K A T J A S W E L T
31.10.03

Nach den Lustigen Musikanten

Ja, das war ein schickes Konzert gestern in der Saarlandhalle. Nur in Sachen Deko hatte ich mir mehr erhofft. Denn warum guckt man denn im Fernsehen die Volksmusik-Sendungen? Wegen der Musik? Na, auch. Aber doch vor allem wegen der Deko. Da macht der Volksmusik nämlich niemand was vor. Nirgendwo ist schöner geschmückt, wachsen Berge, Dörfer, Blumen- und Weihnachtswelten im Fernsehstudio. Und wird sogar der Publikumsbereich noch von flinken Floristenhänden gewinnbringend verwandelt…

Aber hier, auf der Bühne: nur ein paar Buchsbäumchen mit Schleife und die obligatorische Videoleinwand. Auch die üblichen All Star-Medleys, eins mit Operettenmusik, eins mit Flower Power: blass und ohne Atmosphäre. Einzig gelungen: das 50er-Jahre-Medley. Ich hab viele Damen im Publikum leise mitsingen hören.

Top Act, ohne Zweifel: Gaby Albrecht. Diese Frau hat einen neuen Fan. Denn sie hat mir das lustigste und ungezwungenste Interview von allen gegeben. Wie das damals so war in der DDR: wie man sich spezielle „Scheine“ erarbeiten musste, um eine bestimmte Gage pro Abend nehmen zu dürfen. Mit dem A-Schein bekam man 90 Ostmark, aber sie wollte gern gleich den AB-Schein für abendliche 105 Mark. Skurril. Und, tja, sie hat ihre Kollegen anschließend auch noch an die Wand gesungen. Lasst es Euch von einem Metallica- und Country-Fan sagen: Gaby Albrecht ist eine ganz Große!

Andy Borg war allerdings auch nicht schlecht. Hat sich erinnert an eine ganz frühe ZDF-Hitparade, 1982, wo er als Schlager-Fuzzi auf die damaligen NDW-Größen traf. Peter Schilling, Spider Murphy Gang etcetera. Manche wären nett zu ihm gewesen, andere weniger. Konkreter wollte er nicht werden.

Jantje Smit hat mich erstmal versetzt, den musste ich in der Pause interviewen. So sind sie, die jungen Leute: unprofessionell. Hat aber auch Interessantes erzählt: dass Heintje mal extrem empfindlich auf ihn reagiert habe. Wollte sich angeblich nicht mit ihm fotographieren lassen. Und war wohl auch sonst nicht eben freundlich zu einem jungen holländischen Kerl, der mit Liedern wie „Mamatschi“ bei den Müttern gepunktet hat. Was mochte Heintje daran wohl nicht?

Nein, Marianne und Michael hab ich leider nur einen Tag später kurz am Sender gesehen. Zumindest über Marianne kann ich nur das Beste sagen. Sieht übrigens sehr attraktiv aus. Und ist nicht so penetrant witzig wie ihr Gatte.

Ach, und das noch: lustige Idee von den Geschwistern Hofmann, in der Saarlandhalle eine A Cappella-Nummer hinzulegen. Sicher, so konnten sie mal zeigen, dass sie wirklich und ehrlich und bittebittehörtdochselbst ganz dolle singen können. Aber man nutzt schon bei kleinen Spielstätten nicht grundlos Verstärkertechnik. Und beim Blick aufs Publikum der „Lustigen Musikanten“ hab ich mich schon gefragt, wie viel die Hörgeräte davon noch rüberbringen. Naja, die Botschaft kam an: es wurde heftig geklatscht!

30.10.03

Lustige Musikanten

Das glaubt mir kein Mensch. Die Firma, die das Equipment der „Lustigen Musikanten“ transportiert, heisst – Depro! Das steht jedenfalls auf den beiden Trucks, die hinter der Saarlandhalle parken, wo in ein paar Stunden Marianne und Michael, Gaby Albrecht, Andy Borg, Jantje Smit und noch ein paar mehr auftreten.

