K A T J A S W E L T
08.06.05

Decosendungen

Oh, ich liiiebe die Deko-Sendungen auf RTL. Ich vergöttere Tine Wittler aus „Einsatz in vier Wänden“. Und die Texter der Sendung. Sehr schön finde ich den Satz „Zu solchen Arbeiten konnte sich Katharina nie durchringen.“ Katharina ist die Studentin, die ein neues Schlaf-Arbeitszimmer bekommt und sich am Ende auch übertrieben niedlich darüber freuen wird. Und während der Sprecher sagt, dass sie sich „dazu“ nie durchringen konnte, sieht man die Handwerker einen komplett neuen Fußboden im Zimmer verlegen. Ich kann Katharina irgendwie gut verstehen.

Später, in „Punkt 12“, wird einem Neu-Junggesellen die 25-Quadratmeter-Bude hübsch gemacht. Und da er nach eigenen Angaben zwei linke Hände hat, gibt es einen Deko-Tipp, der „auch für Menschen mit zwei linken Händen“ geeignet ist:

Man nehme ein kleines Gefäß und fülle es mit Sand. Dann stecke man drei Reagenzgläser hinein. Und stülpe mehrere Geschirrputz-Ringe aus silbernem Material darüber, die die Reagenzgläser zusammenhalten. In jedes Glas eine Blume – fertig.

Ganz ehrlich: ich hätte es einfacher gefunden, mit 5 Euro ins Geschäft zu gehen und eine Vase zu kaufen. Aber bitte – wer mal eben so drei Reagenzgläser rumliegen hat..

07.06.05

Düren Demons

Es sind die „Düren Demons“, die der junge Mann in der RTL-Doku-Soap gegründet hat. Eine American Football-Truppe. Trotzdem klingt es viel lustiger so, wie der Sprecher es ausspricht: die „Düren Demenz“.

04.06.05

Beim Metzger

Es soll eine Privat-Fleischerei sein, sagt das Emblem im Werbefernsehen. Verstanden hab ich allerdings „Primat-Fleischerei“. Ganz schön erschrocken. Obwohl mir als Vegetarierin ja nicht viel passieren kann. Aber sollte sich vielleicht einen anderen Werbesprecher suchen, die Privat-Fleischerei…

22.05.05

Monaco, Grand Prix, NRW

„In Monaco ist alles gut organisiert, und sicherlich – wenn gleich die Gedenkminute beginnt – wird man nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt des verstorbenen Fürsten gedenken.“ Ich überlege, ob Kai Ebel die Relevanz der schillernden Grimaldi-Familie nicht ein klein wenig überschätzt. Aber, hey: davon lass ich mir das herrliche TV-Wochenende doch nicht verderben. Erstmal bin ich beeindruckt: die Gedenkminute beginnt, und wer in Monaco (und auf der ganzen Welt) keine hässliche Schirmmütze abnehmen kann, der zieht sich pietätvoll die verspiegelte Sonnenbrille vom Gesicht. Das hat Style.

In Monaco scheint die Sonne, und die einzige Formel 1-Übertragung, die meine Augen und mein Gehirn überleben, startet. Ich schaue sie natürlich nicht wegen der Autos, sondern wegen Monaco. Kann mich gar nicht sattsehen an den kleinen kurvigen Straßen zwischen den aufeinandergepferchten Hochhäusern, im Hintergrund blauglitzerndes Azur. Seit ich neulich die ARD-Bio über den toten Fürsten gesehen habe, bin ich noch faszinierter. Na gut, über die Jugend des Fürsten, seine Eltern, erfuhr man praktisch nichts. Außerdem schien mir Autor Heiko Engelkes öfter im Bild als Rainier selbst. Aber am Ende wurde mir doch schwindelig angesichts dessen, was diese zwei mickrigen Quadratkilometer so alles umfassen: einen Palast, eine Kathedrale, ein Krankenhaus, einen Flughafen, einen Bahnhof, ein Casino… Gut, der Bahnhof wurde mittlerweile unter die Erde verlegt, aber trotzdem.

