Heute will ich mal wieder etwas anprangern, und zwar einen Songtext von Howard Carpendale. Dummerweise ist es der Text zu meinem Carpendale-Lieblingslied, aber das ist nur eine kleine, persönliche Tragik, die Euch nicht weiter zu kümmern hat.
Es geht um das Lied Wie frei willst Du sein“, die deutsche Version von Forse“, aus dem Jahr ´79. Kennt Ihr noch? Herrliche Melodie, und in der Carpendale-Version noch dreimal besser arrangiert als das Original. Eine folkige Gitarren-Ballade, die einfach den Flow hat. Aber ich wollte ja was zum Text sagen. Der ist einerseits toll gemacht: plätschernd und leichtfüßig, obwohl man gleichzeitig denkt Ach, was für ein melancholisches Lied über ein sich auseinanderlebendes Paar.“ Aber dann hört man mal genauer hin, was man da so mitsummt. Und bemerkt das ätzende Gift schlimmster Frauenfeindlichkeit, wie sie nur Ende der 70er gären konnte, unter dem Deckmantel romantischer Zweisamkeit.
Und so geht´s los:
Zusammenzuleben und doch frei zu sein.
Das wolltest du haben, und ich ging darauf ein.
Klingt harmlos, aber man ahnt schon die promiske Partnerin, die dem gutmütigen Song-Ich das Leben schwer macht.
Du hast dir einen neuen Kreis gefunden,
und bist mit fremden Menschen viele Stunden.
Hm?
Du fragst mich nicht, wie ich die Zeit verbringe
Äh, mit Sportschau-Gucken und Zeitunglesen?
und wenn du gehst, sagst du mir nicht wohin.
Naja, okay: zur Arbeit, zum Frisör, zu Freundinnen.
Du willst dich selber finden, dich entfalten
Doch, ja.
Du willst dein eignes Leben selbst gestalten.
Ja genau, und exakt das ist offenbar das angeprangerte Partnerschaftsverbrechen! Sie will doch tatsächlich über ihr eigenes Leben bestimmen!
Ja, zählen für dich nur noch diese Dinge?
Wie hat dann ein Zusammensein noch Sinn?
Dann GEH DOCH!!!!!
Du weißt, ich brauch dich.
Du weißt, ich mag dich.
Du weißt, ich lieb dich.
Ohne dich will ich nicht sein.
Das ist er, der finale Versuch! Emotionale Erpressung, mündend in die – endliche mal wahre – Aussage, dass ER hier etwas nicht will!
Warum ich mich so aufreg? Weil es in Songform genau das ist, was Männer ihren Frauen gesagt haben, als die Ende der 70er anfingen, in Frauen-, Yoga- und Töpferkurse zu gehen. Das gab Gemecker, Eifersuchtsszenen und Schlimmeres. Der Kleine Unterschied“ ist voll von solchen Schilderungen, und die Erzählungen meiner Verwandtinnen leider auch. Und fast hätt man´s nicht gemerkt, fast!!! Dass der nette Herr Carpendale hier dem Chauvinismus das Wort redet, ach was, singt, aber… hach, so schön wie kein anderer: Du frahgst misch niescht, wie iesch die Zait värbringe… Ja, es bleibt mein Lieblingssong von ihm, aber, hey: es ist ein Song mit einem beschissen frauenfeindlichen Text, der sich wie Schluckimpfung auf Zucker ins Hörerhirn mogeln soll. Ich hoffe, das Gericht erkennt auf Vorsatz. Und locht ihn ein.