Ist das zu fassen? Die „Lustigen Musikanten“ reisen mit Depro!! Och, meinte der Tourmanager. Wieso kurios? Depro sei ein sehr angesehenes österreichisches Unternehmen, das früher nur Süßigkeiten transportiert hätte. Aber mittlerweile sei man ganzjährig ins Tourgeschäft eingestiegen und fahre eben auch die „Lustigen Musikanten“. So sieht´s aus.

26.10.03

Carpendale - Kannibale

Ach, ich wär ja für eine Verjährung bestimmter Erinnerungen: Schluß, aus, erledigt, gelöscht. Konkret: ich kann bestimmte Songs von Howard Carpendale einfach nicht genießen, weil ich sie zum ersten Mal bewusst gehört habe, als diese Sache mit dem Kannibalen von Rotenburg war. Ihr wisst schon… Besonders schlimm ist es bei „Nachts, wenn alles schläft“:

„Denn Du lebst weiter in mir, lässt Du mich auch allein”…

23.10.03

Nadja Auermann Schauspielerin

Nadja Auermann wird „Schauspielerin“. In irgendeinem Film spielt sie eine Kindermörderin. O-Ton Auermann im ARD-Morgenmagazin: „Das war erst nicht so einfach für mich, weil ich ja selber zwei Kinder hab.“

Ach. Vielleicht hätte ihr mal jemand vorher sagen können, dass es Sinn und Zweck des Schauspielens ist, in fremde Rollen zu schlüpfen. Aber sie scheint´s dann ja noch gemerkt zu haben.

18.10.03

Olli Dittrich und James Last

Gerade hat Olli Dittrich bei der „Siebziger Show“ auf RTL erzählt, dass er früher mal für James Last ein Stück geschrieben hat. Es heisst „Alassio“, und ich besitze die LP, auf der es drauf ist: “Paradiesvogel“, von 1982. Neulich beim Trödel gekauft.

Cover Paradiesvogel Und was entdeck ich beim Reingucken? Ich besitze auch den sogenannten „Waschzettel“, also das Werbe-Info der Plattenfirma. Seht mal, was da steht: „Mit Oliver Dittrich und Thomas Eggert tauchen zwei neue Namen unter den Autoren auf, deren Titel James Last in seinen mustergültigen Arrangements zu Erfolg verhilft.“ Nett, nicht?

„´Alassio´, dessen sanfte Gitarrenakkorde sich zum Synthie-Panorama öffnen, wirkt als wunder schöner Film ohne Bilder.“ Ach herrlich, ganz tief aus der Waschzettel-Klischee-Kiste.

Hübsch auch: „Wie überhaupt die ornithologischen Titel vom Eis- und Paradiesvogel, von der Nachteule und dem Roten Milan keinen Takt lang wissenschaftlich gemeint sind, sondern zu einem Flug der eigenen Phantasie anregen.“ Gut zu wissen.

16.10.03

Am Wegesrand

velo.jpg

12.10.03

Bohlen Feldbusch Goethe

Wir haben die beiden getrennt von einander befragt… Und zwar Dieter Bohlen und Verona Feldbusch in RTL „Exklusiv Weekend“. Die Frage war: Wann wurde Goethe geboren? Die Antworten gingen so:

Verona Feldbusch: Ach, ich weiß ja oft nichtmal, wann ICH geboren bin.

Dieter Bohlen: Ich kann mir ja schon meinen eigenen Geburtstag kaum merken.

Vielleicht passen sie doch besser, als man denkt…

09.10.03

Heiligenverehrung

tasche.jpg

03.10.03

Udo Jürgens II

Was sieht aus wie eine Bigband, klingt aber wie eine breiige Popgruppe? Genau. Das Pepe Lienhard Orchester. Ihr seht: ich war also doch bei Udo Jürgens und durfte auch zwei Lieder mitschneiden.