Ich sollte mir also die Monaco-Übertragung auf keinen Fall entgehen lassen. Außerdem ist mir langweilig, denn der noch nicht mit mir zusammengenähte Chefredakteur schläft noch. Wahrscheinlich sollte ich den Nachmittag genießen, denn einmal zusammengenäht hat es sich vermutlich ausgeschaut in Punkto Monaco.

Ach was, gestern abend hab ich mich ja auch durchgesetzt: Eurovision Song Contest inklusive Vorberichterstattung. Wir sind uns einig, dass die unsägliche Gracia eine unverhohlene optische Kopie von Ruslana ist. Das steigert ihre Sympathie bei uns nicht gerade. Aber Ruslana selbst tut´s ihr offenbar gleich: das gestrige Eröffnungslied der Vorjahresgewinnerin klingt genauso wie ihr Siegerlied. Und nicht nur dieses… Wir glauben uns in einer besonders aufwändigen Ausgabe von „Superdrumming“, denn überall ersetzen mächtige Trommeln musikalische Einfälle. Der ganze Schlager-Grand Prix (oder heißt es: „Eurovision Percussion Contest“?) ein einziges Gelärme und Getöse. Und die lächerlichen Tanzgruppen im Hintergrund feiern fröhliche Urständ. Aber ohne wär´s ja auch der halbe Spaß.

Leider kann ich Gracia nicht nachsagen, schlecht gesungen zu haben. Aber mit vier Punkten war ihr langweiliges Lied noch gut bedient. Und wenn Mit-Komponist und Gracia-Manager Brandes darauf verweist, dass das fiese, Gracia-feindliche Deutschland nun bekommen hat, was es verdient, erinnere ich noch mal daran, dass es ein Song-Contest ist und nur das von ihm mitkomponierte Lied bekommen hat, was es verdient.

Ich nutze die Gelegenheit mal wieder, um darauf hinzuweisen, dass Ralph Siegel zu Unrecht geschmäht und verhöhnt wird. Er hat viele schöne Lieder zum Grand Prix geschickt, neben dem einzigen ersten Platz auch viele zweite Plätze für Deutschland erkomponiert, und auch gestern hätten wir mit einem Siegel-Lied mindestens doppelt so viele Punkte bekommen.

Egal. Zum ersten Mal konnte ich während der Punktevergabe ein langes Nickerchen machen und doch keinen der an Deutschland vergebenen Punkte verpassen. Und nachher, wenn das Monaco-Rennen vorbei ist, dann schau ich „NRW – Zéro Points“. Es ist wirklich ein ganz dickes TV- Wochenende für mich. Ich sollte mich schon mal für das tiefe Loch des kommenden Wochenendes präparieren. Ich halte es da mit Manuel Andrack, der im Galore-Interview gerade zugegeben hat, seine Sonntage gern zu planen. In meinem Fall – keine Töchter, keine Wandersfrau – scheint das noch notwendiger. Wahrscheinlich les ich noch ein paar Allende-Bücher.

17.01.05

Richter ohne Henker

Das Phänomen, dass begangen, aber nicht geahndet werden, kennt man ja. Auch die Journalistin, die im ZDF zu sehen war, wie sie pädophilem Internet-Schindluder nachgeht, kennt das. Und sie hat´s toll zusammengefasst: „Wo kein Richter, da kein Henker.“ Muss man sich merken.

16.01.05

Traumschiff Thementag

Traumschiff-Thementag im ZDF – das ist was für mich. Zwar ist Super-Produzent Wolfgang Rademann schon vor Monaten 70 geworden, aber wen juckt´s. Mittags eine Traumschiff-Folge von ´83 – wow. Natürlich noch mit Chefstewart Victor. Und dem Original-Kapitän. Wie üblich natürlich auch mit den üblichen verdächtigen Rademann-Chargen von Klausjürgen Wussow über Maria Sebaldt bis hin zu Manne Krug und Maria Schell. Und einigen mehr, die später in der Schwarzwaldklinik den weißen Kittel überwerfen durften. Die Dialoge waren nur in Nuancen geschmeidiger als die Derrick-Laubsägearbeiten, und die Handlungen so vorhersehbar wie das jährliche „Dinner for one“.

