K A T J A S W E L T
29.11.03

Howie in Concert

LKWs sagen mehr als 1000 Worte, siehe die „Lustigen Musikanten“. Das Equipment von Howard Carpendale reist mit „Rock´n´Roll Trucking“!

Es ist das Saarbrücker Konzert seiner Abschiedstournee, gestern abend in der Saarlandhalle. Ausverkauft. Endlich. Mal wieder. Mag sich Howie gedacht haben.

Im Foyer gibt es, hallo, eine Plakat-Ausstellung! Drei Stellwände mit plastiküberzogenen Plakaten aus der langen, langen Carpendale-Karriere (auf den Tour-Shirts steht „HC 66/03“). Der Mann neben mir versucht eine der Autogrammkarten, die unten auf die Stellwände getackert sind, abzukratzen. Geht nicht. Diebstahlsicher.

Dieses Plakat gehört nicht zur Ausstellung, es ist neu und wirbt Kartenkäufer: „Mein letztes Zusatzkonzert“. Ich könnt mir in den Hintern beißen, dass ich keine Kamera dabei hab.

Dann sitzen wir. Rang Mitte. Mittig in jeder Hinsicht. Vor mir Damen über 40 mit sturmsicher gesprayten Haaren. Ich weiß, dass ich genauso zugesprayt bin und hoffe inständig, dass man es mir wenigstens nicht so ansieht. Mit der Asbach-Fahne des Mannes hinter mir muss ich die nächsten drei Stunden leben.

Dann geht es los. Licht aus. Sternenhimmel an. Und aus dem Off die Stimme eines Märchenonkels, die die großartigen Erfolge von Howie herbetet. Zum Schluß ein Ausschnitt aus der Kerner-Show, wo Howie himself seinen Rückzug ankündigt. Seine Worte „Der richtige Moment“ verhallen mit viel Echo. Gleich springt der Motivationstrainer auf die Bühne und predigt uns unbegrenzte Möglichkeiten. Aber nein. Meine Sitznachbarin deutet schon auf den Fanclub im Parkett, der erwartungsvoll Spalier steht. Und tatsächlich. Da kommt Howard Carpendale und teilt das Meer. Umgeben von Leibwächtern marschiert er wie ein Boxer vorm Kampf mitten durch die Fans. Und rauf auf die Bühne. Die ersten Worte von „Nachts, wenn alles schläft“. Ich bin glücklich. Und es dauert noch eine ganze Weile, bis die Gänsehaut weggeht.

Nur der Sound ist breiig und Carpendales Stimme manchmal schlecht zu hören. Der Mann am Mischpult kriegt später keinen Applaus von mir. Aber die Band, die ist gut. Und der Chor aus drei jungen Herren. Und Joachim Horn-Bernges, Howie-Alter Ego und genialer Songtexter. Er darf sogar drei Lieder mit dem Meister singen, und die sind gottseidank irgendwann rum. Man muss seine Freunde auch mal vor sich selbst schützen. Trotzdem, ein magischer Moment: als Howard Carpendale sagt, Horn-Bernges habe mal das Intro zu einem seiner Lieder gesungen, und das sei berühmter geworden als der Refrain. Dann singt Joachim Horn-Bernges die ersten Töne von „Hello Again“, und unten im Saal gibt’s die Domino-Ralley rückwärts: alles steht. Ich sitz oben und merke, dass ich einen Massengeschmack habe.

Dann gibt´s erstmal Stücke aus dem aktuellen Album „Der richtige Moment“, viele davon sehr ruhig. Aber auch „Jede Farbe ist schön“, „Titanic“, „Samstag Nacht“ und Cover-Versionen wie „Sorry seems to be the hardest word“. Der ein oder andere hohe Ton mag leicht daneben sein, aber insgesamt ist Howie gut bei Stimme.

