K A T J A S W E L T
28.02.04
Andrea Berg

Andrea Berg ist natürlich die Königin des aktuellen Schlagers. Sag ich momentan, so im Jahr 2003. Hätte ich aber auch schon letztes Jahr gesagt. Sie hat einfach den geilsten Sound. Er ist das, was man im HipHop „fett“ nennen würde. Und er groovt, oja. Dabei ist er verdammt archaisch, also eigentlich ziemlich primitiv, mit seinen wuchtigen Synthie-Klangmauern, die Phil Spector klein, alt und blass aussehen lassen, mit dem Haudrauf-Rhythmus und diesen schamlos aufeinandergeschichteten Gesangsspuren. Aber archaisch klingt besser.

Jedenfalls: Andrea Berg hat die mit Abstand schlimmsten Texte im ganzen aktuellen Schlager. Das tut mir wirklich leid, weil ich in der Tat auf ihre Songs stehe. Andrea Berg ist super, und ihre Musik auch. Aber als Mensch mit Deutschkenntnissen kann ich ihr diese Texte einfach nicht durchgehen lassen.

„Die Sonne steht am Horizont, und Du stehst neben mir.“ Entschuldigung, was ist das denn? Die Anfangszeile von „Die Gefühle haben Schweigepflicht“, stimmt. Aber auch das, was Germanisten ein „schiefes Bild“ nennen. Was macht denn die Sonne gleich mit dem Horizont? Den Arm um ihn legen und ihn auf einen Drink einladen?

„Doch es war total Liebe pur.“ …und eine Überdosis Superlative. Wir sind mittendrin in „Du hast mich tausendmal belogen“. Und freuen uns jedes Mal wieder über das Lamento „Ich bin mit dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt.“ Seitdem stell ich mir den Himmel als kleines Holzhäuschen mit ausgesägtem Herz in der Tür vor und hoffe inständig, dass, wenn ich mal an Petrus´ Pforten klopfe, noch genügend Toilettenpapier da ist.

„Irgendwann, da war es Liebe. Vielleicht sogar ein bisschen mehr.“ Mehr als was? Als Liebe?!! Ich dachte, Liebe sei schon das Nonplusultra. Hörigkeit ist eine Krankheit. „Hab meine Seele aufgeräumt, Tränen sind genug geweint.“ Seele aufgeräumt? So richtig in Kittelschürze und mit Schwammtuch? Warum nicht gleich den Kammerjäger kommen lassen und den Raumausstatter, der das ganze Oberstübchen mal neu möbliert?

Ach, ich weiß, es ist defätistisch, was ich hier mache. Ich schaff´s auch nur unter Tränen, denn natürlich kann auch ich mich nicht dem Pathos von „Ich sterbe nicht noch mal“ entziehen. Aber diese herzlose Person, sagt Ihr jetzt. Fleddert mutwillig durch die Texte der armen Andrea Berg. Aber nein – ich kann Euch beruhigen. Wir verstehen uns schon, die Andrea Berg und ich. Sie hat wirklich viel Humor. Woher ich das weiß? Nun, all die Dramolette von den Gefühlen mit der Schweigepflicht, dem tausendmal-betrogen und dem Traum-zuviel gibt´s auch als Kombi. Verwoben zu einem knackigen – Partymix!!! Selten so gerockt.