Zum Nachmittagskaffee noch eine Traumschiff-Doku, abends dann eine neue Folge und die große Traumschiff-Gala. Kunstvoll ineinander verwoben, indem schon auf die Traumschiffgäste die Plakate für die Gala bewundern durften. Und ein am Schneidetisch ins Käpt´nsdinner hineinkopierter Moderator Biolek der Oberstewardess signalisieren durfte, dass es gleich losgeht.

Und dann war´s soweit: Wolfgang Rademann inmitten seiner Lieben. Grit Böttcher, Wencke Myhre, Gila von Weitershausen, Claudia Rieschel, Simone Rethel, Johannes Heesters, Klausjürgen Wussow und Gaby Dohm. Und in vielen Einspielern die, die nicht mehr können: Harald Juhnke, Peter Frankenfeld, Peter Alexander, Lilli Palmer, Gisela Schlüter und derlei mehr. Schließlich war Wolfgang Rademann der, der aus Boulevard-, Schlager- und Filmgrößen Entertainer mit eigener Show machte. Und auf der Sehnsuchts-Serienglatze immer neue Locken drehte: vom Hotel Paradies über die Insel der Träume bis zum Ferienarzt. Und das Verrückte Paar nicht zu vergessen!

Immer hat er den schmal Grat zwischen Hausmannskost und Illusion souverän beherrscht. Viel Vertrautes war immer dabei. Aber immer auch viel Zauber, der jedes Mal wieder neugierig machte auf die neueste Folge. Genauso bei den großen Shows: man kann über die Westentaschen Sammy Davis´se lachen. Ein bisschen bieder und miefig war einiges, was da geboten wurde. Aber auch rasant, farbenfroh, irgendwie verblüffend und sehr, sehr fröhlich. Und der Massenflüsterer Rademann wiederholt auch 2005 keck sein Credo: das Elend der Welt sehen die Zuschauer vorher und nachher in den Nachrichten. Dazwischen entführt er sie anderthalb Stunden lang in heile, exotische Welten. Was will man dagegen sagen?

Nicht. Man freut sich einfach, dass der Mann hinter den Filmen fast so unterhaltsam ist wie die Filme selbst. Zumindest unterhaltsamer als viele der Darsteller.

13.09.04

Back for good

Ja, ich war lang weg. Ich weiß. Deshalb an dieser Stelle zwei Nachträge. Was vom Sommer übrig blieb, sozusagen. Tragischerweise ist das zum einen ein Satz aus dem Strafgericht auf RTL. „Oh, RTL“, werden Sie jetzt sagen – so wie Karl Moik neulich in der Volksmusik-Ausgabe von „Kerner“. Da erzählte er von irgendeinem Volksmusikstar, der einst nur durch RTL bekannt war, also „Radio Lljubliana“. Nein – das RTL des Strafgerichts ist das aus Luxemburg. Und dort sagte die Richterin irgendwann in diesem Sommer zu einem Angeklagten: „Sie kommen aus Mettmann. Das liegt bei Düsseldorf.“ Ach. Weiß der Angeklagte das nicht? Oder hat das Fremdenverkehrsamt Mettmann ein bisschen Geld an RTL gezahlt? Oder war ich einfach schon so lang nicht mehr vor Gericht, dass ich die neuen Gepflogenheiten noch nicht kenne? „Sie kommen aus Mettmann. Das liegt bei Düsseldorf.“ Aha.

Und dann muss ich noch was zur Fußball-EM nachklappen. Ich finde nämlich, dass Herr Brdaric aussieht wie ein Habicht, der die alten Perücken von Tina Turner aufträgt. Schade, dass er nur 12 Minuten gespielt hat. Oder so ähnlich.

