Wow, das ging jetzt aber schnell. Nicht, dass Doktor Erlinger mir wirklich geantwortet hätte. Ich geb mir die Antworten einfach selber. Natürlich ganz in seinem Sinne. Schätz ich.
Danke an mich selbst.
Ja, Doktor Erlinger schreibt Dir bestimmt zurück“, meint der Chefredakteur, aber sicher erst in ein paar Monaten.“ Solang kann ich nicht warten. Ich habe zahlreiche Fragen, die mir der Moral-Briefkastenonkel des Süddeutschen Magazins beantworten soll. Und die gehen so:
All das sind Fragen, die ich auf dem Herzen hab. Bitte, lieber Doktor Erlinger, hilf! Schnell.
Ich glaub, ich bin vertauscht worden. Sternzeichen-vertauscht. Weiß auch nicht, wie das gehen soll. Aber nachdem ich das Jahreshoroskop der Zwillinge 2005 in der Brigitte gelesen hab, weiß ich, dass ich einfach kein Zwilling sein kann. Zwillinge seien total spontan, und ihr Haus stünde jederzeit für Besuch offen. Und Zwillinge seien unfähig, sich selbst zum Thema zu machen. Weshalb sie hervorragende Reporter und Berichterstatter sind. Aha. Ich sollte das am besten mal recherchieren: wie genau ich vertauscht wurde. Oder wann genau mein Haus spontan für Besuch offen steht.
Da zerbrech ich mir mit dem Chefredakteur noch den Kopf, wen Völler wohl für die EM nominiert - dabei ist die Lösung doch eigentlich ganz einfach. Wer im Werbespot mit dem Bus drinsitzt, ist dabei. Oder? Ich mein, jeder weiß doch, dass die Wirtschaft die heimliche Macht im Staat ist. Und nimmt ernsthaft jemand an, dass die Werbepartner ihre millionenteuren Spots neu drehen, falls der Teamchef sich einen Kader mit 23 neuen Gesichtern ausdenkt? Man muss also nur mal durchzählen, wenn der Bus durch die Werbepause rauscht. Dann weiß man, wieviel Plätze überhaupt noch frei sind. Ich bin jedenfalls froh, dass Christian “the voice” Wörns im Bus sitzt. Hoffentlich gibt er recht viele Interviews!
Die gestandene Bäckersfrau tat, als hätte sie gar nichts gehört. Und lächelte mir stoisch übern Tresen rüber. Aber ich hatte gehört. Das junge Lehrmädchen, schräg neben uns…
Es hatte gerade den schmalen Holztisch beseite gerückt, auf dem sich sonst immer die Tüten mit den Vorbestellungen stapeln. Jetzt starrte es in die freigelegte Ecke, den Besen schon angriffslustig neben sich gestemmt. “Ja! Mh-mh. Ooooo ja!!!”
Ich kann mir einigermaßen vorstellen, was sie gesehen hat. Ein “Die tote Ratte liegt wohl schon lange hier” oder “Weg, ihr Kakerlaken” hätte es kaum plastischer machen können.
Das ist die Haupttragik meines sonst recht sonnigen Lebens: endlich mit einem Mann liiert, der sich für Fußball interessiert. Aber dann: eine Livesendung moderierend, die zeitlich gegen die Sportschau läuft. Jeden Samstagabend.
Noch tragischer wird´s, wenn die eigene Lieblingsmannschaft samstags um die Meisterschaft spielt. Und man so gerne ahnungslos mit den Bildern mitfiebern würde. Hilft nix. Gottseidank läuft auch im Radio nachmittags Sport. Und so hab ich die brenzlige Zeit in der Regie verbracht: im Fernseher die Premiere-Konferenz. Aus den Boxen: die Radio-Konferenz. Günther Koch, den Begriff der “Bremer Fußballmusikanten” vielleicht einen Hauch zu sehr strapazierend. Obwohl er grundsätzlich natürlich Recht hat.
Der Rest ist Geschichte. Den Sekt gab´s später. Und auch den häuslichen Erfahrungsaustausch. Schließlich konnte ich aus dem Studio nicht anrufen. Die Stimme hätte mich sofort verraten. Der Chefredakteur spart sich samstags ja nach wie vor auf für die Fernsehberichterstattung. Das gab Mißstimmung, als neulich im Hintergrund Fußballnachrichten zu hören waren. Wer konnte denn ahnen…!
Übrigens: falls einer meiner Chefs Erbarmen hat und die “Schlagerparade” vielleicht auf eine etwas menschlichere Zeit verlegen möchte - meine Liste der Änderungswünsche ist noch lang. Und hängt substanziell vor allem mit Zeiten zusammen, in denen in meinem Wohnviertel gut Parkplätze zu kriegen sind…
Ja, die Benzinpreise steigen und steigen. Aber es hat auch sein Gutes. Zumindest für Leute wie mich, die sich vorm Tanken einen festen Betrag setzen. 19,99 höchstens. Oder 24,76. Euro. Denn das Tolle ist: ich bin jetzt viel schneller fertig!
Heute war ich an der Zapfsäule, die rotierenden Ziffernblätter fest im Blick. Und schwupp - Limit erreicht. Musste gar nicht lang stehen, ächzend den Zapfhahn quetschen. Nee: eine Minute, finished! Ein Quickie sozusagen. Und das Allertollste ist: ich hab im Gefühl, dass ich dieses Vergnügen jetzt in sehr kurzen Abständen immer wieder haben werde!
