaufen, kaufen. Hier hingegen ist ´ne halbe Homestory drauf. Zunächst mal: der Blick in James Last´s Arbeitszimmer. So übersetz ich mal das Wort „Werkkamer“. Mensch, liegen da viele Tonbänder rum. Und Schallplatten. Sogar ohne Hülle. Und die liegen auch noch vertikal aufeinandergetürmt. Sowas macht man nicht! Und was da noch alles auf dem Flügel rumliegt... Da hat jemand so´n tollen weißen Flügel – wovon andere nur träumen können – und was macht er damit? Legt Zeug drauf. Sowieso ist da kein Durchkommen mehr, in dem Zimmer. Wofür stehen da eigentlich noch die roten Sessel rum? Hier kann man doch eh niemanden empfangen. Wahrscheinlich für Herrn Last selber. Falls er den Klavierhocker auch noch mit lauter Zeug überhäuft. Aber schick ansonsten, der Raum. Viel Weiß und Rot und ein bisschen Braun. Nur die Decke scheint mir ein bisschen niedrig. Ist das ein Bungalow, in dem die Familie Last wohnt? Denn bestimmt liegt dieser Arbeitsraum im Familienhaus. Ob die Kinder da auch von 14 bis 18 Uhr nicht stören durften – so wie bei Thomas Mann? Nur dass der nicht so tolle Musik gemacht hat. Den hätte man ruhig mal öfter stören können. Da wär uns einiges erspart geblieben.

Ich wette, in diesem Arbeitszimmer riecht es wahnsinnig nach Chemie. Wegen der Tonbänder. Ich weiß, wie Tonbänder riechen... Jedenfalls nicht gesund. Vielleicht brauchte James Last diesen Geruch, um so richtig psychedelische Arrangements schreiben zu können. Sogar ein Diaprojektor steht da rum. Das erkenn ich, so einen hatten wir in den Siebzigern auch. Und die Dias steckten in so kleinen, berillten Kästen, die ganz schön geklappert haben. Würd mich nicht wundern, wenn sich der ein oder andere Dia-Aufbewahrungskasten unter den Percussions der, sagen wir, Beach Party fände.

Eine Gitarre seh ich da noch an der Wand lehnen. Und im Schrank steht sogar eine seiner eigenen Platten. Und wenn mich nicht alles täuscht, ist das die „This is James Last“. Gab´s die auch in Holland? Wär doch blöd, wenn man auf einer holländischen Platte ausgerechnet ein Foto aufdruckt, auf dem eine Platte vorkommt, die´s in Holland gar nicht gibt. „Ich hätte gern genau die da“, sagt der holländische Kunde, im Plattenladen mit vorliegendem Cover wedelnd und auf den kleinen Fleck im Foto oben links zeigend. „Moment“, sagt der Verkäufer, erstmal eine Lupe holend. Um dann zu sagen: „Das ist die ´This is James Last´. Die muss ich re-importieren. (klingt gut) Die Polydor schickt mir die bestimmt, wenn ich da anruf. Nur James Last darf nichts merken.“ Denn James Last hat sich in den 70ern mal milde beschwert, dass zuviel Musik von ihm im Umlauf ist. Weil nämlich Platten, die er nur für´s Ausland gemacht hat, re-importiert wurden. Und schwupp! – gab´s in Deutschland schon wieder eine James Last-Platte mehr. Ohne dass er was dafür konnte.

Das Zimmer auf dem Foto in der Mitte ist das Trophäen-Zimmer. Das betritt James Last auch nur im Frack. Um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Memento mori. Und seiner Fans zu gedenken, die ihm mittelbar ja die ganzen Preise einbringen. Oder nicht? Ist ja auch wurscht. Ich glaub, der fünf- bis sechste Preis von links ist eine Goldene Europa. Eine Goldene Europa, übrigens, liebe Polydor. Keine „Europa“, wie ihr im Begleitheftchen zur Jubiläums-Ausgabe von Non Stop Dancing schreibt. „Die Europa“ gab´s gar nicht. Das heisst das Europa und ist ein Kontinent! Einen goldenen Löwen erkenn ich noch, der muss von RTL sein. Für die hat James Last ja, glaub ich, auch eine Titelmelodie geschrieben: Happy Luxemburg. Als Erkennungsmelodie von Radio Luxemburg.

Und ganz rechts auf dem Foto dann: das Aufnahmestudio. Das hatte ich mir ja schon anders vorgestellt. In poppigen Farben, spacig, mit viel Plastik. Statt dessen sitzen die hier wie die Philharmoniker von Sowieso in einem holzgetäfelten Konzertsaal. Und James Last hat seinen Stuhl auf einer Art Gerüst stehen, das aussieht, als hätten es die Bauarbeiter bei der letzten Reparatur vergessen. In Krimis werden auf so Dingern die Leichen seziert... Was soll´s. Wird schon alles seinen Zweck haben. Und vielen Dank auch für die Einblicke! Von dem Anzug auf dem Vordercover rate ich übrigens ab. Die weiße Borte am Revers lässt jeden Mann aussehen wie Hanswurst. Und dann noch die gelbe Fliege. Na, ich weiß nicht.

Damit will ich es auch bewenden lassen. Zur Musik ist schon im Zusammenhang mit anderen Classics- und Concert-Platten genug gesagt.

May 16, 2004

Vrolijk Kerstfeest met James Last


Da hat der Kostümbildner nicht lang überlegen müssen. Eine Weihnachtsplatte? Da verkleiden wir James Last doch als Weihnachtsmann! Und Herr Last macht ja bekanntlich jeden Unfug mit. Wahrscheinlich ist das Foto eh im Sommer geschossen. Sowas kann man ja nicht erst im Winter machen, dann ist es zu spät. James Last steht also im nicht klimatisierten Studio und schwitzt als Weihnachtsmann vor sich hin.

Während es sich seine Band bei ein paar Takten Beach Party gut gehen lässt. Natürlich von Platte. Der Chef ist ja weg, der hätte ihnen sonst ganz schön was erzählt. „Ey! Wofür habt Ihr Hände, Münder und Instrumente?!! Spielt das gefälligst selbst. Andere wären froh, wenn sie so was könnten. Und der Plattenspieler fliegt jetzt endgültig raus hier!“

Ich hoffe, ich kann durchsetzen, dass diese Platte bei der nächsten Familienweihnacht gespielt wird. Das ist nämlich zum Wahnsinnigwerden. Die Familienweihnacht wird mittlerweile bei mir gefeiert. Aber die Hintergrundmusik bestimmt immer noch – meine Mutter! Sie versucht´s zumindest. Letztes Jahr hat ihr der Saarländische Rundfunk einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Kulturkanal lief etwas definitiv Unweihnachtliches. Und auf der Schlagerwelle wurden Märchen gelesen. Ich hab dann versucht, heimlich einen Kaempfert unterzujubeln, der auf meinem Gabentisch lag. Wär auch sehr edel gewesen. Ist nur leider die Einspielung vom Londoner Konzert, und da experimentiert Kaempfert mit gewaltigen Dynamik-Wechseln. So oft kann man gar nicht zum CD-Player rennen und leiser machen, wie der seine Fortissimo-Passagen abfeuert...

Wenn ich in Therapie wär, stünde das Arbeitsziel für dieses Jahr schon fest: bei der Familienweihnacht in meiner Wohnung meine Musik laufen zu lassen. Und das wäre dann James Last! Außerdem hätte ich da natürlich noch das legendäre Christmas-Album von Phil Spector anzubieten. Aber das ist dann schon die nächste Stufe. 2005...

Ich weiß, meine Mutter wird ein Haar in der James Last-Suppe finden. Aber ansonsten möchte ich doch mal in die Runde fragen: Liebe Leute, was lässt sich denn gegen diese tolle Musik einwenden? Das klingelt und rasselt, wie es an Weihnachten sein muss. Nein, es perlt! Und einen Raumklang zaubert James Last, dass es eine Freude ist. Von ganz weit hinten klappert da ein kleines Hölzchen. Während vorne eine Glockenspiel-Combo „Es ist ein Ros entsprungen“ tupft. Die hohen Frauenchöre auf die Silbe „Ha“ – nie waren sie passender als hier! Und ich vermute, genau diese Chöre auf „Ha“ wären auch das missing link zu der Weihnachtsmusik, die meine Mutter jedes Jahr fieberhaft im Radio sucht. Doof, dass wir hier nur noch einen Privatsender und RTL Oldie Radio haben...

Nein, dieses Jahr ist James Last dran! Ich möchte mich auch ausdrücklich bedanken für die tolle grüne Farbe auf der Coverrückseite. War das nur für Holland vorgesehen? Ich finde, das passt super! Ich muss gar nix mehr rauchen: bei einem Weihnachtsmann auf apfelgrünem Hintergrund wird ich vom Ansehen schon high. Noch was, was einen Weihnachten leichter überstehen lässt. Vor allem Familienweihnacht. Und dann noch diese orangefarbene Schrift obendrüber. Toll, toll, toll. Die 70er waren schon für was gut!

Unnötig zu erwähnen, vermute ich, dass hier die Crème de la Crème der Weihnachtsklassiker drauf ist. Von White Christmas über Alle Jahre wieder bis Morgen kommt der Weihnachtsmann. Die einzigen Stücke, die ich nicht kannte, waren A, A, A, Der Winter, der ist da, Christnacht und Wenn der Schnee vom Himmel fällt. Und ein paar Songs aus Lasts eigener Feder: Midnight in december, O Wunder über Wunder und Schlittenfahrt im Winterwald.

Natürlich alles in Medleys. Das wird meine Mutter ärgern. Weil sie zu den Menschen gehört, die alle zehn Strophen von Leise rieselt der Schnee kennt. Und jetzt wird nichtmal eine abgefragt. Sondern nur der Refrain! Aber dafür säuselt, rieselt und schallt es. So, wie es sein muss an Weihnachten. Die große Tonsetzer-Kunst von James Last – sie hat auch diese Platte durchdrungen!

May 15, 2004

Beach Party

„Kennen Sie die Leute auf dem Cover alle mit Namen?“ möchte man James Last fragen. Schließlich feiert er hier mit ihnen. Sogar Kinder sind dabei.

Und was unterscheidet die Beach Parties von den Non Stop Parties? Nun. Erstmal scheinen das vor allem latin-angehauchte Stücke zu sein. Obwohl mir gerade der Strand eher nach Nordsee-Schlick aussieht. Vor allem, wenn ich die Rückseite anguck, krieg ich sofort Gänsehaut.

Es ist alles sehr gemächlich, und ein bisschen angegospelt. Aber nix mit Gesprächsfetzen und Gläserklirren. Vielleicht gibt´s bei Beach Parties nix zu trinken. Klingt auch eher nach einer normalen Band als nach Bigband. Entweder kleinere Besetzung oder nicht so spektakuläre, kunstvolle Arrangements. Bisschen schlichter alles.

Und viel Gesang! Hier darf der Chor in ganzen Sätzen Jodeln, und das tut er sehr angenehm. Viele tiefe Frauenstimmen. Und viel näher dran am „natürlichen“ Gesang als die gedrechselten Einsätze in den hohen Lagen, die man sonst von den James Last Platten kennt. Ich glaube, ich fang an, das Prinzip der Beach Party zu verstehen. Hier ist alles viel lockerer und ungezwungener. Kein Kleiderzwang. Keine straff durcharrangierten Stücke. Kein „Feuer frei“ der Trompeten. Eher diskreter Beat, dafür leise Rasseln etc. Relax, Baby. Alles fließt.

Die Songs sind very End-60er: Kumbayah, Blowin´ in the wind, El Condor Pasa, Once on a saturday morning... Nur bei “Happy Brasilia” dürfen die Musiker – insbesondere die Percussionisten – raushängen lassen, was sie können. Und das ist wirklich eine Wucht: eine reine Percussionseinlage, wie direkt vom brasilianischen Karneval eingeflogen.

Passend dazu sehen die Fotos natürlich wie Schnappschüsse aus. Hat was sehr Authentisches. Im Gegensatz zu den arrangierten Szenen auf den 80er-Strandplatten. Wer James Last mit Anglerhut auf der Birne sehen will, muss diese Platte einfach haben!

May 14, 2004

Bittet zum Tanz


Mal wieder eine Compilation aus den 80ern. Aus der Reihe mit diesen verschwommenen, am liebsten in Rot-, Braun- oder Gelbtönen gehaltenen Coverfotos. Soll so was von „de luxe“ haben. Drinnen ist aber dann doch die bekannte, beschwingte Last-Musik.

Sowas wie „Bittet zum Tanz“ find ich auch lustig als Titel. Denn wann bittet Last schon mal nicht zum Tanz? In derselben Reihe gibt´s noch „Instrumental forever“, „Non Stop Party“ und „Wir tanzen Polka“. Soviel zur Folge „Bittet zum Tanz“... Aus „Melodien der Zärtlichkeit“ und „Romantische Träumereien“ hätte sich auch locker ein Doppelalbum machen lassen. Und die Platte „Die schönsten Melodien der Welt“ darf sich selbst aussuchen, wo sie sich dazuordnet.

Die Reihe „Das Beste aus meinen Goldenen“ ist nichts anderes als die leicht umsortierte Neu-Auflage der früheren Last-Erfolgsreihen. Es gibt auch noch je eine Platte mit Seemanns- und Volksliedern.

Und es gibt jeden Menge verschiedene Arten, sich zum Tanz bitten zu lassen. Da ist die spektakuläre Bostella aus den 60ern, natürlich Rock´n´Roll, Charleston und Swing á la Chattanooga Choo Choo. Da ist aber auch viel Sanft-Fließendes aus Operetten und jede Menge Popsongs und Schlager. Von Fernando über Schmidtchen Schleicher bis Michaela.