Das Konzert am Abend vorher in Hamburg hat er absagen müssen. Erkältung, gesundgespritzt, blabla. Dass es, wie er sagt, „Horror“ gewesen wäre, ausgerechnet das Saarbrücker Konzert platzen lassen zu müssen, würd ich ihm gern abkaufen. Kann ich aber nicht. Ich hab ihn zwei Monate vorher interviewt und mir mürrische Lamenti über nicht ausverkaufte Saarlandhallen anhören müssen. Und die vorwurfsvolle Frage, was wir beim Radio denn machen würden?? Und ich hab mühevolle Stunden mit dem Schneiden von Howie-O-Tönen verbracht, die zur Hälfte unsendbar waren. Oder soll ich unseren Hörern mitteilen lassen, dass er „Das schöne Mädchen von Seite 1“ noch nie mochte und nur gesungen hat, um einen Schlagerwettbewerb zu gewinnen? Dass „Nimm den nächsten Zug“ ein harmloses Liedchen ist, das er nicht besonders schätzt? Dass „Mit viel, viel Herz“ „gescheitert“ ist, weil niemand die Schlager-Selbstironie verstanden hat? Der Tonfall sagt: Verachtung.

Nein, die Abschiedsrede geht mir nicht unter die Haut. Ich hab auch immer noch nicht kapiert, warum ein Mann mit 57 abtritt, dessen Fähigkeiten ihn auch in 20 Jahren noch einen tollen Entertainer sein ließen. Und der auch bei seinen alten Liedern nicht albern wirkt, mögen sie vor Selbstmitleid und Pathos noch so triefen. Es ist seine sparsame Gestik, die typisch angebeugte Carpendale-Haltung und die dünne, zittrige Stimme, die ihre eigene Aura hat. Aus Lässigkeit und Melancholie. Und irgendwie ist Howie ein Leiser.

Nein, mein Lieblingsmoment ist, als die Zuschauer „Dann geh doch“ fast im Alleingang singen. Und Carpendale sich freut, dass auch die „angeblich von ihren Frauen mitgeschleppten“ Herren den Refrain beherrschen. Schnell noch dem Bähr ein T-Shirt gekauft. Traurig, dass er geht, allemal. Also, der Carpendale.

24.11.03

Schlagerwebsites

Ich halt das einfach nicht mehr aus. Das geht so nicht weiter.

Die Sache ist die: jeden Samstagabend moderiere ich eine Schlagersendung. Nein, die Sendung ist völlig okay. Das Problem ist die Vorbereitung. Vermutlich bin ich sowieso die einzige, die sowas vorbereitet. Alle anderen haben längst aufgegeben… – beim Versuch, irgendwas Relevantes über Schlagersänger im Internet zu finden!!! Doch, es gibt was: nämlich auf Hallo-Uwe.de, der Website des ehemaligen ZDF-Hitparaden-Moderators Uwe Hübner. Und auf Kochuniversal.de, wo 103 Prozent aller Volksmusikanten unter Vertrag sind. Aber versucht nie, nie, nie, irgendwas Informatives über Schlagerinterpreten auf ihren EIGENEN Websites rauszukriegen. Ich nehm mir bald nen Strick, wenn ich das noch weiter probier.

Zunächst mal: Ihr werdet blind von dem ganzen grellbunten Kraut-und-Rüben und den albernen Animationen. Ich sag nur Andrea-Berg.de, Frank Schöbel und wie sie alle heißen.

Aber das Allerschlimmste ist die Mischung aus hybrider Selbstbeweihräucherung und Informationsverweigerung. Ich weiß nicht, auf wie vielen Sites ich allein gestern war, wo Leute sich als „Inbegriff des deutschen Schlagers“ bezeichnen, deren Namen ich – Fulltime-Mitarbeiterin einer Schlagerwelle – noch nie gehört hab. Möglicherweise hab ich auch nur die Neudefinition des Wortes „Inbegriff“ verpasst. Und natürlich ist „kaum ein Interpret so oft“ wie xyz „in Schlager-Hitparaden, Radio-Airplays und Fernsehen“ vertreten. Hilfe, hilfe, hilfe.