28.05.04

Die göttliche Barbara

Ich muss mal kurz die Füße von Barbara Schöneberger küssen. Wer “Blondes Gift” nicht guckt, ist selber schuld. Diesen Freestyle-Amoklauf einer möglicherweise naturbreiten Moderationskönigin. Man könnte ihr vermutlich auch Schaufensterpuppen als Talkgäste zur Seite setzen - oft habe ich den Eindruck, das ist schon geschehen - aber sie kriegt trotzdem ihr Feuerwerk in Gang. Was ich in ihrer letzten Sendung gelernt habe, ist:

1. dass sich Caroline Beil ihr Arm-Tattoo angeblich in einer Schulstunde selbst mit dem Füller gestochen hat

2. das Sprichwort “Der faule Esel trägt sich auf einmal tot”

3. dass bei Pro 7 ein Rotationsprinzip herrscht, das das Kantinenpersonal an die Kameras (und die Kameramänner in die Kantine) befördert.

Das ist doch mal was.

24.05.04

Hören die 90er denn nie auf?

Vielleicht geht auch nur meine Uhr vor. Aber im Rückblick auf die 5 nervigsten Coverversionen der 90er gab´s bei RTL 2 unter anderem diese beiden: “Losing my religion” von den Preluders. Und “I wanna sex you up” von Overground. Beides Bands, die vor einem Jahr noch nichtmal existierten. Aber RTL 2 hat vermutlich seherische Kräfte.

10.05.04

Ein Baby namens Ailton

Und ich dachte, ich hätte alles gesehen. Thomas Schaaf aus einem Flugzeug ragend. Oliver Kahn, versuchend, einen Ball zu halten. Die Werder-Reservisten auf´s Spielfeld stürmend… Nicht, dass ich schon genug gehabt hätte. Als Werder-Fan hat man nie genug. Selbst wenn die Meisterschafts-Bilder als Endlos-Schleife auf allen Kanälen gleichzeitig flirren. Aber der “Sportclub live” beim NDR hat es geschafft, mich noch zu überraschen.

Ich habe gesehen: ein Baby, das auf den Namen “Ailton” getauft wurde. Als Zweitname zwar, aber trotzdem super. Und den prominenten Taufpaten, der den Winzling - nein, nicht mit dem Außenrist filigran ins kurze Eck des Beckens schlenzte -, sondern behutsam wie ein rohes Ei darüberhielt.

Ich habe gesehen: eine kirchliche Trauung in Bremen, bei der der Küster im Hintergrund riesige Pappen mit dem aktuellen Spielstand hochhielt.

Ich habe gesehen: einen Operationssaal, in dem der Chirurg nach der Radiomeldung des 0:1 kurz und heftig jubelte, aber noch während der Torbeschreibung des Reporters schon wieder ächzend das Eisen in den fraktierten Knochen stemmte. (Nur den Patienten mit dem seltsam abgewinkelten Bein sah man leider nicht. Beim Versuch, mit anderthalb Beinen zu laufen…)

Und: ein Interview mit Ailton. Also mindestens 20 Stunden vor dem vom DSF bis zum Erbrechen beworbenen Ailton-Studiobesuch! Sogar mit Simultandolmetscher. Was hieß: Ailton konnte mal mehr sagen als nur “Diemannschaftkomplimentpokalbrasilfeuer”.

So erfuhr man, dass er in seinem brasilianischen Heimatort die einzige Satelllitenantenne installiert hat. Und der komplette Ort wohl bei ihm im Haus das Spiel live geguckt hat.

Dass Thomas Schaaf sein zweiter Vater ist. Sowie: dass Wechsel zum Fußballerleben gehören.

Als der Interviewer nach Ailtons Gefühlen vor seinem letzten Spiel im Weserstadion am nächsten Wochenende fragte, konterte der, dass er ja in der Bundesliga bliebe und noch öfter im Weserstadion spiele. Zitat Interviewer: “1 zu Null”.

