K A T J A S W E L T
17.01.05

Richter ohne Henker

Das Phänomen, dass begangen, aber nicht geahndet werden, kennt man ja. Auch die Journalistin, die im ZDF zu sehen war, wie sie pädophilem Internet-Schindluder nachgeht, kennt das. Und sie hat´s toll zusammengefasst: „Wo kein Richter, da kein Henker.“ Muss man sich merken.

16.01.05

Traumschiff Thementag

Traumschiff-Thementag im ZDF – das ist was für mich. Zwar ist Super-Produzent Wolfgang Rademann schon vor Monaten 70 geworden, aber wen juckt´s. Mittags eine Traumschiff-Folge von ´83 – wow. Natürlich noch mit Chefstewart Victor. Und dem Original-Kapitän. Wie üblich natürlich auch mit den üblichen verdächtigen Rademann-Chargen von Klausjürgen Wussow über Maria Sebaldt bis hin zu Manne Krug und Maria Schell. Und einigen mehr, die später in der Schwarzwaldklinik den weißen Kittel überwerfen durften. Die Dialoge waren nur in Nuancen geschmeidiger als die Derrick-Laubsägearbeiten, und die Handlungen so vorhersehbar wie das jährliche „Dinner for one“.

Zum Nachmittagskaffee noch eine Traumschiff-Doku, abends dann eine neue Folge und die große Traumschiff-Gala. Kunstvoll ineinander verwoben, indem schon auf die Traumschiffgäste die Plakate für die Gala bewundern durften. Und ein am Schneidetisch ins Käpt´nsdinner hineinkopierter Moderator Biolek der Oberstewardess signalisieren durfte, dass es gleich losgeht.

Und dann war´s soweit: Wolfgang Rademann inmitten seiner Lieben. Grit Böttcher, Wencke Myhre, Gila von Weitershausen, Claudia Rieschel, Simone Rethel, Johannes Heesters, Klausjürgen Wussow und Gaby Dohm. Und in vielen Einspielern die, die nicht mehr können: Harald Juhnke, Peter Frankenfeld, Peter Alexander, Lilli Palmer, Gisela Schlüter und derlei mehr. Schließlich war Wolfgang Rademann der, der aus Boulevard-, Schlager- und Filmgrößen Entertainer mit eigener Show machte. Und auf der Sehnsuchts-Serienglatze immer neue Locken drehte: vom Hotel Paradies über die Insel der Träume bis zum Ferienarzt. Und das Verrückte Paar nicht zu vergessen!

Immer hat er den schmal Grat zwischen Hausmannskost und Illusion souverän beherrscht. Viel Vertrautes war immer dabei. Aber immer auch viel Zauber, der jedes Mal wieder neugierig machte auf die neueste Folge. Genauso bei den großen Shows: man kann über die Westentaschen Sammy Davis´se lachen. Ein bisschen bieder und miefig war einiges, was da geboten wurde. Aber auch rasant, farbenfroh, irgendwie verblüffend und sehr, sehr fröhlich. Und der Massenflüsterer Rademann wiederholt auch 2005 keck sein Credo: das Elend der Welt sehen die Zuschauer vorher und nachher in den Nachrichten. Dazwischen entführt er sie anderthalb Stunden lang in heile, exotische Welten. Was will man dagegen sagen?

Nicht. Man freut sich einfach, dass der Mann hinter den Filmen fast so unterhaltsam ist wie die Filme selbst. Zumindest unterhaltsamer als viele der Darsteller.

10.01.05

Käse-Igel

Kochen wie in den 70ern – Teil 2. Ja, es gibt tatsächlich nach den Wurstfaltern und Eier-Igeln noch ein Requisit, das meiner Sammlung fehlt. Das war der Käse-Igel. Auch Party-Pilz genannt. Natürlich vom Flohmarkt. Ein Döschen Zahnstocher war auch dabei. Leider gaben sie selbst nach gründlichem Spülen nicht ihren 50er-Jahre-Geruch frei. Also weg damit und neue geholt. Und dann: – Silberzwiebeln, Cocktailgurken, Trauben, Oliven und Käsewürfel bitte in Zweierreihen aufstellen. Damit die neuen Plastikstocher ihr Werk tun können.