Außerdem ist grundsätzlich das „Zuhause“ dieser Leute „die Showbühne, das Radio und das Fernsehen.“ Und man wünscht sich inständig den Veranstalter, der das mal wörtlich nimmt: „…haben wir Ihnen kein Hotelzimmer besorgt, denn auf Ihrer Website steht ja, dass Sie auf der Bühne schlafen.“ Dann klickt man auf „Biographie“ – wenn´s das überhaupt gibt – und findet: genau die gleiche Sülze. Kein Geburtsjahr, sowieso nicht. Nichtmal eine Ortsmarke, wo die Leute herkommen. Keinen Werdegang, nichts Erzählenswertes, null Interessantes. Nur so Dreck wie: hat schon als Kind gern gesungen, immer an sich geglaubt und Plitsch und Platsch… Schwupp sind 5 Minuten weg. Man wischt sich den ganzen Schleim ab und hat genauso wenig Infos wie vorher. Gibt´s keine Internet-Polizei, die da mal eingreift? Wegen sinnentleerten Wegnehmens von Webspace?? Was ist zum Beispiel mit „Fotoalben“, die ein einziges Bild enthalten – das einen noch dazu schon auf der Startseite angesprungen hat?!! Glaubt Ihr nicht? Ist aber so. Oder geht zu den Kastelruther Spatzen: die kleinen Bildchen oben links sind die Bandmitglieder. Der Rest ist Online-Shopping, vom Kastelruther Teddybär bis zum praktischen dreirädigen LKW für 5000€.

Also, wenn ich je den Schlagerdienst quittiere oder anfang, vor der Sendung Drogen zu nehmen, dann nicht wegen der Musik, sondern wegen der Websites. Meine Fresse.

23.11.03

Bachelor

Deutschlands langweiligster Mann sucht eine Frau. Also besorgt ihm RTL 25 noch langweiligere Frauen, aus denen er dann auswählen darf. Und alle hoffen sie auf die große Liebe, blabli blabla. Ja, ich hab gestern den Bachelor geguckt. Ging gar nicht anders, weil ich auf die Entscheidung bei den Superstars gewartet hab.

Aber man muss das ja ohnehin mal gesehen haben, wenn ein Mann aus sovielen Frauen auswählen darf. Da ergeben sich nämlich sehr spannende Szenen, etwa wenn der Bachelor versucht, sich die Namen der Tussen zu merken, mit denen er gerade parliert: „Also Du bist die Petra – und Du die Marianne, ja?“ Genau. Und Du bist der Bachelor, von einer Frau auch „Batschler“ ausgesprochen.

Wenn er nicht gerade Namen paukt, macht der Bachelor Konversation: „Geht Ihr gern in die Oper?“ „Nein, aber in Musicals“, kommt es fast unisono aus dem Dreiergrüppchen zurück. Nur eine schert aus, weil sie „gern mal Sachen ausprobiert.“ Auch die Oper.

Ja, und so wird dann der Bachelor, der übrigens Familie „unheimlich wichtig“ und alle anwesenden Damen grundsätzlich „bildhübsch“ findet und in so weltberühmten Orten wie Lasagne und Yorkshireterrier oder so ähnlich studiert hat, irgendwann seine Traumfrau finden. Für ihn war es ein „superschöner“ Abend, und für die Frauen, die so tolle Berufe wie „Personal Shopping Assistent“, „Model und Schauspielerin“ oder einfach nur „Schauspielerin“ haben, offenbar auch. Es sei denn, sie wären eingeschlafen. So wie ich, als der schwarzhaarige Roboter anfing, so phantasie- und emotionslos wie möglich seine Selektions-Rosen zu verteilen.

22.11.03

Hassliebe Sting und Stewart

Sting und Rod Stewart können sich nicht leiden, lese ich im Videotext. Kann ich gut verstehen. Ich finde beide auch ausgesprochen blöd. Vor allem ihre Musik.