Auf die Frage allerdings, was Ailton an den Abenden zu tun gedenke, wo Werder Championsleague spielt, hatte auch der keine Antwort. Zitat Ailton: “1 zu 1”.

Ich war eigentlich nur auf der Durchreise beim Zappen. Und bin dann doch gebannt geblieben. Danke, NDR!

23.04.04

Die Frau des Kaisers

Davon träumt man doch als Talkshowmoderatorin. Wenn auch nur in ziemlich bizarren Träumen: als Gast - Farah Diba. Wir erinnern uns. Der Schah… 1967… Ein geknechtetes Volk… Da ist es verständlich, dass Amelie Fried der Ex-Kaiserin in “3 nach 9” mal richtig auf den Zahn fühlt: Wie war das, mit einer Zwei-ein-halb-Kilo-Krone auf dem Kopf zu heiraten? Und hofft Frau Diba, dass ihr Sohn mal “die Politik des Vaters” fortsetzen könne?

Nun - das wären nicht meine Fragen an Farah Diba gewesen. Aber vermutlich hab ich nur einen Paradigmenwechsel in der Beurteilung des Schahs nicht mitbekommen. Oder in der Ambition von “3 nach 9”.

20.04.04

Kann ja mal passieren

Da meckere ich über die Reißzwecken im “Musikantenstadl” und krieg die Hauptsache gar nicht mit?! Den “Spaghettifresser-Skandal” von Herrn Moik. Na und? Man wird sich wohl noch mal mit seinem Nebenmann unterhalten dürfen, an einem Samstagabend auf der Couch. Außerdem waren wir immer wieder damit beschäftigt, in Rekordzeit vom ZDF wegzuzappen…

Die “50 Jahre Rock´n´Roll”-Show. Oder so ähnlich. Was man beim ZDF halt so unter Rock´n´Roll versteht. …und nicht schon vom Musikantenstadl weggebucht wurde:

die Scorpions, Peter Kraus, Leslie Mandoki, Peter Gabriel, eine Nase von Procol Harum, wahrscheinlich noch ein paar Mumien von Status Quo - aber das kann ich nur raten. Und jetzt: findet den einzig echten Rock´n´Roller in dieser Reihe. Genau. Leslie Mandoki! Man kann Dschinghis Khan vieles nachsagen. Aber nicht, dass sie nicht gerockt haben.

18.03.04

Sky Dumont

Nein, eine richtige Schauspielerin sei Sibel Kekilli nicht, meint Sky Dumont in „RTL exklusiv“. Er habe zwar gehört, dass sie in „Gegen die Wand“ wirklich gut sei. Aber Schauspieler sei man nur, wenn man den Beruf auch gelernt habe. Sonst würden ja Menschen wie er, die eine Schauspielausbildung haben, ziemlich schlecht daneben aussehen.

Nicht nur dort. Und Danke auch für die bestechende Definition des Schauspiel-Berufs!

17.03.04

Gerettete Dackel

Ich muss neuerdings immer weinen, wenn kleine Dackel im Fernsehen aus unterirdischen Gefängnissen gerettet werden. Sieht man in letzter Zeit oft in „Punkt 12“. Dackel, die in Fuchsbauten festgeklemmt waren. Oder in Abwasserkanälen und Brunnenschächten. Dann kommen die Feuerwehr und RTL – und schwupp ist der Dackel gerettet. Ich finde einfach, Dackel sehen am niedlichsten aus, wenn sie fünf Tage irgendwo festgesteckt haben und dann wieder ans Tageslicht gezerrt werden. Hach…

06.02.04

IKEA

Danke, RTL. Da fährt man zu IKEA und will sich zwei schicke Knaxas-CD-Schränkchen in Orange-Weiß kaufen – und: nix mehr da. Weil nämlich genau diese Schränkchen in jeder zweiten „Einsatz in vier Wändern“-Sendung an die Wand getackert werden. Genau da hab ich sie ja auch entdeckt.