Ist immer ein bisschen ungewohnt, Last so ohne seine durchkomponierten Partyplatten zu hören. Irgendwie ist man es ja doch gewohnt, dass nichtmal eine Millisekunde Pause ist – so ganz ohne Gläserklirren, Partygeräusche und Klatschen. Da fehlt einem richtig was, wenn die Titel mal ganz klassisch und klar voneinander abgesetzt aufeinanderfolgen.

Aber, ah, auf der zweiten Seite ist doch ein bisschen typischer Partysound dabei. Gottseidank, ich hab mich schon so allein gefühlt. Wer diese Geräusche wohl im Studio produziert hat? Ob das wirklich Freunde und Bekannte waren? Oder ob das nicht eher der Zweitjob des Chors war? Wahrscheinlich wurde das beim Vorsingen schon mit abgefragt: „Lachen Sie mal laut! Tun Sie mal ob sie so, als ob Sie sich mit jemandem fröhlich unterhalten würden. Und jetzt: klatschen!“ Nur wer singen und laut lachen konnte, hatte eine Chance, in den James Last Chor zu kommen.

Man denkt ja immer – und wahrscheinlich auch James Last – dass die Leute diese Platten bei Parties abgespielt haben. In Wahrheit haben die die vermutlich im stillen Kämmerlein gehört, so wie ich jetzt. Gibt eine Riesendunkelziffer einsamer James Last-Hörer! Die nutzten die Platte als dieses „virtuelle Lagerfeuer“, wie auch viele Fernsehzuschauer die Glotze nutzen: um sich nicht ganz allein zu fühlen. Alle Bands dieser Erde könnten vermutlich noch viel mehr Platten verkaufen, wenn sie sich auch so ´ne Geräuschkulisse unterlegen würden. Aber da sind sie sich wahrscheinlich zu fein für, die Herrschaften. Ich stell mir das grad vor: Metallica, Modern Talking und Britney Spears im Party-Sound. Bei vielen Bands – ich denk da zum Beispiel an Pur – hätte es ja auch den angenehmen Nebeneffekt, dass man weniger von der Musik hört.

Aber wahrscheinlich hat James Last da ein Monopol für und gestattet es niemand andere, seine Musik mit Gläserklirren und Luftballonplatzen zu garnieren. Schade eigentlich.

May 13, 2004

Happy Lehár

Kostümball bei Lastens! Und die wichtigsten Accessoires: blonder Ellbogenschmuck. Zwei genauso grell wie albern verkleidete Weibsleut. Hei-jei-jei... Und dazu dieser knatschblaue Hintergrund. Wieviele Käufer sind eigentlich an diesem Cover blind geworden? Mir wird grad auch schon ganz anders. Nein, das war bestimmt Bestandteil einer vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Kampagne: Mehr Lebensfreude durch Hellblau. Hätte jedenfalls gepasst in den 70ern. Wo man jetzt all die hübschen Sachen aus Plastik machen kann – warum nicht noch alles in den gleichen Farben anpinseln?

Mit Lehár und Last haben sich jedenfalls zwei gefunden. Partners in Crime. Wer denkt, hier kommt so schwülstige Operettenscheiße raus: oh nein. Wunderschöne Melodien im luftigen Easy Listening-Sound. Dein ist mein ganzes Herz, Schön ist die Welt, Da geh ich ins Maxim, Wolga-Lied... Kein Muff, kein Staub, keine Häkeldeckchen. Sondern schnittige Medleys im Bigband-Sound. Mit der Eleganz, aber auch diesem Strahlen und der Euphorie, die eben nur der Happy Sound hat.

„Sitting in his house in Vienna´s Theobaldgasse, master Lehár would be pleased and think: clever trick!” Selbstredend.

May 12, 2004

In Wien beim Wein

Oh ja, das kann ich mir gut vorstellen: Das muss der Hit gewesen sein in bundesdeutschen Wohnzimmern der 70er. James Last auf Wien-Beutezug. Und wie er da schon auf dem Foto sitzt. So´n keckes „Na, wollt Ihr nicht auf mal?“ im Blick. Was er da trinkt, ist aber kein Wein, sondern obviously Kaffee. Wiener Melange wahrscheinlich. Paar Zeitungen scheinen noch auf dem Tisch zu liegen, die Stühle sind natürlich echte Kaffeehaus-Stühle. Aber die Fototapete hinter ihm ist ganz schlimm. Ich hoffe, dass nicht wirklich ein Kaffeehaus in Wien so aussieht. Sondern dass das nur getürkt, höhö, ist.

Interessant, dass man sich getraut hat, bei einer Wien-Platte so´n graues Cover zu machen. Da hätte ich jetzt so Musikantenstadl-Deko erwartet: mit vielen Blümchen, Spitzengardinen, Flieder etc. Hier wollte bestimmt jemand die morbide Seite von Wien betonen.

Und so allein, wie er da sitzt, der James Last. Ob sich da nicht mal ein Busladung Weiblichkeit dazusetzen will? Man kriegt ja direkt Mitleid.

Aber die Musik ist wirklich schön. Angenehme Mischung aus etwas Süßlichkeit, aber auch viel Pep. Und viel, viel Atmosphäre. Unglaublich, was das James Last Orchester da wieder rauskitzelt. Die haben so wahnsinnig viel Gefühl in den Gliedern, wahrscheinlich könnten die das auch mit den Füßen spielen, und das würd noch toll klingen.

Auf der zweiten Seite geht´s gleich mit viel Fröhlichkeit weiter („Wiener Praterleben“). Luftig, flott und bunt. Und ich seh schon, da kommen meine geliebten Polkas: die Tritsch Tratsch Polka und eine Pizzicato Polka. Und James Last weiß genau, wo das Publikum die Streicher haben will: „Im Prater blühn wieder die Bäume“. Ich mag das nicht so gern, aber mich fragt ja auch keiner.

Sieh da, die Tritsch Tratsch Polka mal mit einem anderem Arrangement. Vergleichsweise Midtempo und nicht so geknüppelt. Obwohl ich die Thrash-Fassung auch sehr mag: so laid back klingt das auch gut.

Bei der Pizzicato Polka hätte ich mir dafür mehr Streicher erwartet. Da doch Pizzicato mit gezupften Saiten zu tun hat, und das geht bei den Bläsern schlecht. Na gut, da war so ´ne Art Hackbrett. Aber das muss ja eh immer gezupft werden. Ich find Pizzicato ja spannender bei Streichern, die sonst eben gestrichen werden. Trotzdem schön geworden, diese Einspielung. Auch ziemlich laid back: neue deutsche Entspanntheit. Aus damaliger Sicht. Müsste doch für die Volksmusikfans eine Revolution, wenn nicht ein Affront gewesen sein. Denn mit Uffta-Marschmusik hat das nichts zu tun. Nee, das ist schöner, folkloristisch angehauchter Swing. Danke noch mal, James Last.

May 11, 2004

...Spielt Robert Stolz

Oha, jetzt geht´s aber los. James Last trifft auf österreichischen Schmiss. Robert Stolz! Au weia. Das ist der, wo die Witwe Einzi heisst. Was ist das, bitte für ein Name? Einzi.

Und gleich mittenrein: Zwei Herzen im Dreivierteltakt. Mit Streichern, aber gottlob auch pfeffrigen Bläsern. Ein bisschen muss er aber aufpassen, dass es nicht zu süßlich wird. Sowas lässt sich, glaub ich, noch besser im Fernsehen ertragen. Wenn alle Künstler des Abends sich in lächerlichen Kostümen zum Medley treffen. In passender Kulisse natürlich. Und auch der Moderator hat einen Solo-Part.

Ach, ich lieb das ja, wenn das Blech den Rhythmuspart spielt. Mach ich mich verständlich? So als geblasene Basslinie. Aber nur so kleine Akzente auf – immer abwechselnd gespielten – zwei Tönen. Die müssen exakt einen Halbton auseinanderliegen. Das geht dann zum Beispiel immer: c-h-c-h-... So wie beim Schlusspart der ZDF-Hitparadenmusik. Wo musikalisch eigentlich gar nichts mehr passiert. Aber die Band gibt noch nicht auf und lässt das Publikum nicht aus seinen Klauen. Während die Percussions vorwärtstreiben, sich in Trommelwirbeln förmlich überschlagen, und die Streicher grad mal gar nix zu melden haben, passiert eigentlich nichts außer diesen kurzen Bläser-Einwürfen.

Wo kriegt man eigentlich eine lange Fassung dieser Hitparadenmelodie her? Und wie heisst dieses Ding, verdammt noch mal? Ist das am Ende eigens dafür komponiert worden? Auf CD findet man das nur in unter einer Minute. Aber auf der DVD „Das Beste aus der ZDF-Hitparade“ ist eine viel längere Fassung drauf, ich hab´s genau gehört.

Die Robert Stolz-Platte macht jedenfalls Laune. Der Sound ist nicht ganz so überzogen, wie ich´s erwartet (und gutgefunden) hätte. Nee, ist vergleichsweise ruhig und un-schrill. Aber doch mit genug Tschingderassabum, um Spaß zu haben. Die Trompeten schmettern, die Gitarren schnalzen, der Drummer gibt der Band lässig die Sporen. Nur ganz selten darf so ´ne Geige mal solo wimmern.

Und die Lieder haben so schöne Namen wie „Jung san ma! Fesch san ma!“, „Im Casino, da steht ein Pianino“ oder „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“. Ist das nicht toll? Genau. Auch das superschöne „Salome“ ist hier drauf. Das gibt´s zu Recht auch später noch auf anderen Samplern. Das ist so richtig frisch und flott von James Last in Szene gesetzt. Und bei den Medleys gibt´s zwischendurch auch tolles Piano-Swing-Geklimper.

Was ich auch sehr gern mag, ist, wenn sich die Bläser so gegenseitig hinterherjagen. Wenn einer mit seinem Einsatz immer weit nach den anderen kommt, wenn die grad anfangen, still zu werden. Ja, Trompeter, meinetwegen auch Posaunist sein in der James Last-Band – dafür würd ich glatt noch mal auf die Welt kommen.

May 10, 2004

Classics up to date 4

Ich bin ja nicht so´n Freund dieser Reihe. Obwohl die Einspielungen zweifellos raffiniert sind. Melodien aus Madame Butterfly, die Moldau, Musik von Rodrigo, Zigeunerweisen, Chopin, Ravel etc. Lustig finde ich, wenn – aus vermutlich rechtlichen Gründen – hinter dem Komponisten der Verlag steht. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

(Friedrich Smetana) Happy Music

Oder:

(Frédéric Chopin) Happy Music.

Da find ich´s besonders lustig, weil Chopin doch so´n trauriger Mensch war.

Die Flöten allerdings in der Moldau: sehr schön. Ich sag´s ja immer wieder: James Last hat gute Ideen und tolle Musiker. Und wenn Millionen Deutsche auf dieses Orchester abgefahren sind – warum beglückwünscht man sie nicht zu ihrem super Geschmack? Warum macht man sie immer nur als Middle of the road-Spießer fertig? Hm? Ich versteh das nicht.

Insgesamt recht ruhig, diese Platte. Ist so was für den Sonntagmorgen. Oder – wenn man mag – auch im Hintergrund beim Kaffeekränzchen.

Wollen doch mal sehen, wie sich Herr Last so auf dem Cover präsentiert. Aha. Lustwandelnd vor einem Pavillon im Grünen. Arme vor dem Körper verschränkt – das sieht ja nicht so entspannt aus. Und da glitzert auch noch ein fettes Goldkettchen am Handgelenk. Wenn er das mal nicht Dieter Thomas Heck geklaut hat. Der hat sein´s, glaub ich, von Heino bekommen. Ganz früh, vielleicht schon zu ersten ZDF-Hitparade, als Talisman. Obwohl ich glaub, dass Heino gar nicht bei der ersten ZDF-Hitparade dabei war. Ach was, Heino war einfach überall. Wo der deutsche Schlager auch hinkam und sein Fähnchen in den Gipfel hauen wollte – Heino war schon da. Ja, so wird´s gewesen sein.

Jedenfalls trägt James Last hier deutlich sichtbar einen Leinenanzug. Wir schreiben 1976, und ich glaub, da war er mit einem Leinenanzug schon ganz weit vorn dabei. Knittern die nicht höllisch? Der hier nicht. Gepflegt, gepflegt. Und das Cover ist von der Aufmachung her grad so an der Grenze zwischen 70er und 80ern. Im Gegensatz zur Musik gefällt mir das Cover sehr gut. Und die Musik ist auch nicht schlecht, sie macht nur müde. Sehr geigenlastig, diese im speziellen. Nee, diese Classics up to date sind nichts für mich.

May 09, 2004

In Concert

Ich hätte jetzt was mit Live-Atmo erwartet. Aber hier muss ich wohl noch was über die verschiedenen Konnotationen des Konzerts lernen. Es ist in diesem Fall das Konzert, „in“ das man geht. Nicht „auf“. Solche Konzerte gibt´s ja auch. Aber hier ist es das Konzert, in das man geht. Will sagen: es handelt sich um ein sogenanntes „klassisches“ Konzert. Und der Begriff „Konzert“ dient hier allein dazu, diese Platte ein bisschen hochkulturell aufzuwerten.

Er soll eine Aura schaffen. Eine Aura des Respekts. So wie man eben ehrfurchtsvoll ins Konzert geht, sich setzt und andächtig lauscht. Ohne Partygeplapper, ohne Tanzboden, ohne Rucki-Zucki.