21.11.03

Der Winter kommt

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18.11.03

Kater Karlo auf SR3

Thema des Tages: der 75. Geburtstag von Mickey Maus. Im Radio gibt´s was zu gewinnen, wenn man den fiesen Gegenspieler von MM weiß. Noch schwieriger ist allerdings die Frage des Moderators im Gespräch mit dem Gewinner: „Wissen Sie denn auch, welches Tier Kater Karlo ist?“

13.11.03

Hit-Giganten auf Sat1

Sat1 präsentiert die größten One Hit Wonders aller Zeit. Und was stelle ich fest? Vier der ersten fünf Plätze besitze ich auf Vinyl. Als Single. Ha! Ich weiß auch nicht, was das zu bedeuten hat. Bin aber irgendwie stolz.

Obwohl – dass Patrick Hernandez mit „Born to be alive“ nicht auf Platz 1 gelandet ist, macht mich betroffen. Denn da gehört es hin. Zumal: kennt irgendjemand noch ein zweites Lied von Hernandez? Ich nicht. Er ist also ein veritables One Hit Wonder.

Dann: der Ententanz. Aber hallo! Wer im Sommer mal den Arte-Themenabend „Schlager“ gesehen hat, weiß, dass beide – Hernandez und die Enten – aus der gleichen kleinen belgischen Produzenten-Klitsche kommen. Ich bin aber gern bereit zuzugeben, dass ich die Fassung von Frank Zander besitze. Das zählt auch irgendwie, oder?

Bei Sat1 fast an der Spitze: Lobo. „I´d love you to want me“. Super, super. Was fast niemand weiß: Lobo wurde in jungen Jahren (noch unter seinem richtigen Namen) mal von einer Schülerband begleitet, in der Gram Parsons spielte, ja-ha.

Und dann die Nummer 1: FR David mit „Words“. Wie liebe ich dieses Stück… Aber zwei Fragen bleiben: was machen bei Sat1 die Gitarren auf der Bühne? Eine davon sogar um den Hals von FR David selbst. Hört noch mal genau in das Lied rein: da kommen überhaupt gar keine Gitarren vor! Und nun mein zweiter Kritikpunkt: FR David ist nur bedingt ein One Hit Wonder, denn ich erinnere mich noch an den ebenfalls sehr gelungenen Nachfolgehit „Pick up the phone“. Bin ich da die einzige? Oder gibt´s irgendwelche Regeln, die ich nicht kenne? Gut, bei Chartsstürmern wandert auch das zweite Ding meist irgendwie mit in die Charts. Aber es war nun mal ein Hit! Er findet sich nämlich auch auf Hit-Compilations. Und auf meinen Kassetten. J´accuse RTL!

Loriot-Gala

Mein neuer Lieblingssatz von Loriot: „Die Frau ist aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.“

Früher war es: „Ach. Das ist gestreift?“ Aus „Ödipussi“, wo er einem Kunden im Deko-Stoff-Geschäft erklärt, dieser Stoff sei gestreift.

Außerdem Hut ab vor der Cleverness, der ARD anderthalb Stunden Sendzeit abzuluchsen und sie komplett im Alleingang mit einer eigenwilligen Bio zu füllen. Da haben wir doch alle mehr von als von diesen öden Galas, wo zehn Hanseln langweilige Laudatios auf, sagen wir, Rudi Carell herbeten. Und im schlimmsten Fall am Ende noch Rudi Carell selber auf die Bühne geht und was sagt. Nein, so war das viel besser.

09.11.03

Herr Rossi

Mein Gott, kennt Ihr dieses Gefühl, wenn Ihr mit 31 merkt, dass Ihr die ganze Zeit etwas Wichtiges verpasst habt? In meinem Fall ist das Herr Rossi!