Und ich will Euch noch was sagen, RTL: die IKEA-Sachen, mit denen Ihr Eure Wohnungs-Verschönerungs-Kandidaten beglückt, die kosten oft nichtmal 7 Euro. Ich glaub, am billigsten seid Ihr bei diesem Kinderzimmer davongekommen, wo die Mutter die ganze Wohnung violett gestrichen hatte. Da habt Ihr 2 Bettchen und die Platte für eine Kommode besorgt. Der Rest waren zwei Hängebehälter für Spielsachen und ein Rollcontainer für Kleidung. Die sahen aus, als würden sie den ersten Windhauch nicht überstehen, geschweige denn zwei normal entwickelte Kleinkinder.

Und bitte: nicht noch mal metrosexuellen Fernsehcuttern die sterile, fast unmöblierte Wohnung aufmotzen. Das war schweinelangweilig. Ich will türkische Messies sehen, die nichtmal eine alte Fernsehzeitung wegwerfen können. Und Fahrlehrer-Gattinnen, die in einem Alptraum von Kiefer massiv leben, den Ihr dann richten dürft. Wir wollen Euch schwitzen und schleppen und mit Geschmacksmonstern um vergammelte Schultüten feilschen sehen. Nur dann macht „Einsatz in vier Wänden“ richtig Spaß!

27.01.04

Ich bin ein Star, holt mich hier raus

Ach, ist das herrlich. Wir Zuschauer von Trash-Sendungen wie „Ich bin ein Star. Holt mich hier raus“ gucken so was ja – laut Medienpsychologe Dr. Dr. Roger Willemsen – wegen des Überlegenheitsgefühls. Wir wollen uns als etwas Besseres fühlen. Besser als Daniel Küblböck. Besser als Dustin Semmelrogge. Besser als Werner Böhm. Besser als Costa Cordalis. Dieses Ziel haben die allermeisten schon vor Beginn der Sendung erreicht, wissen es aber möglicherweise nicht.

Nein, wirklich schön ist es, zu merken, dass man über mehr Medienkompetenz verfügt als zum Beispiel Lisa Fitz und Caroline Beil. Und das merkt man erst in den Zweitverwertungssendungen NACH der Show. Dann hört man Caroline Beil so was sagen wie „Ich dachte nicht, dass die uns dahinten auch noch filmen können“. Und Lisa Fitz sinngemäß: „Ich bin enttäuscht, dass RTL doch gesendet hat, wie wir feststellen, dass jemand ins Camp geschissen haben muss. Dabei hatte ich schriftlich darum gebeten, dass das nicht gezeigt wird.“

Bei Superstar-Küken Judith hat man ja noch Mitleid, wenn sie sich beschwert, dass RTL aus ihrem Interview nur die Lästereien über die restlichen Kandidaten gezeigt hat. Wo sie doch auch so viel Nettes gesagt habe. Aber Judith ist auch erst Siebzehn…

26.01.04

Einsatz in vier Wänden

Oh mein Gott, ich hab eine neue Lieblingssendung: „Einsatz in vier Wänden“. Läuft vormittags auf RTL und dauert nur eine halbe Stunde. Aber in dieser halben Stunde wird ein beliebiges bundesdeutsches Zimmer leergeräumt, gestrichen, neu eingerichtet und dekoriert. Echt wahr.

Der halbe Spaß an der Sendung ist für mich, auszurechnen, wie lang wohl die Dreharbeiten für eine Folge dauern. Und wie weh es tut, das alles am Schneidetisch auf 27 Minuten einzudampfen.

Die übrige Zeit stell ich mir vor, wie ich Moderatorin Tine Wittler als Geisel nehm und solange festhalte, bis meine ganze Wohnung neu gestylt ist. Vor allem das Zimmer des Chefredakteurs hätte es nötig.