Es ist ausdrücklich kein Live-Mitschnitt eines James Last-Konzertes, auch wenn ich mir das sehr gewünscht hätte. Aber was hätte dann die merkwürdige Frau im Strahlenkranz auf dem Cover gesollt? Andererseits: was soll sie denn hier???

Nun gut. „In Concert“ ist jedenfalls wieder eine Mischung aus sogenannten E-Musik-Stücken. Und das in einer Zusammenstellung, wie man sie vermutlich überall findet, nur nicht im klassischen Konzert. Egal. Die James Last-Welt ist eine Fantasie-Welt. Hauptsache Euch geht´s gut, Leute. Mit Mozart, Beethoven, Schubert, Bach, Mendelssohn und Borodin. Klingt alles gleich, sagt Ihr? Ja, dann hat James Last was richtig gemacht. Denn so soll es ja am Ende auch sein.

Mir persönlich ist es zu getragen. Trotz des leisen, durchlaufenden Beats. Und zu viele lahme Streicher. Aber insgesamt ist das schon eine interessantristische, sehr exotische Begegnung von Easy Listening und Klassik/Barock/Impressionismus/Romantik und was sich hier halt noch so alles verbirgt. Und Herrgott – warum sollen diese Kompositionen heiliger sein als Rucki-Zucki und Nackedi-Nackedu? Da wart ich noch drauf, dass mir das mal jemand schlüssig erklärt.

Danach können wir dann weiter darüber reden, ob es barbarisch ist, nach ´45 noch klassische Autorenwerke mit Streicherwolken und Hi-hats nachzuspielen. Ich bin der Meinung: nein.

May 08, 2004

...mein Leben ist Musik...


Das musikalische Portrait mit Gesamtkatalog.

Was bitte ist ein musikalisches Portrait? Heisst das, dass wir nach schätzungsweise 120 James Last-Platten jetzt endlich den echten zu sehen bekommen? Beziehungsweise zu hören. Was war auf den anderen Platten drauf, wenn das jetzt ein musikalisches Portrait ist?

Es soll wahrscheinlich mal die ganze Bandbreite gezeigt werden. Da ist erst der bearbeitete Schumann, also ein Stück aus der E-Musik. Dann „In the mood“, um zu zeigen, was James Last aus amerikanischen Swing-Klassikern macht. Was Tolles, in diesem Fall.

Dann die Kosaken-Patrouille – man ist ja schließlich weltoffen. Und weitgereist. James Last war übrigens auch schon in Russland. Man höre nur Platten wie „Russland zwischen Tag und Nacht“, „Mitternacht in Russland“ und...

Hach, und da ist auch die Dolannes Melodie. Die stammt aus derselben Schmiede wie die Ballade pour Adeline. Und bei mir hieß sie als Kind nur die „Musik vom Nationaltheater“. Ich muss sie zum ersten Mal gehört haben, als wir am Mannheimer Nationaltheater vorbeifuhren. Und ich mochte sie sehr gern. Mein Vater sang gern einen Text darauf, der ging „Zuerst war es Liebe. Aber dann gab es Hiebe“. Dem Kleingedruckten entnehme ich, dass dieses Stück der Last-Platte „Happy Summer night“ entnommen wurde. Das klingt natürlich schick. „Happy summer night“...

Und noch ein Schwung Volkslieder. Aber nicht etwa aus dem Ännchen von Tharau, sondern aus „Freut Euch des Lebens“. Auch das ist James Last, jawohl.

Weiter geht´s mit der Sportpalast-Polka! Ist das toll? Eine Sportpalast-Polka! Gibt´s auch eine Supermarkt-Polka? Eine Trinkhallen-Polka? Und eine Jugendzentrum-Polka? Ich finde, alle Volkstreffs müssten Polkas bekommen. Die Bushaltestellen-Polka. Die Bahnhof-Polka. Die Telefonzellen-Polka. Ja, auch ganz wichtig in der Karriere von James Last – die Polka.

Ein Schlager-Medley der Marke „Sing mit“. Noch eine Facette von James Last, mh-h. Und natürlich die Non Stop Dancing Medleys. Man hätte natürlich auch ein Non Stop Party Medley nehmen können. Aber hätten Sie den Unterschied bemerkt? Sehen Sie. Den kennt vermutlich nur James Last ganz alleine. Vielleicht noch ein paar Druiden von der Polydor.

Wien bleibt Wien darf auch nicht fehlen. Um zu zeigen, dass sich James Last nicht nur an kalifornischen Stränden und in Russland auskennt,
sondern auch bei den europäischen Nachbarn.

Und – klar – die Shanties. Der Mann kommt schließlich aus Bremen und heisst mit Zweitnamen Käpt´n James. Das verpflichtet.

Ja, wenn man das so sieht, ist das doch ein repräsentativer Querschnitt durch das Schaffen von James Last. Well done.

May 07, 2004

Non Stop Dancing 12

Dieses Cover gehört vermutlich zu den schönsten, die je eine James Last-Platte hatte. Rot mit Pink – und es sieht immer noch gut aus! Und diese tolle 12! Mann, Mann, Mann. Keine Ironie. Wenn ich mir vier Last-Platten an die Wand hängen dürfte, würde die hier dazugehören. Trotz des Rüschenhemds, das James Last hier trägt. Aber immer noch besser als die Schals, die bei seiner Band vorne raushängen.

Und wie das wieder swingt. Ich möchte ja alle James Last-Kritiker mal fragen, was sie sich dabei gedacht haben, James Last schlecht zu finden. Nichts, vermute ich. Wie kann man nur? Das ist wirklich grandiose Musik. Wenn man´s natürlich mit Miles Davis oder so vergleicht, wird man hier stromlinienförmiges Middle of the Road raushören. Aber wenn man die Ohren aufmacht, merkt man, dass da keineswegs kompositorische Untiefen mit Effekten zugekleistert werden. Sondern mit viel Hingabe auch noch die letzte Moleküle ihren Schubs kriegen und zum Swingen gebracht werden.

She´s a lady, Cracklin´ Rosie, Be my baby, My sweet Lord, Have you ever seen the rain, After midnight… James Last hat wieder ein halbes Jahr Charts-Pop eingesogen. Und was bei ihm rauskommt, sind zum Teil euphorische Prä-Disco-Hymnen. Ganz großes Kino! Ansonsten ist diese Platte ein eher lässiges Potpourri. Alles ist im Fluß, kaum größere Brüche. Gut – das Love Story-Theme klingt ein bisschen gepresst: hat mehr Tempo und weniger Punktierungen als im Original. Aber das muss wohl sein, wenn jemand drauf tanzen soll. James Last wird schon wissen, was er tut. Oder?

Ganz recht. Wie Roger Willemsen sagen würde.

May 06, 2004

Romantische Träumereien


Au backe. Ein ganz weichgezeichnetes Cover. Das lässt nichts Gutes vermuten. Was ist das hier? Ein Szenenfoto aus „Zärtliche Cousinen“? Nein, der Mensch oben scheint ein Mann zu sein. Na gut. Könnte aus „Die blaue Lagune“ sein. Erinnert mich so´n bisschen daran. Die Klamotten sehen nach Freibeutern oder ausgesetzten Jugendlichen aus. Aber wie hieß der Typ noch, der da mitgespielt hat? Der hat nämlich genau so´ne blonde Minipli. Später hat er das Kindermädchen in Dallas gespielt und Sue Ellen gevögelt. Ich komm nicht drauf.

Egal. Das kleine Foto von James Last ist übrigens ganz scharf. Drunter ist sein Autogramm aufgedruckt. Super Idee von der Werbe-Abteilung. „Wir machen mal auf Authentizität“. Und daneben die Worte „Meine Titel-Auswahl“. Ja, das will ich aber auch hoffen. Wer soll denn bei den Platten vorher ausgewählt haben? Die Nachbarn? Der Pfleger? Die Polydor? Und was bitte ist ein „vien“? So wie in „La vien en rose“. Kann mir das mal einer übersetzen? Steht hier vorn auf dem Cover drauf. Original. Da wär jetzt der Aufdruck „Nicht von mir geschrieben“ nicht schlecht.

„Für romantische Stunden“, empfiehlt mir der Aufdruck auf der Coverrückseite. Und dann kann ich mir noch aussuchen, in welcher Reihe diese Compilation erschienen ist. „Das Beste aus meinen Goldenen“ oder „The gentleman of music“. Und irgendeine Club-Sonderauflage ist es auch noch. Ich nehm alle drei. Und Sie ahnen es schon: aus dem Mann mit der blonden Matte und den hochhackigen Plateaustiefeln ist hier schon der distinguierte Graumelierte mit schwarzem Anzug und Krawatte geworden. Ein Kinnbart ist noch dran, damit sich der Schnauzer nicht so alleine fühlt. Aber wir sind schon schwer in den 80ern.

Jetzt werden also die alten Hits neu zusammengeschnürt in Plattencovern, die wie schlechte Fototapeten aussehen (aber immer noch besser als die airgebrushten Bilder, die später drauf sein werden). Da es ja eine Romantik-Platte ist, schleicht der Sound hier meistens auf Socken und Zehenspitzen rum. Viele Streicherkaskaden, die oben auf dem Notenblatt schon eigenhändig gemalte Zusatzlinien brauchen, so hoch liegen sie. Das ist nicht so meins. Erinnert mich auch eher an das, was so in Chinarestaurants der gehobenen Mittelklasse als Tischmusik läuft. Obwohl es natürlich wieder mit viel Liebe und Können gemacht ist. Aber das ist dann doch eher was für Menschen, die wirklich von ´ner Reise in die Südsee träumen. Und das tu ich nicht. Dazu bringen mich nicht mal die Ballade pour Adeline, Der einsame Hirte, die Moonlight Serenade oder Wenn süß das Mondlicht über den Hügeln schläft. Obwohl gerade letzteres sehr schön ist. Und übrigens eine originäre Last-Komposition. Hier allerdings in einer sehr kastrierten Form. Ich persönlich mags lieber mir ein paar kräftigen Bläsern. Und das gibt´s auf anderen Platten.

Ganz im Gegensatz zu – ja, einem meiner persönlichen Last-Favourites: Biscaya. Hier ist er drauf! Einer der wenigen Single-Hits, die James Last je hatte. Aber nichtmal jetzt träum ich von der Südsee. Nein, ich seh mich in meinem alten Mädchenzimmer Puppenstube spielen. In jenem Sommer, als „Biscaya“ den Soundtrack lieferte. Ich hab´s damals geliebt. Und ich liebe es heute noch. God bless Biscaya!

May 05, 2004

Träum was Schönes

Die schönsten klassischen Melodien.

Also, der Titel ist ja wirklich mal reizend. „Träum was Schönes“. Sowas Umsichtiges! Und vorne ist er drauf, der James Last, und macht mit dem Finger so leicht „Psst“ auf seinen Lippen. Damit wir nicht stören und er weiter spannen kann. Hintendran sitzt nämlich ein Pärchen, das denkt, es wär allein. Die sind vermutlich gemeint mit „Träum was Schönes“: „Denkt einfach nicht an mich. Stellt Euch vor, Ihr wärt allein. Beachtet mich gar nicht.“

Ah, und da kommt auch schon die Ballade pour Adeline. Das ist nun wirklich der Overkill an Easy Listening. Der weichgespülte Clayderman-Sound in der Last-Adaption. Aber Last hält es hier mit relativ historischer Aufnahmepraxis. Große Unterschiede hör ich da nicht raus. Höchstens, dass der Beat hier besser ist. Und da mogelt sich auch noch ein Chor unter. Auf dem Vokal „A“...

„Träum was Schönes“ – eigentlich ist das doch eine frühe Kuschelrock-Serie, oder? Und wenn man die Non Stop Parties sieht, dann ist James Last eigentlich auch der wahre Erfinder der Bravo Hits. Und aller längsten Singles der Welt. Und der Partymixe sowieso. Müssen eigentlich Nicole, Andrea Berg, die Münchner Freiheit, Udo Jürgens und Wolfgang Petry Tantiemen an James Last zahlen für den Terminus „Partymix“? Logisch wär´s ja.

Hu, und hier kommen die Traumschiff-Streicher und versuchen sich wie musikalische Q-Tips in meinen Gehörgang zu winden. Ich muss aber nicht husten. Stattdessen zieh ich mich am besten mal um für´s Captain´s Dinner. Eigentlich hätte doch James Last auch einen tollen Traumschiff-Kapitän abgegeben. Er hat den richtigen Schnauzer, Haare im optimalen Grauton und dieses gütige Lächeln, das so´n Seebär und Ladykiller nun mal braucht. Hat ihn eigentlich nie jemand gefragt? Oder haben Sie etwa zuwenig Geld geboten, Herr Rademann?

Mann, das wär der erste Traumschiff-Kapitän gewesen, der auch das schiffseigene Orchester hätte dirigieren können. Und wenn er doch mal ans Steuer gemusst hätte, weil ein lästiger Eisberg droht oder Rabauken (gespielt von Otto Sander oder früher Raimund Harmsdorf) Ärger machen, dann hätte er einfach eine Non Stop Party aufgelegt, und die Leute hätten weitertanzen können. Ich bin sicher, das hätte Quoten gebeben. James Last als Traumschiffkapitän – holy shit!

Es ist aber so schon ´ne Traumkombination: James Last-Musik und das Traumschiff. Ich find, hier passt sie einfach am besten. Es ist so edel und auch ein bisschen dekadent. Beim Landarzt nervt die Musik eher. Da nerven aber auch der Landarzt und seine Frau, seine Kinder und dieser komische Quacksalber mit seiner Frau, die von Angelika Milster gespielt wird. Und das nichtmal schlecht!