Gestern habe ich meine ersten Herr Rossi-Folgen gesehen. Ist das nicht schlimm? Oder toll, weil doch überhaupt immerhin mal? Ich weiß es auch nicht. Helft mir. Oder gründet mit mir einen Chor, in dem wir den ganzen Tag nur das Herr Rossi-Lied singen. Ich bin übrigens die mit den bunten, flackernden Pupillen. Klares Zeichen einer Herr Rossi-Überdosis. Man gönnt sich ja sonst nichts. Außer Workshops in tödlichen Restaurants. Beim nächsten Mal trau ich mich aber wirklich mal, meine mitgebrachten Brötchen zu verzehren. Ganz bestimmt! Während ich dabei neidvoll auf die Pommes der anderen starre. Toll, nicht? Während meine Kollegen noch zuhause rumtrödeln dürfen, beginnen für mich diese Workshop-Tage mit dem Gang zum Bäcker, um für den Notfall gerüstet zu sein. Ungelogen. Ich hab nämlich aus dem in Butter ertränkten Spargel gelernt…

Aber was reg ich mich auf? Schnell wieder Signor Rossi in den DVD-Player geschoben und gefreut. Haaaaach, geht schon besser…

08.11.03

Essen für Vegetarier

Irgendwann raste ich noch mal aus. Die Diagnose wird dann lauten: Amoklauf einer Vegetarierin, die einmal zu oft nicht ernst genommen wurde.

Geht es anderen Vegetariern auch so? Dann werden sie folgende Situation kennen: dass man gern mal die Beilagen der Fleischgerichte essen würde, weil die sich lecker anhören – allein, das scheint vielen Köchen unter ihrer Würde. Das kriegt man nämlich nie, nie nie als Vegetarier. Dafür aber ein vegetarisches Extra-Gericht, das man gar nicht haben wollte. Nichtmal bestellt hat.

Aber Vegetarier werden erst gar nicht gefragt! Sie verstehen wohl nichts vom Essen und können deshalb auch keine eigene Meinung dazu haben. Das ist die Sicht vieler Fleischköche auf uns arme Tröpfe. Vielleicht auch einfach ihre subtile Rache. Man sagt, man hätte gern die Beilagen, und bekommt tatsächlich ein fleischloses Überraschungsgericht. Ein kulinarisches Blind Date.

So geschehen vor einigen Jahren bei einer SWR-Veranstaltung im Restaurant von Johann Lafer. Zugegen waren die Fernsehköche aus mehreren SWR- und SR-Kochsendungen. Und gern hätte ich mal gekostet, wie der Safran-Reis von Vincent Klink so mundet. Allein: nach dem zweiten Gang hatte das gastgebende Ehepaar Lafer geschnallt, dass ich das Fleisch nicht mitesse, und trotz flehender Beteuerungen, dass ich aber die Beilagen gern weiter kosten wolle, wurde mein Teller abgeräumt mit einem gütigen: „Für Sie haben wir ´was Vegetarisches. Hätten Sie das doch gleich gesagt.“ Was kam, war ein Suppenteller mit lauwarmer Pampe aus Möhren-und-Bohnen-Allerlei. Ich spreche die Wahrheit, nichts als die Wahrheit.

Und dann gestern, bei einem beruflichen Workshop in einem ortsnahen Hotel, dessen Restaurant ich hier nicht beleidigen möchte, tatsächlich aber nichtmal dem schlimmsten Feind weiterempfehlen würde. Gestern wurden den Kollegen Pommes mit Muscheln angeboten. Bevor der Maitre entschwand, bat ich ebenfalls um Pommes, nur statt Muscheln um einen Salat. Oh ja, Du bist ja die Vegetarierin hier, musste ich mich auch noch duzen lassen. Ich wies noch mal auf die von mir sehr begehrten Pommes hin und wusste im selben Moment, dass ich sie nie erhalten würde. Was kam, war ein, Überraschung! – Chiccorée-Gratin. Woher hatte der Mann wissen wollen, dass ich nicht an einer schlimmen Chiccorée-Allergie leide? Welchem Wort des Satzes „Ich hätte auch gern die Pommes“ entnahm er ein „Bringen Sie mir einfach irgendwas, meinetwegen auch Chicorée-Gratin“? Ich glaub, mir hilft nur noch eine Selbsthilfegruppe: Die GNFVGUDDGBV. Die Gemeinschaft nicht für voll genommener und deshalb die Gastronomie boykottierender Vegetarier.