Ist nicht ganz einfach: bisschen fisselig, aber wenn man die Stocher gut einhakt, hält alles. Okay, die Gäste müssen ein bisschen frickeln, um die Spieße überhaupt loszukriegen – aber Schönheit hat halt ihren Preis. Ich bin jedenfalls begeistert, der Party-Pilz und ich werden dicke Freunde.

07.01.05

Rudi Riese

Mit Grabbelfingern rein, angelesen und verliebt. Ich musste es einfach mitnehmen: „Rudi Riese“. Ramponiertes Reste-Exemplar vom Bücherwühltisch. Drei kleine Mäuseschwestern hat er, der große, trampelige Rudi. Und irgendwann verrät ihm Mutter Maus das dunkle Familiengeheimnis: er ist gar keine Maus. Sondern ein Rattenkind, das als Baby verlassen rumlag und von Mutter Maus adoptiert wurde. Sooo süß, die Bilder.

Nur leider die Geschichte etwas daneben. Denn gerade die Geschwister von Behinderten haben, mein ich, einen sehr unkomplizierten und liebenswerten Umgang mit ihnen. Und lachen sie nicht aus, wie die doofen Mäusemädchen. Und dass Rudi erst geliebt wird, nachdem die Mädels merken, dass er mittels Masse ein guter Torwart ist und man mit seinem langen Schwanz toll Seilhüpfen kann – dass find ich auch nicht in Ordnung. Kann man ein Wesen nicht einfach gern haben, ohne dass es was Tolles kann? Ansonsten aber ist das ein feines, feines, wunderbar gemaltes Buch: „Rudi Riese“ von Birte Müller im Neugebauer Verlag.

06.01.05

Heidis Käse

Auch wenn die Japaner sie so richtig berühmt gemacht haben: ich glaube, sie ist Schweizerin. Schließlich hat meine Mutter mir auf einer Schweizreise für 120 Jahre gebetsmühlenartig eingetrichtert, dass das das Land von Heidi ist. Wo man sie doch spontan eher nach Österreich stecken würde. Oder? Kann ich demnächst alles klären. In der Saarbrücker Heidi-Ausstellung. Ob dort auch erklärt wird, wie man Käse brät, fragt eine Freundin. Käse brät? Ja, so wie Heidi das immer getan habe. Auf einen Stock gespießt und am Feuer gebraten. Und dann irgendwie vom Stock runtergegessen. Oder auf´s Brot geschmiert. Und sie, die Freundin, sei nicht die einzige, die darüber gerätselt habe. Sie habe schon mit anderen Mädchen darüber gesprochen, die vom Käsebraten ähnlich beeindruckt waren. Das gibt mir jetzt zu denken. Ist mir völlig entgangen, obwohl ich seitdem ununterbrochen Heidi-Käsebratszenen in meinem Kopf restauriere. Oder das, was ich dafür halte. Wo war ich nur mit meinen Gedanken, als der Käse gebraten wurde? Vielleicht bei der Großmutter vom Geißen-Peter, an die ich manchmal noch beim Bäcker an der Brottheke denke. Denn die Peter-Oma aß am liebsten Weißbrot. Wegen der Zähne. Soviel zu meinen kulinarischen Heidi-Erinnerungen. Ein bisschen was hab ich schließlich auch zu bieten.

04.01.05

Brigitte-Horoskop

Ich glaub, ich bin vertauscht worden. Sternzeichen-vertauscht. Weiß auch nicht, wie das gehen soll. Aber nachdem ich das Jahreshoroskop der Zwillinge 2005 in der Brigitte gelesen hab, weiß ich, dass ich einfach kein Zwilling sein kann. Zwillinge seien total spontan, und ihr Haus stünde jederzeit für Besuch offen. Und Zwillinge seien unfähig, sich selbst zum Thema zu machen. Weshalb sie hervorragende Reporter und Berichterstatter sind. Aha. Ich sollte das am besten mal recherchieren: wie genau ich vertauscht wurde. Oder wann genau mein Haus spontan für Besuch offen steht.