Ich glaub, für „Zwei Münchner in Hamburg“ hat James Last auch die Musik geschrieben. Ich will mich da aber nicht festlegen. Kann mich irren. Jedenfalls hab ich diese Musik in guter Erinnerung.

Also, wenn diese Platte einen Beinamen verdient (der nicht „Die schönsten klassischen Melodien“ ist), dann wäre es: Das Traumschiff-Gefühl. Denn genauso klingt das hier. Alles soft und leicht, mit ganz hohen Streichern und viel Hall. Zart, edel und sehr entrückt. Irreal. Macht großen, großen Spaß.

Und ist so ganz anders als die „Classics up to date“. Obwohl hier auch nur Stücke aus der E-Musik drauf sind: Bizet, Schumann, Liszt, Smetana, Verdi, Chopin. Und Clayderman natürlich. Aber hier geht Last so richtig mit Glacéhandschuhen dran. Hier darf man, glaub ich, fast nur Walzer drauf tanzen. Aber, mh, ganz ehrlich: zumindest „Für Elise“ mag ich doch lieber ohne den Chor auf „Ha“ und die vielen Streicher. Ein gestimmtes Klavier und ein guter Pianist reichen da völlig. Aber da kann man wohl nix machen. Gefangen auf Traumschiff 04. Allein auf Bora Bora. Hoffentlich kommt gleich Sascha Hehn und rettet mich.

May 04, 2004

Last the whole night long

50 Non-Stop Party Greats from James Last.

Wow, geht schon los mit Live-Atmo. Und dann mittenrein in die Disco-Zeit. Gut, „Rivers of Babylon“ kaut noch auf leicht wackeligen Milchzähnen. Aber schon „Dancing in the city“ hat dieses leicht Schwüle der späten 70er. Saturday Night Fever, ja klar – das hat ja im Original schon großes Orchester. Mit der Bee Gees-Ekstase (dass ich so was mal schreibe!) kann´s hier nicht ganz mithalten. Aber das ist wohl Absicht. James Last weiß schließlich, wo seine Platten laufen. Und warum da nicht das Original läuft.

Trotzdem schön, dieser Zug durch die Dancefloor-Gemeinde der 70er. Wenn einer so was kann, dann James Last. Der alle Genres herzt und danach aufisst. Dieses Doppelalbum hier kriegt zehn von zehn Sternen! Was sind da nicht für tolle Sachen drauf: Una paloma blanca, I can´t give you anything, Boogie Oogie Oogie, Love is in the air, You´re my first, my last, my everything, Dancing Queen, Kiss you all over, Y viva Espana, I´m on fire…

Und alles in einem Rutsch durch! Dreizehn Titelfetzen pro Seite. Mein Gott, was sich der Mann für ´ne Arbeit gemacht hat. Statt brav Dreiminüter mit vierzehn Strophen zu nehmen, setzt der hier alle anderthalb Minuten ein neues Stück in Szene. Das muss ja erstmal alles arrangiert werden. Also, da krieg man doch echt was geboten für sein Geld!

Und dann dieser süße Mond auf dem Cover, ist das nicht niedlich? Eine Perle der Plattenhüllengestaltung! Gut, dass da noch niemand ´ne Pfeife drangemalt hat – oder was man Monden halt noch so mitgibt, optisch. Aber winzige Flecken sind da drauf, auf dem Cover. Als wär da mal was draufgetropft. Hoffentlich was zu Trinken.

Vielleicht war diese Platte Ende der 70er Begleiter vieler Parties, so wie sie auf den kleinen Fotos hintendrauf abgebildet sind. Auf zwei Fotos meine ich sehr deutlich Udo Jürgens zu erkennen. Kann das sein? Udo Jürgens auf Party-Fotos auf einem James Last-Plattencover? Er würde es vermutlich leugnen. Sonst kündigt ihm nämlich sein eigener Orchesterchef, Pepe Lienhard. Der findet das bestimmt nicht lustig.

Lustige Partyhütchen trugen die Menschen damals. Und Luftballons und Luftschlangen – bei einer Erwachsenenparty! Ob das doch ein bisschen gestellt ist? Bestimmt nicht. Häppchen werden da offenbar rumgereicht. Und wenn ich mir die so anschau, dann war ich da mit meinen doch ganz dicht dran. Nur so hässliche Kleider haben meine Gäste gottseidank nicht getragen. Und Polonaise wird bei mir auch nicht getanzt! Aber woher mögen wohl diese komischen Flecken gekommen sein? Das lässt mich nicht los. Ließen sich übrigens mit einem feuchten Lappen relativ leicht abwischen. Was haben Menschen in den 70ern so getrunken, außer Tritop, Susi Sunkist und Caprisonne? Halt – ich glaub, Susi Sunkist selbst hat niemand getrunken. Höchstens ihr Blut. Nein, ich mein: höchstens ein Getränk namens Sunkist. Susi Sunkist war doch nur die Werbefigur dazu.

Bei uns zuhause wurde damals, glaub ich, nur Bier und Apfelwein getrunken. Wenn Gäste kamen, wurde noch Limo gekauft. Kleiner Scherz. Nein, die Limo wurde wirklich nur gekauft, wenn Gäste kamen. Das war ganz schön Scheiße. Hat aber vermutlich dazu beigetragen, dass ich heute noch Konfektionsgrößen tragen kann.

Nun, ich glaub, das war ein richtiger Drink, was hier draufgetropft ist. Hoffentlich war es nicht der Speichel der Menschen, die mir dankenswerterweise diese Riesenkiste mit James-Last-Platten geschenkt haben – toi-toi-toi. Ich seh das direkt vor mir, wie sie die durch halb Saarbrücken geschleppt haben und dann noch zwei Treppen hoch. Aber so milchiger Speichel? Glaub ich nicht. Nein, da war bestimmt Batida drin. Oder Eierlikör. Der hatte in den 70ern ja Hochsaison. Gut, dass es den nicht bei uns gab. Da wär´s jetzt ganz sicher nichts mit Konfektionsgrößen. Naja, wer früher so ´ne „Last the whole night long“ hatte, sie bei Parties genutzt und später weggegeben hat, kann sich ja mal melden. Und Auskunft geben, was man dazu so getrunken hat. Respektive draufgetropft.

May 03, 2004

This is James Last

Das dürfte eine recht frühe Last sein. Und eine lustige Mischung ist drauf: alte Swing-Klassiker, bisschen E-Musik, Beatles, Sonny & Cher, bisschen Latin. Hübsch mit Leerrillen dazwischen aufgereiht. Nix Potpourris, nix Partysound. Alte Schule also. Vergleichsweise konservativ.

Aber man erkennt doch sofort die Last-Handschrift. Ist schon ziemlich effektheischend und sehr farbig. Und er gibt natürlich Gas, der Herr Last. „American Patrol“ gibt´s später noch in einer leicht anderen Einspielung, mit etwas weniger Becken und Triangel und anderen Trompeten-Einwürfen. Der Knackbass ist hier noch deutlich rauszuhören.

Diese Platte ist ähnlich wie die „An evening out with James Last“. Große Swing-Kunst. Blumige, trickreiche Arrangements. Vollgespickt mit Details, aber immer den Grundzug, die große Linie im Auge.

„I got you babe“ ist ziemlich soft gehalten, mit vielen Streichern. Aber bei „Delicado“ marschieren schon wieder die ausgelassenen, leicht übermütigen Trompeten ein. Es sind vertonte Prilblumen: bunt, fröhlich, unübersehbar, schrill. Genauso bei „La Bamba“, eine weitere Großtat auf diesem Album. Mein Gott, müssen diese Partituren vollgekritzelt gewesen sein, wenn James Last mal mit ´nem Stück fertig war. Das platzt aus allen Nähten vor lauter Instrumentalparts und Gimmicks. Schön. Hat sich auch in so ziemlich derselben Fassung auf weiteren Compilations gehalten, das „La Bamba“. Nicht ohne Grund. Sehr empfehlenswert, diese Platte. Feine, feine Sache.

May 02, 2004

Classics up to date 2

Also, das lässt sich schon viel besser an als Classics up to date 1. Die war ja wirklich kaum zu ertragen. Hier ist bedeutend mehr Pep drin. Und die Frau auf dem Cover hat auch schon mehr als eine Marmorbüste neben sich: nämlich einen Lover und ein Glas Sekt. Das ist doch schon was.

Liebe englische Käufer dieser Platte, lassen Sie sich nicht verwirren. Auch wenn der erste Satz des englischen Covertextes lautet „A hitherto unknown side of the List-Sound ist heard here“ – es heisst immer noch Last, nicht List. Schauen Sie ruhig mal rüber zum deutschen Text: „Eine bisher kaum gekannte Seite des Last-Songs wird hörbar.“ Der Mann heisst tatsächlich James Last, und nicht Jimes List.

Nein, hier lebt der Sound doch richtig. Das ist toll. Und ich dachte schon, alle E-Musik-Werke sollten zum James Last-Sperrgebiet erklärt werden. Die Idee, eine Percussiongruppe durch das komplette Presto aus Beethovens Siebter zu ziehen, ist klasse. „Akustischer Milchbrei“ hat es Michael Naura genannt. Naja. Ähem. Der ist bestimmt nur neidisch. Wieviele Platten hat denn Michael Naura verkauft, hm? Nun. Natürlich darf man James Last jetzt nicht, öhm, Miles Davis gegenüberstellen. Oder Charlie Mingus. Aber dem Orchester Mantovani. Den Les Humphries. Den frühen Bee Gees. Und dann wird man sehen: das rockt! Borodins „Prinz Igor“ mit flotter E-Gitarre. Yeah!

Deshalb: wer es vermeiden kann, bei der „Classics up to date“ zuzugreifen, der tue das bei der „Classics up to date 2“.

May 01, 2004

Sing mit 2

Fortsetzung der tollen ersten Folge von „Sing mit“. Mit dem Unterschied, dass hier ein kleines Wörtchen über der Tracklist steht: „Potpurri“. Hat sich etwa jemand nach der ersten Platte beschwert? Nach dem Motto: Hier steht „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, und ich will alle Strophen, bis zu „Dru Chunusun mut dum Kuntrubuss“... Hat bestimmt rechtliche Gründe, das.

Ich hätte da gleich noch ein neues juristisches Problem aufzuwerfen: wer ist eigentlich der Chor, der hier singt? Warum ist der nirgendwo aufgeführt? Herr Last will doch nicht etwa behaupten, das seien wieder seine Partygäste, die er eher zufällig für die erste Folge der Nonstop-Party aufgenommen hat? Netter Versuch. Die kann er mir auch mal vorbeischicken, diese Gäste.

Oder sind das vielleicht die wunderbaren Ute Mann Singers? Sie wissen schon, dieser Chor um die rothaarige Chefin, die in Wirklichkeit Ute Hellermann heisst und mit Paul Kuhn verheiratet ist. Hm. Ist der einzige Chor, der mir einfällt. Und ich dachte, ich erzähl´s mal, damit nicht so auffällt, dass ich eigentlich nicht viel zu dieser Platte zu sagen habe.

Außer, dass sie mir gut gefällt. Und dass es schon recht spät abends ist und bestimmt gleich die zwei Studentinnen, die unter mir wohnen, hochkommen. Sie werden was zu Knabbern mitbringen und fragen: Können wir mitmachen? Woher sie wissen, was ich hier höre? Nun, das ist einem Umstand meiner altersschwachen Anlage geschuldet. Auf der linken Box muss man die Lautstärke aufgrund eines Wackelkontakts lauter drehen, als man eigentlich möchte, um überhaupt was zu hören.

Ich schätze die Entstehungszeit der Platte übrigens auf ´73, weil „Goodbye Mama“ drauf ist. Und weil ich bei der ersten Folge schon auf 1972 getippt hab. Lobenswert: hier höre ich die erste Fassung von „Schönes Mädchen aus Arcadia“, die man bei klarem Verstand ertragen kann. Sowieso ist dieses Lied hier in allerbester, ihm angemessener Gesellschaft: „Rucki-Zucki“, „Auf der Mauer, auf der Lauer“ und „Skandal im Harem (im Harem sitzen heulend die Eunuchen)“. Herrjeh, bei der Songauswahl wär ich gern dabeigewesen.

Überhaupt: woher hat dieser Herr Last immer gewusst, was das Volk will? Nur aus den Charts? Glaub ich nicht. Anonym unters Volk gemischt, etwa in der Dorfdisco und beim Schützenfest? Glaub ich auch nicht. Und außerdem: in Bremen heisst das „Freimarkt“. Berater von der Polydor? Vielleicht. Mag ich aber nicht glauben. War bestimmt doch die Dorfdisco. Oder seine Kinder. Ja, Kinder kommt bei so was immer gut. Die haben doch die Nase am Puls der Zeit, ha! Ohne zu wissen, was sie eigentlich tun. Sowas erzählen jedenfalls Leute gern, die früher bei der ZDF-Hitparade gearbeitet haben. „Immer, wenn ich nach der Sendung nach Hause gekommen bin, hab ich am nächsten Tag die Nachbarskinder auf der Straße gefragt, wer gewinnt. Und die haben mit traumwandlerischer Sicherheit gesagt: der-und-der. Sänger, von denen wir nicht gedacht hätten, dass sie gewinnen. Haben sie aber!“

Ja, genau. Und exakt diese Kinder haben auch gesagt: Bring nach „Prost, skal, salute“ „Lieber heute geküsst“. Und nach „Jetzt geht die Party richtig los“ „Geh´ Alte, schau mi met so teppert an.“ Ich find´s schlimm, dass Kinder schon Wort wie „skal“ und „Alte“ kennen, aber das war in den 70ern halt auch nicht besser als heute. Egal. James Last hat drauf gehört. Und es hat doch auch toll geklappt!