Und dann hab ich noch eine Idee für eine neue Fernsehsendung: sie ist ein Sequel von „Einsatz in vier Wänden“ und heisst „Ein halbes Jahr danach“. Überfallartig werde ich bei früheren Kandidaten von „Einsatz in vier Wänden“ vor der Tür stehen und mir zeigen lassen, ob ihr Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer schon wieder so zugemüllt und verunstaltet ist wie vor der Überarbeitung. Genauso wie ich mir ein Sequel von „Mein Baby“ wünsche. Es heisst „Drei Wochen danach“ und zeigt Mütter mit Augenringen und vollgekotzten T-Shirts.

02.01.04

Traumschiff

Auch nach sovielen Jahren Traumschiff-Guckens ist eine Frage immer noch unbeantwortet. Am Ende jeder Folge, wenn das große Abschluss-Dinner stattfindet und die Ober die Eisbomben mit den vielen Wunderkerzen reintragen – ist das immer die gleiche Aufnahme oder wird das jedes Mal neu gedreht? Erinnert mich übrigens wahnsinnig an den Musikantenstadl, wenn die Trachtengruppen einmarschieren. Fehlt nur noch, dass die Schiffskellner mit der freien Hand winken und statt James Last das Trompetenecho erklingt.

23.11.03

Bachelor

Deutschlands langweiligster Mann sucht eine Frau. Also besorgt ihm RTL 25 noch langweiligere Frauen, aus denen er dann auswählen darf. Und alle hoffen sie auf die große Liebe, blabli blabla. Ja, ich hab gestern den Bachelor geguckt. Ging gar nicht anders, weil ich auf die Entscheidung bei den Superstars gewartet hab.

Aber man muss das ja ohnehin mal gesehen haben, wenn ein Mann aus sovielen Frauen auswählen darf. Da ergeben sich nämlich sehr spannende Szenen, etwa wenn der Bachelor versucht, sich die Namen der Tussen zu merken, mit denen er gerade parliert: „Also Du bist die Petra – und Du die Marianne, ja?“ Genau. Und Du bist der Bachelor, von einer Frau auch „Batschler“ ausgesprochen.

Wenn er nicht gerade Namen paukt, macht der Bachelor Konversation: „Geht Ihr gern in die Oper?“ „Nein, aber in Musicals“, kommt es fast unisono aus dem Dreiergrüppchen zurück. Nur eine schert aus, weil sie „gern mal Sachen ausprobiert.“ Auch die Oper.

Ja, und so wird dann der Bachelor, der übrigens Familie „unheimlich wichtig“ und alle anwesenden Damen grundsätzlich „bildhübsch“ findet und in so weltberühmten Orten wie Lasagne und Yorkshireterrier oder so ähnlich studiert hat, irgendwann seine Traumfrau finden. Für ihn war es ein „superschöner“ Abend, und für die Frauen, die so tolle Berufe wie „Personal Shopping Assistent“, „Model und Schauspielerin“ oder einfach nur „Schauspielerin“ haben, offenbar auch. Es sei denn, sie wären eingeschlafen. So wie ich, als der schwarzhaarige Roboter anfing, so phantasie- und emotionslos wie möglich seine Selektions-Rosen zu verteilen.

13.11.03

Hit-Giganten auf Sat1

Sat1 präsentiert die größten One Hit Wonders aller Zeit. Und was stelle ich fest? Vier der ersten fünf Plätze besitze ich auf Vinyl. Als Single. Ha! Ich weiß auch nicht, was das zu bedeuten hat. Bin aber irgendwie stolz.

Obwohl – dass Patrick Hernandez mit „Born to be alive“ nicht auf Platz 1 gelandet ist, macht mich betroffen. Denn da gehört es hin. Zumal: kennt irgendjemand noch ein zweites Lied von Hernandez? Ich nicht. Er ist also ein veritables One Hit Wonder.

Dann: der Ententanz. Aber hallo! Wer im Sommer mal den Arte-Themenabend „Schlager“ gesehen hat, weiß, dass beide – Hernandez und die Enten – aus der gleichen kleinen belgischen Produzenten-Klitsche kommen. Ich bin aber gern bereit zuzugeben, dass ich die Fassung von Frank Zander besitze. Das zählt auch irgendwie, oder?