07.11.03

Dieter und ich

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Meine Besten

So, nun wählt das ZDF also „Unsere Besten“: Und da wird es Zeit, wie vom Chefredakteur schon lange gefordert, dass ich mal MEINE Besten dagegensetze.

Fangen wir von hinten an:

10 Conny Plank
Schätze mal, das ist der wichtigste deutsche Musikproduzent, den es je gab. Ohne ihn kein Kraftwerk, kein Neu. Auch DAF hat er produziert, die Eurythmics und Gianna Nannini. Aber da fängt es dann an, entbehrlich zu werden… Egal. Er hat frischen Wind und revolutionären Sound in die deutsche Popmusik gebracht. Und das ist doch was. Conny Plank war ein Genie.

9 Ulrike Meinhof
Muss ich das erklären? Könnte kitschig werden, ist mir bewusst. Aber so´ne kluge Frau in der Männderdomäne „politischer Journalismus“. Das find ich gut. Außerdem hat sie nicht mit Andreas Baader geschlafen. Hoffe ich.

7 Ratz und Rübe
Die Helden meiner Kindheit. Haben kräftig den Mythos der vermeintlich heilen Kleinfamilie zerstört. Kann nie schaden. (Rübe lebte bei ihrem Vater. Ratz bei seiner Mutter.)

6 Bernt Engelmann
Von ihm habe ich gelernt, dass Geschichte meist Geschichte der Sieger ist. Und warum man Menschen wie die Flicks nicht mögen muss.

4 Inga und Anette Humpe
Ich verehre sie einfach. Weil sie toll sind. Humpe&Humpe gehören zu den Sternstunden deutscher Popmusik. Ideal waren klasse und, mal ehrlich, das Produkt von Anette Humpe. Sie hat sogar aus Müll gute Musik gemacht, wie aus Lucilectric, dem späten Lindenberg und den Prinzen. Dann noch DÖF und Zweiraumwohnung und all die anderen wunderbaren Dinge, denen Inga Humpe ihren Glamour schenkte. Und was wären all die Lieder, in denen sie im Background singt, ohne sie: Keine Sterne in Athen, Ein Herz kann man nicht reparier´n… Hach.

3 Alice Schwarzer
Wieder Kitschalarm. Aber das war schon sehr nötig, was sie so alles angeschoben hat.

2 Melitta Benz
Aber ohne diese Frau und den von ihr erfundenen Kaffeefilter wäre ich gar nicht wach genug, um die Verdienste all dieser großen Menschen wahrzunehmen.

1 James Last
Und das ist der Größte von allen. James Last ist Gott. Hört seine Musik, und es geht Euch gut. Ihr könnt dabei tanzen, singen, einfach nur mit dem Fuss wackeln, sogar ein Brötchen essen. Er ist einfach genial. Hat super-einfache, trotzdem edle und groovige Musik gemacht. Und er hat vor nichts Angst. Jedem neuen Trend nimmt er das Neue, Beunruhigende, indem er ihn einfach auffrisst und im Happy Sound wieder ausspuckt. Umarme Deine Feinde. Und werde reich dabei. Das kann man von James Last lernen.

06.11.03

Tempolimit

Neulich im Sendestudio: Anruf vom Kollegen, der in 20 Minuten die nachfolgende Sendung hat und nicht eben in der Nähe wohnt. „Du, hast Du eine Blitzermeldung auf der A 623?“ „Nö.“ „Dann bin ich gleich da.“

05.11.03

Nach den Kastelruther Spatzen

Mal wieder Schwein gehabt. Bin einfach schon um 18 Uhr 30 da. Also viel zu früh. So wie die ganzen Fans der Kastelruther Spatzen, die schon vor der Halle stehen.