Noch ein letztes Wort zu „Lieber heute geküsst“: manchmal hinterlassen auch alte, wunderschöne Hits der gänzlich zu Unrecht vergessenen wunderbaren und göttlichen Renate Kern ihre Spuren auf den James Last-Scheiben. Zugleich hinterlässt damit auch der Bruder von James Last seine Spuren. Denn Werner Last alias Kai Warner war Komponist und Produzent für/von Renate Kern. Und auch Kay Warner hatte ein tolles Orchester. Sehr, sehr hörenswert. Aber „das kommt ja alles wieder“, wie die Frau von Dieter Thomas Heck zu sagen pflegt. „Immer mehr Produktionen haben wieder echte Streicher.“ Das nimmt man doch wahrlich beruhigt zur Kenntnis.

Und noch ein allerletztes Wort: wer mal an ein paar schöne Schlager aus der „zweiten Reihe“ erinnert werden will - also an Schlager, sie nur selten bis gar nicht im Radio laufen – der ist bei dieser Scheibe richtig. Dreh dich weiter, Ballerina; Lieber heute geküsst; Mein Schatz, du bist ´ne Wucht; Jetzt geht die Party richtig los – ich find, das ist gelungene Archivarbeit. Alles kleine Perlen. Jetzt aber Tschüß-Tschüß.

April 30, 2004

Non Stop Dancing 1972/2

Oh mein Gott, was für ein gütig blickender James Last auf dem Cover! Da fühlt man sich doch gut aufgehoben. Hat ein bisschen was Jesus-haftes, find ich. Mit gepflegteren Haaren, natürlich. Wir wissen ja alle, wie Jesus damals rumlief, mit diesen langen Zotteln. Und es gab bestimmt Leute, die James Last gern ans Kreuz genagelt hätten für seine Musik, höhö – um die Parallele noch weiterzuspannen.

Wir sind also gefangen in einer Welt aus Orange- und Brauntönen: Willkommen bei Non Stop Dancing 1972, Teil 2. Und es geht direkt los mit Deep Purples „Fireball“, bevor der heitere „Beautiful Sunday“ aufblüht und abgelöst wird von „Samson an delilah“... Neil Young befindet sich hier in heiliger Eintracht mit Tony Christie, Vicky Leandros und Giorgio Moroder. Was Sie besser nicht über 1972 gewusst hätten – hier erfahren Sie es. Für die Deep Purple-Fans mag es schmerzlich sein. Die Tony Christie-Fans sind durch den schmeichelnden Bigband-Sound versöhnt. Und den Giorgio Moroder-Käufern ist eh alles egal.

Musikalisch schneidet die Platte jedenfalls gut ab. Kickasst, hat wieder diese nebulösen Chorgesänge und ackert sich zügig durch einen Riesenpacken Hits. Groovt, hat Flow und Soul – um hier mal mit anglösen, nichtssagenden, wenn auch belobigenden Etiketten um mich zu schmeißen. Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll. Die Platte ist flott, hat Pep und macht einfach Laune.

Warum die Tracklist auf einem gelben Riesensticker hinten aufs Cover geklebt ist? Weiß ich auch nicht. Vielleicht ist die „Schöne Maid“ erst in allerletzter Sekunde mit drauf genommen worden. Und dafür flog der „Zug nach Nirgendwo“ raus oder so. Oder die Frau des Polydor-Chefs fand die Farbe so nett. Oder man hatte die Tracklist einfach komplett vergessen und es erst gemerkt, als alle Cover schon gedruckt waren. Danach waren im Umkreis von 500 km alle gelben Sticker ausverkauft, aber macht ja nichts.

April 28, 2004

Sing mit 4

Nein, das ist nicht Mike Krüger auf dem Cover. Das ist wirklich James Last. Gut, man hat ihn schon besser gekleidet gesehen, aber vermutlich ist Karneval.

Die Musik ist gut, fetzig, haut auf die Pauke. Aber liebe Leute – was ist denn mit dem Chor los? Sind ihm bei Strafe die Synkopen verboten? Da wünscht man sich ja Cindy und Bert herbei, die den Rosen aus Malaga wenigstens noch ein Fünkchen Leben einhauchen. Mein Gott, hab ich das grad wirklich geschrieben? Aber ja, genauso ist es.

Überhaupt, der Chor. Der singt hier in richtigen Sätzen. Und ist definitiv in den Vordergrund gemischt. Aber powermäßig ist das „Rolf und seine Freunde“-Niveau. Das muss die Blaupause der schrecklichen Hermes House Band gewesen sein. Hilfe.

Nee, ein Blumenpott ist damit nicht zu gewinnen. Und das geht auch schon sehr in die Richtung dieser Invasion der Cover-Compilations. Damals hieß das aber noch nicht Cover, sondern „nachgespielte Fassung“ oder so. Da sagt man immer, die 80er wären das Zeitalter der Cover-Versionen gewesen. Stimmt aber gar nicht. Wir alle hatten in den 70ern die Schränke voll mit Samplern, auf denen irgendwelche Studio-Combos die Charts nachgespielt haben. Möglichst naturgetreu kopiert, aber an winzigen Kleinigkeiten hat man´s dann doch immer gemerkt.

Kann man mir mal erklären, welchen Zweck diese Dinger hatten? Wer hat die gekauft? Die Oma, weil es schon gereicht hat, wenn „Schmidtchen Schleicher“ oder „Der große Zampano“ draufstand? Waren die irgendwie billiger? Partymusik für Schlechterverdienende? Ich kapier das nicht. Die haben auch schnell ziemlich geschmuddelt, die Kassettenhüllen von denen. Meistens waren da halbnackte Weiber vor quietschbuntem Hintergrund drauf. Oder Eintänzer, die auch nicht peinlicher aussahen als die Models auf meinen Rezeptkarten „Kinder feiern kleine Feste“.

Aber das hier ist ja wohl die Höchststrafe: der Refrain vom „Letzten Sirtaki“, müde und lustlos – und natürlich absolut synkopenfrei – runtergeleiert. Wenn das so weiter geht, wird das die erste James Last-Platte, die ich nicht zu Ende höre!

Von 1976 ist die Platte. Was mag da passiert sein, dass James Last so der Pep verlassen hat? Vielleicht Spätfolgen der Ölkrise. Oder übermäßigen Tritop-Genusses. Vielleicht hätte er dem Chor auch einfach nur die Löhne hochsetzen sollen. Oder ich sollte wieder umschalten auf 45. Ja, das könnte helfen, bevor mir hier vollends die Füße einschlafen.

April 27, 2004

Ännchen von Tharau bittet zum Tanz 2

Wie gesagt: Platten, die so richtig abschreckend wirken, sind oft die besten. Ännchen von Tharau ist nicht halb so albern wie das Dirndl-Mädchen mit den Phasenbildern auf dem Cover.

Gut, wer keine Volkslieder kennt, lernt sie mit dieser Platte auch nicht. Erstens werden immer nur Fragmente angespielt. Und zweitens sind die so kunstvoll ineinander verwoben, dass selbst Profis aufpassen müssen, dass sie keins verpassen. Zuzüglich der ganzen Arabesken und Ornamente, die draufgepappt werden, steigt man zum Teil nur noch schwer durch: was ist Volkslied, was Verzierung? Es sind allenfalls Reminiszenzen, die hier durch den Raum schweben.

Das allerdings mit lässigem Beat und viel Flow. Die Arrangements sind gerade zuckrig genug und so jazzig wie möglich, um Oma und Swing-Kenner gleichzeitig zu erfreuen. Einmal „Hab mein Wagen vollgeladen“, „Doktor Eisenbart“ und „Alle Vögel sind schon da“ gut durchgeschüttelt und mit Deko-Spießchen serviert...

Der Chor darf hier übrigens auch mal Fallerallali und Juchei singen. Ja, das ist super. Und James Last sieht auf dem Foto hintendrauf aus, als würde er in den Aufnahmepausen Trimm-Dich-Pfade einweihen. So soll es sein! Fehlt nur noch Wanderpräsident Carl Carstens. Aber der muss, glaub ich, erst noch Walter Scheel vom gelben Wagen stoßen...

April 26, 2004

An evening out with...

So verwöhnt einen James Last also beim abendlichen Ausgehen. Schön-schön. Mit sexy Swing-Musik aus der Zeit vor den Non Stop Parties. Will sagen: ohne Partygeplapper. Und im Gegensatz zu den späteren Sound-Orgien auch noch etwas spartanischer instrumentiert.

Wunderbare Titel sind hier drauf: The theme from summerplace, A man and a woman, Moon River, Never on Sunday, Maria, Let the sunshine in etc.

Die Platte ist näher an klassischem Jazz dran als an Easy Listening, auch – oder gerade – weil es hier mitunter nach leicht plüschigem Tanztee riecht. Aber auch nach großen Ballsälen, in denen sich die Herrschaften in den teuren Roben und die Twist-Teenies gleichzeitig austoben können. Ich tippe auf die späten 60er. Und es bleibt mir nicht viel mehr zu sagen als: spitzenmäßig leichthändiger Swing. Es klingt wirklich, als würde hier eine Combo ihre Instrumente grad mal mit dem kleinen Finger berühren, und schon flutscht alles. Perfekter Beat, grandioses Spiel und Timing, glänzender Sound, alles unwiderstehlich, zum Niederknien. Super, die Latin-Stücke, etwa „A man and a woman“ als Bossa. Ernsthafter insgesamt als die Nonstop-Platten – auch wenn hier schon manche schwungvolle Trompeten-Fanfare auftaucht und gute Laune verbreitet – hier passt ausnahmsweise mal die grüblerische Miene des Herrn auf dem Cover.

Obwohl er nicht ganz so verunsichert schauen bräuchte: „An evening out with James Last“ ist einfach ein Juwel. Eine Spitzen-Swing-Platte, die hundert Grammies und dreihundert Jazz-Preise verdient hätte.

April 25, 2004

Flute Fiesta

...mit Berdien Stenberg

Oha, wer ist denn Berdien Stenberg? Wo heisst man so? Und warum dürfen nur hübsche blonde Flötistinnen mit auf´s Cover drauf? Warum nicht Gheorge Zamfir? Hat der vielleicht ´n Buckel?

Und das arme Orchester... Die stehen hier am Strand, angezogen wie für die Motto-Party „Beach-Zuhälter“ oder „Hawaiihemden-Casanova“. Steht bestimmt alles im Vertrag drin: „Herr Last geht morgens rum und legt Euch die Kleider raus.“ Und glaubt mir, er hat einen riesigen Fundus...

Er selbst hat sich obviously für einen weißen Anzug mit grauem Hemd und weißen Slippern entschieden. Ich tippe auf Baujahr ´86. Oh nein, hier steht´s ja: 1988. Es ist jedenfalls schon dieser Ich-hab-ein-Haus-in-Kalifornien-Chic. Die Koteletten sind ab, der Scheitel auch. Das Haar ist jetzt lässig nach hinten gefönt. Und die Ärmel sind selbstredend leicht nach oben geschoben. Zumindest auf dem Foto auf der Rückseite. So Howie-like. Der hat ja auch ein Haus in Kalifornien.

Hier steht James Last jetzt auch mal ausdrücklich als Producer drauf. Was ist aus Ton-Ingenieur Peter Klemt geworden? Er konnte mit dem weichgespülten Traumschiff-Sound nicht mehr leben, hoffe ich. Denn das ist einigermaßen grauenvoll, was hier aus den Boxen kommt. Streicher über Streicher in den höchsten Lagen, puffige Synthesizer und lauter so aseptisches Zeug. Eine labbrige Masse, die in jeden Winkel wabert. Pastellfarben und höchst unsexy. Viel jiddische Stücke sind drauf, aber auch spanische und bekannte Sachen wie „Paris s´eveille“ und das „Girl from Ipanema“, die die Platte nicht wirklich retten. Sommerlich soll sie klingen, das zumindest merkt man.

Wahrscheinlich ist an allem Miss Stenberg Schuld. Die hat´s auch geschafft, dass auf der Hülle tatsächlich zwei Make up-Hersteller, ein Hairstylist und ein Clothing Designer draufstehen. Der größte Witz ist aber folgender Satz: „Berdien Stenberg likes to thank Toyota for letting her drive in their nicely designed Supra“. Their „nicely designed Supra“! Da hätte ich als Toyota-Designer geklagt. „Von dieser Schl... lasse ich mein Auto nicht als ´nicely designed´ bezeichnen!“ Aber vermutlich müssen wir froh sein, dass sich der Sponsor mit diesem Sätzchen unten rechts zufrieden gab. Sonst ständ zwischen James Last und Berdien Stenberg, das Orchester verdeckend, jetzt noch ein „nicely designed Supra“. Naja, hätt bei der Platte auch nicht mehr viel kaputtgemacht.

April 24, 2004

Nonstop Party Braun

Oh, da muss ich mich wohl korrigieren: ich sehe erst jetzt, dass das Wörtchen Nonstop sehr wohl bei James Last konsequent auseinandergeschrieben wird. Obwohl es doch dem ureigensten Gestus und der fundamentalen Aussage des Wörtchens Nonstop zuwiderläuft. Ist das nicht ein Witz? Das Wörtchen Nonstop mittendrin getrennt!

Nun, anyway. Wir befinden uns at the very Anfang der 70er. Die 68er sind gerade verpufft und haben James Last hübsche Liedchen hinterlassen, die sich wunderbar zu musikalischen Cocktailwürstchen verarbeiten lassen. Aber nicht nur Flower-Power-Songs, nein. James Last hat ja ein großes Herz und umarmt sie alle, die Lieder. Ganz gleich, wie sie sich anfühlen. Wenn er sie wieder loslässt, sehen sie eh alle gleich aus.