Bei Sat1 fast an der Spitze: Lobo. „I´d love you to want me“. Super, super. Was fast niemand weiß: Lobo wurde in jungen Jahren (noch unter seinem richtigen Namen) mal von einer Schülerband begleitet, in der Gram Parsons spielte, ja-ha.

Und dann die Nummer 1: FR David mit „Words“. Wie liebe ich dieses Stück… Aber zwei Fragen bleiben: was machen bei Sat1 die Gitarren auf der Bühne? Eine davon sogar um den Hals von FR David selbst. Hört noch mal genau in das Lied rein: da kommen überhaupt gar keine Gitarren vor! Und nun mein zweiter Kritikpunkt: FR David ist nur bedingt ein One Hit Wonder, denn ich erinnere mich noch an den ebenfalls sehr gelungenen Nachfolgehit „Pick up the phone“. Bin ich da die einzige? Oder gibt´s irgendwelche Regeln, die ich nicht kenne? Gut, bei Chartsstürmern wandert auch das zweite Ding meist irgendwie mit in die Charts. Aber es war nun mal ein Hit! Er findet sich nämlich auch auf Hit-Compilations. Und auf meinen Kassetten. J´accuse RTL!

Loriot-Gala

Mein neuer Lieblingssatz von Loriot: „Die Frau ist aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.“

Früher war es: „Ach. Das ist gestreift?“ Aus „Ödipussi“, wo er einem Kunden im Deko-Stoff-Geschäft erklärt, dieser Stoff sei gestreift.

Außerdem Hut ab vor der Cleverness, der ARD anderthalb Stunden Sendzeit abzuluchsen und sie komplett im Alleingang mit einer eigenwilligen Bio zu füllen. Da haben wir doch alle mehr von als von diesen öden Galas, wo zehn Hanseln langweilige Laudatios auf, sagen wir, Rudi Carell herbeten. Und im schlimmsten Fall am Ende noch Rudi Carell selber auf die Bühne geht und was sagt. Nein, so war das viel besser.

09.11.03

Herr Rossi

Mein Gott, kennt Ihr dieses Gefühl, wenn Ihr mit 31 merkt, dass Ihr die ganze Zeit etwas Wichtiges verpasst habt? In meinem Fall ist das Herr Rossi!

Gestern habe ich meine ersten Herr Rossi-Folgen gesehen. Ist das nicht schlimm? Oder toll, weil doch überhaupt immerhin mal? Ich weiß es auch nicht. Helft mir. Oder gründet mit mir einen Chor, in dem wir den ganzen Tag nur das Herr Rossi-Lied singen. Ich bin übrigens die mit den bunten, flackernden Pupillen. Klares Zeichen einer Herr Rossi-Überdosis. Man gönnt sich ja sonst nichts. Außer Workshops in tödlichen Restaurants. Beim nächsten Mal trau ich mich aber wirklich mal, meine mitgebrachten Brötchen zu verzehren. Ganz bestimmt! Während ich dabei neidvoll auf die Pommes der anderen starre. Toll, nicht? Während meine Kollegen noch zuhause rumtrödeln dürfen, beginnen für mich diese Workshop-Tage mit dem Gang zum Bäcker, um für den Notfall gerüstet zu sein. Ungelogen. Ich hab nämlich aus dem in Butter ertränkten Spargel gelernt…

Aber was reg ich mich auf? Schnell wieder Signor Rossi in den DVD-Player geschoben und gefreut. Haaaaach, geht schon besser…

29.09.03

Popstars

Monolog einer jungen Dame bei den Pro7-Popstars, unmittelbar vor der Entscheidung, wer in die Bands kommt:

„So stell ich mir die Situation kurz vorm Abitur vor, wenn man nicht weiß, ob man bestanden hat oder nicht. Aber die Entscheidung bei den Popstars ist schon wichtiger, denn hier geht´s um ´ne Sache für´s ganze Leben.“