Udo war gut, gibt´s kein Vertun. Aber das Orchester… Wenn ich ein Stück mit Bläsern, Rockgitarren und Synthesizer vollknalle, warum müssen dann noch vier niedliche Streicherinnen fiedeln? Die hört man da eh nicht. Überhaupt: warum nur eine einzige Cellistin unter schätzungsweise 17 Musikern? Dann kann man sich das Cello auch ganz sparen. Und warum muss Herr Lienhard neben dem Saxophon, an dem er wirklich top ist, auch noch Klarinette und vor allem Querflöte (an der er unsäglich ist) spielen?

Die Antwort, mein Freund… weiß ganz allein Udo Jürgens. Der will a) wahrscheinlich auf der Bühne den gleichen Sound wie auf CD, und da würden schon ein Keyboard und ein Drumcomputer reichen. Und b) knausert er wahrscheinlich ziemlich. Denn dass das Pepe Lienhard Orchester eigentlich eine Super-Band ist, hört man, wenn sie mal richtig swingen dürfen. Leider war das nur selten der Fall. Und noch was: wenn da schon ein Synthie auf der Bühne ist, dann stellt ihn doch einfach offen sichtbar hin. Ihn in eine Art abgehackten schwarzen Flügel zu kleiden, sieht ziemlich albern aus. Vor allem, wenn auf der Seite zum Publikum ein riesiger „Roland“-Aufkleber klebt.

01.10.03

Udo Jürgens Tonaufnahmen

Neulich beim Versuch, Konzertberichterstattung Udo Jürgens klarzumachen. Chef wünscht großen Bahnhof. Sind schließlich Mit-Präsentator.

Ja, sagt der örtliche Veranstalter, wir akkreditieren Sie für übermorgen – kein Problem, übrigens: keine Tonaufnahmen. Doof, denk ich mir. Arbeite schließlich beim Radio. Mh, sagt der Veranstalter, will mal sehen, was sich machen lässt. Es ist 11 Uhr.

Es ist 16 Uhr. Veranstalter wartet immer noch auf Rückfax vom Tourmanager in Deutschland. Ich rufe Management in der Schweiz an. Jou, kein Problem: Lied 2 und 3 darf ich mitschneiden, sogar direkt vom Mischpult. Aber mit meinem Popelmikro an die Boxen gehalten wär ihnen lieber, damit die Qualität nicht so gut ist, dass ich daraus ´ne CD press und verkauf. Lied 2 ist „Solang mich Deine Liebe trägt“, die aktuelle, erfolglose Single. Lied 3 hab ich noch nie gehört. Nicht gerade der Reporter-Traum. Na gut. Mal sehen, wann der Veranstalter sein Fax hat.

16.03 Uhr. Wann muss ich eigentlich da sein, falls ich ans Mischpult will? Ruf noch mal Management an, lass mir Nummer von Tourmanager geben.

16.04 Uhr. Anruf bei Tourmanager. O-Ton leicht gekürzt: Ihr seid zwar die kleinste ARD-Anstalt (gemeint ist der Saarländische Rundfunk), schafft es aber trotzdem, dass hier jeder einzeln anruft. Erst der Veranstalter, dann Welle XY, jetzt Sie. Heut wär mein Day Off gewesen, aber dank Ihnen blabla. Ich: tut mir leid, Sie belästigt zu haben. Er: aufgehängt.

16.45 Uhr. Veranstalter ruft an: Fax ist gekommen. Schlechte Nachricht, dürfen gar nix mitschneiden. Es sei denn: mit Übertragungswagen, damit Klangqualität möglichst gut ist.

16.47 Uhr. Anruf beim Management. Ja, spinnt denn der? Wir klären das, aber nicht vor morgen.

Hab ich schon gesagt, dass ich für das Zusatzkonzert von Udo Jürgens im Januar eine Karte hab? Selbst bezahlt.

Fortsetzung folgt.