Also, sie sehen dann natürlich auch toll aus. Sexy, bunt, aufregend und tanzbar. Mein Gott, wie lang hab ich „Nacke-Di, Nacke-Du, Nacke-dei-dei-die“ nicht mehr gehört! Dürften auch bald 30 Jahre sein. Hätte man mich gefragt, hätte ich eh gesagt, das ist doch kein Lied! Das hat sich eine Zweijährige damals selbst ausgedacht. Sowas komponiert niemand ernsthaft und meldet es auch noch bei der Gema an, als könne man da wirklich jeden Furz anmelden. Doch. Herr Gietz kann. Und James Last lässt diese kompositorische Großtat dann elegant übergehen in „Honky Tonk Woman“. Ach, herrlich...

Ja, so tummeln sich hier die Beatles, die Stones, Zager & Evans und Creedence Clearwater Revival, die Bee Gees und das Musical Hair gemeinsam mit Wencke Myhre, Renate Kern und dem Sir Douglas Quintett. Heißt das so? Ich hoffe.

Folglich – besonders bei den Hair-Songs – gerät die Platte reichlich psychedelisch. Also, das wär schon wieder was für hippe Sixties-Discos. Kult, wie man so sagt. Dafür reicht eine Orgel, eine gute Rhythmus-Gruppe und ein fitter Ton-Ingenieur. Ich glaub, so hießen damals die Produzenten. Jedenfalls in dieser Sparte Musik. Vielleicht war James Last auch einfach unproduzierbar. Und das einzige, was ihm die Polydor auf´s Auge drücken konnte, war ein Ton-Ingenieur, damit´s im Studio nicht gar zu dolle herging.

Nein, dieser Ton-Ingenieur war wahrscheinlich einfach ein Ton-Ingenieur. Und mehr war vermutlich neben dem Orchester und dem genialösen Orchesterleiter nicht nötig. Dieser Ton-Ingenieur ist übrigens auf vielen James Last-Platten namentlich erwähnt: Peter Klemt. Er hat vorher auch mit Bert Kaempfert gearbeitet. Und in Interviews kann er sehr schön die unterschiedlichen Aufnahmemethoden von Kaempfert und Last erklären. Vor allem bei Kaempfert war es ja so, dass er mit minimalem Mikro-Aufwand gearbeitet hat. Da wurde dann das Orchester um das Mikro rumgruppiert – abstandmäßig so, dass die einzelnen Gruppen am Ende in gewünschter Lautstärke drauf waren. Und wenn nicht, justierte Kaempfert nach: „Ihr hier, ihr müsst leiser, damit man die da noch hört.“ Bei Last hörte sich das genau umgekehrt an: „Hey, die dahinten hört man gar nichts. Macht mal lauter. Und ihr auch lauter. Und ihr daneben auch.“ Das Ergebnis sind Musiker, die wahrscheinlich wirklich das Letzte aus sich herausholen. Das bringt die Ekstase! Das macht den Happy Sound! Die Musiker liegen danach ermattet unterm Sauerstoffzelt, aber macht ja nichts. Hat jemand mal das durchschnittliche Lebensalter der Kaempfert-Musiker mit dem der Last-Musiker verglichen? Hm. Aber der Happy Sound scheint zumindest den Orchesterleiter fit zu halten. James Last hat ja die 70 schon weit überschritten. Während Kaempfert nichtmal die 60 erreicht hat. Aber das kann andere Gründe gehabt haben. Wahrscheinlich zuviel Angeln und Brahmsee. Statt Golf und kalifornischer Strände.

April 22, 2004

Non Stop Party 28

Hits gespielt von der James Last Band.

Huch, wer ist das? Huch, wo war das letzte Lied zu Ende? Gar nicht. Das ist ja der Trick an den Nonstop-Platten. Sie stoppen nicht. Keine Leer-Rillen. Keine Pausen. Und die Leute im Hintergrund sind Party-Gäste. Winzig kleine Leute, mit in die Platte gepresst. Die Rille erweckt sie zu Leben... Und das ist der Trick der Party-Platten: eingebaute Stimmungsgarantie, falls die eigene Party so richtig floppt. Dann sitzen ein Haufen griesgrämige Menschen auf Sofas und halten sich an ihren Drinks fest. Aber aus den Boxen tönt lustiges Party-Geplapper!

Peinlich? Nein, gar nicht. Diese Menschen lauschen vermutlich hingerissen den Swing-Perlen, die aus den Boxen dringen. Denn James Last ist Experte für leichthändige Orchester-Arrangements, die – wenn man mal ehrlich ist – Tanzwütige, Spießer und Musikfans gleichermaßen begeistern müssten. Herrlich, diese Details. Die hört man natürlich nur, wenn man nicht tanzt, sondern stillsitzt und höchstens leicht wippt. Für alle Grobmotoriker gibt´s den Kickass, den Beat, die durchgehende Linie. Ach – und jetzt ein Schieber, ein langsamer Schwoof... „Green green grass of home“.

...nach dem furiosen Einstand mit „I´m a believer“ und „Good vibrations“. Dann „Dear Mrs. Applebee“, „Super Girl“, „Das Girl mit dem La La La“ und den „Spanish Eyes“. James Last bringt sie alle zusammen: die Beatkapellen, die Crooner, Schlagersänger und aus-dem-vorletzten-Jahrhundert-übriggebliebene-Schießbuden-Italiener. Eine große, bunte Welt. Hach, da sind ja auch noch die Beatles, Donovan, die Kinks und – Rex Gildo! Last bringt zusammen, was nicht zusammengehört. „No milk today“ auf der Oboe (?) geblasen, die Who („Happy Jack“) und Renate Kern („Laß den dummen Kummer“)... „Aaah, Bend it!“ Ja, mitunter tun die winzigen Menschen auf der Platte auch stolz kund, dass sie ein Lied schon an den ersten Tönen erkennen. Das nervt manchmal. Manchmal singen sie auch mit. Das ist noch schlimmer. Und trotzdem konnte es den Erfolg der Nonstop-Party-Platten nicht mindern. Ist das nicht das wahre Mysterium dieser Scheiben? Wieso konnten sie solche Hits werden, obwohl oft auch dieser komische Gesang mit drauf ist???

April 21, 2004

Non Stop Evergreens

28 immergrüne Melodien zum Tanzen

Auch sehr schönes Cover, diese Platte. So sah das aus, wenn man in den 70ern Kunst machen wollte. Und gemacht hat! Ist doch wirklich gelungen: Bildmitte scharf, Rest unscharf und strahlenförmig von innen nach außen gehend. Hat so was Dynamisches, natürlich. Und dann diese Komposition aus Orange, Rot und viel Grün – schließlich geht es um Evergreens – Zwinker-Zwinker.

An dieser Stelle muss ich mal den Schriftzug von James Last loben. Diesen typischen, mit den runden, prallen Buchstaben. Die sehen ein bisschen aus wie aufblasbare Sitzmöbel. Man kann sie toll bunt ausmalen – also nicht ich, aber die Layouter. Ich hab sie wirklich schon in allen Farben des Regenbogens gesehen (die Buchstaben, nicht die Layouter). Je nachdem, welche Farben das Cover hatte. Sie haben so was Schwungvolles, Optimistisches. Und sie sind bis auf winzige Kapitälchen abgerundet: man sich nicht wehtun an ihnen. Also, wenn man dranstößt oder dagegen läuft. Und sie sind unzweifelhaft auch heute noch stylish – das muss man sich mal vorstellen! Wer mag sich das nur ausgedacht haben? Ich würd gern mal gratulieren kommen.

Und ich gratuliere auch zu der gelungenen Platte. Das ist wirklich ´ne feine Sache, diese Non Stop Evergreens. Warum wird „Non Stop“ hier eigentlich auseinander geschrieben? Bei den Nonstop Parties und Nonstop Dancing ist das ein Wort. Komisch. Bisschen inkonsequent. Egal.

Die Evergreens kommen ja naturgemäß nicht so penetrant up to date daher. Sie liegen halt so rum, seit Jahrhunderten. Schlafen ein bisschen. Und wenn man sie nett weckt, tun sie einem die Liebe und bewegen sich. James Last hat sie sehr nett geweckt. Und irgendwie ist diese Kombination aus alten Swing-Klassikern, Filmsongs und Traditionals zusammen mit hypermodernem Happy Sound schon apart. Das unwiderstehliche James Last Orchester walzt sie mit seiner Fröhlichkeit einfach nieder. Und wenn sie am Morgen danach einsam in ihre Schlafgrotten zurücktrotten, haben sie immer noch bunte Luftschlangen im Haar und Glitter auf den Wangen. Und ein süßes Lächeln im Gesicht...

Es ist schon eigenartig. Der Happy Sound hat was sehr Penetrantes, Rücksichts- und Respektloses. Gleichzeitig versucht er aber immer, die verwursteten Stücke gut aussehen zu lassen. Also doch liebevoll, wenn auch den Partyauftrag fest im Blick.

Und man muss sagen: Mann, oh Mann, das Orchester spielt mal wieder wie der Teufel. Geschmeidige Orgel, Bläser in Höchstform, ein Drummer mit mindestens zwanzig Zauberhändchen und einfach jedes Detail perfekt. Ein Dschungel von Sound! Tut mir leid, mir fehlen da die angemessenen Worte, aber es groovt einfach wahnsinnig. Hier wär man gern im Studio dabeigewesen – vorausgesetzt, die Musiker haben das synchron eingespielt.

Hier singt übrigens auch wieder der namenlose Chor mit. Bevorzugt auf die Silben La-Di-Da. Hat eigentlich mal jemand was über die Sprachlosigkeit solcher Chöre geschrieben? Was ist das? Wie nennt man das? Worte sind das nicht, Scatten geht auch anders. Nein, es ist wohl Silben-Chorgesang. Lustig finde ich, wenn dieser Chor dann ganz unvermittelt doch mal einen ganzen Satz singen darf, zum Beispiel „Don´t fence me in“. Da gab´s zwei Potpourris lang nur La-Ba-La-Ba, vielleicht noch La-Di und Na-Na. Und auf einmal: Don´t fence me in. Und dann versinken diese hörbar schönen Menschen – denn nur schöne Menschen singen in solchen Chören – wieder in Sprachlosigkeit. Bis auf ein mal – Ladada Ladada – Night and Day! Können die sich eigentlich in den Pausen noch richtig artikuliert unterhalten, diese Chorleute? Oder sind die auch innerhalb des James Last-Orchesters und auf Tourneen ghettoisiert, weil sie nur noch Na-Na-Na oder Ba-Di-Ba-Di radebrechen können? Verkümmert die Sprachfähigkeit, wenn man lange in solchen Chören singt? Sind diese Menschen alle geschieden? Zahlt James Last die Invalidenrente? Oder ist das schon das Gnadenbrot, dieser Backinggesang?

Zurück zu den Titelm: In the Mood ist auch noch drauf, La Bamba, Who´s sorry now, Rum and Coca Cola, Tea for two, Quando Quando, Day O, Sixteen Tons, Ain´t she sweet, Tom Dooley, Goody-Goody und so fort. Wirklich ein Swing-Festival mit üppiger Orchestrierung. Was ja auch so´n Kennzeichen des James Last-Sounds ist: Großzügigkeit. Hier noch ´ne Rassel, dort noch ´n Becken und hundert klatschende Hände – wir haben´s ja... Toll!

April 20, 2004

Ännchen von Tharau bittet zum Tanz

28 swingende Volkslieder mit Chor und Orchester Hans Last

Ah, hier ist endlich mal ein Chor auf dem Cover erwähnt. Aber wer bitte ist Hans Last? Na, James Last natürlich. Vor der Operation. Bevor ihm die Ärzte einen Schnauzer, Koteletten und eine schulterlange Matte angetackert haben. Der Taktstock war schon vorher angewachsen. Und das lässige Wippen mit der Hand war auch mit starken Medikamenten nicht wegzukriegen.

Nun, Ännchen von Tharau sieht aber auch nicht ganz gebacken aus. Mit diesen Schuhen hat vielleicht Neil Armstrong den Mond betreten – aber tanzen kann man damit nicht. Das zeigt das Cover auch ganz deutlich. Sieht ein bisschen aus wie eine Jugendsünde von Claudia Schiffer. Der einzige, den Ännchen von Tharau mit diesen Bewegungen erfolgreich zum Tanz auffordert, dürfte ihr Pfleger sein. Der ist hier leider nicht mit drauf. Schade. Aber vermutlich auf allen anderen James Last-Covers...

Es bewahrheitet sich allerdings eines, was man erst gar nicht so ahnt: die James Last-Platten, wo man denkt, die sind sicher ganz grauenvoll, sind richtig okay. Zum Beispiel die „Sing mit“s. Andere, die man arglos auflegt – etwa die „Classics up to date“ – und schlimmer noch: die „Hammond a gogo“, wo man vor Freude lechzend davorsitzt, sind dagegen zum Davonlaufen.