Rein durch die Hintertür, diesmal leider kein Fuhrunternehmen „Vogelfänger“ oder so. Dafür einen versöhnten Tourmanager, der sofort den Spatzen-Sänger vom Essen wegholt. Und zwei Minuten später steht Norbert Rier im rot-grauen Trainingsanzug vor mir. Ob es das ist, wovon Spatzen-Fans träumen? Wer weiß. Angenehmer Interview-Partner jedenfalls. Kann sogar Kühe melken. Und auch Land-Ei-Test bestanden: Wieviel Zitzen hat das Euter einer Kuh? Wenn sie schon immer vom Landleben singen…

Und siehe da: hier krieg ich die Deko, die ich schon bei den „Lustigen Musikanten“ erwartet hatte. Es steht ein echtes Dorf auf der Bühne, erglimmt in allen möglichen Farben und Stimmungen, dazu rieselt es Konfetti und Kunstschnee. Nach der Pause sogar Heiterkeit im Publikum, denn – auf der Bühne jetzt ein riesiger Mount Rushmore, aus den Gesichtern der Kastelruther Spatzen. Das nenn ich dochmal Berg-Humor. Gut gemacht, Spatzen!

Und noch was werd ich so schnell nicht vergessen: wie eine ganze Halle tobt, während auf der Bühne sieben Salzsäulen stehen. Na gut, der (wirklich sehr gute!) Schlagzeuger hat sich bewegt, das hab ich genau gesehen. Aber am Keyboard, dacht ich lange, steht eine Schaufensterpuppe. Definiert das Gegenteil von Rampensäue, und Ihr habt die Kastelruther Spatzen. Es ist wirklich unglaublich. Nicht, dass es ein schlechtes Konzert gewesen wäre, gar nicht. Aber ein etwas ungewöhnliches eben. Norbert Rier steht unbeweglich rum, verlagert höchstens mal das Gewicht von einem aufs andere Bein. Aber das war´s auch schon. Und ich hab auch nicht bemerkt, dass er mal merklich die Miene verzogen hätte. Aber so sind sie halt, die Tiroler. Wer´s mag…

04.11.03

Heiligenverehrung II

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Toooor!

Die Bundesliga-Konferenz im Radio – ich liebe sie.

Reporter 1: „…und hier in XY-Stadt startet grad der Konter von AB, alles strömt zum gegnerischen Tor –“

Reporter 2: „Toooor in HAMBURG!!!“

Reporter 1: „Ich höre, es gibt ein Tor, aber wo?“

Vor den Kastelruther Spatzen

Tonight: Kastelruther Spatzen! Ich: seit Tagen am Baggern wegen Interview und Mitschneide-Erlaubnis. Bei den „Lustigen Musikanten“ hab ich eine sehr nette Plattenfirma-Dame getroffen, die versprach, einen Kontakt zu den Spatzen herzustellen. Gestern kam der Anruf: Tirol sagt, Interview klappt. Um 19 Uhr hinter der Bühne!

Toll. Und die Mitschneide-Erlaubnis für ein paar Musikfetzen? Tja, keine Angaben. Sie probiert´s noch mal. Und ich dann auch, weil: es ist ja schon am nächsten Tag. Also: Handy-Nummer des Tourmanagers rausgekriegt. Auf Mailbox gesprochen. Keine Reaktion. Macht nix, hab ja Interview-Zusage, wird Rest auch schon klappen.

Heute morgen Anruf von Plattenfirma-Dame: bitte noch mal Tourmanager anrufen, der habe sein Handy jetzt an. Gesagt, getan, am anderen Ende: ein ziemlich konsternierter Tourmanager, der von der Interview-Zusage nichts wusste, weil er nicht Tirol, sprich: das Bandmanagement ist, sondern das Tourmanagement. Außerdem: vor mir noch zwei andere Gäste an der Reihe, darunter ein Fanclub. Man könne nichts versprechen, Tonaufnahmen außerdem nicht erwünscht. Naja, mal vor Ort treffen, dann schauen. Ist das toll? Ich liebe es.