Adamo kann ich selbstredend nur loben. Adamo ist Gott. Zumindest der Adamo aus Komm in mein Boot“. Bei Ein kleines Glück“ möchte man ihm manchmal den Vorschlaghammer aus der Hand nehmen, mit dem er auf die Klaviertasten haut. Ein Spieluhr-Boogie, der sich vielleicht in Las Vegas-Freak Shows gut machen würde, zwischen Liberace und den weißen Tigern… Aber halt! Ich wollte doch loben. Komm in mein Boot“ ist nämlich ganz großes Kino und echte Kunst, die mich immer wieder völlig umhaut.
Mit tricky Pizzicato und weichen Piano-Akkorden pirscht er sich ran, der Adamo, um sich dann an wagnerianischen Klangmauern abzurackern. Also, man muss schon vom Mars sein, um NICHT zu ahnen, was da abgeht, auf der Insel“. Oder der deutschen Sprache nicht mächtig, denn im Grunde wird im Text sowieso schon alles gesagt. Wie sonst darf ich das verstehen, mit dem Lieben und Träumen und wieder uns lieben, allein am Strand“?
Aber es bleibt trotzdem große Kunst. Wenn ich noch mal betonen darf: das Arrangement!!! Allein schon diese Percussions, mein Gott, der Wahnsinn!! Die Streicher, die Hörner, der ganze Tand – und dann plötzlich wieder gar nichts außer dem Hauch einer Basslinie und diesem entrückten Lockruf, der, ähem, dann allerdings doch ein bisschen so klingt, als würde Norman Bates zum gemeinsamen Duschen laden. Macht nix. Adamo ist einfach der Rekordmeister der Sänger-Championsleague, er ist das Manchester United unter den Stimmen. Und von ihm lass ich mir auch von Sternen erzählen, die schweigend über dem Meer tanzen, von purer Poesie und stillstehender Zeit, von Lärm und Hast, sogar von einem Fahrplan, in dem die Insel nicht steht. Aber all seine Ehrentitel verdient er sich mit einem einzigen, kleinen Wort, nämlich dem schwuchteligen traumgeschwind“. Das ist die Geschwindigkeit, mit der das Boot zur Insel fliegt, nämlich so schnell, so traumgeschwind“. Für den Mut, ein Wort wie traumgeschwind“ zu singen – und für das rollende R darin – könnte ich ihn einfach küssen. Danke, Adamo!