Will sagen: keine Angst vor Ännchen von Tharau. Was anmutet wie die Mundorgel unter Folter, ist eine sehr stimmungsvolle, peppige Easy Listening-Platte. Gut, Trompeten sind hier erstmal nicht viele drauf. Schon gar nicht diese tollen Trompeten-auf-Acid. Eher kleine Querflöten, Jankowski-mäßig perlendes Piano und zarte Becken-Schläge. Für James Last-Verhältnisse ist das die „unplugged“-Version. Die Rolf-Zuckowski-Fassung. Hohe Chöre auf den Vokal „A“ flirren durch den Raum. Und unten erkennt man ganz deutlich etwas, das James Last bei Bert Kaempfert geklaut hat: den Knack-Bass. Ein Bass mit einigermaßen lockeren Saiten, der stark nachhallt und einen ganz saftigen Ton gibt. Die Flöten klingen mir auch sehr im Intervall einer Sekunde angeordnet. Das ist höchstens eine kleine Terz! Und auch damit wieder: sehr Kaempfert-like. So wie in „Afrikaan Beat“. Sei es drum. Es dürfte grad so die Schwelle sein, wo James Last zu seinem eigenen Sound findet. Verglichen mit Kaempfert ist das auch schon sehr „Disco“. Und die Percussionisten tun unzweifelhaft Dinge, für die ihnen bei Kaempfert die Hände abgehackt worden wären. Für Volkslied-Fans dürfte diese Platte die Hölle gewesen sein. Das ist schon vergleichsweise stark verpoppt. Verglichen mit Ernst Neger ist das Free Jazz. Mit einem Wort: gelungen!

April 19, 2004

Nonstop Party 11

Wer ist das da vorne drauf? Die berühmten Last-Trillinge? Die Perspektive der meisten Gäste nach erfolgter Nonstop Party? Die Allmachtsphantasien von James Last und der Polydor – Wir klonen Euch die Welt voll mit James Last´s?! Hm.

Ein Tempo haben sie jedenfalls drauf, die Last-Trillinge, als müssten sie gleich weiter zur nächsten Party und spulten deshalb ihr Programm mal ein bisschen flotter ab als nötig. Oder bin ich schon wieder auf 45? Nö. Alles normal. Bedenkt man dazu, dass Last eh nur einen Bruchteil der Songs anspielt, dann ist das schon rekordverdächtig. Ist James Last je ins Guiness-Buch gekommen unter der Kategorie „Die meisten Songs in der kürzesten Zeit“? Nein? Schade. Und von wegen Nonstop Party – nach zwanzig Minuten ist die erste Seite der Platte rum. Nach vierzig Minuten die zweite. Ich hab das nachgemessen. Das ist nicht Nonstop! Ein Grund, vor Gericht zu gehen? Nein, die Menschen in den 70ern waren friedfertig. Heute stünde bei so was sicher der Zusatz drauf „Wir übernehmen keine Garantie für Gewinnversprechungszusagen“.

Und, hey – wen James Last hier wieder alles zusammenbringt! John Fogerty von „Creedence Clearwater Revival“ schafft´s gleich dreimal drauf. Das dürfte schon der zweite Rekord auf dieser Platte sein. Obwohl: die Herrschaften Bruhn und Siegel schaffen es auf andere Platten sicher auch drei- und viermal. Wer wohl der auf ein-und-derselben-James-Last-Platte-meistgespielte Komponist ist? Trad. vermutlich, höhö. Ja, der war schlecht.

Und hier ist sogar Beethoven drauf! Das ist ja an sich nix Besonderes bei Last, man siehe die Reihe „Classics up to date“... Aber Beethoven in unmittelbarer Umgebung von Bata Illic und (Interpret von „The Wonder of you“: bitte einfügen) – das ist schon was! Der „Song of joy“ als Sandwichbelag zwischen „Candida“ und „The Wonder of you“! Wobei – seit ich weiß, dass „Micaela“ eigentlich „Michaela“ heissen sollte – also: auch phonetisch – und Herr Illic das nur nicht aussprechen konnte, frag ich mich ja, ob „Candida“ eigentlich „Chandida“ heisst.

Egal, diese Nonstop Party 11 geht richtig ab. Hat einen netten Speed drauf, der Herr Last. Allerdings weiß er auch, was eine gelungene Spannungskurve ist. Und die geht so: schnell-langsam-schnell. Anfang-Mitte-Ende. Es rockt zum Teil sogar so, dass man die 70er-Hardrock-Bands als Inspirationsquelle erahnt. Und dann balladet es wieder, ohne dabei auch nur ein Fünkchen Spannung loszulasse. Und, hallo! Da ist ja wieder ein Renate Kern/Kay Warner-Song drauf! „Superman“. Bei ihr hieß es „Supermann“ mit zwei N, und sie hatte sogar den (leicht frauenbewegten!) Text geschrieben! Nein, Folge 11 ist richtig super.


April 18, 2004

Sing mit

Womit fängt die Platte „Sing mit“ an? Mit „Sing Sing Party Sing“, ist doch klar. Deshalb ist James Last auf dem Cover ja auch im gestreiften Anzug hinter Gittern. Und macht einen auf Gotthilf Fischer: Blau, blau, blau blüht der Enzian, Wir machen durch bis morgen früh, Fiesta Mexicana, Drei Chinesen... Sein Chor ist ein bisschen kleiner als der von Kollege Fischer. Der Meister selbst singt nicht mit. Und es groovt mehr – Verzeihung, Gotthilf. Außerdem besteht bei den Fischer-Chören immer die Gefahr, dass sie so´n Lied ganz durchsingen, mit allen Strophen. Davor muss bei James Last niemand Angst haben.

Es ist wie auf Partys nach der fünften Palette Urpils oder in der Ostkurve nach dem 3 zu 2: einer fängt an zu singen, alle fallen ein und nach dem ersten Refrain weiß eh keiner weiter. Um solch peinliches Verplätschern zu vermeiden, fängt hier sofort nach dem Refrain schon das nächste Lied an. Unterbrochen höchstens von – Partygeplätscher und Applaus. Wem applaudieren die hier eigentlich? Sich selbst? James Last? Aus Erleichterung, dass die zweite Strophe nicht abgefragt wird?

Und wieder was gelernt: die „Spanish Eyes“ – ja genau, die „Blue spanish eyes“ von Bert Kaempfert – heißen auf deutsch “Rot ist der Wein“. Soso. Steht jedenfalls auf der Platte drauf. Das Schöne an den James Last-Chören ist ja auch, dass sie meistens so in den Hintergrund gemischt sind, dass man eh jeden Text drauf singen kann. Passt schon...

Liest man das Kleingedruckte aufmerksam, merkt man außerdem, dass bei den Komponistenangaben ein „Siegel jr.“ auftaucht. Davon träumt der zerknitterte Grand Prix-Matador heute vermutlich. Siegel jr.! Das liegt nicht nur daran, dass Herr Siegel damals noch jünger war, sondern auch daran, dass Vater Siegel noch mit Titeln auf derselben Platte vertreten ist: R.M. Siegel.

Alles in allem ist das aber eine äußerst gelungene Last-Platte. Platzt fast vor guter Laune. Rummst mächtig und ist trotzdem noch gute Musik. Flotte Beat-Gitarren, schneidige Trompeten-Fanfaren und einer Super-Rhythmus-Gruppe. Ist extrem Karneval-geeignet. Beziehungsweise: die vermutlich einzige Art, wie sich Karneval überhaupt ertragen lässt. Ohne die lästigen Büttenreden, ohne die hässlichen Gestalten aus den Kappensitzungen und ohne die Höhner. Toll!

April 16, 2004

Classics up to date

Der Titel ist doch eine Frechheit, oder? Da kommt dieser Herr Last und erzählt den Kollegen Brahms, Verdi, Bizet und Grieg, dass er sie jetzt mal auf den neuesten Stand bringt. Und wie macht er das? Zuerst mal mit ´ner halbnackten Tussi auf dem Cover, die ahnen lässt, dass es auch in den 70ern schon Botox-Lippen gab.

Aber zugegeben: so mit swingenden Flöten unterlegt lässt sich die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen doch ganz anders aushalten. Und Verdis Gefangenenchor: mit Hi-Hats und einer Armada von Tambourin-Schlägern – cool! Gut, hier besteht die Chance, dass es sogar bei Verdi mehr geswingt hat. Wenn man´s zu arg treibt, klingt´s in der „up to date“-Fassung doch ein bisschen fließbandmäßig. Ja, das ist es wohl, was böse Menschen als Fahrstuhlmusik bezeichnen.

Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5 – mit Partystimmen-Gewusel und Unisono-Frauenchor auf die Silbe „Ha“. Nun ja. Ich sag mal so: Nichts für Puristen! Griegs „An den Frühling“ mit demselben Frauenchor, der klingt, als könne man frühe Edgar-Wallce-Filme damit unterlegen. Dvorak, Bruch, Tschaikowsky, Borodin – und alle klingen sie gleich. Ja, hey. Das ist doch auch ´ne Leistung. Und überhaupt. All diese Stücke hört man – in anderen Einspielungen – auch auf den Kulturwellen im Radio. In Sendungen wie „Klassik-Hits auf Wunsch“ oder so. Nö, diese „Classics up to date“ ist nicht so mein Fall. Obwohl ich auch die Originale nicht brauch.

April 14, 2004

Guitar a gogo

Das ist die James Last-Platte mit dem schönsten Cover. Von denen, die ich habe. Und abgesehen von der „Op Klompen“ natürlich! Aber hält ihr Inhalt, was das Cover verspricht? Nun ja, verglichen mit der Hammond a gogo: oh ja. Die war ja grauenvoll. Aber der transparentere Gitarrensound lässt halt schon mehr Platz für die ordnende, in Hüfthöhe wippende Hand des Meisters.

Ist eben ne Orchesterplatte mit viel Gitarre im Vordergrund. Aber so, dass sie nicht weiter stört. Die Trompeten-Fans bekommen weiter ihre Trompeten. Und die Percussion-Fans ihre Percussions. Zumal Gitarre hier eh gleichbedeutend mit Flamenco-Samba etc. ist. Viel swingendes Gezupfe und Latin-Zeug. Deshalb: Supersache. Fröhliche, raffinierte Stücke, die meist nach kleinerer Combo klingen als nach großem Orchester.

Das wundervolle Brazil, das sich zu Recht auch auf späteren Compilations findet, ist hier drauf. Swingt – ich erwähnte es schon bei anderen Platten – wie der Teufel. Gibt aber auch langsamere, melancholische Sachen wie „La Playa“. Alles in allem ist es eher ein zarter, filigraner Sound. Zum Teil fast Surf-artig: mit Vibraphon und viel Hall.

Durch die Bank Ohrwürmer im warmen und ziemlich witzigen Last-Ton. Klingt jedenfalls sonnig, pfiffig und temperamentvoll. Aus der Playlist: Tiritomba, Espana, Jezebel, Johnny Guitar, The Breeze and I, Funiculi Funicula, Amapola etc. pp.

April 13, 2004

Russland zwischen Tag und Nacht

Ein Bilderbogen aus der James Last Russlandtournee.

„Auch Musiker trinken gern“ steht unter einem Foto auf der Plattenrückseite. Auch Musiker? Soll das ein Scherz sein? Womöglich noch „unter anderem Wodka“, man ist schließlich auf Russlandtournee. Aber von vorn: eine Gruppe milchliebhabender Anti-Alkoholiker, nämlich das James Last-Orchester, tourt durch Russland. Und bringt von dort einen „Bilderbogen“ mit. Der ist natürlich musikalischer Natur und nur mit den Ohren wahrnehmbar. Es sei denn man nimmt die Fotos auf der Plattenrückseite. Wenn aber nicht – was mag dann auf einem solchen russischen Bilderbogen drauf sein? Kalinka? Der Säbeltanz? Die Schiwago-Melodie? Ja. Ja. Ja.

Es ist etwas peinlich, aber James Last überfordert halt niemanden. Erwartungen zu erfüllen, zu übererfüllen, ist vermutlich sein Hauptjob. Darüber täuschen auch eingeschobene Zusätze nicht hinweg: „James Last und seine Musiker – nicht in der Moskauer Oper – sondern in der weltberühmten Metro.“ Ich bin mir sicher, den meisten Betrachtern dieses Fotos geht es wie mir: wir können die Moskauer Oper eh nicht von der weltberühmten Metro unterscheiden. Jetzt hat er uns nur verwirrt: wieso laufen unter dem Kronleuchter auf dem Foto keine U-Bahn-Schienen lang? Aber gern sind wir bereit, uns damit abzufinden, dass er halt in der Metro ist statt in der Oper. Anyway.

Es ist die Last-Phase, in der schon viele Streicher und ein ätherischer Chor mitmischen. Der Sound hat etwas Magisches, Schwebendes, Entrücktes. Und das ist toll! Vielleicht hat James Last Russland tatsächlich so wahrgenommen – in selbstverständlich nüchternem Zustand: als andere, fremdartige Welt. Was er daraus gemacht hat, ist pures Easy Listening: gut bekömmlich, in mundgerechten Häppchen und ohne allzu exotische Gewürze. Aber James Last schafft es trotzdem, daraus eine bunte, aufregende Welt zu formen. Bei aller Vertrautheit und Voraussehbarkeit: die Arrangements sind ungeheuer phantasievoll und – wie bei James Last meistens: einfach und elegant zugleich. Und er hat traumhaft gute Musiker in seinem Orchester, das hört man.

Viel Hall liegt auf der Platte drauf, der Klang ist ungemein geschmeidig und schimmernd. Riesige Räume tun sich auf. Wabern in Midtempo den letzten Winkel voll. Türmen sich zu imposanten Walls of Sound auf und verschwinden wieder in ihrem Schneckenhaus. Melancholisch natürlich, wie man sich die Russen vorstellt. Und manchmal besoffen-ausgelassen. Das ist keine Nonstop-Party für die fototapezierte Kellerbar mehr. Nein, das ist selbst eine Fototapete. Eine Russland-Fototapete: geschmackvoll, in den Farben der Saison und abwaschbar. Anzuhören allein oder zu zwein. Am besten mit einem doppelten Wodka. Und nicht vergessen: „Die Brötchen zum Wodka kauft man in einem typisch russischen Bäckerladen.“

April 12, 2004

Hammond a gogo 2

Gewöhnungsbedürftig. Ist doch nicht die Hammondorgel, sondern die Trompete das Instrument des James Last-Sounds. Er heißt ja auch nicht Franz Lambert, sondern James Last.