Ist Euch mal aufgefallen, welches Geräusch es ergibt, wenn man einen Wasserstrahl senkrecht in eine leere Flasche “Fachinger” laufen lässt? Genau, so eine grüne Glasflasche muss es sein. Und der Strahl sollte mittelstark sein, noch ein wenig Distanz zum umgebenden Glasrand haltend. Dann gibt es ein spaciges Summen, tonal ansteigend. Wie am Anfang der “3 Engel für Charlie”-Melodie.
Die hat ja so´n minikleines Vorspiel. Nur so´n Geräusch. Ein bblb-bblb-bblb. Etwas blubbernd. Federnd. Stylish halt. Bevor die Melodie dann richtig losgeht: Laaa-la-laaa la-la-la laaa-la-laaa… Und ich mein das kleine Wispern davor. Probiert´s ruhig mal. Am besten funktioniert es mit alten Wasserboilern, wo man die Flasche trefflich unter einem 90 Grad-Wasserhahn platzieren kann.
Das ist der neueste Trick des Handels, dem Kunden keine Tüte mehr mitgeben zu müssen. Oder was würdet Ihr sagen? Angenommen, Ihr habt gerade die “Korrekturen” als Taschenbuch gekauft, und der Buchhändler fragt mit fiesem Lächeln: “Darf es noch ein Polyethylen-Tragetäschchen sein?”
Meine Mutter hat die ersten Ideen für die Weihnachtsgeschenke 2004. Gerade hab ich ihr erklärt, dass man Wetter-Tiefs und -Hochs auf Namen seiner Wahl taufen lassen kann. Gegen Geld, versteht sich. Meine Mutter ist begeistert. Gerade ihre betagte Verwandtschaft ist extrem schwierig zu beschenken, weil sie einfach alles schon besitzt. Trotzdem bin ich nicht überzeugt, dass man ein Hoch auf Tante Lisbeth“ taufen lassen kann. Wenn Ihr es doch mal im Wetterbericht hört, wisst Ihr Bescheid…

Einzimmer-Haus, hundert Quadrat-Zentimeter Wohnfläche, Backofen inklusive. Ich hab mein weihnachtliches Prunkstück fertig: das Hexenhaus. Gern wüsste ich, ob Lebkuchenhäuser von Menschen, die in Fertighäusern groß wurden, anders aussehen als die von Menschen, die – sagen wir – in gemauerten Mehrfamilienhäusern aufwuchsen.
Die Fenster sind aus Blattgelatine, falls es jemanden interessiert.
Irgendwann raste ich noch mal aus. Die Diagnose wird dann lauten: Amoklauf einer Vegetarierin, die einmal zu oft nicht ernst genommen wurde.
Geht es anderen Vegetariern auch so? Dann werden sie folgende Situation kennen: dass man gern mal die Beilagen der Fleischgerichte essen würde, weil die sich lecker anhören – allein, das scheint vielen Köchen unter ihrer Würde. Das kriegt man nämlich nie, nie nie als Vegetarier. Dafür aber ein vegetarisches Extra-Gericht, das man gar nicht haben wollte. Nichtmal bestellt hat.
Aber Vegetarier werden erst gar nicht gefragt! Sie verstehen wohl nichts vom Essen und können deshalb auch keine eigene Meinung dazu haben. Das ist die Sicht vieler Fleischköche auf uns arme Tröpfe. Vielleicht auch einfach ihre subtile Rache. Man sagt, man hätte gern die Beilagen, und bekommt tatsächlich ein fleischloses Überraschungsgericht. Ein kulinarisches Blind Date.
So geschehen vor einigen Jahren bei einer SWR-Veranstaltung im Restaurant von Johann Lafer. Zugegen waren die Fernsehköche aus mehreren SWR- und SR-Kochsendungen. Und gern hätte ich mal gekostet, wie der Safran-Reis von Vincent Klink so mundet. Allein: nach dem zweiten Gang hatte das gastgebende Ehepaar Lafer geschnallt, dass ich das Fleisch nicht mitesse, und trotz flehender Beteuerungen, dass ich aber die Beilagen gern weiter kosten wolle, wurde mein Teller abgeräumt mit einem gütigen: Für Sie haben wir ´was Vegetarisches. Hätten Sie das doch gleich gesagt.“ Was kam, war ein Suppenteller mit lauwarmer Pampe aus Möhren-und-Bohnen-Allerlei. Ich spreche die Wahrheit, nichts als die Wahrheit.
Und dann gestern, bei einem beruflichen Workshop in einem ortsnahen Hotel, dessen Restaurant ich hier nicht beleidigen möchte, tatsächlich aber nichtmal dem schlimmsten Feind weiterempfehlen würde. Gestern wurden den Kollegen Pommes mit Muscheln angeboten. Bevor der Maitre entschwand, bat ich ebenfalls um Pommes, nur statt Muscheln um einen Salat. Oh ja, Du bist ja die Vegetarierin hier, musste ich mich auch noch duzen lassen. Ich wies noch mal auf die von mir sehr begehrten Pommes hin und wusste im selben Moment, dass ich sie nie erhalten würde. Was kam, war ein, Überraschung! – Chiccorée-Gratin. Woher hatte der Mann wissen wollen, dass ich nicht an einer schlimmen Chiccorée-Allergie leide? Welchem Wort des Satzes Ich hätte auch gern die Pommes“ entnahm er ein Bringen Sie mir einfach irgendwas, meinetwegen auch Chicorée-Gratin“? Ich glaub, mir hilft nur noch eine Selbsthilfegruppe: Die GNFVGUDDGBV. Die Gemeinschaft nicht für voll genommener und deshalb die Gastronomie boykottierender Vegetarier.