Gebe zu, dass die Platte zugänglicher wird, wenn man sie auf 33 1/3 abspielt. Bin übrigens erst nach zwei Liedern auf die Idee gekommen. Bei Hammond-Orgeln rechnet man ja mit allem... Aber nee. Dieses Waberige, das ist dann doch wirklich nix für James Last. Das klebt wie Kaugummi am Schuh, man kommt einfach nicht hoch. Wo ist der Last-Swing mit den Bläser-Turbinen, der wie ein Jet in die Luft steigt? Hier nicht.

Vielleicht sind es auch die Standardtänze, die ihm die Betonschuhe anziehen. Bei Platten, wo die Lieder gruppiert sind nach Kategorien wie „Foxtrot“, „Langsamer Walzer und „Beguine“, muss man ja höllisch aufpassen. Das kann gut gehen. Bei Max Greger. Und Hugo Strasser. Aber hier klappt´s definitiv nicht.

Obwohl der Percussionist sein Möglichstes versucht. Mein Gott, muss der steife Arme gehabt haben. Permanent gegen so ´ne Wimmerorgel anzuklappern, ist bestimmt nicht leicht. Und sehr kräftezehrend.

Nein, das einzig Lohnenswerte, was man aus dieser Platte mitnimmt, ist das Wissen um ein Stück namens „Bell Bottom Trousers“. Schlaghosen. Ein Foxtrot übrigens. Und: ein Foto von James Last mit Rolli und kurzen Haaren. Der Pep kam wohl erst mit der Matte. Vielleicht sollt ich das Ding doch wieder auf 45 hören.

April 11, 2004

James Last op Klompen

Mein Gott, was ist mit seinen Beinen passiert? Schlimme Wasseransammlungen nach einer Überdosis Hollandtomaten? Große Tiere in die Hosenbeine gekrochen? Ein Foto aus der Zeit vor der Operation? Und überhaupt: was raucht er da? Tabak? Marihuana? Käse?

Ich freu mich jedenfalls über einen bunten Strauß offensichtlich holländischer Volkslieder. „Hoch auf dem gelben Wagen“ hab ich schon erkannt. Großer Hit des holländischen Staatspräsidenten Walter Scheelkes. „Sah ein Knab ein Röslein steh´n“ ist auch drauf. Von Wolfgang Johann von Goethuis. Nein, man will ja nicht so sein. Auch die Holländer haben ihre Portion James Last verdient. Allerdings „op Klompen“: mit hässlichen Klumpschuhen. Wenigstens das ist uns erspart geblieben. Tut schon weh, den Meister im feindlichen Ausland zu sehen. In entwürdigender Gulag-Tracht. Haben wir ihn etwa in Kniebundhosen oder Ledertracht gezwungen? Nein, nie. Sogar bei den Polka-Platten durfte er grüne Anzüge mit lila-gestreiften Hemden tragen. Wir sind da tolerant.

Naja, aber hübsche Musik ist hier drauf. Das muss man schon sagen. „In´t groene dal in´t stille dal“ oder „Vier Weverkens“ zum Beispiel. Nee nee, die Holländer haben schon auch schöne Liedchen. Die kann man auch gut abends im Wohnwagen hören.

Ja, ich hör jetzt auf. Ist wirklich eine schöne Platte. Sehr sanft, sehr lieblich. Und glasklar im Sound. Hört man jede Triangel. Swingt wie der Teufel. Und hat das, was eine Volksliedplatte einfach braucht: den Klang von grünen Wiesen, Vögelchen und blauem Himmel. Sollte jeder Wandersmann im Walkman haben.

April 10, 2004

Polka Party 2

Jou, was ist denn das? Ein mürrischer Gast, den niemand zum Tanzen auffordern will? Vielleicht drücken die plateubesohlten Lederstiefel auch ein wenig beim Polkatanzen. Vielleicht ist es auch ein Schnappschuß des müde-dirigierten Orchesterleiters, der jetzt drei Stunden für die Herrschaften aufgespielt hat und dann feststellt, dass ihm niemand was vom Büffet übriggelassen hat. Deshalb hat er sich beleidigt in die Eingangsdiele von Herrn und Frau Neugebauer zurückgezogen hat, die viel Geld bezahlt haben, um zum Fünfzigsten von Herrn Neugebauer mal so richtig was herzumachen.

Und da sitzt er nun im Deko-Stühlchen Louis Cinquante neben der grünlasierten Steingutsäule mit der Yucca-Palme, der weltberühmte, aber leicht angesäuerte und vor allem hungrige Bandleader, und wartet, ob die derweil hektisch mit dem Partyservice telefonierende Frau Neugebauer ihn nicht doch noch mal aus seiner Schmollecke holt. Hoffentlich. Denn so was kommt ganz schlecht: ein griesgrämiger James Last im grünen Anzug direkt neben der Eingangstür. Damit´s auch ja nur alle mitkriegen. Irgendwann müssen die Gäste ja mal gehen...

Nun, diese wiederum haben sich mittlerweile den letzten Funken Energie aus den Leibern getanzt. Zu Adelheid, der Haselnusspolka, den Tiroler Holzhackerbuab´m, dem Trompeten-Jodler, Anneliese, der Schwarzen Amsel, der Herz-Schmerz-Polka, dem Hofkonzert im Hinterhaus und der Rose vom Wörthersee. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit.)

Kein Wunder, dass die Gäste so rote Bäckchen haben. Der Covertext verrät es: bei der Polka kann man sich „mal wieder richtig austoben. Ein falscher Schritt stört ebenso wenig wie der feste Griff an der Partnerin Hüfte...“ Hm.

Insgesamt scheint dies jedoch die lyrischere Polka-Sammlung zu sein. Schwebt so selbstvergessen vor sich hin. Mitunter fast schon Fusion-Jazz. Mit Flöten! Und Spinett! Die Trompeten scheinen alle Schalldämpfer zu tragen. Nix „Schlachtfest und Buntkariertes“, wie der Covertext mit Polka assoziiert. Oder in der englischen Übersetzung: „a german type barbecue in a colourful setting“.

Auch die Rechtfertigungen dauern an. Zitat James Last im Covertext: „Die Polka ist in ihrer Art einer der besten Tänze, die ich kenne.“ In ihrer Art? Aber „wenn James Last das sagt, können wir´s ihm glauben. If James Last says this, we should well belive him.“ We should. And we do.

Gottseidank geht wenigstens der Trompeten-Jodler ein bisschen ab. Und die Paris-Polka: da trommelt wieder das Tier! Und der Weihnachtsbaum mit den Schellen rockt. Aber insgesamt ist „Polka-Party 2“ eher eine leicht swingende Beat-Party. Wer sich so richtig die Kugel geben will und Polka-Ekstase sucht, der muss sich schon eine Art Best of zusammenstellen. Tipp: die besten Last-Polkas sind auf „Das Beste aus 150 Goldenen“ drauf: die Amboß-Polka, die Petersburger Schlittenfahrt, die Liechtensteiner Pola, Hora Staccato... Das hier ist zuviel Tirili und Trallala. Feingeist-Polkas. Geht natürlich völlig am Auftrag der Polka vorbei. Wahrscheinlich haben sich die Gäste von Neugebauers aus reiner Verzweiflung an der Hüfte gepackt...

April 09, 2004

Polka Party

Oh ja, jetzt, beim zweiten Stück – nach dem eher betulichen Auftakt-„Ständchen“ – groovt sich das Ding schon richtig ein. Heisst ja auch „Trompeten Muckel“. Jaaa! James Last spielt die psychedelischsten Polkas, die ich je gehört habe. Wenn das Bierzelt-Musik ist, dann will man in einem Bierzelt leben! In Wirklichkeit ist das natürlich keine Bierzelt-Musik. Denn Bierzelt-Musiker können in der Regel nicht swingen. Und schon gar nicht so toll blasen, wie die James-Last-Bläser. Das ist einfach super: da wabert der Ton noch, wenn er lange schon geblasen wird. Das geht so wellenförmig. Nicht: Puff = Raus. Nein: der kriegt immer noch mal in den Hintern getreten, der Ton. Auch wenn er denkt, seine Verfolger längst abgeschüttelt zu haben.

Wollen doch mal sehen, womit der Polka-Siegeszug von James Last begann. Schließlich ist das die erste Folge der legendären Polka-Reihe: Trompeten Muckel, Schützenliesel, Tritsch-Tratsch, Untern Linden, Liechtensteiner Polka. She´s too fat for me, Die Mühle im Schwarzwald, Flieger-Marsch, Amboß-Pola, Annen-Polka und Heinzelmännchens Wachtparade.

Ich bin mir sicher, die Hälfte der Stücke hat er wegen ihrer tollen Namen draufgenommen. Leider kenn ich die Tritsch-Tratsch-Polka in einer wirklich kick-assenden Fassung von Max Greger. Dagegen ist das hier Wiener Walzer. Wenn auch mit tollen, strahlenden Trompeten. Ja, macht schon Super-Laune. Happy Music halt. Fröhlich. Optimistisch. 70er. Von wann ist die hier eigentlich? Keine Ahnung.

Oh, die Liechtensteiner-Polka: super, super, super. Klingt wie ein Wettkampf: wer kann lauter? Die Trompeten? Die Pauke? Oder dieser rasselnde Weihnachtsbaum, der irgendwie mit ins Studio geraten sein muss und sich fortwährend schüttelt? Und da hört man auch schon ein erstes, schüchternes Party-Gejohle im Hintergrund, wie es ja später Markenzeichen des James-Last-Partysounds wurde.

She´s too fat for me: entweder schlagen die Nachbarn gleich die Tür ein und konfiszieren meinen Plattenspieler. Oder alle Trachtengruppen dieser Erde marschieren in Zweiergrüppchen und winkend in meine Wohnung ein. Hey, jetzt geht´s aber los! Uffta Uffta...

Und die ungekrönte Königin der James Last-Polkas: die Amboß-Polka! Ertönt sie in einem Studio des Saarländischen Rundfunks, kann man altgediente Technikerinnen seufzen hören. „Ach, damals. Die deutsche Schlagerparade... Da haben wir mit den Single-Schallplatten nur so um uns geworfen. Konnte gar nicht schnell genug gehen, die flogen dann einfach hinter uns.“ Auch der Moderator jener legendären Deutschen Schlagerparade erinnert sich nostalgieumwölkt: „Ja, die hatte diese tollen Pausen, wo man so gut reinsprechen konnte.“ Was wie eine Beleidigung klingt, ist die berufsbedingte Sicht eines echten Fans: Dieter Thomas Heck. Und wie bestimmt jeder weiß, war diese Deutsche Schlagerparade auf der Europawelle Saar der legitime bildlose Vorläufer der ZDF-Hitparade. Nun, jedenfalls die Keimzelle der Idee, so was auch mal mit Bild, mit Sängern und Live-Gesang zu machen. Und mit sichtbarem Publikum. Und natürlich mit Dieter Thomas Heck. Genug davon.

Ah, die Annen-Polka: Ach die ist das... Auch sie spielt bei einem gewissen Programm des Saarländischen Rundfunks eine wichtige Rolle. Leitet sie doch die sogenannten „Erbschleicher“ ein. Die Glückwunsch-Liste für Jubilare jenseits der Bewegungsfähigkeit und meist auch der 80. Ist auch eher was für sich zierlich drehende Füßchen und ondulierte Löckchen als für wild galoppierende Paare und schweißnasse Haarsträhnen in ekstatisch erhitzten Gesichtern. Wie es bei echten Polka-Tänzern sein muss!

Toll natürlich auch die Party-Anleitung auf der Plattenhülle. Bei James Last hat die Polydor ja meistens richtige Hör-Instruktionen mitgeliefert. „Es muss nicht immer Beat oder Slow sein. Wie wär´s mal mit ´ner knackigen Polka?“ Hör ich hier etwa eine verschämte Rechtfertigung raus? Das darf nicht wahr sein! Sie fragen sich: was haben die Menschen in den 70ern nur zu solcher Musik getrunken? Steht alles hier drauf: „ein gutes Faß Bier und – auf los geht´s los.“ Aha. Aber es wird noch besser: „Die Band tanzt aus den Rillen und dreht sich mitten unter uns.“ Ich möchte einmal den Menschen, der die Covertexte für James Last geschrieben hat, in seiner Drogenhölle treffen und interviewen. „James Last hilft uns auf die Sprünge. Er weiß, was müde Leute munter macht.“ Der Texter sicher auch.

Und man vergleiche die deutschen Sätze mit der direkt daneben stehenden englischen Fassung. „Versuchen Sie´s doch mal mit dieser Polka-Party. Give yourself a chance“. Heisst auf englisch: “Try the Polka Party. Get with it!”

Ja, try the Polka Party! Mit dem Mann, der deutscher Humpta-Marschmusik ein freundliches, ja mild lächelndes Antlitz mit übergroßen Pupillen gegeben hat. Danke, Mann!

Aber hat der Schöpfer dieser wunderbaren Musik sie am Ende selbst nie gehört? Warum schaut er auf dem Cover so melancholisch? Warum ist die altdeutsche Schmucker-Stube hinter ihm so leer? Fehlt hier der Aufdruck: „Vorher“? Nein, vermutlich nicht. Denn sieht man das Cover von „Polka Party 2“, dann kann man nur vermuten, dass sich die Konsumenten der James Last-Polkas in einer eigenen Therapiegruppe auf der geschlossen Abteilung für stark Suizidgefährdete zusammenfinden. Kann ich bitte mal den Fotographen sprechen?